StartFolgenGeschichte Afrikas, Teil 1 › Transkript

Transkript · Geschichte Afrikas · Teil 1

Von der Savanne zum Denken — Transkript

Automatisch erstelltes Transkript (Spracherkennung) der deutschen Tonspur — kleinere Erkennungsfehler sind möglich; massgeblich ist das gesprochene Wort. Zur Folge mit Video, Audio und Kapiteln.

0:00:00Ich habe nichts anderes von dir erwartet.

0:00:18Machst du noch die Einführung?

0:00:24Nein, nicht die Einführung. Das ist alles auf Video. Das müssen wir nachher löschen. Sonst blicken wir von YouTube. Ich habe immer gesagt, das ist alles eine Jugendfreie, die wir machen. So. Mit unserem Namen auch. Ich begrüsse euch ganz herzlich. Den Stammgästen, den harten Kern der Akademie der Vernunft. Heute haben wir ein spezielles Thema wieder. Es ist immer etwas spezielles, wenn man ein Thema zum ersten Mal behandelt. Und es ist heute nicht das erste Mal nur, sondern es ist sogar neu.

0:01:12Ja, als Text, ja.

0:01:18Es wird einige latinische Namen haben, die ich sicher nicht so nennen werde. Aber das werdet ihr ja dann merken. Ich würde sagen, Sergio, wir fangen an. Es gibt einen Umstand, der in der westlichen Weltanschauung sowohl verwirrend als auch faszinierend zugleich ist. Wir wissen viel oder glauben viel zu wissen über unsere griechisch-römischen Ursprünge. Über die europäischen Philosophien, über die Mythen, auf denen der Westen gegründet ist. Wir wissen ein wenig, bruchstückhaft und mit manchmal exotischer Neugier, über die östlichen Zivilisationen von Indien bis China. Und sogar aus dem präkolumbianischen Amerika erreichen uns einige Echos. Aber über Afrika, das Land, aus dem wir alle stammen, das genetische Herz der Menschheit, wissen wir überraschend wenig. Ja, sogar sehr wenig. Was der durchschnittliche Abendländer in seiner Vorstellung hat,

0:02:46wenn er an Afrika denkt, sind bizarre und oberflächliche Stereotypen. Trommeln und Masken, endlose Savannen, wilde Tiere, Stammestänze oder auf der anderen Seite der Medaille Krieg, Hungersnöte und Elend. Es ist ein verzerrtes Bild, wie diese alten Spiegel, die verkleinerte oder grotesk niemals reale Figuren zurückwerfen. Und doch hat der Homo sapiens seinen Ursprung in Afrika. Nicht in Griechenland mit den Philosophen, nicht in Rom mit den Juristen, nicht in England mit den Wissenschaftlern, sondern in dieser weiten Wiege am Äquator, wo die Sonne stark scheint und der Nachthimmel mit einer Klarheit leuchtet, die noch heute unsere Emotionen erschüttert, wenn wir denn das Privileg haben, dieses Gestirn zu betrachten. Wir alle mit unseren unterschiedlichen Merkmalen, unseren Sprachen, unseren vergangenen Imperien und unseren heutigen Metropolen

0:04:05stammen von kleinen afrikanischen Gemeinden. Von Gemeinschaften ab, die vor hunderttausenden von Jahren Feuer entzündeten, um sich zu wärmen, und Steine gravierten, um sich an ihre Existenz zu erinnern. Die alte Form des Selfies. Es ist paradox, fast komisch, in seiner Absurdität, dass man die Dynastie der ägyptischen Pharaonen oder den Wechsel der chinesischen Dynastien, detailliert erzählen kann, aber nichts über die symbolischen Systeme, Kosmologien und sozialen Grammatiken weiß, welche die Völker Sub-Sahara-Afrikas über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg belebt haben. Als hätten diese Kulturen nie gedacht, nie erfunden, nie ihr Leben besungen. Aber die Wahrheit ist, dass sie sehr wohl gedacht gesungen und erzählt haben. Nur haben wir nicht zugehört oder, adäquater wäre, hingehört. Die Stimmen Afrikas erreichten uns durch verzerrende Filter,

0:05:27durch Missionare, die Idole beschrieben, ohne deren Bedeutung zu verstehen, durch Kolonisatoren, die afrikanische Gesellschaften auf in Anführungszeichen primitive Stämme reduzierten, durch europäische Anthropologen des 19. Jahrhunderts, die alles im Lichte einer vermeintlichen ethnischen Überlegenheit interpretieren. Menschen haben keine Rassen, sondern Ethnien. So haben wir uns davon überzeugt, dass Afrika keine Philosophie hat, dass es keine Geschichte hat, außer der, die durch unsere Ankunft geprägt ist, dass es kein Denken hat, außer dem, das von anderswo übernommen wurde. Aber das ist ein grosser Irrtum. Afrika hat nicht nur Geschichte und Philosophie, sondern bewahrt in seiner kulturellen Anthropologie ein Erbe an Visionen und Symbolen, welche Art und Weise, wie wir darüber denken, was es bedeutet, Mensch zu sein, bereichert und verändert.

0:06:43Diese Geschichte zu erzählen, die Geschichte des Kontinents, von dem wir alle stammen, und der Kulturen, die ihn durchzogen und bewohnt haben, bedeutet auch, diesen Zerspiegel zu begradigen. Es bedeutet, Afrika nicht nur als Randgebiet der Zivilisation zu betrachten, sondern als Ursprung, als Quelle und als unerschöpfliches Labrador, Laboratorium der Menschheit. Und hier liegt die grösste Ironie. Der Homo sapiens, der weise Mensch, wurde in Afrika geboren. Und doch wusste der Mensch, der sich selbst zum in Anführungszeichen weisen erklärte, in den letzten Jahrhundert so wenig über das Land, das ihn hervorgebracht hat. Vielleicht ist es also unsere doppelte Aufgabe, uns daran zu erinnern, woher wir kommen, und gleichzeitig zu lernen, auf das zu hören, was wir lange ignoriert haben.

0:08:02An dieser Stelle müssen wir zunächst einmal die völlig falsche Vorstellung vom Begriff der Rasse unter den Menschen hervorheben. Der Begriff Rasse hat einen Aspekt, einen alten und komplexen Ursprung. Er leitet sich wahrscheinlich vom französischen Rasse oder vom spanischen Rassa ab. Wörter, welche im Mittelalter verwendet wurden, um Gruppen von Tieren bezeichneten, die gemeinsame Merkmale wie das Aussehen oder die geografische Herkunft hatten.

0:08:46Ursprünglich hatte der Begriff also keine wissenschaftliche Konnotation, sondern diente dazu, Kategorien oder Abstammungslinien zu unterscheiden. Ab dem 17. und 18. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften und der Anthropologie wurde der Begriff der Rasse auch auf Menschen angewendet. Einige Wissenschaftler versuchten, die Menschheit anhand von körperlichen Menschen wie Hautfarbe, Schädelform oder Haarstruktur in verschiedene Rassen einzuteilen. Diese heute völlig überholten Theorien gründeten eher auf oberflächlichen Beobachtungen und kulturellen Vorurteilen als auf wissenschaftlichen Daten. Mit dem Aufkommen der modernen Genetik wurde nachgewiesen, dass die biologischen Unterschiede zwischen menschlichen Gruppen minimal sind und keine Unterteilung in Rassen rechtfertigen. Alle Menschen gehören nämlich der selben Spezies an und teilen über 99,9% ihres Erbguts. Die bestehenden Unterschiede wie Hautfarbe, Körpergrösse oder Gesichtszüge sind einfache Anpassungen

0:10:19an die Umwelt, die sich im Laufe der Evolution entwickelt haben und keine Indikatoren für die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Rassen. Das Konzept der Rasse im menschlichen Bereich ist daher wissenschaftlich unbegründet und kulturell gefährlich. In der Vergangenheit diente es dazu, Formen der Diskriminierung, Sklaverei und Völkermord zu rechtfertigen, die auf der Vorstellung beruhten, dass einige Gruppen anderen überlegen seien. Heute wissen wir, dass diese Sichtweise völlig falsch ist. Die menschliche Vielfalt ist ein gemeinsames Erbe und keine Hierarchie.

