Start › Folgen › Geschichte Chinas, Teil 1 › Transkript
Transkript · Geschichte Chinas · Teil 1Von der Urzeit bis zur Shang-Dynastie — Transkript
Automatisch erstelltes Transkript (Spracherkennung) der deutschen Tonspur — kleinere Erkennungsfehler sind möglich; massgeblich ist das gesprochene Wort. Zur Folge mit Video, Audio und Kapiteln.
0:00:00Die Akademie der Vernunft und Bar Rouge präsentieren Die Geschichte Chinas Teil 1 Von der Urzeit bis zur Shang-Dynastie In diesem Video erkunden wir die Ursprünge der chinesischen Zivilisation von den ersten Siedlungen entlang des gelben und blauen Flusses bis hin zur legendären Shang-Dynastie. Bei dieser ersten Annäherung an die chinesische Kulturgeschichte tauchen mindestens zwei Aphorismen in unser Gedächtnis auf. Der erste stammt, wir haben es gehört, von dem amerikanischen Kolumnisten und Schriftsteller Bill Wogan. Der argumentierte, ich zitiere, es wäre vielleicht eine gute Idee, wenn die verschiedenen Länder der Welt gelegentlich ihre Geschichtsbücher austauschen würden, nur um zu sehen, was andere Leute, mit denselben Fakten machen. Zitat Ende. Während der zweite, der bereits erwähnte, Ville Durand ist, der mit seinem üblichen Scharfsinn postulierte,
0:01:18vielleicht liegt die Ursache unseres heutigen Pessimismus in unserer Tendenz, die Geschichte aus einem turbulenten Strom von Konflikten zu sehen, zwischen Individuen im Wirtschaftsleben, zwischen Gruppen, in der Politik, zwischen Glaubensrichtungen, in der Religion, zwischen Staaten im Krieg. Dies ist die dramatische Seite der Geschichte. Sie fesselt das Auge des Historikers und das Interesse des Lesers. Die Geschichte war allzu oft ein Bild blutiger Strömungen. Die Geschichte der Zivilisation hingegen ist eine Aufzeichnung dessen, was an den Ufern geschah. Zitat Ende.
0:02:12China ist für die Anthropologie und Kulturgeschichte der Menschheit aus mehreren Gründen von grundlegender Bedeutung. Wegen seiner langen kulturellen Kontinuität, seiner technologischen Beiträge und der Rolle, die China bei der menschlichen Migration und dem kulturellen Austausch gespielt hat. Es ist die Heimat einer der... der ältesten und beständigsten Zivilisationen der Welt. Es genügt zu sagen, dass die ersten Spuren des modernen Menschen mehr als 40.000 Jahre zurückliegen und dass seine Zivilisation seit Jahrtausenden eine ununterbrochene Kontinuität aufweist, die sich von der neolithischen Kultur über die Gründung der ersten Dynastien bis zum Ende der Welt verständigt hat. in die heutige Zeit erstreckt. Es war eines der wichtigsten Zentren für die Entwicklung der Landwirtschaft vor 7000 Jahren, mit Hirseanbau und Viehzucht im nördlichen Teil und Reisanbau
0:03:32im südlichen Teil. Die Menschheit verdankt China die Erfindung des Papiers, des Drucks mit Holzstöcken, des Schießpulvers und des Kompasses. Es war ein Knotenpunkt des kulturellen, wirtschaftlichen und technologischen Austausches dank der Seidenstraße, dem alten Netz von Handelswegen, das China mit Europa, dem Nahen Osten und anderen Teilen Asiens verband. Über diese Routen wurden nicht nur Waren wie Seide, Gewürze und Tee transportiert, sondern auch Ideen, Religionen und technische Innovationen. China wird von einer Vielzahl ethnischer Gruppen bewohnt, wobei die Han-Chinesen die Mehrheit bilden. Es aber über 50 anerkannte ethnische Minderheiten gibt, die alle ihre eigenen Traditionen und Geschichten haben. Diese Vielfalt spiegelt die lange Geschichte interner Wanderungen und Interessen der Menschen in China und der Welt. Es gibt Interaktionen zwischen einheimischen Völkern und zudem auch mit Zuwanderern aus
0:04:57Regionen wie Sibirien, Zentralasien und Südostasien wieder. Im Lauf der Geschichte war das Land oft eine große Weltmacht, insbesondere während der Tang, Song, Yuan, Ming und Qing Dynastien, von der zeitgenössischen Epoche gar nicht zu sprechen. Die chinesischen Dynastien herrschen über riesige Gebiete und übten oft Einfluss auf benachbarte Kulturen und Königreiche aus und trugen zur Verbreitung der Schrift, der konfuzianischen Kultur und anderer soziopolitischer Institutionen bei. China stellt aufgrund seiner Antike, seiner kulturellen Vielfalt, seiner technologischen Innovationen, seiner zentralen Rolle im Internationale ein noch größeres Teil seiner Kultur und Kulturwissenschaft. China ist ein kulturellen Austausch und seiner Rolle als Brücke zwischen verschiedenen Völkern und Religionen der Welt einen entscheidenden Teil der anthropologischen Geschichte der Menschheit dar. Die Auseinandersetzung mit China bietet uns ein grundlegendes Fenster zum Verständnis der Dynamik der menschlichen
0:06:13Evolution und des kulturellen Fortschritts. China ist ein riesiges und geografisch vielfältiges Land mit einer Fläche von etwa 9,6 Millionen Quadratkilometern und damit das drittgrößte Land der Welt. Seine Geografie umfasst Berge, Ebenen, Wüsten, Flüsse und Hochebenen, die sich über verschiedene Klimazonen erstrecken. Von tropischen Zonen im Süden bis zu subarktischen Regionen im Norden. Seine wichtigsten Bergketten bestehen aus dem Himalaya im Südwesten, aus dem Tien Shan und Kunlun im Westen, die Teil der Gebirgsketten sind, die Tibet begrenzen und schließlich aus dem Qinling-Gebirge, das Nordchina, von Südchina trennt. China wird auch durch das Tibet-Plateau im Südwesten und durch das Tibet-Plateau im Südwesten und durch das Tibet-Plateau im Südwesten auch Dach der Welt genannt, da es eine der höchsten und grössten Hochebenen der Welt ist, getrennt.
0:07:25Die Wüste Gobi im Norden ist eine der grössten Wüsten der Welt, während die Taklamakan-Wüste im Westen für ihre Sandwüste bekannt ist. Die heutige Volksrepublik China ist in 34 Verwaltungseinheiten der obersten Ebene unterteilt, darunter 23 Provinzen, fünf autonome Regionen, vier Kommunen mit direkter Zentralverwaltung und zwei Sonderverwaltungsregionen, nämlich Hongkong und Macau. China wird von mehr als 1,4 Milliarden Menschen bewohnt, hauptsächlich, wie schon angedeutet, von der Ethnie der Han, die etwa 91% ausmachen. Aber auch von zahlreichen ethnischen Minderheiten wie den Uiguren, Mongolen, Tibetern, Miao und vielen anderen. Vor allem in den autonomen Regionen sind diese Minderheiten beheimatet, die oft unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Traditionen pflegen. Diese geografische und administrative Vielfalt spiegelt die Weite und Komplexität des Landes wider.
