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Transkript · Geschichte Afrikas · Teil 6

Südliches Afrika — Wo der Wind die Ahnen bewahrt — Transkript

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0:00:04Siehst du, das hat er jetzt nicht verstanden.

0:00:09Claude, sieht man uns zwei auf dem Bild? Ist das gut? Ja, sehr gut. Sehr gut. Noch ein bisschen mehr Lachen. Ich kann das nicht, aber sonst. Das Herz schon. Das Herz schon ist da zuständig fürs Lachen. Also. Oh ja, die Türe, genau. Und diese Ventilation nicht abstellen können? Das ist irgendwie, sie sagen, sie können es nicht regulieren. Das ist etwas kaputt. Und Urs hat eine gute Idee, dass sie doch dem Besitzer oder einfach dem Verwalter Bescheid geben soll. Als hätte er das zurückgebaut, verstehst du? Genau, weisst du ja. Aber ja. So, jetzt.

0:00:54Was hast du damals hier eingebaut, hallo?

0:00:59So, also. Herzlich willkommen bei unserem seit langem erwarteten sechsten Teil. Geschichte des afrikanischen Kontinents. Es ist schön, dass wir wieder Zuschauer haben hier. Wir haben jetzt eine kleinere Pause. Unfreiwillig. Aber dafür in zwei Wochen nochmal eine. Genau, in zwei Wochen machen wir weiter. Das heutige Thema, wir gehen nach Süden in Afrika, in den Süden. Und wir werden wieder sehen, dass es da eben um mehr geht als um die Kultur in dem Sinn, sondern es geht eben auch um Natur. Es geht darum, wie sich die Kultur eigentlich auch selbst verteidigt und wie sie weiterleben kann. Und es ist eine wirklich spannende Geschichte. Einmal mehr. Wie sich das Ganze dann entwickelt. Sergio. Ja. Was möchtest du von mir?

0:02:21Leg los. Gut. Also, herzlich willkommen auch meinerseits. Schön, dass ihr da seid. Der Vorlauf war ja lang genug, damit ihr euch organisieren konntet, nicht? Ich sage und schreibe vier Tage. Schön, dass ihr da seid. Wir schätzen das ungemein. Wir beginnen. Das südliche Afrika kann man auch aus, aus Australafrika definieren, ist ein Kontinent im Kontinent. Es ist das Land, in dem sich der Himmel zu unendlichen Weiten öffnet, in dem die Wüsten sprechen, in dem die Steine die Erinnerung an die Götter bewahren. Von den Dünen der Namib bis zu den Bergen der Drakensberg, von den Flüssen des Okavango bis zu den Savannen von Zimbabwe, hier atmet alles eine uralte Spannung, nämlich die zwischen Beständigkeit und Wandel, zwischen dem Gesang der Geister und dem Rauschen des Goldes.

0:03:38Hier im tiefsten Süden nimmt die afrikanische Geschichte die Form des Widerstands an. Widerstand des Bodens, der Erinnerung, der Völker, die sich nicht auslöschen lassen. Es gibt einen Ort im trockenen Herzen des südlichen Afrikas, an dem die Zeit ihren Lauf aufgegeben zu haben scheint. Es ist die Kalahari-Wüste, ein Meer aus Sand und Wind, das von uralter Stille pulsiert. In dieser Landschaft aus Licht und Staub leben noch immer die San, oft als Bushmänner oder Bushmen bezeichnet, ein von außen auferlegter Name, der heute fast verbannt ist, da er von einer Vergangenheit voller Verachtung und Herrschaft belastet ist. Die San sind die direkten Nachkommen der ersten modernen Menschen, Hüter einer Kultur, deren Wurzeln bis in die Anfänge der Menschheit selbst reichen.

0:04:54Sie zu betrachten, zu studieren, ihnen zuzuhören bedeutet, einen Blick auf das zu werfen, was sie waren, bevor wir zu dem wurden, was wir sind. Ihre Heimat ist keine Nation, sondern ein Horizont. Sie erstreckt sich über Namibia, Botswana, Angola, Simbaue und Südafrika. In den sandigen Weiten, wo Regen selten ist und der Himmel unendlich scheint. Und doch hat für sie jedes Sandkorn einen Namen, jeder Strauch eine Bedeutung, jeder Fußabdruck eine Geschichte. Ihre Existenz ist ein ständiger Dialog mit der Umwelt, ein Akt des Lesens und Interpretierens der Natur. Der nie unterbrochen wurde. Genetische Analysen haben offenbart, was die mündliche Überlieferung schon immer wusste. Die San gehören zu den ältesten Zweigen des menschlichen Stammbaus, des Homo sapiens. Ein Volk, das in seinen Zellen die Erinnerung an eine prähistorische Menschheit trägt.

0:06:21Sie sind nicht rückständig, wie lange Zeit behauptet wurde, sondern zutiefst ursprünglich. In ihnen bewahrt sich die Spur dessen, was der Homo sapiens war, bevor er Städte, Grenze und Reiche errichtete. Die Sprachen der San sind ein einzigartiges phonetisches und poetisches Erbe. Sie gehören zur Familie der Koishan, die sich durch jene berühmte Klicks auszeichnen, schnappende und rhythmische Konsonanten, Laute, die das Knisten des Feuers oder das trockene Knacken eines Astes nachzuahmen scheinen. Es sind Sprachen, die aus der Erbe selbst entstanden sind, als hätte der Mensch das Sprechen gelernt, indem er dem Wind der Wüste lauschte. Wer neugierig ist, findet auf digitalen Kanälen Videos, welche diese für uns so fremdartige Ausdrucksweise wiedergeben. Jedes Wort der San enthält eine naturkundliche Beobachtung.

0:07:40Es beschreibt eine Eigenschaft des Wassers, eine Nuance des Sandes, eine Art von Fussabdruck oder Rinde. Es ist eine Sprache, die die menschliche Welt niemals von der natürlichen Welt trennt. Deshalb nimmt ihre Sprache, wenn sie verschwindet, nicht nur ein Wortschatz mit sich, sondern eine Denkweise, ein Universum aus Beziehungen und Empfindungen. Ihre Wirtschaft ist ebenso einfach wie raffiniert. Sie leben von der Jagd und dem Sammeln und bewegen sich in kleinen Gruppen von etwa 20 bis 30 Personen. Die Männer jagen mit Holzbögen und vergifteten Pfeilen. Die Frauen kennen das Geheimnis der Wurzeln und essbaren Pflanzen. Sie horden nicht, sie besitzen nicht, sie beherrschen nicht. Sie nehmen sich nur das, was sie brauchen und geben der Erde Respekt und Dankbarkeit zurück.

0:08:59Ihre Gesellschaft ist egalitär. Es gibt keine ständigen Anführer, keinen individuellen Reichtum und keine aufgezwungenen Hierarchien. Ansehen entsteht durch Weisheit, Grosszügigkeit und die Fähigkeit, Konflikte mit Worten zu lösen. Entscheidungen werden im Kreis vor dem Feuer getroffen, wo alle sprechen und alle hinhören. Es ist ein Modell primitiver Demokratie, das die Fragilität unserer heutigen modernen Institutionen offenbart. Bei den San ist Autorität ein Akt des Dienens, nicht der Macht. Für die San ist die Natur nicht aus religiösen Gründen heilig, sondern aus offensichtlichen Gründen. Alles, was existiert, Mensch, Tier, Wind, Fels, ist Teil eines einzigen Lebensatemzugs. Dieses Prinzip findet seinen tiefsten Ausdruck in den Transzendenzen, nächtlichen Zeremonien, bei denen sich die Gemeinschaft um das Feuer versammelt, um zu heilen, zu beten,

0:10:28die Harmonie mit der unsichtbaren Welt wiederherzustellen. Während des Tanzes vibriert der Körper des Heilers, spannt sich an, entflammt. Durch den Rhythmus der Trommeln und die Wärme der Gruppe versetzt er sich in einen Transezustand und reist in die Welt der Geister, um das Gleichgewicht unter den Lebenden wiederherzustellen. Das ist keine Magie, sondern eine archaische Form der kollektiven Psychologie. Die Gemeinschaft heilt sich gemeinsam, findet wieder zueinander, erkennt sich wieder.