0:11:15Wie bereits von Tobias erwähnt, teilen die Menschen etwa 99,9% ihrer DNA. Das bedeutet, dass nur 0,1% des Genoms von Individuum zu Individuum variiert. Auch wenn es weniger scheint, repräsentieren diese 0,1% Millionen von Nukleotidbasen, welche genetische Unterschiede zwischen Individuen bestimmen. Darunter körperliche Merkmale, Haut-, Augen- und Haarfarbe, Anfälligkeit für Krebs, Krankheiten, Stoffwechsel, Körpergröße usw. Zwei Menschen können unterschiedliche Sequenzen in Genen haben, die Melanin regulieren, was Unterschiede in der Hautfarbe erklärt. Dies sind keine epigenetischen Unterschiede, sondern Unterschiede in der DNA-Sequenz. Die Epigenetik befasst sich mit chemischen Veränderungen der DNA oder der sie umgebenden Proteine, wie die DNA-Methylierung oder Histonmodifikation. Diese Veränderungen verändern nicht die DNA-Sequenz, können aber die Genexpression regulieren, sprich wie stark ein Gen in Anführungszeichen aktiviert

0:12:51oder deaktiviert wird. Die Epigenetik kann Merkmale wie Körpergröße, Stressreaktion, Stoffwechsel oder bestimmte körperliche Eigenschaften beeinflussen, ist jedoch nicht die einzige Ursache für äußerliche Unterschiede. Viele Merkmale hängen von tatsächlichen genetischen Varianten ab. Dunkle Haut zum Beispiel schützt vor Sonnenschäden und beugt dem Abbau von Folsäure, dem Vitamin B9 vor. Helle Haut hingegen fördert die Vitamin D-Synthese in Umgebungen mit wenig Sonnenlicht. Diese Unterschiede wurden nicht durch plötzliche epigenetische Veränderungen verursacht, sondern durch genetische Mutationen, die selektive Vorteile mit sich brachten und sich im Laufe der Zeit verbreiteten und behaupteten. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Genotypische Unterschiede zwischen menschlichen Populationen wie zum Beispiel die Hautfarbe sind das Ergebnis von vorteilhaften genetischen Mutationen, die im Laufe der Geschichte des Homo sapiens

0:14:14in verschiedenen Umweltkontexten auf natürliche Weise selektiert wurden. Wie wir bereits in unseren Ausführungen zum Zusammenhang zwischen Klimaanomalien während unseres Treffens mit dem Titel Geschichte Indiens Einführung in die Geschichte der Zivilisationen erwähnt haben, ging der Homo sapiens als Sieger aus der Evolutionsgeschichte der Hominiden der Gattung Homo hervor. Die Frage, wie viele in Anführungszeichen Konkurrenten im Rennen es gab, ist nicht so einfach zu beantworten, da die Taxonomie, also die Wissenschaft, die Lebewesen anhand ihrer Merkmalen und evolutionären Beziehungen in Gruppen klassifiziert und organisiert. Der Homininen, sprich der Angehörigen der Untergattung Homininia, zu der wir unsere nächsten Vorfahren gehören, wird ständig überarbeitet. Neue archäologische und genetische Entdeckungen sowie Debatten unter Paleoanthropologen führen dazu, dass sich die offizielle Zahl im Laufe der Zeit ändert.

0:15:40Bis heute können wir sagen, dass Wissenschaftler über 20 Arten von Homininen anerkennen, die in den letzten 6 bis 7 Millionen Jahren aufgetreten sind. Unsere ältesten Vorfahren tauchten, soweit wir wissen, vor etwa 7 Millionen Jahren. Im späten Miozen auf der Erde auf. Das Miozen ist eine Periode der geologischen Zeitskala. Es ist Teil des Canozociums und von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der Evolution der Primaten und der Vorfahren der Menschen. Es dauerte etwa 23 Millionen Jahre bis die Erkennung der Erkennung der Primaten. Bis vor 5,3 Millionen Jahren. Die wichtigsten Merkmale, welche die Wissenschaft zu identifizieren glaubt, waren ein im Vergleich zu heute allgemein wärmeren Klima mit ausgedehnten tropischen und subtropischen Wäldern, unterbrochen von Savannen, welche die Diversifizierung

0:16:58der Primaten begünstigten. In diesem Umfeld fand der 2001 im Tschad in der Wüste Sahel entdeckte Sahel-Anthropus , seine Entwicklung. Das berühmteste Fossil ist ein Teilschädel der in Anführungszeichen einmal genannt wird. Seine Hauptmerkmale waren ein kleiner Schädel, ein Gehirn, das wahrscheinlich dem eines Schimpansen ähnelte, mit ungefähr 350 bis 400 Kubikzentimeter Inhalt, ein im Vergleich zu anderen alten Primaten flaches Gesicht, mögliche Bipedie, also das heisst er lief möglicherweise auf zwei Beinen, auch wenn nicht alle Wissenschaftler dieser Meinung sind, und kleine Zähne, die im Vergleich zu anderen Primaten denen des Menschen ähnelten. Sein Erbe wurde etwa eine Million Jahre später von Orrorin thugenensis angetreten. Er wurde 1999 in der Region Thugen Hills in Kenia entdeckt. Zu den wichtigsten Fossilien

0:18:33gehören Oberschenkelknochen, Zähne und Kieferfragmente. Sein Hauptmerkmal war die Bipedie, da die Knochen seiner Beine darauf hindeuteten, dass er auf zwei Beinen ging, aber dennoch in der Lage war auf Bäume zu klettern. Seine Körpergrösse war klein, ähnlich wie die eines Schimpansen, und sein Gebiss wies relativ kleine Eckzähne auf, die eher den späteren Hominiden ähnelten. Seine evolutionäre Bedeutung ergibt sich aus der Tatsache, dass er als potenzieller Direktorvorfahren der Hominiden gilt. Nach nur 200'000 Jahren erschien der Ardipithecus Kadaba, der zwischen den späten Miozen und dem Beginn des Pilozens lebte. Das Pliozen ist eine Periode der geologischen Zeitskala, die Teil des Chemnozotikums ist und auf das Miozen folgt. Es ist von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der Evolution der früheren Hominiden.

0:20:00Es dauerte etwa 5,3 Millionen Jahren bis 2,6 Millionen Jahre und ist eine geologische Ära zwischen dem Miozen und dem Pleistozen. Im Vergleich zum Miozen scheint das Pliozen kühler und trockener gewesen zu sein, was dazu führte, dass sich in vielen Gebieten Savannen ausbreiteten. In dieser Ära entwickelten sich die modernen Säugetiere und verbreiteten sich Arten, die an offene Lebensräume angepasst waren. Die Fossilen von Ardipithecus Kadaba wurden in Äthiopien in der Region Afar gefunden. Zu den wichtigsten Funden gehören Zähne, Kieferfragmente sowie Hand- und Fußknochen. Es scheint, dass er teilweise biped war, sprich auf zwei Beinen ging, aber, wie sein direkter Vorfahr der Aurorinin Thuginensis, noch geschickt auf Bäume klettern konnte und eine zierliche Statur hatte, ähnlich wie ein Bonobo-Affe.

0:21:20800.000 Jahre später erschien der Ardipithecus ramidus, erlebte vor etwa 4,4 Millionen Jahren im mittleren Pliozän und wurde in den 1990er Jahren ebenfalls in Äthiopien in derselben Region Afar entdeckt. Das berühmteste Fossil wurde Ardi genannt und ist ein ziemlich vollständiges Teilskelett. Auch dieser Ruminide war biped, behielt aber ebenfalls die Fähigkeit, auf Bäume zu klettern. Er hatte einen relativ kleinen Schädel und ein relativ kleines Gehirn mit einem Gesamtvolumen von etwa 300 bis 350 cm³. Aber er hatte Hände, die zum Greifen von Gegenständen geeignet waren und Füße mit opponierbaren Zehen und zu klettern. 200.000 Jahre später tauchten die Australopithecinen auf, eine Gruppe ausgestorbener, Hominiden, die vor etwa 4 bis 2 Millionen Jahren in Afrika lebten. Sie sind für die Erforschung

0:22:41der menschlichen Evolution von grundlegender Bedeutung, da sie eine Zwischenstufe zwischen den affenartigen Vorfahren und der Gattung Homo darstellen. Ihr Hauptmerkmal war ihre Fähigkeit, aufrechtzugehen. Die Bipedilität zeigt sich vor allem in den Beinknochen und im Becken, damit wir uns ein Bild machen können darüber. Solche Erforschungen können zum Beispiel mit dem Winkel unseres Hüftgelenks gegenüber den Hüftknochen studiert werden. Also umso kleiner der Winkel ist, umso kleiner ist die Möglichkeit der Bipedilität, des Aufrechtgehens. Damit der Mensch aufrecht gehen kann, muss der Hüftknochen einen etwas 90-grädigeren Winkel annehmen. Es gibt Paläontopologen, die eben auch die These aufstellen, dass wir bis heute immer noch Prototypen sind, weil der rechte Winkel, der erreicht werden müsste, um perfekt zu sein, sodass man dann keine Hüftprothesen braucht,

0:24:04der ist noch nicht erreicht. Also wir sind noch auf dem Weg dazu.