0:08:44Die von den fruchtbaren Ebenen im Osten, wo sich einige der bevölkerungsreichsten und wohlhabendsten, größten Städte befinden, bis hin zu den abgelegenen Wüsten- und Bergregionen im Westen reicht. Wie viele andere Zivilisationen auch, beginnt die chinesische an einem Flussufer. Es sind kleine Ansiedlungen, die sich längs des Gelben Flusses und des Blauen Flusses etabliert haben. Insbesondere der Gelbe Fluss wird als Wiege der chinesischen Zivilisation betrachtet. Insbesondere der Gelbe Fluss wird als Wiege der chinesischen Zivilisation betrachtet. Dieser Fluss, in Mandarin Huanghe, ist der wichtigste Strom des nördlichen Teils des Landes und nach dem Blauen Fluss der längste Chinas. Mit einer Länge von 5.464 Kilometern durchströmt er ein Gesamtbecken von 750.000 Quadratkilometern. Der Huanghe hat seine Quellen in der Bergkette des Kunlun.
0:09:57Dessen Namen wir eher in der tibetanischen Sprache als Ma-Chu kennen. Im Norden Chinas, südlich der Gobi-Wüste, in der Provinz des Qinghai. Die hohe Dichte an fruchtbaren, gelben Sedimenten, die er mit sich führt, ist für seinen Namen verantwortlich. Der Strom reichert sich mit dieser Erde an, die in Form von staubförmigen Wolken, von den Winden aus den Hochebenen herangetragen wird. Dieser fruchtbare Löss verwandelt das Flusswasser in eine oft dichte und schlammige Brühe, welche für die Landwirtschaft ein absoluter Segen ist, aber den Fluss bei saisonalem Hochwasser in eine gewaltsame und zerstörerische Flutwelle verwandelt.
0:10:59Der Blaue Fluss wird in Mandarin Changjiang, was wörtlich übersetzt langer Fluss bedeutet, genannt. Er ist der längste Fluss Asiens und nach dem Amazonas und dem Nil der drittlängste Strom der Welt. Aus der angelsächsischen Sprachübersetzung ist er im Abendland besser als Yangtze oder Yangtze-Qiang bekannt. Der Name Yangtze wurde von den Delta-Bewohnern für einen seiner Hauptarme benutzt, und dadurch, dass dies der erste Name war, den die westlichen Entdecker hörten, wurde diese Benennung auf den ganzen Fluss ausgedehnt. Der Yangtze-Qiang ist etwa 5800 Kilometer lang und wird in der Tradition auch als natürliche Grenze zwischen Nord- und Südchina betrachtet. Sein Becken ist für den Beginn der Kultur in China. Man hat entdeckt, dass in der Gegend des heutigen gewaltigen Staudammsystems der drei Schluchten,
0:12:21ziemlich genau zwischen den Städten Chongqing und Wuhan, menschliche Ansiedlungen seit rund 27.000 Jahren existieren. Obwohl die Regionen um den Huanghe reicher und fruchtbarer sind, ermöglichte und ermöglicht auch heute noch das mildere und aus menschlicher Sicht störungsfreier Klima bessere Bedingungen für die Landwirtschaft. Bis zur Epoche der Han-Dynastie wird der Yangtze-Qiang immer wichtiger für die chinesische Wirtschaft und der Bau von Bewässerungsanlagen und Kanälen erlaubte eine sehr stabile und reiche Landwirtschaftsproduktion. Dies führte dazu, dass während der Qing-Dynastie ein Drittel aller Produkte aus dieser Gegend kam. Wie wir im Laufe dieser Betrachtung sehen werden, wurde der Fluss sehr oft nicht nur zur kulturellen, sondern auch zur politischen Grenze zwischen Süden und Norden. Das heutige Gebiet Chinas scheint vom Homo erectus vor weit über einer Million Jahren bewohnt gewesen zu sein.
0:13:46Magnetstratographische Analysen von Steinutensilien, die in den Ausgrabungen von Xiao Xiangyang gefunden worden sind, lassen die Funde auf eine Million dreihundertsechzigtausend Jahre datieren. In der archäologischen Stätte von Xiao Du in der Provinz Shaanxi hat man Spuren von Feuerstellen, die eine Million zweihundertsechzigtausend Jahre dauern. Dort hat man sie gefunden. In Wanmu und in Lantian sind primitive Wohnstätten entdeckt worden, die ebenfalls rund eine Million Jahre alt sein sollen. Der berühmteste archäologische Fund Chinas bleibt aber der sogenannte Peking-Mensch, der scheinbar etwa 780.000 Jahre alt ist. Die Fossilien wurden zwischen 1903 und 1904 in China gegründet. 1923 und 1927 in der Nähe der heutigen Hauptstadt ausgegraben. Der Homo sapiens, so die Hypothesen, soll China aus Afrika kommend vor etwa 65.000 Jahren erreicht haben.
0:15:06In einer Höhle bei Liu Su sind drei Vasenfragmente ans Licht gekommen, die vor 19.000 respektive 16.500 Jahren getöpfert wurden. Im Mittel- und Hochpalaeotikum lebte in Nordchina mit Sicherheit der Homo sapiens. In der Gegend des Ordos-Plateaus, sprich die steppen- und wüstenhafte Landschaft im autonomen Gebiet Innerer Mongolei im Norden der Volksrepublik China, wurden mehrere Feuerstellen, große Mengen an Steinwerkzeugen sowie Knochenreste von Mammuts, Nashörnern, Büffeln, Gazellen und Straußeneierschalen nebst drei menschlichen Skeletten gefunden, die um das Jahr 16.900 vor unserer Zeitrechnung datiert werden. Die neolithische Kultur Chinas wird auf den Zeitraum von 14.000 bis 12.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung geschätzt. Die ersten Zeitzeugnisse einer Landwirtschaft in China stammen, laut Radiocarbon-Analyse, aus der Zeit um 7.000 vor unserer Zeitrechnung und sind Hirsepflanzen.