0:11:14Zu den greifbarsten Zeichen ihrer Kultur gehören die Felsmalereien, die über die Felsen Südafrikas und Namibias verstreut sind. Tierfiguren, Jagd-Szenen, abstrakte Symbole, gezeichnet mit Ockerpigmenten und Blut. Eine visuelle Sprache, die Geschichten von sich überschneidenden Welten erzählt, von Menschen und Tieren, die sich ineinander verwandeln. In diesen Bildern haben Wissenschaftler das Spiegelbild von Transeerlebnissen, mystischen Reisen und schamanistischen Visionen gedeutet. Doch hinter der Mystik verbirgt sich auch eine Auffassung von Kunst als lebendiges Gedächtnis. Das Malen war eine Art, der Beute zu danken, den Geist des E-Land zu ehren. Der Geist des E-Land, ausgesprochen I-Land, eine für das südliche Afrika typische Großantilope, ist die heiligste und symbolträchtigste Figur in der Religion und Mythologie, der Sun. Sie ist nicht einfach nur ein Tier,

0:12:44sondern ein Lebensprinzip. Eine Vermittlerin zwischen der menschlichen und der spirituellen Welt. Und in vielen Mythen gilt sie als das erste heilige Wesen oder als Quelle der Transkraft. Das E-Land ist die größte der afrikanischen Antitoten. Mächtig, aber friedlich bewegt er sich anmutig durch die Wüste. Für die Sun verkörpert dieses Tier Kraft, Schönheit, Ruhe und Überfluss. Da schwer zu jagen ist, ist seine Erlegung von komplexen Ritualen umgeben, die voller spiritueller Bedeutung sind. Wenn ein Jäger einen E-Land erlegt, tut er dies niemals nur, um sich zu ernähren. Es handelt sich um einen heiligen Atem, begleitet von Gesten und Worten, die das zu dienen, um Vergebung zu bitten und dem Geist des Tieres zu danken. Während der berühmten Trans-Tänze,

0:14:01Zeremonien der kollektiven Heilung, gilt der Geist des E-Lands als wichtigste Kraftquelle. Die Sun glauben, dass jedes Lebewesen eine spirituelle Kraft namens NN, ausgesprochen NZUN, in sich trägt. Eine Art innere Energie. Der E-Land besitzt nach der Weltanschauung der Sun das stärkste NZUN aller Tiere. Während des Tanzes entfachen die Heiler, genannt N'Ungshausi, sprich jene, die die Kraft haben, diese Energie durch Rhythmus und die Wärme der Gruppe zu entfachen. Wenn das NZUN im Körper des Heilers kocht, in Anführungszeichen natürlich, fällt er in Trance und reist in die Geisterwelt, um Kranke zu heilen oder die Harmonie der Gemeinschaft wiederherzustellen. In diesem Zustand kann er dem Geist des E-Lands begegnen, der ihm Kraft und Einsicht schenkt. In der Felskunst der San taucht der E-Land über,

0:15:27überall auf. Er wird mit weichen Linien und eleganten Hörnern dargestellt, oft umgeben von menschlichen Figuren, die zu tanzen scheinen oder mit dem Tier verschmelzen. Viele Wissenschaftler, wie zum Beispiel die südafrikanische Anthropologin Patricia Winnicombe oder der Archäologe David Lewis Williams, haben diese Bilder als Darstellung schamanischer Visionen interpretiert. Die Tänzer verwandeln in Anführungszeichen sich während der Trance symbolisch in den E-Land und nehmen dessen spirituelle Kraft an. Viele mythologische Erzählungen der San drehen sich um den E-Land. In einer der bekanntesten Versionen wurde der erste E-Land vom Trickster, einer mythischen Figur, die oft als Gottmensch oder zweispältiges Wesen dargestellt wird, erschaffen und starb viel zu früh. Vor Kummer weinte der Schöpfer und aus seinen Tränen entstanden alle anderen Tiere.

0:16:47Seitdem ist der E-Land das Symbol für die Verbindung zwischen Leben und Tod, zwischen Schöpfung und Opfer. Ein anderer Mythos erzählt, dass die erste menschliche Hochzeit mit einem dem E-Land gewitweten Tanz gefeiert wurde, das seine Energie, Zärtlichkeit und Liebe verkörperte. Für die San ist der E-Land nämlich nicht nur Stärke und Macht, sondern auch Sanftheit, Anmut und Zuneigung. Eigenschaften, die Lebewesen in Gegenseitigkeit verbinden. Im weiteren Sinne kann der Geist des E-Lands als Verkörperung der Lebensenergie der Natur gesehen werden. Es ist das Leben selbst, das sich erneuert, das sich hingibt und sich zurückzieht, das die Menschen mit der Landschaft verbindet. Wenn die San vom E-Land sprechen, sprechen sie von einem realen Tier, aber auch von einem Archetyp, einem kosmischen Prinzip,

0:18:06das Körper und Geist, Fleisch und Traum zusammenhält. Die Steinwände, auf denen er dargestellt ist, wurden so zu spirituellen Archiven eines Wissens, das keine Bücher benötigte. Die Welt der San begann sich mit der Ankunft der Bantu-Hirten zu verkleinern und dann auf verheerende Weise mit den europäischen Siedlern. Ihr Land wurde eingezäunt, ihre Tiere ausgerottet, ihre Bräuche verspottet. Sie wurden in die trockensten Gebiete der Kalahari gedrängt, als primitiv und unfähig angesehen, sich an die Moderne anzupassen. Im 20. Jahrhundert waren viele gezwungen, ihr Nomadenleben aufzugeben und sich in Dörfern niederzulassen, oft als billige Arbeitskräfte. Andere wurden aus den Naturschutzgebieten vertrieben, die zur Erhaltung der Tierwelt geschaffen worden waren, paradoxerweise im Namen des Naturschutzes, den sie selbst seit Jahrtausenden bewahrt hatten.

0:19:33Im Jahr 2006 erkannte der Oberste Gerichtshof von Botswana nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten das Recht der San an, in ihr angestammtes Land im Zentral Kalahari Game Reserve zurückzukehren.

0:19:55Doch der Kampf ist noch nicht vorbei. Wasser, Schulen, Gesundheitsversorgung und der Zugang zu Lebensgrundlagen stellen nach wie vor enorme Hindernisse dar, und doch halten die San durch. Einige haben sich teilweise in die modernere Gesellschaft integriert und arbeiten im nachhaltigen Tourismus oder als Naturführer. Andere versuchen, ihre Kultur von innen heraus zu erneuern, indem sie jungen Menschen traditionelle Sprachen und Techniken beibringen. In den letzten Jahrzehnten hat ein neues wissenschaftliches und kulturelles Interesse begonnen, das ökologische Wissen der San neu zu bewerten. Ihr Wissen über Heilpflanzen, über das Gleichgewicht der Ressourcen und über gewaltfreie Kommunikation. In einer Welt, die von vielfältigen Bedrohungen heimgesucht wird, stellt ihre Erfahrung ein Modell radikaler Nachhaltigkeit dar. Leben ohne zu zerstören. Wissen ohne zu beherrschen.

0:21:17Die San zwingen uns, unsere Gewissheiten zu überdenken. In einer Welt, die von Anhäufung beherrscht wird, praktizieren sie Genügsamkeit als Freiheit. In einer auf Wettbewerb gegründeten Gesellschaft pflegen sie Zusammenarbeit, als Form des Überlebens. Wo wir Ressourcen sehen, die es auszubeuten gilt, sehen sie Beziehungen, die es zu respektieren gilt. Sie sind nicht die Primitiven einer unvollendeten Menschheit, sondern Zeugen eines möglichen Gleichgewichts. Ihre Existenz ist eine stille Erinnerung daran, was der Mensch sein kann, wenn er sich dafür entscheidet, zur Welt zu gehören, anstatt sie zu besitzen. Die San zu betrachten, bedeutet nicht, zurück in eine verlorene Vergangenheit zu blicken.

0:22:25Im Gegenteil, es könnte bedeuten, nach vorne zu schauen, in eine Zukunft, in der die alte Weisheit der Harmonie mit der Welt zum Schlüssel für das Überleben unserer Spezies selbst wird. Mit der Ankunft der Bantu um das erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung erlebte die südliche Region neue Formen der sozialen Organisation. Die Bantu, wie wir bereits im Laufe unserer Treffen festgestellt haben, brachten die Eisenmetallurgie, den Anbau von Hirse und Sorkum sowie eine Weltanschauung mit, die auf Verwandtschaft und Ahnenkult beruhte. Damals entstanden die ersten Mapungwe zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert.