0:24:18Das Gehirn und der Schädel ähnelten weiterhin denen eines Schimpansen und hatten ein Volumen zwischen 350 und 550 Kubikzentimeter. Das Gebiss war an eine gemischte Ernährung angepasst, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus Früchten, Samen, Wurzeln und harten Pflanzen bestand. Einige Arten hatten kleinere Eckzähne als Affen. Andere größere, welche der Verteidigung oder dem sozialen Verhalten dienen. Lange Arme und gekrümmte Finger bei einigen Arten sind ein Zeichen für die verbleibende Baumkletterfähigkeit. Die erste Gruppe der Australopithecinen besteht aus dem Australopithecus anamnensis, der vor etwa 4,2 bis 3,9 Millionen Jahren lebte. Überreste dieser Gruppe wurden in Kanapoi in der Nähe des Turkana-Sees zwischen dem heutigen Kenia und Äthiopien entdeckt. Sein direkter Nachfahre war der Australopithecus afarensis. Der Afarensis, der vor etwa 3,9 bis 3 Millionen Jahren lebte,

0:25:47ist einer der faszinierenden Mosaiksteine der menschlichen Evolutionsgeschichte. Sein Ruhm ist untrennbar mit dem berühmten Skelett verbunden, das als Lucy bekannt ist und in den 1970er Jahren in der Region Afar in Äthiopien entdeckt wurde. Diese Spezies verkörpert einen entscheidenden Moment in unserer Evolutionslinie. Ein Gleichgewicht zwischen primitiven Merkmalen und Anpassungen, welche die zukünftige Entwicklung der Gattung Homo einleiten. Körperlich zeigte er ein überraschendes Mosaik. Eine teilweise aufrechte Haltung und ein Becken, das mit dem zweibeinigen Gang vereinbar war, aber mit relativ langen Armen und Händen, die noch für das Leben auf Bäumen geeigneter waren. Das Gebiss und die Schädelproportionen, deuten auf eine abwechslungsreiche Ernährung und eine sich entwickelnde soziale Komplexität hin. So sind Lucy und ihre Artgenossen nicht nur Fossilien,

0:27:11sondern stille Zeugen einer alten Welt, in welcher der Gang auf dem Festland begann, das Schicksal unserer Vorfahren zu prägen. Die Erforschung des Australopithecus afarensis bedeutet, die schmale Grenze zwischen Primitivität und evolutionärer Innovation zu betrachten. Ein Hinweis auf die geduldige Langsamkeit, mit der das Leben auf der Erde neue Formen und neue Seinsweisen hervorbringt. Ihre Existenz erinnert uns daran, dass die Menschheit das Ergebnis von Millionen von Jahren naturgemässer Experimente ist, von denen jedes seine eigene stille Eleganz und seine eigene Geschichte zu erzählen hat. Auf Lucy und ihre Artgenossen folgte der Australopithecus africanus, der von etwa 3 bis 2 Millionen Jahren lebte. Er stellt einen entscheidenden Schritt in der Evolution der früheren Hominiden dar. Dieser Hominide, der hauptsächlich in Südafrika entdeckt wurde

0:28:32und berühmte Exemplare wie das Taunkind und Mrs. Place umfasst, bietet einen aussergewöhnlichen Einblick in den Übergang zwischen primitiven Formen und den zukünftigen Mitgliedern der Gattung Homo. Körperlich hatte er einen runderen Schädel, als seine Vorgänger, und ein wenig spezialisiertes Gebiss, was auf eine flexiblere Ernährung und eine Anpassung an verschiedene Umgebungen hindeutet. Seine Körperhaltung war bereits vollständig bipäd, obwohl einige Körpermerkmale noch auf eine gewisse Baumkletterfähigkeit hindeuten. Diese Gegensätze machten ihn zu einem perfekten Beispiel für ein evolutionäres Mosaik, in dem Altes und Neues im selben Organismus koexistieren. Aber Australopithecus africanus ist mehr als nur ein Fossil. Er ist ein stiller Zeuge einer Epoche, in der sich unsere Evolutionslinie deutlich abzuzeichnen begann. Jeder gefundene Knochen erzählt die Geschichte eines Wesens,

0:30:01das auf afrikanischem Boden lebte, sich täglichen Herausforderungen stellte und, ohne es zu wissen, den Weg ebnete, der Millionen Jahre später zum Erscheinen des modernen Menschen führen sollte. Damit nähern wir uns dem Australopithecus gari. Er lebte vor etwa 2,5 Millionen Jahren und stellt eine der faszinierendsten Etappen unserer Evolution dar. Dieser in der Region Afa in Äthiopien entdeckte Hominide ist besonders bedeutsam wegen seiner möglichen Verbindung zu den ersten Anzeichen menschlichen technologischen Verhaltens, insbesondere der Verwendung von Steinwerkzeugen. Körperlich vereinte er sehr archaische und innovative Merkmale. Sein Schädel ähnelte dem von Australopithecus afarensis und Africanus, aber seine Gliedmassen waren im Verhältnis zum Körper relativ länger, was auf eine effiziente Fortbewegung sowohl am Boden als auch auf Bäumen hindeutet. Das für eine abwechslungsreiche Ernährung geeignete Gebiss

0:31:30und einige archäologische Funde wie Tierknochenreste mit Schnittspuren deuten darauf hin, dass dieser Hominide möglicherweise mit rudimentären Werkzeugen Tierkadaver zerlegt hat, was einen entscheidenden Schritt in Richtung des für die Gattung homo-typischen Verhaltens darstellt.

0:31:57Australopithecus gari verkörpert somit einen Wendepunkt. Ein Wesen, das tief verwurzelte Vorfahren hat, aber gleichzeitig die Fähigkeit vorweg nimmt, die Welt mit Werkzeugen zu manipulieren und damit den Weg für den menschlichen Erfindungsreichtum ebnet. Der letzte Vertreter der Australopithecinen-Gruppe ist der Australopithecus sediba, der vor etwa 1,9 Millionen Jahren im heutigen Südafrika lebt. Er stellt eine der ebenso faszinierenden und jüngsten Entdeckungen in der Paläoanthropologie dar. Seine Bedeutung liegt in seiner Rolle als mögliche evolutionäre Brücke zwischen den Australopithecinen und den ersten Mitgliedern der Gattung homo, was ihn zu einem Schlüsselelement für unser Verständnis der eigenen Evolutionsgeschichte macht. Anatomisch gesehen, weist er ein überraschendes Mosaik von Merkmalen auf. Der Schädel und das Gesicht weisen im Vergleich zu seinen Vorgängen feinere und modernere Züge auf,

0:33:22während der Körper noch Anpassungen an das Leben auf Bäumen aufweist. Die Hände und Arme lassen auf Geschicklichkeit im Umgang mit Gegenständen schließen, möglicherweise Vorläufer des technologischen Verhaltens, das für den Menschen so charakteristisch werden sollte. Die Fortbewegung erfolgt bereits überwiegend auf zwei Beinen, jedoch mit einer leicht flexiblen Haltung, die eine harmonische Kombination aus Kraft, Beweglichkeit und Präzision offenbart. Australopithecus sediba ist nicht nur ein Fossil, sondern ein Symbol für die Komplexität der Evolution. Ein Beispiel dafür, wie die Natur mit Zwischenformen experimentiert, indem das Alte mit dem Entstehenden koexistiert. Jeder Knochen, wir haben es schon mal gesagt, erzählt die Geschichte einer alten Welt von täglichen Herausforderungen und allmählichen Anpassungen, die Schritt für Schritt zum Erscheinen des Menschen geführt haben.

0:34:39Eine parallele und teilweise verspätete Linie der Australopithezinen waren die Paranthropen, auch robuste Australopithezinen genannt. Wie bereits angekündigt, stellen sie einen parallelen Evolutionszweig in der Geschichte der Hominiden dar, der sich von der Mine unterscheidet, die zur Gattung Homo führte und wahrscheinlich vor 2,5 bis 1,2 Millionen Jahren ausgestorben ist. Diese Arten sind bekannt für, ihre robusten Schädelmerkmaße, die an eine spezielle Kauernährung angepasst sind. Obwohl sie gemeinsame Merkwale aufweisen, weist jede Art Besonderheiten auf, die unterschiedliche ökologische und zeitliche Anpassungen widerspiegeln. Der Paranthropus aethiopicus gilt als die primitivste Art der Gattung. Das repräsentativste Fossil ist K.N.M. W.T., 17.000, bekannt als Schwarzer Schädel, der 1985 an der Fundstelle Lontwi in der Nähe des Turkana-Sees in Kenia entdeckt wurde. Dieses Exemplar weist einen markanten Sagittalkamm,

0:36:08ein hervorstehendes Gesicht und ein massives Gebiss auf, was auf kräftige Kaumuskulatur hindeutet. Das geschätzte Schädelvolumen beträgt etwa 410 Kubikzentimeter, ähnlich wie bei Australopithecus afarensis. Und jetzt machen wir nach so viel Latein eine kleine Pause. Auf deinem Platte hast du ja brutal viel in deinem Latein hineingegangen. Ich wollte dein Latein wieder auffrischen. Ich habe eine Sauerstoffvergiftung. Ja, das ist wichtig.