0:16:32Diese sollen der Peilingang-Kultur angehören und wurden 1977 in der Provinz Henan aufgefunden. Beim Zufluss des Luo in den Huanghe in der Nähe der Stadt Peilingang wurden rund 70 Siedlungen ausfindig gemacht, welche uns diese Kultur bekannt gemacht haben. Man geht davon aus, dass neben der Anpflanzung der Hirse die Schweinezucht als zusätzliche Quelle der Nahrungsbeschaffung zur Jagd und der Fischerei betrieben wurde. Die Werkzeuge bestehen größtenteils aus geschliffenem Stein. Ebenso wurden Vasen aus mit rotem Sand gemischten Ton gefunden. Auch wurden Steinhandmühlen hergestellt, um das Getreide zu verarbeiten und als Mehl zu speichern. Mit dem Anstieg der Landwirtschaft begann die Bevölkerung zu wachsen und mit der Getreidespeicherung entstanden die ersten Handwerker und Verwalter. Im Spätneolithikum wurde das Huanghe-Tal zum Zentrum der Yangshao-Kultur,
0:17:52welche sich zwischen 5.000 und 3.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung entwickelte. Die wichtigsten Fundstätte dieser Zeit ist jene von Banpo in der Provinz Henan und wurde vom schwedischen Archäologen Johan Gunnar Andersson ausgegraben. Die Bevölkerung pflanzte Hirse und Reis an und speicherte sie in Gebäuden, die von der Erde abgehoben gebaut wurden, um sie vor Feuchtigkeit und Tieren zu schützen. Es wurden Schweine, Hühner, Hunde sowie Schafe und Rinder gezüchtet. Trotzdem wurde der Fleischkonsum hauptsächlich von der Jagd abgedeckt. In dieser Kultur findet man die ersten Beweise für die Seidenraupensort. Die Menschen der Yangshao-Kultur verfügten über eine große Anzahl von Werkzeugen, die aus Stein oder Knochen bestanden und zum Teil hoch spezialisiert waren.
0:18:58Die Handwerker produzierten Vasen aus weißem, braunem und schwarzem Ton, die sie mit geometrischen Zeichnungen von Tieren oder anthropomorphischen Figuren dekorierten. Die Produktion war von hohem Wert, obwohl die Menschen von damals noch nicht über die Drehbank verfügten, die in der späteren Long-Shang-Zivilisation zum ersten Mal zum Einsatz kam. Die Asche von cremierten Kinderleichen wurde in sehr fein dekorierten Keramiken, die sich in der Zeit der Zeitung des Drehbots auf den Bildern und der Musikurten aufbewahrt. Aus der Beerdigungsmodalität konnte jedoch nicht klar festgestellt werden, welche Art von Gesellschaftsstruktur geherrscht haben könnte. Die Wissenschaft ist sich noch nicht einig und nicht darüber schlüssig, ob es sich dabei um eine matriarchale, patriarchale oder Übergangsgesellschaft gehandelt hat. Man besitzt logischerweise nur eine sehr limitierte schriftliche Dokumentation über diese Epoche.
0:20:15Aus der Zeit der Yaohu-Zivilisation sind uns 3172 Felsinschriften überliefert worden, die rund 8453 Elemente darstellen, wie Sonne, Mond, Sterne, Götter sowie Jagd- und Weideszenen. Diese Piktogramme weisen bedeutende Ähnlichkeiten mit den bis heute ältesten bekannten chinesischen Schriftzeichen auf. Die Yaohu-Zivilisation hatte zwischen 7000 und 5800 vor unserer Zeitrechnung ihren Höhepunkt, muss aber um einiges älter sein. Da man bei Ausgrabungen eine aus Kranichknochen gebaute Flöte gefunden hat, die 9000 Jahre alt ist. Die Stätte ist von einem tiefen Graben umgeben, der eine Gesamtfläche von rund 55.000 Quadratmetern umfasst. Und diese wurde 1962 entdeckt. Die Ausgrabungen sind bis heute noch nicht abgeschlossen. In der Anlage hat man über 300 Gräber gefunden, in welchen mehrere Opfergarten enthalten waren. Es konnte bewiesen werden, dass die Menschen der Yaohu-Zivilisation
0:21:52die Gärungsprozesse kannten und aus dem Reis, dem Honig oder dem Weißdorn Alkohol produzierten. Auf einem Schildkrötenpanzer wurden neun und auf einem Knochen zwei Piktogramme entdeckt. Man geht davon aus, dass es sich hier möglicherweise um eine Proto-Schreibweise handelt, die damals im Gebrauch war. Einige der Zeichen weisen große Ähnlichkeiten mit den chinesischen Symbole für das Auge und für die Sonne auf. Die Ursprünge der chinesischen Piktogramme reichen über 3000 Jahre zurück und sind eng mit der Entwicklung der Schrift in China verbunden. Piktogramme sind die ältesten chinesischen Schriften, und stellen Objekte oder Ideen durch stilisierte Zeichnungen dar. Die ersten dokumentierten Formen chinesischer Schriftzeichen entstanden während der Shang-Dynastie zwischen 1600 und 1046 vor unserer Zeitrechnung, eingraviert auf Tierknochen und Schildkrötenpanzern,
0:23:16sprich Orakelknochen, die zu Wahrsagezwecken verwendet wurden. Diese Inschriften, bekannt als Zhagu Wen, enthielten Zeichen, die Konzepte oder Objekte durch einfache Symbole darstellten, die oft dem ähnelten, was sie beschreiben sollten. Beispiele für Piktogramme in Orakelknochen sind Zeichen, die Sonne, Mond, Wasser, Feuer, Tiere und Teile des menschlichen Körpers darstellen. Diese Zeichen bildeten die Grundlage für viele der Ideogramme, die sich in späteren Jahrhunderten entwickeln sollten. Zur gleichen Zeit wurden chinesische Schriftzeichen in rituelle Bronzen eingraviert, und diese Inschriften, bekannt als Bronzeschriften oder Jin Wen, zeigen eine Weiterentwicklung der Orakelknochen mit einer detaillierteren und polierten Form. Viele frühe chinesische Schriftzeichen waren Piktogramme, also vereinfachte Zeichnungen, die sichtbare Objekte direkt darstellten. Das Zeichen für Sonne, Ri genannt, war ursprünglich ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte,
0:24:38der die Sonne darstellte. Das Zeichen für Berg, Shan genannt, war eine Stilisierung von drei Gipfeln, die visuell eine Bergkette darstellten. Das Zeichen für Baum, Mu genannt, ähnelte einer stilisierten Form eines Baumes mit Stamm und Ästen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich diese Piktogramme zu stilisierten und abstrakteren Formen, um das Schreiben und die Standardisierung zu erleichtern. Ihr ursprünglicher Charakter wurde in vielen Fällen vereinfacht oder reduziert. Aber die visuelle Essenz ist in vielen Zeichen bis heute erkennbar. Nach den Piktogrammen entwickelte sich das chinesische Schriftsystem durch Hinzufügen weiterer Zeichenkategorien.