0:23:32Diese Königreiche des südlichen Afrikas, wie das Königreich Mapungupwe, das an den Ufern des Flusses Limpopo entstand und weiter nördlich das große Zimbabwe, der Höhepunkt einer außergewöhnlichen Zivilisation wurde. An den Ufern des Limpopo, wo das heutige Südafrika auf Zimbabwe und Botswana trifft, ragen noch immer die Ruinen eines alten Steinhügels empor. Es ist ein stiller Ort, aber voller Präsenz. Mapungupwe, der Hügel der Steinjahrzehnten, wie ihn die Bantu-Völker nannten,

0:24:18ist heute eines der archäologischen Städte. Doch etwa drei Jahrhunderte lang, zwischen 1075 und 1300, war es die Hauptstadt des ersten großen Königreichs im südlichen Afrikas. Ein Zentrum der Macht, der Kunst und des Handels, das die großen Zivilisationen von Groß Zimbabwe und Khan vorwegnahm. Das Königreich Mapungupwe steht für die Entstehung des afrikanischen Königtums südlich des Äquators. Ein grandioses Kapitel der Geschichte, das lange Zeit von kolonialen Erzählungen verdeckt wurde. Mapungupwe liegt an der Stelle, wo die Flüsse Chassé und Limpopo zusammenfließen. In einer Landschaft aus Savane, felsigen Hügeln und jahrhundertealten Affenbrotbäumen. In dieser Region hatten sich bereits im 9. Jahrhundert kleine Dörfer von Bantu-Bauern und Hirten entlang der Wasserläufe niedergelassen, wo sie Hirse und Sorghum anbauten und mit Elfen bei

0:25:38und Fellen handelten. Mit der Zeit entstand aus diesem Netzwerk von Siedlungen eine komplexe Gesellschaft, nämlich Mapungupwe, die innerhalb weniger Generationen zum Zentrum eines gegliederten und hierarchischen Königreichs wurde. Der etwa 40 Meter hohe Hügel von Mapungupwe war nicht nur ein natürlicher Zufluchtsort, sondern ein Symbol heiliger Macht.

0:26:14Archäologen gehen davon aus, dass die physische Trennung zwischen dem Hügel, der den Herrschen und den Eliten vorbehalten war, und der Ebene, wo die in Anführungszeichen einfache Bevölkerung lebte, den Unterschied zu früheren Gemeinschaften darstellt, die auf Verwandtschaftsbeziehungen und Gemeinschaft gründeten.

0:26:42In Mapungupwe entstand eine echte Aristokratie. Der König und seine Familie wohnten auf dem Gipfel des Hügels, isoliert vom Volk. Der Zugang war verboten. Der Aufstieg zum Herrscher bedeutete nicht nur die Überquerung eines physischen Raums, sondern auch einer symbolischen Schwelle zwischen der menschlichen und der heiligen Welt.

0:27:11Es handelt sich wahrscheinlich um die erste dokumentierte Form sozialer Schichtung im südlichen Afrika. Archäologische Ausgrabungen haben außerordentlich reich ausgestattete Königsgräber zutage gefördert. Die Goldschmuck, Glasperlen, Keramik und Gegenstände aus fernen Ländern beinhalteten. Unter diesen Funden sticht eine kleine goldene Nashornfigur hervor, die heute im Museum der Universität Pretoria aufbewahrt wird und ein Symbol für königliche Macht und Würde ist. Daneben wurden Zepter, Armbänder und goldene Diademe gefunden. Eindeutige Zeichen einer Gesellschaft, die den symbolischen und politischen Wert des Edelmetalls kannte. Die Macht des Königs war nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch spiritueller Natur. Wie wir bereits gesehen haben, galt der Herrscher in den Bantu-Kulturen als Vermittler zwischen dem Volk und den Ahnen. Als derjenige, der die Fruchtbarkeit des Landes und die Harmonie des Universums garantierte.

0:28:37In Mapungwe erreichte diese sakrale Dimension der Macht in Südafrika bisher unbekanntes Ausmass. Mapungwe war kein isoliertes Königreich, sondern Teil eines ausgedehnten internationalen Handelsnetzes, welches das Landesinnere des Kontinents mit den Küsten des Indischen Ozeans verband. Von den Ebenen des Limpopo brachten Karawanen auf, beladen mit Gold, Kupfer, Elfenbein und Tierhäuten, auf dem Weg zu den Häfen von Sofala und Kilwa im heutigen Mosambik und Tansania, wo Araber, Perser und Inder diese Waren gegen Glasperlen, Stoffe, Keramik und Gewürze eintauschten. Die in den Gräbern von Mapungwe gefundenen Glasperlen, die aus dem Nahen Osten und Asien stammten, zeugen von einem überraschenden Mass an wirtschaftlicher Integration, das den kolonialen Mythos eines verschlossenen und isolierten Afrikas widerlegt. Das Königreich war somit ein strategischer Knotenpunkt,

0:30:07der die Handelsströme zwischen den Goldminen im Landesinneren und den Häfen an der Ostküste kontrollierte. Die Kunst von Mapungwe spielte eine Welt wider, in der Macht und Heiligkeit miteinander verflochten waren. Die Handwerker beherrschten die Bearbeitung von Gold, Kupfer, Elfenbein und Keramik mit aussergewöhnlichem Geschick. Insbesondere Gold hatte, wie bereits erwähnt, eher einen symbolischen als einen materiellen Wert. Es stand für das Sonnenlicht, die Lebenskraft und die königliche Stärke. Die Zomorfenfiguren, Nashörner, Elefanten, Rinder hatten rituelle Funktionen. Insbesondere das goldene Nashorn, symbolisierte die Macht und den Schutz des Herrschers. So wie das Tier angreift, um sein Revier zu verteidigen, war der König Hüter des Landes und seines Gleichgewichts. Die Religion von Mapungwe begründete auf den Ahnenkult und der Verbindung zu den Naturkräften.

0:31:31Höhlen und Felsen waren heilige Städten und Zeremonien verbanden die Fruchtbarkeit des Bodens mit den Riten der Macht. Die Vorstellung einer heiligen Königsherrschaft, in der der König die kosmische Ordnung verkörperte, war eines der nachhaltigsten Vermächtnisse dieser Zivilisation, das später an die Königreiche Grossimbaue und Mutapa weitergegeben wurde. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts geriet Mapungwe in eine Krise. Die Ursachen sind nicht ganz klar. Doch Wissenschaftler vermuten klimatische Veränderungen, vielleicht eine Periode anhaltender Dürre und die Verlegung der Handelswege nach Norden, wo das Königreich Grossimbaue im Entstehen begriffen war. Als der Regen ausblieb und die Herden starben, wurde der goldene Hügel verlassen. Doch sein Erbe verschwand nicht. Die politischen und symbolischen Strukturen von Mapungwe überlebten in den nachfolgenden Königreichen und verbreiteten ein afrikanisches Modell von Königtum,

0:32:57Kunst und Urbanität. Jahrhundertelang blieb die Erinnerung an Mapungwe unter dem Staub des Limpopo begraben. Die Ausgrabungen begannen erst in den 1930er Jahren. Während der südafrikanischen Kolonialzeit. Doch die Größe der Städte stellten die vorherrschende Erzählung infrage, welche die Existenz komplexer afrikanischer Zivilisationen vor der Ankunft der Europäer leugnete. Aus diesem Grund wurden die Funde lange Zeit zensiert und heruntergespielt. Erst nach dem Ende der Apartheid im Norden, im Jahr 1994, wurde Mapungwe als nationales und universelles Kulturerbe anerkannt.