0:37:32.

0:37:36. .

0:38:10Vielen Dank.

0:38:26Danke.

0:38:58Danke.

0:39:31Danke.

0:39:59Danke.

0:40:35Danke.

0:40:51Danke.

0:41:22Danke.

0:41:52Danke.

0:42:23Danke.

0:42:54Danke.

0:43:34Danke.

0:44:07Danke.

0:44:39Danke.

0:45:25Danke.

0:45:46Danke.

0:46:16Danke.

0:46:46Danke.

0:47:28Danke.

0:47:56Danke.

0:48:20Danke.

0:48:49Danke.

0:49:20Danke.

0:49:52Danke. Danke.

0:50:18und einen Schneemann bauen. Ja, das wäre auch möglich gewesen. Hallo. Wie schmeckt dir übrigens die Zinsenbrille? Sehr gut, aber sie ist schon sehr scharf. Was ich dir noch sagen wollte, dummer Spruch zum Bomber vorher. Eigentlich, weil du erst reif bist, wenn du einer Bombe Geschwader leisten kannst. Kommst du am Montag?

0:50:46Schützenhaus. Schützenhaus? Die Kultur des Diskurses. Hast du das nicht? Alle haben sicher keine Einladung bekommen. Ich schicke sie weiter.

0:51:01So, es gibt noch eine Verspätung. Ja, ja. Aber wenn ich das jetzt nicht gerade mache, vergesse ich es nachher. Willkommen im Club.

0:51:11Licht zerstreut nennt man das. Ja.

0:51:16So, also, wer hat es geschickt? Das ist von Danny Käser. Nein, Dachia Käser. Ja, genau.

0:51:31Das war nicht ein Käser. Nein, das war ein Neu. Das war gerade ein Neu. Das war nicht so nett, wie du es gesehen hast. Wie er nach der Anderen Bombe geschossen hat. Das hätte ich gehört. Das ist ein Blödsinn.

0:52:01Die Mühlen der Revolution drehen ganz weit. Weiterleiten. Weisst du, wieso er nicht gekommen ist? Weil er nicht Käser heißt, sondern Kaiser. Ach so. Und wie spricht man Kaiser aus?

0:52:21Kaiser. So. Also, nicht antworten will ich. Ich will es weiterleiten.

0:52:30Weiterleiten, so. Es kann sich nur um Stunden handeln.

0:52:58Also, du musst nicht hastig sein. Wir wollen nur Heiligabend zuhause sein. Und vor allem wollen wir nicht einfrieren. Ja, ist gut. Siehst du uns zwei auf dem Bildschirm? Dann ist gut.

0:53:13Der ohne Haar, das bin ich nicht. Das ist auch nicht... Das ist Spiegelverkehr. Es gibt Menschen, die haben den Kopf und Haare darauf wachsen zu lassen. Wir, zum Denken.

0:53:32So, ich würde sagen, wir legen los. Das Niveau wird nicht besser heute. Es wird nicht besser. Gut. Die tiefste Schublade ist eine Schublade. Aber irgendwann ist man auch mal unten angekommen. Gut. Also, legen wir los. Von wem haben wir es gehabt? Von Afarensis haben wir es gehabt. Gut. Er lebte von 2,7 bis 2,5 Millionen Jahren in den Savannen Ostafrikas. Insbesondere in den Regionen Äthiopien, Kenia und Tansania. Seine Nahrung bestand wahrscheinlich aus faserigen Vegetationen, wie Wurzeln und Knollen, die ein kräftiges Kauen erforderten. Seine Schädelmerkmale deuten auf eine Anpassung an eine harte und faserige Ernährung hin. Aber nicht unbedingt auf eine ausschliesslich harte Ernährung. Der Paranthropus Boisei ist für seine aussergewöhnliche Robustheit bekannt. Das berühmteste Fossil dieser Art wurde

0:54:56in der Olduvai-Schlucht in Tansania entdeckt. Dieses Exemplar weist einen massiven Scheitelkamm, ein breites Gesicht und ein Gebiss mit riesigen Backen und Vorbackenzähnen auf, die zum Zerkleinern von hartem Pflanzenmaterial geeignet sind. Das Schädelvolumen beträgt etwa 500 Kubikzentimeter und ist damit grösser als das des Paranthropus Boisei. Paranthropus ethiopicus Er lebte von 2,3 bis 1,2 Millionen Jahren in den Savannen Ostafrikas. Seine Ernährung war überwiegend pflanzlich und bestand aus faserigen Vegetation wie Wurzeln und Knollen. Isotopenstudien deuten darauf hin, dass er hauptsächlich C4-Pflanzen wie Gräser und Knollen und weniger Früchte oder Blätter verzehrte. Diese Spezialisierung in der Ernährung könnte seine Fähigkeit zur Anpassung an Umweltveränderungen eingeschränkt und zu seinem Aussterben beigetragen haben.

0:56:18Schliesslich weist der Paranthropus robustus ähnliche Merkmale wie der Paranthropus Boisei auf, jedoch mit einigen Unterschieden. Der Sagittalkamm ist weniger ausgeprägt und das Gebiss ist zwar robust, aber weniger spezialisiert. Das Schädelvolumen beträgt etwa 500 cm³, ähnlich wie beim Boisei und seine Schädelmerkmale deuten auf eine Anpassung an eine kräftige, aber weniger spezialisierte Kauweise hin. Er lebte von 2 bis 1,2 Millionen Jahren in Südafrika insbesondere in den Höhlen von Sterkfontein und Grumdrei. Seine Ernährung bestand wahrscheinlich aus einer Vielzahl von Pflanzen, darunter Früchte, Blätter und Knollen. Isotopenstudien deuten darauf hin, dass er sich vielfältiger ernährte, was auf eine grössere ökologische Flexibilität hindeutet. Paranthropen bieten mit ihren einzigartigen Merkmalen einen Einblick in die evolutionäre Vielfalt der Hominiden. Obwohl sie keine direkten Vorfahren

0:57:44des modernen Menschen sind, liefern ihre Spezialisierungen und Anpassungen wertvolle Informationen über die Überlebensstrategien und die Evolution von Primaten. Die Erforschung dieser Arten wirft weiterhin Licht auf unseren evolutionären Weg und die Komplexität der Geschichte des Lebens auf der Erde. Wir kommen nun zu unserem nächsten Verwandten auf der Evolutionsleiter, der Gattung Homo. Die Gattung Homo stellt eine der faszinierendsten und komplexesten Evolutionslinien in der Geschichte des Lebens auf der Erde dar. Sie umfasst alle ausgestorbenen Menschenarten und die einzige überlebende Art, den Homo sapiens. Die Evolution der Gattung Homo ist durch eine Reihe von anatomischen, verhaltensbezogenen und kulturellen Anpassungen gekennzeichnet, die es unseren Vorfahren ermöglichten eine Vielzahl von Lebensräumen zu besiedeln und immer ausgefeilter Technologien zu entwickeln. Die erste Gruppe wird

0:59:08durch den Homo habilis repräsentiert. Die dieser Art zugeordneten Fossilien wurden in Ostafrika gefunden und sind zwischen 2,4 und 1,4 Millionen Jahre alt. Er hat einen größeren Schädel als die Australopithecinen mit einem Gehirnvolumen zwischen 510 und 600 Kubikzentimeter. Seine Hände weisen Anzeichen einer Anpassung an die Herstellung von Werkzeugen auf, wenn auch nicht mit der gleichen Raffinesse wie bei späteren Arten. Seine Ernährung war wahrscheinlich omnivor und umfasste Früchte, Blätter und Fleisch. Als nächstes begegnen wir dem Homo rudolfensis. Der Homo rudolfensis ist eine umstrittene Spezies, die von einigen Forschen als Variante des Homo habilis und von anderen als eigenständige Spezies angesehen wird. Der Homo rudolfensis zugeordnete Fossilien wurden am Turkana-See, der früher eben Rudolfsee hieß, daher der Name

1:00:28der Gruppe, wurden in Kenia gefunden und weisen ein größeres Schädelvolumen als der Homo habilis auf, etwa 750 Kubikzentimeter. Diese Spezies weist ein breiteres Gesicht und größere Zähne auf, was auf eine spezialisierte Ernährung hindeutet. Das Fehlen konkreter Beweise für seine Fähigkeit Werkzeuge herzustellen macht es jedoch schwierig den Grad seiner kulturellen Entwicklung zu bestimmen. Der Homo erectus ist eine der langlebigsten und am weitesten verbreiteten Arten der Gattung Homo. Fossilien wurden in Afrika, Asien und Europa gefunden, was auf eine große geografische Verbreitung hindeutet. Diese Art hatte einen Körper, der dem des modernen Menschen ähnlicher war, mit einem Schädelvolumen zwischen 600 und 1100 Kubikzentimeter. Er ist bekannt für seine Verwendung von Feuer, die Herstellung von Acheulanwerkzeugen und die organisierte Jagd.