0:25:38Kombinationen aus zwei oder mehr Piktogrammen, um ein komplexeres Konzept auszudrücken. Zum Beispiel kombiniert das Zeichen Ruhe das Zeichen Mann, der sich an das Zeichen eines Baumes befindet. Suggeriert so die Vorstellung von Ruhe. Ebenso entwickelten sich die Zeichen aus Phonogrammen, sprich Zeichen, die ein visuelles Element und ein phonetisches Element kombinieren, um einen Klang anzuzeigen. Diese Technik ermöglichte die Schaffung einer großen Zahl neuer Zeichen. Mit der Einführung dieser neuen Zeichentypen wurde das chinesische Schriftsystem komplexer und vielseitiger, und entwickelte sich von einem rein piktografischen System zu einem System, in dem Piktogramme nur einen Teil der gesamten Struktur bildeten. Alte chinesische Gelehrte klassifizierten die Schriftzeichen nach sechs Schöpfungsprinzipien, Yushu genannt, die während der Han-Dynastie, 206 vor unserer Zeitrechnung bis 220 nach unserer Zeitrechnung,
0:26:56aufgestellt wurden. Von diesen Prinzipien sind zwei für Piktogramme besonders relevant. Zeichen, die ein Objekt oder eine Idee visuell darstellen. Dies ist das Prinzip der Piktogramme. Einfache Ideogramme, sprich Symbole, die abstrakte Ideen darstellen. Es handelt sich dabei zwar nicht um Piktogramme, aber sie sind von vereinfachten oder abgewandelten Zeichen für Begriffe abgeleitet. Die anderen vier Prinzipien, Kombination von Bedeutung, Klang und Bedeutung usw., haben zur Entwicklung und Bereicherung der chinesischen Schrift beigetragen. Während der Qin-Dynastie, 221 bis 206 vor unserer Zeitrechnung, vereinheitlichte der Kaiser Qin Shi Huang China und standardisierte die Schrift das Schriftsystem. Die Schriftzeichen wurden in eine Siegelschrift, Xiaoshuan genannt, umgewandelt, bei der die ursprünglichen Piktogramme weiter stilisiert und geometrischer gestaltet wurden, um ihre Verbreitung und administrative Verwendung zu erleichtern.
0:28:27Im Laufe der Zeit verloren die ursprünglichen Piktogramme einen Teil ihrer klaren visuellen Funktion, da die Schrift zunehmend stilisiert und abstrakt wurde. Viele Piktogramme sind jedoch auch heute noch in ihrer vereinfachten Form zu erkennen. Die modernen chinesischen Schriftzeichen haben das Erbe dieser ursprünglichen Zeichen bewahrt, obwohl die meisten heute verwendeten Zeichen komplexere Kombinationen aus visuellen und phonetischen Elementen sind. Zwischen dem Jahr 3000 und 2000 vor unserer Zeitrechnung entfaltete sich die Longshan-Kultur im unteren Drittel des Gelben Flusses. In dieser Zeit begann der Städtebau mit aus kompakter Erde bestehenden Stadtmauern, die ihrerseits von einem Graben geschützt waren. Die Handwerker aus dieser Zivilisation kannten, wie schon angedeutet, die Drehbank und mit ihr produzierten sie Töpferwaren von sehr hohem Wert. Die Vasen und Schalen sind in glänzendem Schwarz gehalten
0:29:55und dadurch charakterisiert, dass die Wände sehr dünn sind. Diese Technik wird auch Eierschalen-Töpferei genannt. Exemplare der Töpferwaren sind auch im Tal des Yangtze-Qiang gefunden worden, was uns ein Beweis ist für die bedeutende Ausdehnung der Longshan-Zivilisation. Sowohl die Eisanpflanzung als auch die Seidenraupenzucht waren weit verbreitet und somit auch die Seidenproduktion. Die Bevölkerung des chinesischen Neolithikums erreichte während der Longshan-Kultur ihren höchsten Stand. Und nahm gegen Ende dieser Kulturepoche sehr schnell ab, wie man auch aus dem Verschwinden der schwarzglänzenden Opfergaben in den Gräbern feststellen kann. Die Religiosität gründete auf einem Schamanismus, in dem unter anderem Weissagen aus dem Aussehen von im Feuer erhitzten Tierknochen in Anführungszeichen herausgelesen wurde.
0:31:11Bei der Erforschung des Ursprungs eines Volkes werden in der Regel mehr oder minder dokumentierte Vorkommnisse mit Legenden vermischt. So wird die Erforschung der Urgeschichte Chinas, wie in vielen anderen Kulturen auch, durch das Fehlen von schriftlichem Material sehr erschwert. Die erste erschöpfende Darstellung besteht aus den Memoiren eines Historikers von Sima Qian, einem bekannten Historiografen aus dem 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Er beginnt in seiner Erzählung um 1500 vor unserer Zeitrechnung mit der Behandlung der drei Erhabenen und der fünf Kaiser. In der Mythologie sind die drei Erhabenen, auch drei Könige genannt, als Halbgötter oder Gottkönige, dargestellt, welche mit ihren magischen Fähigkeiten das Leben des Volkes verbesserten. Aufgrund ihrer übernatürlichen magischen Kräfte lebten sie legendenhaft lange und regierten in Frieden.
0:32:31Der erste unter ihnen war der himmlische König Tianhuang, der 18.000 Jahre lang herrschte. Der zweite war der irdische König Dihuang, der 16.000 Jahre regierte. Der dritte und letzte war der menschliche König Taihuang oder auch Renhuang genannt, der 65.600 Jahre die Geschicke des Reichs lenkte. In einigen Traktaten wie der Yundou-Shu oder der Yuanming-Bao werden sie auch als Fuqi, Fuqi, Tangnan oder Shennong und Huangde oder Huangdi identifiziert. Fuqi soll vier Augen und einen Schlangenschwanz gehabt haben. In einigen Darstellungen ist er mit seiner Schwester Nuwa verbunden, indem sich ihre Schlangenschwänze umschlingen. Nuwa hält dabei immer einen Zirkel empor, während der König ein Winkelmaß zur Hand hat. Die zwei Instrumente weisen darauf hin, dass das Königspaar, Fuqi soll seine Schwester geheiratet haben,
0:34:04die Erfinder und Bewahrer von Gesetzen, Regeln und Standards sind. Fuqi wurde auch als der Held der chinesischen Zivilisation betrachtet. Er, welcher der Legende nach im Sumpf der Drachen – in der chinesischen Kultur sind sie Segens- und Glücksbringer – geboren wurde, soll es gewesen sein, der die Metallurgie, die Schrift, den Kalender, die Viehzucht, die Fischerei und sein berühmtes Bagua-Diagramm den Menschen erstmalig gelehrt hat. Das Bagua, oftmals auch Pakua genannt, ist ein Symbol, das wir im Laufe der ganzen chinesischen Geschichte immer wieder antreffen werden und welches in wichtigen Bereichen wie im Taoismus, im Feng Shui, in der chinesischen Medizin, Akupunktur, Akupressur und so weiter und in den Kampfsportarten eine große Bedeutung besitzt. Schon der Name dieses Symbols weist auf seine Bedeutung hin.