0:34:002003 nahm die UNESCO es in die Liste des Weltkulturerbes auf, als Zeugnis einer Zivilisation, die Spiritualität, Handel und Innovation in sich zu vereinen wusste. Heute schützt er Mapungwe Nationalpark nicht nur die Ruinen des Königreiches oder des Könighügels, sondern auch die sie umgebende Natur- und Kulturlandschaft. Ein Mosaik aus Ökosystemen, Tieren und Erinnerungen, das von der tiefen Verbundenheit zwischen Menschen und Erde erzählt. Das Königreich Mapungwe war kein Einzelfall, sondern der Auftakt zu einer langen afrikanischen Geschichte, der Zivilisation und Kreativität. Es war die erste Gesellschaft im südlichen Afrika, die Gold nicht nur mit den Händen schmiedete, sondern mit der Vorstellungskraft, um das Material in ein Symbol zu verwandeln. Die Erde in Heiligkeit, die Macht in Kunst. In einer Zeit, in der die Geschichte des Kontinents

0:35:23noch allzu oft von außen erzählt wird, gibt uns Mapungwe eine alte und stolze afrikanische Stimme zurück. Eine Zivilisation, welche die Sprache der Sonne, des Handels und der Erinnerung sprach. Und im goldenen Licht, das noch immer ihre Ruinen umhüllt, scheint man das Echo eines Königreichs zu hören, das nie wirklich verschwunden ist. Das Königreich, in dem Stein zu Gold, und Gold zu Geist wurde. Wir machen eine kleine Pause. Sehr gut. So.

0:36:24Ist grün bei dir? Jawohl, grün. Gut, sehr gut. Ja. Gute Arbeit. Ja, was heißt gut? Ja.

0:36:40installed.

0:36:59Ist es auch zu ausprobieren, dass ich das noch besser komme, wenn ich ... Ja. Ja, ja, hoffe ich. Ist hab. Ich weiß nicht, ob es ihr Kompliment hilft. Ich bin so neugierig gegen Pferde, gegen Pferde. Wer diese unglaubliche Arbeit nutzt und wer sich dagegen stellen wird, weil das Geschwafel ist, am Ende seiner Laufzeit einen solchen Turm zu finden?

0:37:49Das erste Mal, wo wir auf einen gemeinsamen Fundus zurückgegriffen haben. Hat er über die Renovation geschickt? Er hat mal reingeschaut und hat mir dann geschrieben, er würde das noch mit anderen anschauen. Und seither habe ich nicht mehr gehört. Das war, glaube ich, etwa vor zwei Wochen. Ja, die mühlen mal langsam. Es könnte auch sein, dass er vielleicht ein bisschen erschlagen war vom Inhalt.

0:38:22Durchaus. In der Zwischenzeit ist noch einiges dazugekommen, einiges haben wir noch überarbeiten müssen. Das Orchester hat mit mir schon etwas mitgebracht.

0:38:38Wir nehmen noch den geschichtlichen, legendarischen Teil hinein. Das macht Sinn. Den mythologischen Teil. Genau. Wir nehmen noch das Symbol hinein. Es wird eine Art Drossal mit Symbolen. Das habe ich heute schon einmal angefangen. Das kommt gut. Das kommt sehr gut. Und dann haben wir wirklich schon einmal eine Grundlage. Und ich habe das Gefühl, wow, wenn wir das einmal als Grundlage voraussetzen können, was eine Illusion ist, dann reden wir wirklich einmal vom Gleichen. Dann haben wir eine gemeinsame Sprache. Ja, aber nicht eine gemeinsame Beholfenheit. Nein, das haben wir nicht. Das ist mir auch bewusst. Sind wir im Bild? Sehr gut. Ist gut. Die Köpfe sind nicht abgeschnitten. Ist eingeschaltet, oder? Ja, ist eingeschaltet. Ist gut.

0:39:37Was hat gefehlt vorher? Sie sind noch nicht eingeschaltet. Oh, oh, oh. Achtung. Also. Ich habe wenig Platz. Du bist zu. Du musst bleiben. Ach so, okay. Noch ein bisschen. Noch ein bisschen. Hier. Ja, so. Das ist gut, okay. Am besten möchte sie mich aus dem Bild nehmen. Verstehst du? Ach so, so ist das. Ah, das sind Freunde. Ja, ja. Ohne Ende. Ohne Ende. Gut. Also. Dürfen wir mit dem zweiten Teil starten?

0:40:14Zwischen den grasbewachsenen Hügeln des modernen Zimbabwe ragen Granitmauern empor, die seit mehr als sieben Jahrhunderten unerschütterlich stehen. Es sind die Ruinen von Gross Zimbabwe, der Stadt, die einem ganzen Land seinen Namen gab und die jahrhundertelang die Hauptstadt der Zimbabwe war. Die Hauptstadt eines mächtigen, kultivierten und geheimnisvollen Königreichs war. Ihre runden Türme, ihre Terrassen und ihre Steinmauern zeugen noch immer von einer afrikanischen Zivilisation, die es verstand, mit einer Meisterschaft zu bauen, Handel zu treiben und zu regieren, die die europäischen Kolonialisatoren nicht verstand. Das Königreich Gross Zimbabwe blühte zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert in einem fruchtbaren Gebiet zwischen den Flüssen Zambezi und Limpopo auf, an der Schnittstelle zwischen Savanne und Hochebene. Seit Jahrhunderten war die Region von Bantu-Völkern der Shona-Sprache bewohnt.

0:41:42Erfahrene Bauern und Viehzüchtern, Erben der Kulturen von Mapunguwe und anderen kleineren Zentren. Doch gerade hier, im Herzen des südöstlichen Afrikas, erreichte die Zivilisation ein bisher nie dagewesenes Ausmass und eine beispiellose Komplexität. Die Rahmenbedingungen waren günstig. Fruchtbares Land, Gold- und Eisenvorkommen, reichlich Vieh und vor allem eine strategisch günstige Lage an den Handelsrouten, die das Landesinnere mit den Küsten des Indischen Ozeans verbanden. Gross Zimbabwe wurde bald zum politischen, wirtschaftlichen und spirituellen Zentrum eines riesigen Königreichs. Das hunderte kleinere Siedlungen kontrollierte und über die Häfen von Sofala und Kilwa-Kizwani Handel mit arabischen, persischen und indischen Kaufleuten trieb. Der Name Zimbabwe leitet sich aus der Shona-Sprache Zimbabwe ab, was Steinhäuser bedeutet. Tatsächlich ist es gerade die Monumentalität der Architektur, die ohne den Einsatz von

0:43:23Mörtel oder Zement errichtet wurde, die an dieser Stätte beeindruckt. Die bis zu 10 Meter hohen und fast 5 Meter dicken Mauern wurden durch das Ineinanderstecken perfekt geformter Granitblöcke errichtet. In einem geometrischen Gleichgewicht, das seit über 700 Jahren Bestand hat. Der städtische Komplex gliederte sich in drei Hauptbereiche. Den Akropolis-Hügel, Sitz der politischen und religiösen Macht, wo der König residierte und die Rituale im Zusammenhang mit dem Ahnenkult stattfanden. Die grosse Umfriedung, das ikonischste Symbol der Städte. Mit dem berühmten Kegelturm. Einem geheimnisvollen Bauwerk, vielleicht ein Symbol der Fruchtbarkeit. Oder ein Getreidespeicher, Symbol für den Wohlstand des Königreichs. Und das Tal, wo die einfache Bevölkerung lebte. Bestehend aus Handwerkern, Händlern und Bauern. Es wird angenommen, dass die Stadt zwischen 10.000 und 20.000

0:44:44Einwohner beherbergen konnte. Eine für die damalige Zeit aussergewöhnliche Zahl. Sie war in jeder Hinsicht eine afrikanische Metropole des Mittelalters. Organisiert, funktional und reich. Die Stärke des Königreichs Grosszimbabwe lag in der Kontrolle der Handelswege. Von den Minen im Landesinneren brachen Karabiner, Karwanen auf, beladen mit Gold, Elfenbein und Kupfer, die die Küstenmärkte Mosambiks erreichten. Dort wurden die Waren gegen chinesische Keramik, indische Stoffe, arabisches Glas und persische Perden eingepauscht. Archäologen haben in den Ruinen von Grosszimbabwe Porzellan der Ming-Dynastie, Glaswaren aus dem Nahen Osten und arabische Münzen gefunden. Greifbare Zeichen einer globalen Wirtschaft ante literam. Dieser Wohlstand nährte eine hierarchische Gesellschaft, angeführt von einem Herrscher, dem Mambo, der die spirituelle und politische Macht verkörperte. Der König galt als Vermittler zwischen dem Volk und den Geistern der Ahnen