1:01:53Acheulanwerkzeuge sind Steinwerkzeuge, hauptsächlich Birnen, Tropfen oder ovalförmige Handbeile, die durch beidseitiges Bearbeiten eines Steinblocks oder großer dicker Splitter hergestellt wurden. Diese Mehrzweckwerkzeuge, die sich durch eine Bearbeitung auszeichnen, die zwei vergierenden Oberflächen erzeugt, dienten Aufgaben wie dem Schlachten und Heuten von Tieren, dem Graben und im Allgemeinen dem Schneiden. Die mit dem Homo erectus verbundene Acheulanindustrie entwickelte sich vor etwa 2 Millionen Jahren in Afrika und verbreitete sich in Asien und Europa. Wie gesagt, der Homo erectus gilt als die am längsten existierende Spezie, da er von 1,9 Millionen Jahren bis etwa 100.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung existierte. Und nun gehen wir über zum Homo ergaster. Der Homo ergaster hingegen wird oft als afrikanische Variante des Homo erectus angesehen,

1:03:12obwohl einige Forscher ihn als separate Spezies behandeln. Die Fossilien, die dem Homo ergaster zugeschrieben werden, der von 1,9 Millionen bis 1,4 Millionen Jahren lebte, weisen ein Schädelvolumen zwischen 600 und 910 Kubikzentimeter auf. Diese Spezies ist bekannt für den Jungen von Nariokotome, ein fast vollständiges Skelett, das in Kenia gefunden wurde und detaillierte Informationen über seine Anatomie und Lebensweise liefert. Er war wahrscheinlich der erste, der Afrika verliess und sich in Eurasien ausbreitete. Deutlich später, nämlich vor 1,2 bis 800.000 Jahren erschien der Homo antecesor, eine Art, die in Europa lebte und deren Fossilien in der Sima des Los Huesos in Spanien gefunden wurden. Diese Spezies weist sowohl Merkmale des Homo erectus als auch des Homo sapiens auf, was auf eine Zwischenstellung

1:04:33in der menschlichen Evolution hindeutet. Sein Schädelvolumen betrug etwa 1000 Kubikzentimeter und es wird angenommen, dass er sich omnivor ernährte. Er wird von einigen Forschern als direkter Vorfahr des Homo heidelbergensis und damit auch des Neandertalers und des modernen Menschen angesehen. Der Homo heidelbergensis ist eine Spezies, die vor 700.000 bis 300.000 Jahren in Afrika, Europa und Asien lebte. Die ihm zugeschriebenen Fossilien weisen ein Schädelvolumen zwischen 1100 und 1400 Kubikzentimeter auf. Diese Spezies ist bekannt für die Verwendung ausgefeilter Werkzeuge, die Jagd auf grosse Tiere und den Bau von Unterkünften. Er gilt als direkter Vorfahr der Neandertaler in Europa und der modernen Menschen in Afrika. Der Homo neandertalensis oder Neandertaler, der vor 400.000 bis 40.000 Jahren lebte, ist eine Art, die eng

1:05:55mit dem modernen Menschen verwandt ist. Die Fossilien weisen ein ähnliches Schädelvolumen wie der moderne Mensch auf zwischen 1200 und 1750 Kubikzentimeter. Neandertaler sind bekannt für die Verwendung ausgefeilter Werkzeuge, die Jagd auf grosse Tiere und die Bestattung ihrer Toten. Jüngste genetische Studien haben gezeigt, dass nicht afrikanische moderne Menschen einen kleinen Prozentsatz ihrer DNA mit Neandertalern teilen, was auf eine gewisse Interaktion zwischen den Arten hindeutete. Zur gleichen Zeit wie der Neandertaler soll auch der Homo den Siova gelebt haben. Diese Spezies ist fast ausschliesslich durch DNA bekannt, die aus in Sibirien gefundenen Knochenresten gewonnen wurde. Genetische Studien haben ergeben, dass die den Siovaren eng mit den Neandertalern verwandt waren und zum Genpool der modernen Menschen beigetragen haben, insbesondere

1:07:11in Asien und Ozeanien. Ihre genaue Anatomie und ihr Verhalten sind weitgehend unbekannt, aber ihre Existenz hat das Verständnis der prähistorischen menschlichen Vielfalt erweitert. Die Evolution der Gattung Homo gipfelt zumindest in direkter Linie mit dem Auftauchen des Homo sapiens, unserer Spezies also, vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Die ältesten Fossilien wurden an Fundstätten wie Jebel-i-Yarhoud in Marokko entdeckt und weisen bereits moderne anatomische Merkmale auf, nämlich einen kugelförmigen Schädel, ein relativ flaches Gesicht, einen zarten Kiefer und im Vergleich zu ihren Vorfahren kleinere Zähne. Was ihn von seinen Vorfahren und Verwandten wie dem Homo heidelbergensis oder den Neandertalen unterscheidet, ist seine fortgeschrittene Gehirnkapazität, ca. 1300 bis 1400 Kubikzentimeter, begleitet von Verhaltens- und Sozialplastizität. Diese Kombination ermöglichte die Entwicklung

1:08:36einer artikulierten Sprache, ausgefeilter Technologien und komplexer sozialer Organisationen und legte den Grundstein für die Entstehung der symbolischen Kultur. Vor etwa 200.000 bis 160.000 Jahren etablierte sich die am weitesten entwickelten Form des Homo sapiens, oft als Homo sapiens sapiens bezeichnet, der den direkten Vorfahren des modernen Menschen darstellt. Diese Unterart weist eine harmonische Kombination aus hohem, kugelförmigem Schädel, markanter Stirn und ausgeprägtem Kinn auf. Merkmale, die wir heute als typisch für den modernen Menschen betrachten. Parallel dazu tauchen eindeutige Anzeichen symbolischen Verhaltens auf. Persönlicher Schmuck, Pigmente, Gravuren und rituelle Bestattungen sind Elemente, die abstraktes Denken und die Entstehung kultureller Identitäten belegen. In diesem Zusammenhang liegen die kulturellen Wurzeln der Menschheit. Eine Reihe von Praktiken, Sprachen und Werkzeugen, die nicht nur

1:10:05das Überleben sichern, sondern auch komplexe soziale Bindungen schaffen und Wissen über Generationen hinweg weitergeben. Von Afrika aus beginnt der Homo sapiens eine allmähliche, aber unaufhaltsame Ausbreitung. Vor 200.000 bis 100.000 Jahren verbreitete sich die ersten Bevölkerungsgruppen in den verschiedenen afrikanischen Ökosystemen und passten sich an Savannen, Wälder und Küstenregionen an.

1:10:43Vor 100.000 bis 70.000 Jahren wanderten kleine Gruppen über die arabische Halbinsel und markierten damit den Beginn von Europa und Asien. Vor etwa 60.000 bis 40.000 Jahren erreichte der moderne Mensch Europa, wo er mit den Neandertalen in Kontakt kam und sich manchmal mit ihnen vermischte. So wie Asien, wo er mit dem Denisova-Nerm interagierte. Diese genetischen Begegnungen haben Spuren hinterlassen, die noch heute in den Genen einiger Bevölkerungsgruppen sichtbar sind. Vor 50.000 bis 40.000 Jahren erreichten moderne Menschen Australien und die Inseln Südostasiens und bewiesen dabei fortgeschrittene Navigationsfähigkeiten und Anpassungsfähigkeiten an neuen Inselumgebungen. Und vor 20.000 bis 15.000 Jahren überquerten Menschengruppe die Beringsbrücke, die damals eine Brücke war, heute ist es eine enge, und begründete die indigenen Völker Amerikas. Diese globale

1:12:04Ausbreitung verlief nicht linear, sondern umfasste mehrere Migrationen, kulturelle und genetische Anpassungen und manchmal auch Konflikte oder Vermischungen mit anderen Homo-Arten.