0:35:21Ba bedeutet acht und Gua ist der Begriff für Nummer oder Zahl. Das Bagua, acht Zahlen, besteht aus dem zentralen Taijitu, das Symbol für Ying und Yang, sprich der sich komplementierenden und definierenden Gegensätzlichkeiten. So wie aus den acht Trigrammen des I Ching und bilden in ihrem Oktagon die perfekte Anordnung der Himmelsrichtungen. Die Trigramme bestehen aus zwei Linienarten, ganzen Linien, welche die Polarität des positiven Yang darstellen und die unterbrochenen Linien, welche das negative Ying wiedergeben, schöpferisch und empfangend. Die Trigramme bestehen aus je drei solchen Linien, die in acht verschiedenen Kombinationen aneinander gegliedert sind. Jedes Trigramm kann so mit jedem anderen kombiniert werden und ermöglicht somit 64 Gruppen aus sechs Linien, die sogenannten 64 Hexagramme des chinesischen Orakelbuchs I Ching.
0:36:46Und aus diesem Grunde wird das I Ching auf die Erschaffung von Fuxi zurückgeführt, obwohl eine andere Legende es der Shu-Dynastie zuordnet. Ein konkretes Beispiel für die Bedeutung der Trigramme findet sich in der Nationalflagge Südkoreas, auf der es um das Taijitu, die vier Trigramme, für Himmel, Wasser, Erde und Feuer gruppiert sind. Es gibt zwei Versionen des Bagua, die sich grundsätzlich in den verschiedenartigen Anordnungen der Trigramme unterscheiden und somit anders beeinflussen. Diese zwei Anordnungen heißen erste himmlische Sequenz oder Vorderhimmel und zweite himmlische Sequenz oder Hinterhimmel. Das Bagua des vorderen Himmels wird dazu gebraucht, die Pläne für Friedhöfe zu erstellen, jenes des hinteren Himmels für die Pläne der Wohnhäuser. Das I Ching stellt alle möglichen Situationen des Lebens dar
0:38:13und wird auch Buch der Wandlungen genannt. Ein Vergleich dazu ist in der griechischen Philosophie das heraklitheische Pantarei. Das I Ching hat alle Büchervernichtungen im Laufe der Jahrhunderte überlebt. In ihm werden alle Hexagramme erklärt und es wird darauf hingewiesen, wie die Trigramme zu Hexagrammen werden. Konfuzius betrachtete es als das Buch der Weisheit und in der Volksmeinung gilt es als das Oratelbuch, also als Anleitung zur Wahrsagerei. Die Wissenschaftler benutzen es als Vertiefungsinstrument bei der Mathematik, der Philosophie und der Physik. Das Buch ist von großer Wichtigkeit sowohl für die Konfuzianer als auch für die Taoisten und Buddhisten. Nach seiner Teilübersetzung im 17. Jahrhundert fand es insbesondere durch den Schweizer Psychiater, Psychoanalytiker, Anthropologe und Philosoph Carl Gustav Jung große Verbreitung in Europa.
0:39:40Aber kehren wir zu den drei Erhabenen zurück. Wie schon angedeutet ist die Frau und Schwester von Fuxi, die weise Nuva, eine weibliche Göttin, welche die Ehe ins Leben gerufen hat. Sie wirkt als Fabelwesen dargestellt, mit einem menschlichen Kopf und einem Schlangen- oder Fischkörper. Auch hier eine Parallele mit den Meeresjungfrauen ist klar ersichtlich. Sie gilt auch als Erfinderin des Flötenspiels. Aber insbesondere ist sie es, welche die Menschen aus Lehm erscheint. Als erste erschuf sie die Schwarzen, die so wurden, weil sie zu lange im Ofen gewesen waren. Danach erschuf sie die Weißen, die die Göttin zu wenig lang im Ofen gelassen hatte, bis sie schließlich die Perfektion erreichte und die gelben Menschen erschuf. Die Legende sagt weiter aus,
0:40:53dass die ersten Perfekten von Nuva geschaffenen Menschen aus gelbem Ton waren und somit adeliger wurden. Danach nahm sie nur noch Schlamm und formte daraus die sozial tiefrangige Dienerschaft. Die Menschheit wurde von ihr mit Fushi nach einer Sintflut erschaffen. Der dritte im Bunde der Erhabenen ist Shen Nung, der manchmal auch als Kaiser Jan oder Kaiser der fünf Getreide bekannt ist. Laut der Tradition war er es, der in China die Landwirtschaft eingeführt haben soll. Shen Nung bedeutet auch der göttliche Bauer. Er soll dem Volke die Landwirtschaft gelehrt haben, damit es nicht hungern musste und es die Tiere nicht tötete. Ebenso ist überliefert, er habe hunderte von Gräsern gekostet, um ihre heilende Wirksamkeit zu erproben. Dieser Kaiser soll auch der Autor des
0:42:03Pen Cao Ching sein, des ältesten chinesischen pharmakologischen Textes, der bis zu uns gelangt ist. Der wahre Verfasser der Abhandlung ist nicht dokumentiert. Der Kanon besteht aus zwei Bänden, das erste Huang Di Nei Jing Suen, sprich das Buch der einfachen Fragen, das zweite Huang Di Nei Jing Ling Shu, sprich das Buch der spirituellen Achse. Das Werk ist mit taoistischer Philosophie durchtränkt und stellt Körper und Geist, Individuum und Kosmos gegenüber. In diesem Kanon sind 365 Medikamente festgehalten, die aus Mineralien, Pflanzen oder Tieren hergestellt werden. Seine Katalogisierung von hunderten von heilenden oder giftigen Pflanzen war einer der Kernpunkte der traditionellen chinesischen Medizin. In der Legende wird Shen Nung auch als der Entdecker des Tees beschrieben, weil er darum wusste, dass die aufgekochten Teeblätter
0:43:22ein Gegengift für rund 70 Giftpflanzen sind. Somit wird er auch als Vater der chinesischen Medizin und Erfinder der Akupunktur gefeiert. Schließlich soll er mit Fu Xi, dem Gelben Kaiser und einem engen Verwandten namens Shuang Yuan Gongshun das Saiteninstrument Guqin erfunden haben. Shen Nung und Shuang Yuan Gongshun gelten als die Väter der Han, die größte Ethnie Chinas. Huang Di, Huang bedeutet Erhaben und Di bedeutet Kaiser, eben auch als Gelber Kaiser bekannt, kommt zwar in einer Unzahl von Dokumenten über die chinesische Urgeschichte vor, müssen die über ihn erbrachten Informationen aber im Legendenhaften angesiedelt werden, da sie zu großen Teilen einen mythologischen Ursprung haben. Huang Di soll geistiger und militärischer Anführer des Huaxia-Stammes gewesen sein, der südlich des Gelben Flusses beheimatete.