0:46:17und war verantwortlich für die Fruchtbarkeit des Landes und das kollektive Wohlergehen. Phi, insbesondere der Ochse, war ein Symbol für Reichtum und Ansehen, während Gold, wie im Königreich Mapungupwe, eher einen sakralen als einen wirtschaftlichen Wert hatte, verbunden mit dem Sonnenlicht und dem Leben selbst. Die Religion von Grosszimbabwe gründete auf dem Ahnenkult und der Verehrung der Naturkräfte. Hügel, Höhlen und heilige Bäume waren Orte der Kommunikation mit der geistigen Welt. Der König und die Priester vollzogen Fruchtbarkeits- und Regenrituale, die für das Gleichgewicht des Ökosystems und der Gesellschaft von zentraler Bedeutung waren. Die Kunst spiegelte dieses symbolische Universum wider. Die berühmten, in Granit gehauenen Steinfügel, die auf dem Akropolis-Hügel gefunden wurden, stellen möglicherweise die Verbindung zwischen Himmel und Erde

0:47:39oder die visionäre Kraft des Herrschers nahe. Heute ist eine dieser Skulpturen auf der Flagge Zimbabwes abgebildet, als Symbol für Kontinuität zwischen dem alten Königreich und der modernen Nation. Die materielle Kultur des Königreichs, verzierte Keramiken, Gegenstände aus Gold und Kupfer, Schmuck aus Elfenbein, zeugt von einer raffinierten Ästhetik und großer technischer Meisterschaft. Gegen das 15. Jahrhundert begann der Niedergang des Königreichs. Auch hier sind die Beweggründe dafür umstritten. Vielleicht klimatische Veränderungen, die zu einer anhaltenden Dürre führten, vielleicht die Übernutzung der Ressourcen oder die Verlagerung der Handelswege nach Norden, wo das Königreichs Mutabein stand. Als die Portugiesen im 16. Jahrhundert an der Ostküste Afrikas eintrafen, war Groß-Zimbabwe bereits weitgehend verlassen. Ein steinernes Phantom, eingetaucht in Stille, doch sein Vermächtnis überlebte.

0:49:04Die politischen Strukturen, Kulte und Traditionen des historischen Zimbabwes verbreiteten sich in den nachfolgenden Königreichen und die Erinnerung an diese mythische Stadt blieb in den Legenden der Shona als Symbol für verlorene Größe und angestammte Würde erhalten. Als europäische Entdecker im 19. Jahrhundert die Ruinen entdeckten, konnten sie es kaum glauben. Der deutsche Archäologen, Karl Mauch, weigerte sich 1871 zu glauben, dass eine solche Stadt das Werk von Afrikanern sein könnte und mussmaßte, sie sei von Phönizien, Arabern oder Israeliten erbaut worden. Jahrzehntelang verbreiteten Kolonialhistoriker diese Legende, in dem bewussten oder unbewussten Versuch, die kulturelle und technologische Eigenständigkeit Schwarzafrikas zu leugnen. Erst im 20. Jahrhundert wurde dank der Studien der britischen Archäologin Gertrude Camden-Thomson im Jahr 1929 endgültig bewiesen, dass Groß-Zimbabwe ein afrikanisches Werk war,

0:50:32das von den Shona-Vorfahren geschaffen wurde. Diese lange unterdrückte Wahrheit wurde später zu einem Symbol der nationalen Identität während des Kampfes um die Unabhängigkeit Zimbabwes, die 1980 erreicht wurde. Heute ist die Städte von Groß-Zimbabwe UNESCO-Weltkulturerbe und eines der mächtigsten Symbole des Kontinents. Sie ist nicht nur ein Ruinenkomplex, sondern ein Akt der Erinnerung und der Selbstbehauptung. Der Beweis, dass Afrika eine eigenständige Geschichte der Zivilisation, Architektur, des Handels und des Denkens besass und besitzt. Seine Botschaft ist universell. Grösse ist nicht das Eigentum einer bestimmten Ethnie oder eines bestimmten Breitengrades, sondern entsteht überall dort, wo der Mensch mit Intelligenz, Schönheit und Glauben baut. Wenn das grosse Zimbabwe das Afrika der Steine repräsentiert, repräsentieren die Zulu das Afrika des Körpers.

0:52:01In Erinnerung des südlichen Afrikas klingt der Name Zulu wie eine Trommel, die zwischen den Hügeln von KwaZulu-Natal schlägt. Jenem geografischen Gebiet, das sich über etwa 94'000 km² entlang der Ostküste Südafrikas erstreckt und an Mozambique, Eswatini und Lesotho grenzt. Es ist eine Region von erstaunlicher geografischer Vielfalt mit tropischen Stränden im Osten, subtropischen Wäldern, sanften Hügeln, Hochebenen und den majestätischen Tragensbergen. Zulu ist ein Name der Stärke, Stolz und Widerstandskraft hervorruft. Doch hinter der Kriegerlegende, welche die Welt kennengelernt hat, verbirgt sich eine tiefere Geschichte. Jene eines Volkes, das eine starke Identität aufgebaut hat, die ebenso auf dem Schwert wie auf dem Wort auf Tradition, Solidarität und einer ausgefeilten Weltanschauung gründet. Der Begriff Zulu bedeutet in der Nguni-Sprache Himmel oder Paradies

0:53:36und geht der Überlieferung nach auf einen legendären Vorfahren zurück. Zulu ka Malamdela, der im 17. Jahrhundert lebte. Die Zulu gehören zur grossen ethnolinguistischen Gruppe der Bantu. Ursprünglich waren die Zulu eine kleine Stammesgemeinschaft unter den vielen, welche die Region Natal bewohnten. Sie lebten von Viehzucht, Ackerbau und Jagd und waren in Familienclans organisiert, die Amakanda genannt wurden. Alles änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als eine Persönlichkeit auftauchte, die ihre Geschichte für Immun verändern sollte. Saga Zulu. Als unehelicher Sohn des Häuptlings Sansanankona wuchs Chaka zwischen demütigen und schlachten. Doch er besaß eine strategische Intelligenz und eine außergewöhnliche politische Weitsicht. Als er 1816 König wurde, verwanderte sich sein kleiner Hirtenclan innerhalb weniger Jahre in ein gefürchtetes und respektiertes Reich.

0:55:10Chaka reorganisierte die Gesellschaft und die Armee mit eiserner Disziplin. Er schuf die Impi, eine auf Alter und Treue basierende Militäreinheit, und führte die Iklava ein, einen kurzen Stoßbär, der die traditionelle Kriegsführung revolutionierte. Jeder junge Zulu musste sein Leben dem Dienst am Königreich widmen. Ausbildung, Gehorsam, Opferbereitschaft. Chakas Feldzüge waren nicht nur territoriale Eroberungen, sondern ein politisches Projekt der Vereinigung. Innerhalb eines Jahrzehnts beherrschte das Zulu-Königreich einen großen Teil Südostafrikas.

0:56:07Seine Macht beruhte auf einer Mischung aus militärischer Stärke, persönlichem Charisma und sozialer Organisation. Chaka war ein genialer und gnadenloser Herrscher. Seine Figur ist bis heute Gegenstand von Debatten und schwankt zwischen Mythos und Schrecken, zwischen politischem Genie und Tyrannei. Nach der Ermordung Chakas im Jahr 1828 durch seine Brüder ging das Königreich an Dhingane, dann an Mpande und schließlich an Chetswayo über, der sich der größten Herausforderung stellen musste, jene, der Mpande, der britischen Invasion.

0:57:011879, während des Anglo-Zulu-Krieges, fügte die mächtige Zulu-Armee den Briten in der berühmten Schlacht von Isandlavana, eine der überraschendsten Niederlagen der Kolonialgeschichte, zu. Tausende von Kriegern, die nur mit Speeren und Lederschilden bewaffnet waren, gelang es, die mit Gewehren und Artillerie ausgerüsteten imperialen britischen Truppen zu besiegen. Doch der Ruhm war nur von kurzer Dauer. Wenige Monate später rächten sich die Briten in Ulundi mit verheerender Wucht. Das Königreich wurde zerschlagen, das Gebiet annektiert und die Souveränität der Zulu zerstört. Seitdem durchlebten die Zulu eine lange Zeit des kulturellen und politischen Widerstandes,