1:12:29Wäre die Evolutionsgeschichte ein Schachspiel, wäre der Homo sapiens der Spieler, der mit scheinbar Gelassenheit die richtigen Figuren zum richtigen Zeitpunkt bewegt, während seine Rivalen Neandertaler, Denisova und die robusten Paranthropen in allzu vorhersehbaren Zügen gefangen bleiben. Aber was waren die erfolgreichen Züge unserer Vorfahren? Zunächst einmal muss man seine kognitive Flexibilität anerkennen, während andere Hominiden nur eine einzige Sache gut konnten. Neandertaler das Jagen, grosser Pflanzenfresser, Paranthropen das Kauen zäher Wurzeln und Knollen, hatte der Homo sapiens eine vielseitigere Strategie. Er ass, passte seine Werkzeuge an, erfand Geschichten und ja, wahrscheinlich beschwerte er sich auch über das Wetter oder seine Nachbarn im Lager. Diese Anpassungsfähigkeit macht ihn widerstandsfähig gegenüber plötzlichen Klimaveränderungen und feindlichen Umgebungen. Dann ist da noch die soziale Zusammenarbeit.

1:13:50Neandertaler waren zweifellos geschickte Jäger und körperlich stark. Aber Studien deuten darauf hin, dass der Homo sapiens über grössere und ausgefeiltere soziale Netzwerke verfügte. Man könnte sagen, dass andere Hominiden das Abendessen für die Familie organisierten, während der Homo sapiens Allianzen schmiedete, Aufgaben verteilte und Expeditionen weit über sein eigenes Territorium hinaus plante. Die Fähigkeit zu kommunizieren, Wissen zu teilen und langfristige Strategien zu planen verschaffte ihnen einen enormen Wettbewerbsvorteil, auch wenn die grausamste Strafe der Selektion nach wie vor darin besteht, dass man beim Spiel der natürlichen Selektion nicht schummeln kann. Wir dürfen auch den technologischen Erfindungsreichtum nicht ausser Acht lassen. Steinwerkzeuge, Sperre, Pfeil und Bogen, Techniken zum Feuermachen, all dies ermöglichte nicht nur die Überlebenschancen, sondern ermöglichte auch

1:15:10die Ausbreitung in der Hominide, in denen andere Arten einfach nicht mithalten konnten. Mit anderen Worten, der Homo sapiens verfügte über einen eingebauten Evolutionsindikator und einen magischen Werkzeugsatz, der ihn in den Augen seiner Hominidennachbarn allmächtig erschienen liess. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist das symbolische und kulturelle Denken. Andere Hominiden konzentrierten sich wahrscheinlich mehr darauf, wie sie den Alltag überleben konnten, während der Homo sapiens begann, Höhlen zu schmücken, seine Toten zu begraben und Geschichten am Lagerfeuer zu erzählen. Dieser kulturelle Überbau erhöhte zwar nicht direkt die unmittelbare Überlebenschancen, festigte jedoch das kollektive Gedächtnis und ermöglichte es, bis zum Schluss das Wissen anzusammeln und von Generation zu Generation weiterzugeben. In evolutionärer Hinsicht ein Vorteil, den man als elegante und äusserst wirksame

1:16:28Intelligenz mit historischem Gedächtnis bezeichnen könnte. Schliesslich gibt es noch ein subtileres, aber nicht weniger wichtiges Element, die soziale und ökologische Plastizität. Der Homo sapiens hat sich nie auf ein einziges Ökosystem oder eine zu spezialisierte Ernährung festgelegt. Wenn sich eine Umgebung veränderte, wanderte er aus, passte seine Ernährung und seine Werkzeuge an, immer mit dem gleichen Erfindungsreichtum. Die anderen Hominiden waren zwar stark und an bestimmten Nischen angepasst, aber oft in Anführungszeichen gefangen in einem Lebensraum, oder einem Ernährungsmodell, das bei der ersten drastischen Veränderung zu einem ernsthaften Überlebensproblem wurde. Im Wesentlichen war der Sieg des Homo sapiens nicht auf größere Muskeln, stärkere Zähne oder robustere Schädel zurückzuführen. Es war ein Triumph des Einfallreichtums, der Zusammenarbeit und der Anpassungsfähigkeit, gewürzt

1:17:49mit einer Prise näherem Glück. Wir könnten uns die anderen Hominiden am Tisch der Geschichte vorstellen, bereit sich gegenseitig herauszufordern, während der Homo sapiens an seinem Feuer nippte, beobachtete, ein wenig lachte, natürlich leise, und die Figuren seiner globalen Expansion bewegte. Letztendlich ist die Moral klar, nicht immer gewinnt der körperlich stärkste, sondern derjenige, der sich anpassen und Geschichten erzählen kann. Dominiert am Ende des Spiels den Planeten. Anscheinend hat der Homo sapiens diese Lektion besser gelernt, als alle anderen Hominiden in der Revolutionsgeschichte. Wir sind uns natürlich bewusst, dass diese Darstellung der in Anführungszeichen Reise der Menschheit äußerst oberflächlich ist und es sehr verlockend war sie zu vertiefen, aber wir haben darauf verzichtet, um unsere Untersuchung der anthropologischen Kultur des

1:19:02afrikanischen Kontinents, die im Mittelpunkt unseres Interesses steht, nicht zu vernachlässigen. Jede Zivilisation hat ihren eigenen Ursprungsmythos. Die alten Griechen nannten ihn Archä. Die Weden der indischen Zivilisationen erzählten ihn als kosmisches Lied. Die Ägypter als Geburt aus einer Lotusblühne am Linde. Aber für die gesamte Menschheit ist der Ursprungsmythos keine Fabel. Er hat einen bestimmten, greifbaren Ort, der in den geologischen Schichten eingraviert und in den Knochen unserer Vorfahren bewahrt ist. Dieser Ort heißt Afrika. Hier zwischen den Flüssen, die noch heute ungestüm fließen und den endlosen Savannen, die nach verbrannten Gras duften, richtete sich der erste Mensch auf, befreite seine Hände, um Werkzeuge zu greifen und blickte zum Himmel, um ihn zu betrachten. Hier wurde das Feuer wie ein

1:20:19schlagendes Herz bewahrt. Hier wurde Sprache zu artikuliertem Klang. Hier erhob sich das Denken über das reine Überleben. Afrika ist also nicht nur ein Kapitel unter vielen in der Geschichte, es ist der Prolog, aller Prologe, die Wiege, die bewahrt und gleichzeitig die Schwelle, die zum Aufbruch einlädt. Die Geschichte Afrikas wird traditionell den Griot anvertraut, den Geschichtererzählern, Dichtern, Musikern und Hütern des kollektiven Gedächtnisses der afrikanischen Gemeinschaften. Ein Griot aus Buktu pflegte zu sagen, wer im Schatten des Baobabs sitzt, hört die Stimmen der Toten und der noch Ungeborenen. Im Dorf nahmen sie ihn ernst. Es war keine Metapher, es war eine Tatsache. Der Affenbrotbaum mit seinen riesigen Stamm und seinen tiefen Wurzeln steht für das afrikanische Gedächtnis. Jeder Ast ist eine

1:21:34Geschichte, jedes Blatt eine Genealogie, jede Frucht ein Lied, das die Seele nährt. Die Europäer, die in den vergangenen Jahrhunderten hierherkamen, betrachteten ihn als exotischen Baum, die Dörfer hingegen als lebendige Bibliothek. Der Griot saß auf einer Matte und erzählte die Taten der Vorfahren, als wären sie erst gestern geschehen. Mit modulierter Stimme, mal leise, mal laut, wie eine Trommel, erinnerte er an Könige und Königinnen, Kriege und Lieben, Versprechen und Verrat und fügte lächelnd hinzu, der weisse Mann trägt Bücher in seinen Händen. Wir tragen Bücher in unserem Mund. Und tatsächlich ist es in den mündlichen, gesellschaftlichen Afrikas das Gedächtnis nie in einem leblosen Text festgehalten. Es ist Schwingung, Klang und Körper. Es wird von Generation zu Generation weitergegeben,