0:44:37Der nördliche Teil soll von einem kleinen Viehzüchterstamm unter Yang Di, dem Kaiser des Feuers, besiedelt worden sein. Die beiden Kaiser hätten sich geeinigt und ihre zwei Stämme zu einem Volk verschmolzen haben, das sich zuerst gegen Westen bis zum Fluss Ji und danach nach Osten bis an die Grenzen der Grafschaft Zhuolu ausbreitete. Dort wurden sie von Zhuoli stammt, dessen Anführer soll Qi Yu gewesen sein. Der Befehlshaber soll einen Helm aus Bronze getragen haben, der mit glänzenden Metallen geschmückt war. Die Mythologie beschreibt ihn als gehörmten, mit vier Augen und sechs Armen, die jeweils mit einem Schwert bestückt waren. Er wurde auch als Kriegsgott gefeiert. Die Schlacht soll sich in der Nacht und bei dichtem Nebel zurückgehen. Die Flügel wurden als Flügel zugetragen
0:45:43und dank einer Art Kompasses, der von Huang Di erfunden worden war, konnten die Huaxia das Gefecht für sich entscheiden. Kurz darauf begannen die Verbündeten zu streiten und Huang Di zog gegen den Kaiser des Feuers in den Krieg, gewann ihn und begründete so ein Reich, diesseits und jenseits des Flusses. Das wie eingangs angedeutet milde Klima und die üppige Vegetation erlaubte den Huaxia wesentliche Fortschritte in der Landwirtschaftstechnik zu erzielen. Insbesondere bei der Getreidekultur gelang eine Saatzucht, die in den sogenannten fünf chinesischen Getreiden endete. Gleichzeitig erfuhr die Viehzucht einen analogen Erfolg. Und in der Textilproduktion beschritt man neue Wege, welche sowohl Quantitäts- als auch Qualitätssteigerungen erbrachten. In dieser Zeit fällt ebenfalls die Geburtsstunde der Bootstechnik, welche sowohl für das Leben an Flüssen als auch für die Entstehung von neuen Handelsmöglichkeiten von grundlegender Bedeutung war.
0:47:16Ins Reich der Legende. Bei der Textilproduktion müssen wohl auch die Dressurfähigkeiten von Huang Di eingeordnet werden. Er soll den Bären, den Pishu, sprich den Hybrid zwischen Löwen und Vogel, also ein geflügelter Löwe, den Chou, das auf dem Mond lebende Kaninchen, sowie den Tiger gebändigt haben. Aus diesem Grund sind diese Tiere heute so wichtig für die chinesische Symbologie.
0:47:50Der gelbe Karpfen. Kaiser soll über 100 Jahre gelebt haben und in der Interpretation der chinesischen Entstehungsmythen wird er als derjenige Herrscher beschrieben, der China zum ersten Mal in seinem Kern vereinigt hat, um damit die Grundlage für die Zukunft des Reich der Mitte zu leben. Deshalb wird er als Urvater aller Han und geistiger Vater aller Chinesen betrachtet. Bei jedem Studium von Chinas Geschichte muss dieser Aspekt immer im Auge behalten werden, denn diese Bindung zu Huangdi zieht sich wie ein roter Faden durch alle Epochen und reicht bis in die Gegenwart. Es ist ein Fakt, den man heute für höchstwahrscheinlich hält, dass dieser Kaiser jenseits der ihm mythologisch zugeschriebenen Aspekte in der von ihm eroberten Religion, mit Erfolg eine soziale und kulturelle Homogenität schuf.
0:49:02Diese Vorgehensweise führte gezwungenermaßen zu einer administrativen Aufteilung des Territoriums mit einer entsprechenden Dezentralisierung der Macht. Das Kernland Chinas wurde damit in vier Provinzen aufgeteilt, die auch den vier Himmelsrichtungen entsprachen. Nach der Epoche der fünf Kaiser werden sie im sogenannten Lied des Chu wie folgt beschrieben, ich zitiere Im Zentrum liegt Huangdi, im Osten Shaohao, im Westen Shenan, im Süden Fuxi und im Norden Shuangsu. Und jeder dieser Provinzen wurde zum Beziehungspunkt für rituelle Handlungen größeren Umfangs. Zitat Ende Das Lied des Chu, auch bekannt als die Verse des Chu, ist eine Sammlung klassischer Gedichte, die hauptsächlich dem Dichter Guo Yuan zwischen 340 und 278 vor unserer Zeitrechnung gelebt hat. Diese Sammlungen wurden eben ihm zugeschrieben, einem der berühmtesten Literaten des alten Chinas.
0:50:33Zitat Ende Diese Gedichte stammen aus dem Staat Chu, einem der alten chinesischen Territorien südlich des Yangtze-Flusses, während der Zeit der streitenden Staaten, zwischen 475 und 221 vor unserer Zeitrechnung. Der Staat Chu war für seine, im Vergleich zu anderen chinesischen Staaten, ausgeprägte Kultur bekannt. Die Verse des Chu spiegelten diese kulturelle Vielfalt wider und enthalten Elemente der Spiritualität, der Mythologie und des lokalen Glaubens. Diese Sammlung gilt als eine der grundlegenden Texte der chinesischen Literatur, gleich nach dem Klassiker der Oden, denen wir im weiteren Verlauf unserer Betrachtungen begegnen werden. Die im Lied des Chu enthaltenen Gedichte zeichnen sich durch ihre reiche und fantasievolle Sprache sowie ihre einzigartige poetische Struktur aus, die sowohl metrische als auch spirituelle Themen im Zusammenhang mit der Natur und der Mythologie enthält.