0:57:59hielten ihre Identität jedoch durch Sprache, Rituale und Erinnerung lebend. Die traditionelle Zulu-Gesellschaft beruhte und beruht zum Teil noch immer auf einem tiefen gemeinschaftlichen Gleichgewicht. Der Häuptling, in Kosi genannt, repräsentiert die politische Autorität. Doch die wahre Grundlage des sozialen Lebens ist erklaren und das Prinzip des Ubuntu, die Überzeugung, dass, ich zitiere, ein Mensch durch andere Menschen zu Menschen kommt. Zitat Ende. Solidarität, Zusammenarbeit und der Respekt von den Vorfahren bilden den Kern der Zulu-Ethik. Die traditionelle Religion konzentriert sich auf den Kult des Amadlosi, die Geister der Vorfahren, die als Vermittler zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt fungieren. Die Geister beschützen die Familie, verlangen jedoch Respekt, Opfergabe und Rituale. Schamanen, sogenannte Insangoma, und Heiler, sogenannte Inyanga, deuten Träume, Omen und Krankheiten

0:59:27und verbinden so Medizin mit Spiritualität. Musik und Tanz sind ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Von den Chorliedern der Krieger, bis hin zu den Gemeinschaftstänzen, sogenannten Idlamu, die bei Hochzeiten und Initiationszeremonien aufgeführt werden, drückt die Kultur der Zulu eine Harmonie zwischen Körper, Rhythmus und Gemeinschaft aus. Die Zulu-Sprache, genannt Isi-Zulu, die zur Nguni-Gruppe, der Bantu-Sprache, gehört, ist heute eine der elf Arten der Amtssprachen Südafrikas und eine der meistgesprochenen Sprachen im südlichen Afrika. Es ist eine musikalische Sprache, reich an Sprichwörtern, Metaphern und Lautmalereien, die das Wort in Kunst verwandeln kann. Die mündliche Überlieferung ist in der Tat das Rückgrat der Zulu-Kultur. Die lokalen Griots, im Mogni genannt, sind Dichter und Historiker, welche die Taten von Königen und Kriegern weitergeben

1:00:52und so das kollektive Gedächtnis lebendig halten. Die Kunst der Zulu, von Perlenschmuck über Holzschnitzereien bis hin zu verzierten Schildern, ist zugleich ästhetisch und kommunikativ. Jede Farbe und jedes Muster haben eine bestimmte Bedeutung, die mit Familie, Rang oder Liebe verbunden ist. Heute sind die Zulu mit über 10 Millionen Menschen die grösste ethnische Gruppe Südafrikas. Ihre Heimat, KwaZulu-Natal, ist eine der kulturell dynamischsten Regionen des Landes. Nach dem Ende der Apartheid erlebte die Kultur der Zulu eine stolze Renaissance und wurde zu einem integralen Bestandteil der südafrikanischen nationalen Identität. Die Moderne hat die Traditionen nicht ausgelöscht. In Städten wie Duruban leben Technologie und Stammestanz, Gospel und die Sprache Isisulu, junge Unternehmer und die älteren Hüter der Rituale nebeneinander. In dieser Synthese aus Alt und Neu

1:02:15zeigt sich die wahre Stärke des Zulu-Folges, nämlich die Fähigkeit, Erinnerungen in Zukunft zu verwandeln. Wir schliessen unsere gemeinsame Betrachtung der anthropologischen Kulturgeschichte des südlichen Afrikas mit Namibia ab. An den Grenzen des südlichen Afrikas, wo die Wüste auf den Atlantik trifft und die Savannen am Horizont verschwinden, erstreckt sich Namibia. Es ist ein Land extremer Gegensätze. Rote Sanddünen, die bei Sonnenuntergang wie Flammen wirken, Flüsse, die ins Nichts verschwinden, weite Savannen, in denen Elefanten und Nashörner frei umherstreifen. Der unaufhörliche Wind, der in einigen lokalen Sprachen Omuriro genannt wird, scheint die Erinnerung an alte Völker, Kriege und Wanderungen mit sich zu tragen. Namibia ist eines der weitläufigsten und am dünnsten besiedelten Länder des Kontinents. Weniger als drei Millionen Einwohner

1:03:34auf fast 825'000 Quadratkilometern. Diese Weite trägt zu einem Gefühl absoluter Freiheit, aber auch der Isolation bei. Jede Stadt, jedes Dorf, jede Oase erzählt Geschichten von Überleben, Widerstandsfähigkeit und Anpassung. Die namibische Geografie ist spektakulär und einzigartig. Im Westen erstreckt sich die Namibwüste, die als die älteste der Welt gilt, mit hunderte Meter hohen roten Sanddünen. Sosulvlei im Herzen von Namib ist vielleicht die ikonischste Landschaft des Landes. Vom Wind geformte Dünen, temporäre Wasserlöcher und vereinzelten Akazien schaffen Bilder von fast surrealer Schönheit. Weiter nördlich erstreckt sich die Skelettküste entlang des Atlantiks. Berühmt für gestrandete Schiffe, verrostete Wracks und eine Atmosphäre, mystischer Trostlosigkeit. Hier verwandeln Nebel und Wind die Landschaft in einen Ort der Mythen und Legenden. Im Osten und Norden liegen Savannen

1:05:00und Flüsse wie der Okavango und der Zambezi. Lebensräume für Elefanten, Löwen, Nashörner und Flusspferde. Die Berge des Waterbergs und das Kaukoland beherbergen empfindliche Ökosysteme und traditionelle indigene Gemeinschaften. Diese geografische Vielfalt macht Namibia zu einem natürlichen Laboratorium der Biodiversität, stellt aber auch eine Herausforderung für seine Bewohner dar, da Wasser und Ressourcen in vielen Regionen knapp sind. Namibia wird seit Jahrtausenden von indigenen Völkern wie den San und den Himba bewohnt, die das jahrtausendalte Wissen über das Überleben in der Wüste bewahren. Den San haben wir bereits unsere Aufmerksamkeit gewidmet. Widmen wir nun einen Teil, wie immer unzureichend, da dies den vielen, was man erzählen könnte, nicht gerecht wird, dem Volk der Himba. Die Himba sind ein halbnomadisches Volk,

1:06:16das im Nordwesten Namibias in der Region Kunene, ehemals Kaukoland, lebt. Sie sind weltweit bekannt für ihre traditionelle Lebensweise, ihre kulturelle Widerstandskraft und ihre einzigartige Ästhetik, die eine tiefe Verbundenheit mit dem Land und der Sonne widerspiegeln. Das auffälligste Merkmal der Himba ist die Verwendung von Otije, einer Paste aus Butter und rotem Ocker. Die Haut und Haare bedeckt. Dieses Ritual dient sowohl dem Schutz vor Sonne und Insekten, als auch als Ausdruck von Schönheit, Identität und Zugehörigkeit zum Clan. Die Frauen flechten aufwendige Frisuren und tragen Schmuck der Alter, sozialer Status und Familienstand anzeigen. Während die Männer bei Zeremonien und im Hirtenleben Schilde und Stöcke tragen. Traditionell sind die Himba Rinder- und Ziegenhirten und das Vieh stellt nicht nur

1:07:35wirtschaftlichen Reichtum dar, sondern ist auch der Mittelpunkt des sozialen und spirituellen Lebens. Ihre Kultur ist tief mit den Vorfahren und den Gemeinschaftsritualen verbunden, von Hochzeit bis hin zu Initiationszeremonien. Trotz des Einflusses der Moderne und des Tourismus bewahren die Himba weiterhin eine der authentischsten und visuell außergewöhnlichsten Kulturen Afrikas und verkörpern ein einzigartiges Gleichgewicht zwischen Tradition, Natur und Spiritualität. Neben diesen traditionellen Völkern gibt es Gruppen europäischer und afrikanischer Abstammungen. Deutsche, Afrikaner, Cap-Namibia und Bantu. Das Zusammenleben ist komplex, hat jedoch ein kulturelles und sprachliches Mosaik geschaffen. Neben Englisch als Amtssprache werden Deutsch, Afrikaans, Oshiva-Mambo, Herero und andere lokale Sprachen gesprochen. Die Geschichte Namibias ist geprägt von Kolonialisierung und Konflikten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Land von Deutschland besetzt

1:09:06und zur Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Die Deutschen bauten Infrastruktur, Städte und Festungen, begingen aber auch Gräueltaten gegen die Völker der Herero und Nama, die als einer der ersten Völkermorde des 20. Jahrhunderts gelten. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Namibia unter südafrikanische Verwaltung, welche Gesetze ähnlich der Apartheid und rassistische Diskriminierung durchsetzte. Der Unabhängigkeitskampf, angeführt von der SWAPO, Southwest African People's Organization, dauerte Jahrzehnte und gipfelte 1990 darin, dass Namibia seine internationale Souveränität erlangte und eine unabhängige Republik wurde. Diese Geschichte hat tiefe Spuren im sozialen Gefüge hinterlassen. Kolonialstädte wie Windhoek und Swakopmund stehen Seite an Seite mit traditionellen Dörfern, Gedenkstätten und Zeugnissen vergangener Gräueltaten. Die namibische Wirtschaft gründet auf Bergbau, Tourismus und Landwirtschaft. Namibia ist reich an Diamanten, Uran und Kupfer,