1:22:43wie ein Atemzug, immer ähnlich und immer neu, fähig, sich dem Kontext anzupassen und dabei den wesentlichen Kern zu bewahren. Von Afrika zu sprechen, ist wie das Meer zu benennen, ein Wort, das unendliche Unterschiede verbirgt. Mehr als 2000 Sprachen, rote Völkern, sehr unterschiedliche Kosmologien, politische und rechtliche Systeme, die von den heiligen Monarchie bis zum ältesten Rat, vom kosmopolitischen Stadtstaat bis zur nomadischen Herdengesellschaft reichen. Und doch pulsiert in dieser schillernden Vielfalt ein roter Faden. Es ist die tiefe Überzeugung, dass der Einzelne niemals getrennt, sondern immer miteinander verbunden ist. Nicht ich denke, also bin ich, wie Descartes wollte, sondern ich bin, weil wir sind. Das ist Ubuntu, die Philosophie, die den Menschen nicht auf einen Monolog reduziert, sondern ihn als Teil

1:23:58eines Chores versteht. Eine Anekdote erzählt, dass ein europäischer Anthropologe den Kindern eines Dorfes ein Spiel vorschlug. Er stellte einen Korb mit Früchten unter einem Baum und sagte, wer zuerst dort ankomme, würde alles gewinnen. Die Kinder nahmen sich an den Händen und rannten gemeinsam los, sodass sie gleichzeitig ankamen. Auf die Frage, warum habt ihr das gemacht, antworteten sie, wie kann einer glücklich sein, wenn die anderen traurig sind. Diese Antwort, die einem Europäer naiv erscheint, ist jedoch eine jahrtausendealte Philosophie. Glück ist ein Gut, das sich nur vervielfacht, wenn es geteilt wird. Über Afrika zu berichten, bedeutet, sich zwischen zwei Registern zu bewegen, die sich gegenseitig verfolgen und überlagern. Auf der einen Seite steht die Geschichte, bestehend aus Daten,

1:25:05Ereignissen, Chroniken, Königreichen und Revolutionen. Auf der anderen Seite die Fabulation, die nicht lügt, sondern tiefe Wahrheiten offenbart, wie die Gründungsmythen, Legenden und Ebenen, die unter dem Sternenhimmel gesungen werden. Nehmen wir zum Beispiel Sundiata Keita, der Gründer des Mali-Reiches im 13. Jahrhundert, über den wir später noch ausführlich sprechen werden. Die Geschichte erinnert sich an ihn als einen klugen und mächtigen Herrscher, der in der Lage war, riesige Gebiete zu verreihen. Aber die mündliche Überlieferung erzählt auch von ihm als einem verkrüppelten Kind, das verspottet wurde und nicht laufen konnte, das aber dank seiner inneren Stärke und vielleicht auch dank der Hilfe der Geister, an die er glaubte, wieder aufstand und nicht nur Würde erlangte, sondern auch das Schicksal eines Reiches.

1:26:13Was ist wahrer? Die historische Tatsache oder die Legende? In Afrika verliert diese Frage ihren Sinn. Denn das Ereignis und der Mythos sind miteinander verflochten und die Wahrheit strahlt im Ganzen. Afrika kennt die lange Zeit nicht mit Uhrzeigern gemessen wird, sondern mit dem Rhythmus der Jahreszeiten, mit der Wanderung der Tiere, mit dem Kreislauf der Regenfälle. Ein Reisender des 19. Jahrhunderts berichtete, dass die Ältesten in der Sahelzone von Jahreszeiten sprachen. Nicht um ein Jahr zu bezeichnen, sondern um Jahrzehnte zu zählen. Wenn ein Ältester starb, sagte man nicht, er ist gestorben, sondern er ist zu den Ahnen zurückgekehrt. Diese Sprache offenbart eine andere Vorstellung der Zeit, die nicht linear und progressiv ist, sondern zirkulär. In der das Leben niemals

1:27:20eine isolierte Klammer ist, sondern eine kontinuierliche Rückkehr. Deshalb haben auch die tiefsten historischen Wunden – der Sklavenhandel, der Kolonialismus, die Diktaturen – trotz ihrer tiefen Spuren den Faden nie ganz zerrissen. Afrika hat gelitten. Afrika hat Widerstand geleistet. Afrika hat sich gewandelt. Wie der Sand der Sahara, der bedeckt und enthüllt. So verbirgt und offenbart auch die afrikanische Erinnerung. Aber sie zerstört nicht. In Afrika war Macht nie nur Verwaltung. Sie war symbolische Geste, kollektiver Ritus, Performance. Im Königreich Benin waren die Bronzen, welche die Paläste schmückten, keine einfachen Kunstwerke, sondern gemeißelte Chroniken, Instrumente der politischen Legitimation. Jede Platte stellte Szenen aus der Jagd, dem Krieg und dem Hofleben dar und ihre Funktion bestand darin, die Kontinuität der Dynastie

1:28:33zu bekräftigen. Im christlichen Äthiopien galt der König als direkter Nachkommen Salomos und der Königin von Saba. Regieren bedeutet nicht nur die Macht auszuüben, sondern eine heilige Mission zu verkörpern. In den Dörfen der Scheihildzone hingegen hatte der Häuptling nicht nur die Aufgabe zu führen, sondern auch die Fruchtbarkeit des Landes zu gewährleisten, sodass eine schlechte Ernte seine Legitimität in Frage stellen konnte. Auch heute noch, selbst in modernen Parlamenten und Wahlkampagnen ist es nicht ungewöhnlich, dass die rituelle Dimension mit Tänzen, Gesängen und Ahnenverehrung zum Vorschein kommt. Die Politik bleibt hier mit dem Kosmos beobachten. Jede Diskussion über Afrika ruft das Wort Rückkehr hervor. Nicht nur, weil wir als Spezies von hier aus gestartet sind, sondern weil wir uns hierher

1:29:43zurückgerufen fühlen. Die Reisenden des 19. Jahrhunderts, obwohl von kolonialen Vorurteilen geprägt, schrieben oft, dass sie etwas Unbeschreibliches wahrgenommen hätten, ein Gefühl der Herkunft. Noch heute sprechen die afrikanischen Nachfahren in Amerika und Europa von Versöhnung mit Afrika. Eine imaginäre, kulturelle, spirituelle Rückkehr. Jazz, Blues, Reggae, Hip-Hop, Musik, die anderswo entstanden ist, haben nie aufgehört, auf ein afrikanisches Herz zu verweisen. Jede Note ist ein Faden, der eine zerbrochene Erinnerung wieder zusammenfügt. Dieser Prolog ist nur der Beginn einer Reise. Er kann nicht ganz Afrika umfassen, keine Erzählung kann das, aber er will es heraufbeschwören, es zwischen Geschichte und Mythos, Anthropologie und Poesie, Politik und Anekdote vibrieren lassen. In den folgenden Begegnungen werden wir uns mit den anthropologischen Ursprüngen befassen, die Pracht

1:31:00und Reiche erkunden, den Stimmen der Diaspora lauschen, die Kämpfe um die Unabhängigkeit miterleben und sehen, wie Afrika heute nicht mehr Objekt, sondern Subjekt des Denkens ist. Denn letztendlich bedeutet das Erzählen von Afrika, von uns selbst zu erzählen, zur Wiege zurückzukehren, die auch Schwelle ist, zum Baum, der die Wurzeln der Welt hat und anzuerkennen, dass die Zukunft, wie auch der Anfang, oft die Form des afrikanischen Kontinentes hat. Jetzt hast du mir gerade Spannung gemacht, was noch kommt.

1:32:00Ja gut, das auch, ja. Also wir werden das nächste Mal eintauchen in die subsaharianische anthropologische Geschichte, Afrika aus eintauchen. Wir haben bewusst auf die Analyse der sogenannten magribinischen Küste verzichtet, weil die Magribländer von Ägypten bis zu Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko, die sind ja auch eng mit der mediterranen Kultur verbunden und in ihrer Evolutionsgeschichte nehmen sie wichtige Kapitel ein.

1:32:47Sie behandeln sie separat in anderen Kontexten, die eben mit der Kulturgeschichte des Mittelmeerraumes insbesondere verbunden sind und deshalb diese Konzentration auf das subsaharianische Afrika. Wir werden uns das nächste Mal beschäftigen mit der Kulturgeschichte von Westafrika. Das sind die großen Reiche zwischen dem 8. und dem 15. Jahrhundert. Das geht vom Reich von Benin, von Tegels und so weiter.