0:51:48Ku Yuan, der Hauptautor, ist vor allem für das Gedicht Ai Ying, sprich das Klagelied für Ying, und des Gedichtes Li Sao, sprich die Trauer der Trennung bekannt. Die zu den wichtigsten Werken der Sammlung gehören. Li Sao drückt seine Frustration über seinen Exil aus und verwebt Mythologie, Natur und persönliche Gefühle. Ku Yuan war ein Patriot und Ratsherr des Staates Chu, der nach dem Fall seines Staates an die Qin-Invasoren Selbstmord beging, indem er sich in den Miluo-Fluss stürzte. Ein Ereignis, an welches das Drachenboot festzog. Er erinnert. Vom Fünf-Bücher-Kanon des Konfuzius ist das aufwendigste Werk das Buch der Riten, in welchem die verschiedenen sozialen Verhaltensweisen und Hofzeremonien beschrieben werden. In ihm wird auch ein Zusammenhang zwischen den fünf Kaisern und den fünf chinesischen Adelsgeschlechtern hergestellt,
0:53:01und Konfuzius weist darauf hin, dass wesentliche Teile des Buches auf den gelben Kaiser zurückzuführen sind. Er habe Manuskripte über die verschiedensten kulturellen, sozialen, religiösen und wissenschaftlichen Aspekte und Themen redigiert. Der Nachfolger Huang Dis auf dem Thron wird sein Enkel Suang Su, auch Gao Yang genannt. Er soll den Clan der Xi nach Osten in Richtung des heutigen Shandong geführt haben, wo sie durch Mischehen mit den Dongyi, zu einem einzigen Stammesverband verschmolzen. Suang Su wurde im Alter von 20 Jahren Kaiser und blieb es 78 Jahre lang. Zu seinen wichtigsten Reformen gehören die Vereinheitlichung des Kalenders, seine Beurteilung der Astrologie und die Einführung von religiösen Dogmen gegen den immer noch weit verbreiteten Schamanismus. Er schien auch für die endgültige Einführung des Patriarchates,
0:54:13nach einer komplexen Auseinandersetzung mit dem Patriarchat, in der Gesellschaft verantwortlich zu sein. Ebenso verbot er die Eheschließung innerhalb der Mitglieder einer gleichen Familie. Kaiser Ku, auch als Di Ku oder Gao Xi bekannt, muss zwischen 2412 und 2343 vor unserer Zeitrechnung regiert haben und gilt ebenfalls als Nachfahre des Gelben Kaisers. Seine bedeutendste Tat soll die Einführung der Schulen im Reich gewesen sein. Man sagt ihm auch nach, dass er wesentliche Beiträge zur Erfindung und Entwicklung vieler musikalischer Instrumente geleistet haben soll. Ebenso soll er die Polygamie eingeführt haben und selbst mindestens vier Frauen geheiratet haben. Seine dritte Frau habe ihm den Sohn Hou Ji, die vierte Frau den Sohn Qi geboren haben. Laut der Überlieferung sollen diese zwei Söhne respektive
0:55:26die Begründer der Shu-Dynastie und der Shang-Dynastie gewesen sein. Die nachfolgenden Kaiser Yao und Shun werden mit Yu dem Großen, dem Begründer der Xia-Dynastie, in der chinesischen Geschichtsschreibung als Vorbilder der Tugendhaftigkeit. und Beispiel für die konfuzianische Ethik aufgeführt. Die modernen Historiker betrachten jedoch diese Personen als das Resultat der Vermischung von realen Herrschern, Stammeshäutlungen und mythologischen Gestalten. Sie werden als Urväter der chinesischen Zivilisation gehalten, welche ihre Weisheit und ihre Macht zur Verbesserung der Lebenskonditionen des Volkes einsetzten. Später gelangen einige von ihnen sogar in den taoistischen Olymp, Huang Di und, wenn auch in minderer Position, Fu Xi, Nü Wa und Shen Nong. Der schon genannte Historiker Sima Qian beschreibt das Prinzip der Erbthronfolge als Erfindung der Xia-Dynastie, welche sich über den Zeitraum von ca. 2100 bis 1600 vorurteilt.
0:56:53Und das Modell wird sowohl von der Shang-Dynastie als auch von der Shu-Dynastie übernommen. Mit der Xia-Dynastie wird die Geschichtsschreibung verlässlicher und weit weniger mythen- und legendenhaft. Dieses Herrschergeschlecht entfaltete sich in der Bronzezeit, als sich die ersten Staatsformen konsolidierten. Und Landwirtschaft, technologischer Fortschritt, Handwerk und Kunst starke Impulse bekamen. Das Reich erstreckte sich über ein Gebiet, welches vom Gelben Fluss durchquert wird und über die heutigen Regionen des Henan und Shandong im Osten sowie Hubei im Norden und Hebei im Süden. Ihr erster großer König ist Yu Wengming, sprich Yu der Große, der rund 45 Jahre lang geherrscht hat. Ihm folgen 16 Könige, die dieser Dynastie angehören. Die größte Leistung Yu Wengming kann durchaus im Anlegen eines ganzen Systems
0:58:11von Entwässerungskanälen betrachtet werden. Wie einführend beschrieben, neigt der Gelbe Fluss dazu, saisonale Hochwasserfluten zu verursachen. Mit dem Bau der Entwässerungskanäle schuf der Herrscher in der Landwirtschaft völlig neue Perspektiven. Zum Beispiel konnte der Getreideanbau erheblich gesteigert werden und um das Kanalsystem herzustellen, benötigte er 13 Jahre und setzte hierfür 20.000 Arbeiter ein. Wegen dieses Werkes gilt er als Beispiel für Behartlichkeit und Entschlossenheit. Er wird als der perfekte Verwalter betrachtet. Es kursieren viele Anekdoten über sein Leben. So soll er, besessen von seinen hydromechanischen Apparaten, in den 13 Jahren des Kanalsystembaus nur dreimal zu Hause gewesen sein, ohne aber sein Heim zu betreten. Er rechtfertigte sein Verhalten damit, dass eine Familienversammlung ihm zu viel Zeit und Kraft gekostet hätte.
0:59:31Zeit und Kraft, die er benötigte, um die Hochwasserfluten zu bekämpfen. Weitere Verdienste sind der unter seiner Herrschaft beginnende Rebbau und die Einführung der Pferdezucht. Nach seinem Tod auf dem Berg Kuaizhi wurde er dort begraben und der Ort wurde zur Kultstätte für viele seiner Thronfolger. Später wurde sogar ein Tempel auf seinen Grab errichtet. Vor der Zeit von Yu Wenming, wurde die Nachfolge des Königs vom tugendhaftesten der Gemeinschaft angetreten. Jedoch war Yu Wenmings Sohn Qi dermaßen qualifiziert, dass er gewissermaßen automatisch als sein Nachfolger bestimmt wurde. So soll die Erbthronfolge in China begonnen haben. In diese Zeit fällt auch die Erfindung der Pferdewagen mit Speichenrädern. Auf politischer Ebene wird ein Ministerrat zum Wohle des Volkes und strenge Strafen für die Missachtung der Normen eingeführt.