1:10:39die vor allem entlang der Skelettküste und im Landesinneren abgebaut werden. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Dünen der Namib, die Nationalparks und die traditionellen Dörfer ziehen Besucher aus aller Welt an. Die Landwirtschaft konzentriert sich auf den Getreideanbau, die Viehzucht und die Haltung von Dromedaren in den trockensten Gebieten. Namibia steht jedoch vor ökologischen und sozialen Herausforderungen wie Wasserknappheit, Klimawandel, wirtschaftliche Ungleichheiten sowie dem Schutz der indigenen Bevölkerung und der Tierwelt. Namibia ist ein Land der Gegenseite. Namibia ist ein Land der Gegensätze und Harmonien, der Wüste und des Ozeans, des Alten und des Modernen, der Tradition und der Globalisierung. Es ist das Land, in dem Jahrtausende alte Völker gelernt haben, die Zeichen der Natur so zu deuten,

1:11:53wo das historische Gedächtnis mit modernen Städten koexistiert und wo die Schönheit der Landschaften zum Symbol für Widerstand und Widerstandsfähigkeit wird. Der Wind, der durch die Dünen der Namib weht, scheint die Stimme der alten Völker zu tragen und von Mut, Anpassung und Überleben zu erzählen. Namibia ist in seiner Weite und Einsamkeit eine Einladung, die Tiefe der Zeit und des Lebens zu begreifen. Wo jeder Stein, jeder Hügel und jede Oase eine einzigartige Geschichte birgt. Namibia ist nicht nur ein geografisches Land, sondern ein Mosaik aus Landschaften, Völkern und Erinnerungen. Ein Laboratorium der Biodiversität und ein Zeuge menschlicher Widerstandsfähigkeit. Von den glühend heissen Dünen der Namib bis zur öden Küste, von den Himbadörfern bis zu den Kolonialstädten erzählt Namibia eine Geschichte von Überleben,

1:13:11Anpassung und kulturellem Stolz. Wer dieses Land besucht, begreift schnell, dass der wahre Reichtum nicht in den Minen oder den Touristenattraktionen liegt, sondern in der tiefen Verbindung zwischen Mensch und Natur, Geschichte und Identität.

1:13:36Das südliche Afrika ist mehr als jede andere Region eine Geografie der Erinnerung. Jeder Stein, jeder Fluss, jeder Hügel bewahrt Spuren einer Vergangenheit, die nicht nur Chronik ist, sondern Erfahrung, Gedanke, Widerstand. Die Felsmalerei in der Saan, Zeugnis eines jahrtausendalten Dialogs mit der Natur und den Geistern, die imposanten Ruinen von Groß-Simbabwe, die von komplexen und hochentwickelten Zivilisationen erzählen, die Zulu-Gesänge voller Stolz und Zusammenhalt, die Märsche für Freiheit, die Gleichheit und vor allem die Würde von Soweto, das Lächeln von Nelson Mandela, Zeichen dafür, dass Befreiung auch Versöhnung ist. Alles spricht dieselbe Wahrheit. Die Kultur ist hier, wie bei jedem anderen Volk auch, kein bloßer Schmuck. Sie ist Widerstand und der Widerstand selbst ist Kultur. Jahrhundertelang suchten Entdecker Entschuldigung, Entschuldigung

1:14:57suchten Entdecker und Kolonisatoren in diesen Ländern nach dem Ursprung des Menschen. Im Glauben, die Wahrheit sei biologisch, linear, messbar. Doch das Südliche, Afrika lehrt uns, dass der Ursprung auch ethisch, ästhetisch und poetisch ist. Es ist der Ort, an dem der Stein denkt, an dem die Stimme erzählt und an dem jede alltägliche Geste von Flechten der Himbeerhaare bis zu den Ritualen der Ahnen zu einem Akt der Bewahrung des Sinns der Welt wird. Hier versteht man, dass Zivilisation niemals nur Herrschaft oder Machtansammlung ist. Sie ist Beziehung, ein ständiger Dialog zwischen Gemeinschaften, zwischen Menschen und Natur, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Wie ein altes Xhosa-Sprichwort sagt, ich zitiere, ein Mensch ist keine Inseln, sondern ein Echo in den Bergen.

1:16:07Zitat Ende. Das Echo des südlichen Afrika ist kein ferner oder flüchtiger Klang. Es ist eine unvergängliche Lehre. Es erinnert uns daran, dass die Größe einer Kultur nicht nur an Stärke, Reichtum oder Eroberung gemessen wird, sondern an der Fähigkeit, die Zeit zu überdauern, sich durch die Erinnerung Gehör zu verschaffen, Werte, Emotionen und Wahrheiten weiterzugeben. Vom roten Sand der Namib bis zu den Flüssen des Limpopo, von den Ebenen von Mapungugupwe bis zu den Hügeln von Kwasasulunatal kann die Menschheit noch immer hören, was sie allzu oft vergessen hat. Nämlich, dass Zivilisation bedeutet, zu wissen, zu respektieren und teilzuhaben, nicht zu unterdrücken. Und so spricht das südliche Afrika, weiterhin klar, tiefgründig und unvergänglich zu uns, wie ein Echo, das die Zeit durchquert und uns einlädt,

1:17:18in jedem Stein, in jeder Stimme, unsere eigene Verantwortung als Menschheit zu erkennen. Wir danken euch, dass ihr uns zugehört habt. Tut mir leid, aber meine Stimme geht auf und ab.

1:17:47So, es ist kühl. Wollen wir bleiben oder gehen? Wenn ihr die Neugier haben solltet, die Klicksprache der Sans euch mal anzuhören, dann kann ich euch das schnell vorführen und ihr könnt das zu Hause dann entsprechend, wo ich es auch herhole, bei YouTube nämlich anhören. Das ist sehr, sehr spannend. Die Sängerin, die Miriam Makeba, die klingt ja so. Miriam Makeba ist keine San.

1:18:28Sie gehört nicht zum Stamme der San. Nicht zur Ethnie der San. Sie benutzt das Klick. Ja, aber du wirst den Unterschied hören.

1:19:00Zuerst die Werbung natürlich. Philadelphia Casey. In diesem Beitrag hört man es nicht sehr gut. Wartet, es gibt andere.

1:19:31Hört ihr es?

1:19:48Spannend, oder?

1:19:55Du siehst, es ist nicht mit Miriam Makeba verwandt.

1:20:03Also ihr könnt euch das gerne anhören. Es ist sehr spannend, wie sie kommunizieren.

1:20:12Also der Moderator wärst du ja eigentlich. Also ja, ich wäre ja der Moderator. Danke für den Hinweis. Möchte jemand Sergio eine Frage stellen? Oder einen bemerken, ja? Ich habe gleich zwei Fragen. Mir ist natürlich aufgefallen, die Benennung des Übels Akropolis. Und da fragt man sich, ist das Zufall, oder hat das eine Bewandtnis mit der Akropolis von Athen? Ja. Akropolis steht für eine alte Stätte, für eine zentrale Stätte, für eine Urstätte einer Stadt. Es gibt die Akropolis von Athen, aber es gibt auch die Akropolis von Selinunt und so weiter. Also Akropolis steht nur für einen zentralen Urort einer Ansiedlung. Kommen die indigenen Völker diesen Ausdruck da? Nein, das ist ein griechischer Begriff. Die andere Frage, ich weiß nicht, ob das dann später noch kommt,

1:21:24die Frage der Sklaverei im südafrikanischen Kreis. Denn der wurde ja nicht behandelt. Nein, wir werden bei unserem nächsten Treffen, das ist in rund 14 Tagen, am 27. einladen folgt, werden wir uns eigentlich der Kolonialität, der Kolonialzeit widmen. Aber die Sklaverei ist nicht eine Erfindung der Kolonialzeit.