1:33:21Und im dritten Teil gehen wir dann nach Ostafrika, dort wo alles herkommt. Wir werden dort

1:33:32die Kontaminierung erleben mit Erfolgsgeschichten, die an Intensität kein zweites haben. Denken wir an die ganze muslimische Tradition in Sudan, in Somalien und so weiter. Denken wir an die christliche Tradition, die wir hier schon angesprochen haben in Äthiopien. Denken wir an die Propagierung des Subuntu, dieser afrikanischen Philosophie. Im vierten Teil werden wir uns dann in Zentralafrika begeben, wo die Geschichte von der absoluten Faszination bis in die dunkelste Tragödie hineinragt, wenn man denkt, was in Ländern wie Kongo passiert ist. Wo ein belgischer König Leopold II. nach dem Kongress von Berlin 1865 ein Massaker angerichtet hat, ohne Ende. Man spricht von 10 bis 15 Millionen Toten, die direkt unter seinen Peinigern gestorben sind. Eine wahre Zahl über die Toten in Afrika

1:34:54durch den Kolonialismus lässt sich nicht festlegen, es gibt so viele Nebenschauplätze, so viele Konsequenzschauplätze, das ist nicht zu rechnen. Tragisch. Und dann werden wir in einem weiteren Teil den Süden Afrikas anschauen, auch dort mit großartigen Reichen wie das von Zimbabwe. Wir werden die Sahnenbevölkerung anschauen, die haben ja dieses spezielle Sprechen mit dem Klick, wenn sie reden, ganz speziell. Und jeder Klick bedeutet und hat eine andere Bedeutung, ein sehr friedliches Volk, das Sahnenvolk. Aber wir werden dann auch die Bantus und wir werden auch die Zulus betrachten. Wir werden Namibia betrachten, das kulturapropologisch sehr interessant ist, weil dort gibt es immer noch die Harappos Bevölkerung, die sind bekannt, aus Fotos mindestens, weil sie sich mit Butter oder anderem Fett

1:35:58und rot gefärbten Ocker einschmieren. Und das Interessante bei dieser Bevölkerung ist, dass sie bis heute sich weigert, sich mit Nicht-Angehörigen ihres Volkes zu vermischen. Also sie haben immer noch die Traditionen des alten Afrikas, das ist sehr spannend. Und dann werden wir einen traurigen Teil haben, in dem wir den Kolonialismus betrachten, was da alles passiert ist, was das Abendland dort angerichtet hat, die ganz afrikanische Diaspora, die Versklavung, die zum Teil eben noch, und das ist das Tragische, wie auch bei der Shoah, dass Afrikaner daran beteiligt waren, Afrikaner als Sklaven zu verkaufen, so wie Juden während des Zweiten Weltkrieges, Hannah Arendt hat ein wunderbares Buch darüber geschrieben, mitgeholfen haben systemisch, andere Juden in die Gaskammer zu führen.

1:37:02Wir werden aber auch sehen, wie die Kolonialherrschaft Dinge

1:37:14umgesetzt hat, deren Konsequenzen wir bis heute tragen. Und der letzte Teil ist eben der Ausblick auf diese Konsequenzen. Wir haben diese ganze Diskussion, diesen ganzen Diskurs über die Flüchtlingsströme und fragen uns nie, warum diese Flüchtlingsströme existieren. Und in diesem Teil werden wir sehen, dass wenn man an einer Berliner Konferenz Afrika aufteilt mit geraden Linien und man trennt Kulturen, man trennt Dörfer, man trennt Populationen, man trennt alles Mögliche, damit wird der ganze soziale Kontext vernichtet. Und wenn der soziale Kontext vernichtet wird, gibt es wenig Chancen etwas aufzubauen, das eine Sozialität entwickelt. Und der Zustand, dass man auch eben versklavt wird oder ausgebeutet wird, führt dazu, dass auch die Vorstellung einer Selbstbestimmung wenig umgesetzt werden kann, weil wenn man über Jahrhunderte

1:38:34in der Abhängigkeit war, ist die Freiheit eine Luft, die nur schwer einzuatmen ist. Das sind alles Dinge, die dazu beigetragen haben und wir haben uns dann, ich habe mir dann erlaubt, noch einen Ausblick darauf zu werfen, was sind die Projektionen für Afrika.

1:39:03Wer Lust hat, am nächsten Montag wird im Schützenhaus eine Roundtable stattfinden, in der man über die Kultur des Diskurses

1:39:18thematisiert. Ich habe dort das Privileg sprechen zu dürfen. Und was uns abhanden gekommen ist, wenn wir schon in der Kultur des Diskurses sind, ist eben diese Fähigkeit, die Afrika immer noch inne hat, nämlich miteinander zu sprechen, aufeinander hinzuhören, miteinander Geschichten zu erfinden, in einer vierdimensionalen Welt zu leben und nicht in einer bidimensionalen des Wischens. Ist nur bidimensional. Und das unter Umständen Afrika einmal mehr ein unglaublicher Anker und Fels sein könnte für die Menschheit, die wieder lernen muss, nicht mehr Funktionär der Technik zu sein, sondern Besitzer der Technik und die Technik so anzuwenden, dass sie der Menschheit gut tut und nicht die Menschheit der Technik gut tut. Aber eben, das sind Spekulationen, was wir sicher nicht

1:40:29mehr machen können, ist, dass wir keine Notiz nehmen von Afrika und vor allem, dass man nicht nach Afrika geht. Afrika hat ungeheure Probleme, die verschuldet sind aus ihrem historischen Erbe und die Afrikaner haben unter anderem auch die schlechtesten Eigenschaften des Abendlandes übernommen, die Korruption ist horrend. Man hat dort Gebiete in die Unabhängigkeit erlassen, in eine illusorische Unabhängigkeit und man hat aus diesen Gebieten

1:41:18sehr viel hergestellt, die überhaupt nicht der afrikanischen Denk- und Weltanschauung entsprechen.

1:41:28Diese Ubuntu-Philosophie, ich bin, weil wir sind, dieses Wir bedeutet, den Grundstein, den harten Kern des Tribalismus, der Sippe hervorzuheben. Wir ist die Sippe. Was jenseits des Horizontes ist, interessiert mich nicht, weil ihr hier seid und was 50 Kilometer weiter passiert, was entgeht meiner

1:42:04Nachverfolgungsmöglichkeiten, das interessiert mich nicht. Und aus einer Kultur, die über Jahrtausende, über Jahrzehntausende dieses Ubuntu zelebriert hat und diese Sippenvorstellung hat, eine Rechtsstaatlichkeit mit einer zu definierenden Demokratie umzuwandeln, das ist der Todesstoß gewesen für das Auferstehen in der Unabhängigkeit der Afrikaner. Man hat sie als Staaten verlassen und als multinationale Unternehmen weiterhin kolonisiert.

1:42:53Dass dieses Spiel über kurz oder lang ein Ende finden will, muss, ist unbestritten, und

1:43:06naja, es liegt an der Menschheit zu entdecken, was für sie wichtig ist und überlebenswichtig ist und was für sie scheinbar wichtig ist und ein Nebenschauplatz ist.

1:43:22Ab du Assen.

1:43:27Danke für die Zeit und wir sehen uns in 30 Tagen wieder, hoffe ich. Ich hatte eine populistische Antwort, anstatt eine ausdifferenzierte. Die Zähne sind zu wenig hoch. Die Zähne sind zu wenig hoch. Das ist korrekt, ja. Einfache Antwort. Und sie sind faul und stinken. Genau, das habe ich nicht gesagt, ich habe nur gesagt, Zähne sind zu wenig hoch. Das ist schon wieder das Komplex. Ich brauche einfache Antwort auf komplizierte Probleme.

1:44:12Ich bin gespannt, wie sie investieren werden. Bitte.

1:44:20Genau,

1:44:27PS. Ich habe immer gedacht, jetzt müssen doch innen PS kommen. Das sind PS, die du auf den Boden bekommst.

1:44:46Ja.

1:45:06Weißt du, zu einem, zu einem, weißt du, heiter gemacht. Wenn die Ecke bis in die Mitte gekleinert wird. Der Rektor, der Rektor, der Rektor, der Rektor, der Rektor, der Rektor, der Rektor, der Rektor,

1:45:36der Rektor, der Rektor, der Rektor, der Rektor, der Rektor, podem die sich auf die Alarme auf doctoren

1:45:50reifty Ecken der

1:46:05ersten Und wem war das eigentlich? Das war ein Dänemarxist. Und hat er noch eine Geschichte? Und damit er sie nicht mehr anmarschiert?

1:46:19Überraschung war erst. Und dann sind Sie nach Amerika ausgelandet? Ja. Und Sie hatten einen Lehrstuhl in der Kolumnie? Ja, ich hatte einen Lehrstuhl in der Kolumnie. Eine Stelle bei den Fortwärten. Sie haben mich gehört als der Mensch, der Held der Zeit. Ich bin jetzt hier. Ja, ja, kann ich auch machen.

‹ Zurück zur Folge