1:00:42Aus dieser primitiven Staatsrechtsform entwickelte sich der spätere sehr ausführlich gehaltene Kodex. Der letzte König der Xia-Dynastie war der korrupte Jie, der von Tang, dem Stammesführer der östlichen Shangs, entthront wurde. Was uns über die Shang-Dynastie, die ca. 1600 bis 1046 vor unserer Zeitrechnung gelebt hat, bekannt macht, ist uns grösstenteils aus der späten Zhou-Dynastie sowie aus den Inschriften auf den Handwerksgegenständen überliefert. Während dieser Zeit war die Scapulomantie, nämlich der Brauch des Knochenorakels, Tierknochen oder Schildkrötenpanzer wurden in die Sonne oder neben ein Feuer gelegt und der Schamane musste aufgrund der entstandenen Knochenrisse die Zukunft deuten, weit verbreitet. Auf diesen Knochenresten und auf Schildkrötenpanzern sind die ersten uns bekannten chinesischen Ideogramme in einem Korpus abgebildet. Die Inschriften enthalten das Datum, den Namen des Wahrsagers,
1:01:59manchmal sogar die Wahrsagung und den Zeitpunkt ihres eventuellen Eintreffens. Aus diesen Orakelbefragungen kann vieles zur Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Religion der damaligen Zeit abgeleitet werden. Eine der größten Hauptstädte des Shang-Reichs war Yingshu. Diese Metropole lag in der Nähe des heutigen Anyang. In den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden rund 11 Königsgräber entdeckt, sowie mehrere Fundamente von Palästen und Tempelanlagen, in welchen sich Kriegswaffen, Opfertierreste und eine große Anzahl von Geistern, und kunsthandwerklichen Gegenständen aus Bronze, Jade, Stein, Knochen und Keramik befanden. Im Königspalast wurden riesige Steinpfeiler ans Licht gebracht, welche auf zementharten Pisé-Lehmfundamenten, sprich Stampflehmbau, standen und ursprünglich 53 Holzgebäude stützten. In unmittelbarer Nähe des Hauptkomplexes gab es eine Vielzahl von Schächten, die als Speicher-, Dienstraum- und Bedienstetenunterkunft fungierten.
1:03:21Die aus Lehmbau bestehenden Stadtmauern waren rund 8 Meter hoch und etwa 6,5 Kilometer lang. Die Pisé-Bautechnik wurde von vorhergehenden Kulturen übernommen und verbessert. Sie bestand aus einem Steinfundament, auf welchem in eine mobile Schalungsform Lehm und Erde gepresst wurde, bis sie austrockneten. Oftmals wurde der Lehm auch mit Stroh oder Gras vermischt, um das Gewicht zu mindern und somit eine bessere Stabilität zu sichern. In Xingshu wurden ebenfalls Muscheln gefunden, was beweist, dass die Shang-Zivilisation auch mit der Meerregion Beziehungen zu pflegen schien. Wirtschaftlich gesehen lagen die Schwerpunkte in der Landwirtschaft, der Jagd und der Viehzucht, und Xingshu wurde zur Zeit der Hochblüte, etwa 1350 vor unserer Zeitrechnung, zur Hauptstadt. Deshalb wird die Shang-Dynastie insbesondere in Japan und Korea auch Yin-Dynastie genannt.
1:04:39Ihre Armeen mussten oftmals gegen Nachbarn und Steppen-Nomaden aus Innerasen Krieg führen, um ihr Reich zu beschützen. Das Leben am Hof des Königs war bequem. Es war brillant und voller Rituale, um die Gunst der Geister für den König zu beschwören. Dieser war nicht nur das politische Oberhaupt, sondern auch oberster Priester des Ahnenkultes und der Götter- und Geisteranbetung. Oftmals, insbesondere gegen Ende der Dynastie, war es der König selbst, der die Skabulomantie praktizierte. In den Gräbern der Könige und ihrer Angehörigen wurden viele Wertgegenstände den Toten beigelegt. Sie sollten ihnen im Jenseits von Nutzen sein. Sehr oft wurden wahrscheinlich aus diesem Grund hunderte von Sklaven und Dienern lebendig mit dem König beigesetzt. Die Shang-Dynastie verfügte über ein komplexes Schreibsystem und die Bronzeverarbeitung,
1:05:55sowie die Töpferei waren weit vorangeschritten. Die Astronomen hatten den Mars und verschiedene Kometen entdeckt und in jener Zeit wurden viele Musikinstrumente entwickelt. Der Einfluss des Reiches erstreckte sich bis weit in den Nordosten und grenzte zum Teil an die heutige Peking-Region. Dort finden sich in Gräbern Goldschmuck und Bronzevasen aus dem ersten Shang-Reich. Die Shang-Könige fühlten sich von den Fangern, den Barbaren, ständig bedroht. Und insbesondere jene aus der Tu-Region im Yangshan, die Tu-Fangs eben, bereiteten ihnen große Sorgen aufgrund einer sehr offensichtlichen, anhaltenden Feindseligkeit. Auch aus diesem Grund wurde eine umfangreiche Produktion von Bronzewaffen betrieben. Diese Bronzewaffenproduktion war ein riesiges Unterfangen, wenn man bedenkt, welche große Anzahl an Arbeitskräften dafür eingesetzt werden musste. Angefangen bei den Zinn-, Blei- und Kupferminen,
1:07:15über die Gewinnung der Metalle und deren Transporte, bis hin zur Endfertigung. Neben der Erzeugung von Waffen wurde Bronze vielfach für die Herstellung von verschiedenen Behältern und selbst für den Pferde- und Ochsenwagenbau genutzt. Die Infanterie war auch mit Steinwaffen, Lanzen, Streitexten, Pfeilbogen und Leder sowie Bronzehelmen ausgerüstet. Die Streitwagen wurden nicht in den Kampfhandlungen gebraucht, sondern als Kommando- und Machtsymbole genutzt.
1:07:57Sowohl bei der Stadtbevölkerung als auch bei der Landbevölkerung bestand die allgemeine Wehrpflicht unter Zwang zur Frohnarbeit, für den König war gegeben. Der Adel war dazu verpflichtet, seine Truppen in voller Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Der König selbst verfügte über eine Leibwache von rund 1000 Mann, die unter seinem direkten Kommando standen. Die Gesellschaft war sehr hierarchisch aufgebaut. Ein klares Bild darüber geben sowohl die Wohnhäuser als auch die Gräber. Es gibt sogar zum Teil Anzeichen dafür, dass in der Shang-Zivilisation Menschenopfer praktiziert worden sind. Der letzte König der Shang-Dynastie, Di Xin, verlor den Krieg gegen den Shu-König Wu und nahm sich aus diesem Grund das Leben. Mit ihm endete auch die Shang-Dynastie. Das war die Geschichte Chinas Teil 1.
1:09:08Von der Urzeit bis zur Shang-Dynastie. Präsentiert von der Bar Rouge und der Akademie der Vernunft. Wenn du uns unterstützen möchtest, abonniere den Kanal und hinterlasse uns einen Like. Wenn du Fragen oder Anmerkungen zum Inhalt hast, kannst du einen Kommentar hinterlassen, wir versuchen alle Anfragen zu beantworten. Bis zum nächsten Mal auf diesem Kanal.