1:21:55Die afrikanischen Stämme, schon vor unserer Zeitrechnung, haben Sklaverei betrieben. Der in Anführungszeichen, in großen Anführungszeichen, Erfolg der Sklaverei wurde zu einer Industrialisierung, vor allem über die Araber. Und dann in einem zweiten Moment durch die Abendländer, die ja sehr viele Schwarzafrikaner gekauft haben, also als Sklaven oder gleich selber versklavt haben und sie in die Kolonien geschickt haben. Und zwar mit einer genetischen Auswahl, die ziemlich spannend ist. Also ich mache euch ein Beispiel. Die Sklaven wurden selektioniert aufgrund ihres somatischen Körperbaus. Somit wurden die Stärksten von ihnen, Männer und Frauen, an die Orte verkauft, wo die äußeren Bedingungen sehr hart waren. Zum Beispiel an Orte, wo große Hitze war. Ein solcher Ort ist zum Beispiel die Insel Jamaika.

1:23:32Durch diese Vorselektion hat sich in Jamaika eine afrikanische Gemeinschaft gebildet, die an physischer Kraft einzigartig ist. Es ist kein Zufall, dass Sportler aus Jamaika einen überdurchschnittlichen Erfolg haben gemessen an der Bevölkerung. Aber das sind diese Selektionen, die stattgefunden haben während der Sklavenzeit. Aber eben die Sklaverei als solches, wir werden das nächste Mal eben bei der Kolonialgeschichte uns ein bisschen mehr auf dieses Thema einlassen. Und vor allem beim letzten Teil, wenn es darum geht, im Juni zu begreifen, wo Afrika steht. Es ist ein Versuch zu erklären, wo die Krankheiten Afrikas, also die politischen Krankheiten Afrikas, ihren Ursprung haben und wie sie weiterhin florieren als Krankheiten. Und es ist auch der Versuch eines Ausblickes, von dessen der Sprechende zutiefst überzeugt ist,

1:24:46dass Afrika eine nicht unbedeutende Rolle in der Zukunft der Menschheit darstellen wird. Ich kann euch einfach einen Akzent setzen. Wir haben in den abendländischen Modellen, die zwischenzeitlich zu den Weltmodellen geworden sind, es wäre jetzt etwas zu lange, wenn wir untersuchen wollten, was geschieht, wenn jemand sich ein Modell wie einen Pullover überzieht, der aus einer anderen Kulturgeschichte kommt, was das für Spannungsfelder erzeugt. Aber es ist einer der großen Probleme unserer Menschengemeinschaft auf diesem Planeten. Die Problematik liegt darin, dass wir mit unseren Modellen etwas gefestigt haben, das weltweit nicht unbedingt einen Platz hat. Ich spreche vom Individualismus. Der abendländische Individualismus hat eine eigene Geschichte, die aufgrund ihres, sagen wir, abrahamitischen Modells, insbesondere jüdisch-christlich, eine Weltanschauung erzeugt hat,

1:26:30auf die sich etwas aufgepropft hat, das eigentlich mit der Religiosität weder des Judentums noch des Christentums etwas zu tun hat, sondern mit einer Notwendigkeit der Erfolgsgeschichte des Christentums, und da ist ein Patriarch dafür verantwortlich, ist der heilige Augustin. Der heilige Augustin hat die Idee der Seele erfunden.

1:27:02Mein geliebter Freund Claude, der sich im Judentum auskennt, und ich kenne mich ein bisschen im Christentum aus, wenn ihr nach dem Begriff Seele ob in der jüdischen Tradition oder in der christlichen Tradition sucht, werdet ihr nicht fündig. Ihr werdet den Begriff Seele weder in der Tora noch im Talmud noch in den Evangelien finden. Er ist nirgendwo ausgeführt. Es würde jetzt zu weit führen, um hier noch einen Zusatzvortrag zu halten über die Idee der Seele, warum, weshalb, wieso und was sie dann produziert hat.

1:27:53Aber die Idee der Seele ist eine sehr potente Idee. Und Ideen sind viel stärker als Fakten, wie ihr mich lehrt.

1:28:08Der Individualismus hat dazu geführt, dass wir die Grundlage des Homo sapiens, nämlich seine Sozialität, immer mehr in den Hintergrund verschoben haben.

1:28:22Und der Mangel an Sozialität ist für mein bescheidenes Dafürhalten eines der treibenden Kräfte eines der treibenden Kräfte unserer Unfähigkeit, einen kulturellen Widerstand herzustellen gegenüber einer Zeit, die uns davonläuft, uns weit voraus Entscheidungen für uns trifft, die wir weder verstehen noch mittragen können.

1:29:00Der Homo sapiens, wir haben das besprochen, glaube ich, beim ersten Treffen über Afrika, hat seine Erfolgsgeschichte in seiner Fähigkeit zu sozialisieren.

1:29:14Der Zustand, dass man abends um ein Feuer gesessen ist und man im Gegensatz zu anderen Hominiden die Sprache entwickelt hat und mit der Sprache und mit dieser Sozialisierung Erfahrungen und Wissen weitergeben konnte an die nächsten Generationen, war matschentscheidend für den, in Anführungszeichen, Sieg des Homo sapiens gegenüber anderen Hominidengemeinschaften. Also ist die Grundlage des Menschseins seine Sozialität. Das ist nicht eine Behauptung von mir, ich greife da zurück auf einen Typen, den ich immer wieder zitiere. Der Herr war nicht Fußballspieler, er hieß Platon und auch Aristoteles, sein Schüler, ist ihm gefolgt, der von der Menschheit und insbesondere von der Polis sagt, das ist die Bedingung, weil der Mensch ist ein soon politikon, ein soziales Wesen. Die Sozialität ist die Grundlage

1:30:28für das Überleben der Spezies und somit der Gemeinschaft. Und umso mehr wir diese Sozialität verlieren, umso mehr wir in unserer Beklommenheit, in berechtigter Angst, in Hilflosigkeit, nennt alle Hintergründe, die ihr nennen wollt, umso mehr wir uns dem ausgesetzt empfinden, war oder war es nicht wichtig, umso mehr ziehen wir uns zurück, auch von der Sozialität. Aber umso mehr wir uns von der Sozialität zurückziehen, umso schlimmer wird unsere Orientierungslosigkeit und unsere totale Unbeholfenheit, der Zeit, in der wir leben, kohärent und konkludent zu begegnen. Deshalb teile ich die Hypothese, die natürlich nicht von mir stammt, sondern von denkenden Köpfen, die der Überzeugung sind, dass Afrika, das ein Kontinent ist, das Furchtbares durchlebt hat, aber es verstanden hat, die Sozialität immer noch

1:31:42als eines der zentralen Elementen des Menschseins zu erkennen. Ich kann nur zum Mensch werden, wenn ich mich in einen anderen Menschen spiegle.

1:31:55Und das werden wir bei unserem letzten Treffen über Afrika versuchen, ein bisschen zu analysieren. Ja, man spricht zu wenig über Afrika, viel zu wenig. Wir wissen viel zu wenig über Afrika, aber im Sprechenden angefangen. Es ist ein Universum, das wir in Romanen, Filmen und Machtnarrativen mitbekommen haben, wo unsere Fähigkeit, uns von diesen Narrativen zu befreien, nur bedingt gelingt leider. Man sieht das auch bei Menschen, die helfen wollen. Die gehen nach Afrika und erklären den Afrikanern, ja, wir sind hier, um dir zu helfen und um dir zu helfen funktioniert es so und so und so und so und wenden das eigene Modell an. Das ist das Schlimmste, was man tun kann.

1:33:00Es kommt dem gleich, dass man zum Beispiel aus aktuellem Anlass einem Land einen Krieg nicht erklärt, sondern es bekriegt und man nur eine sehr bedingte Idee hat von diesem Land.

1:33:23Diese Art und Weise vorzugehen hat keine Zukunft, weil wir sind da zum Scheitern verurteilt. Wir müssen eine Sprache finden, die auf dem Wissen über den Anderen oder aus dem Teilwissen über den Anderen bedingt ist und nicht durch unsere

1:33:53religiös bedingte Weltanschauung, dass wir dazu berufen sind, die Menschheit zu erlösen.

1:34:08Werde ich langsam zum Priester? Nein, ich hoffe nicht.

1:34:18Gut.

1:34:22Keine Frage. Dann ziehen wir uns in die Wärme zurück. Genau. Gehen wir in wärmere Gefilde. Dankeschön vielmals. Dankeschön. Das ist ein Riesenpotential, das sich da auf dem ...

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