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Transkript · Geschichte Chinas · Teil 2

Das Tao — Yin und Yang — Das Taijitu — Transkript

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0:00:00Die Akademie der Vernunft und Baruch präsentieren Die Geschichte Chinas Teil 2 Das Tao, Yin und Yang, das chinesische Universum In diesem Video zeigen wir, wie die politische Geschichte der Zhou-Dynastie die kulturelle und philosophische Entwicklung Chinas geprägt hat. Philosophie und Kosmologie bieten Einblicke in ein ganzheitliches Weltbild, das auf Harmonie und Interaktion basiert. Gleichzeitig wird eine klare Trennung zur westlichen Denkweise sichtbar, die stärker auf Individualismus und Abstraktion setzt.

0:00:43Im Laufe unserer letzten Begegnung haben wir den Selbstmord des letzten Königs der Shang-Dynastie, Di Jing, beschrieben, der mit dem Untergang dieser Dynastie zusammenfällt. Der letzte bedeutende Akt, der Shang-Dynastie, war der Verlust des Krieges gegen die von ihrem König Wu angeführte Shu-Dynastie. Diese Dynastie findet im 2. Jahrtausend im Tal des Huanghe ihren Ursprung. Zur Zeit des Aufstiegs lebte dieses Volk westlich des Shang-Reiches und war unter dem schon angedeutenden König Wu ein Teil der Dynastie. Ein Protektorat der Shang-Könige. Mit der Schlacht von Muye 1046 vor unserer Zeitrechnung rief König Wu die langlebigste Dynastie der chinesischen Geschichte ins Leben.

0:02:00Ebenfalls legte er ein göttliches Auftragsprinzip fest, welches praktisch für alle nachfolgenden Dynastien, die Machtlegitimation darstellte. Die Tradition teilt die Shu-Dynastie in zwei Unterkategorien auf. Die West-Dynastie, welche vom 13. bis zum 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung die Geschicke des Reiches gelenkt hat und die Ost-Dynastie, welche vom 8. Jahrhundert bis ins 3. Jahrhundert geherrscht hat. Die West-Dynastie hatte als Angeleiter des Shang-Reiches Hauptstadt, Chongshu. Und das Ende der Dynastie wird auf eine Nomadeninvasion 751 vor unserer Zeitrechnung zurückgeführt. Bei welcher König Yu getötet und die Stadt geplündert und niedergebrannt wurde. Die nachfolgende Ostdynastie legte Chengshu als Hauptstadt an. Eines der wichtigsten Merkmale dieser Dynastie wird dadurch dargestellt, dass es während dieser Zeit zur großen chinesischen Philosophen-Epoche kam. In dieser Zeit fallen nicht nur Lao Tse und Konfuzius, sondern auch die

0:03:33100 Schulen des Denkens hinein. Das Westreich begann, wie schon angedeutet, durch den militärischen Sieg über das Shang-Reich und war, obwohl viele in Anführungszeichen, Barbarenvölker unterworfen wurden, in seiner Anfangsphase sehr instabil. Die Hauptstadt Chonghao oder Hao lag in der heutigen Provinz Shangxi. Der Stamm der Shu soll schon in der Zeit der Xia-Dynastie im Westen gelebt haben. In der Zeit der Shangs wurde dieses Herrschergeschlecht konstant gewichtiger. Sie hatten sich in fruchtbaren Gegenden niedergelassen und ihre Erfolge in der Landwirtschaft legten den Grundstock für ihre unglaubliche Entfaltung in der Geschichte. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg kamen auch die Möglichkeiten der politischen Einflussnahme. In mehreren Feldzügen jagten sie die aus dem Norden hereinströmenden Nomaden zurück und unterwarfen einen großen Teil davon.

0:04:58Ganz bald begannen sie sich nach Westen auszudehnen, bis sie die Grenzen des heutigen Sichuan erreichten. Durch ihren immer größer werdenden politischen Einfluss gründeten immer mehr Nachbarreiche politische Allianzen mit ihnen und dies konnte nur in einem Konflikt mit dem Shang-Reich enden. Mit der schon erwähnten Schlacht von Muye konnten sich die Shus behaupten, dass die Dynastie von Shang-Reich auf die Welt geflogen war und ihre Dynastie gründen. Das neue Reichsterritorium wurde in Stadtstaaten aufgeteilt und König Wu besass die Weisheit, die Führungselite der Shangs für sich zu gewinnen und machte aus ihnen Vassalen. Mit Wus Nachfolger Su Cheng wurde die Staatseinheit wesentlich konsolidiert. Er unterbrach die Strecke der Shang-Reiche. band alle Rebellenbewegungen und Autonomieansprüche und formte eine Zentralverwaltung, die dem

0:06:16Vassalenkönigen wenig Spielraum offenliess. Ebenso führte er Kupfermünzen als Gemeinschaftswährung ein. Ihm folgte König Mu auf den Thron, der ein Strafgesetzbuch einführte, in welchem die Peinigungsstrafen in Geldstrafen verwandelt werden konnten. In dieser Epoche fällt auch der Konflikt mit dem Guangrong im Nordwesten und die Expansion des Shu-Reiches bis an das Taminbecken. Die Guangrong, wörtlich Rong der Hunde, war ein Nomadenvolk im alten China, das in den westlichen und nördlichen Regionen des chinesischen Territoriums lebte, hauptsächlich in den Gebieten der heutigen Inneren Mongolei und den umliegenden Steppen. Sie waren eine von mehreren Stämmen, die zur ethnischen Gruppe der Rong gehörten, die von der damaligen chinesischen Zivilisation, insbesondere der Shu-Dynastie, oft als, in Anführungszeichen, Barbaren angesehen wurden. Die Rong waren eine heterogene Gruppe von Nomadenstämmen, die in Regionen ausserhalb

0:07:48der zentralen Gebiete Chinas lebten, die von der Shu-Dynastie beherrscht wurden. Die Guangrong waren eine der gefürchtetsten und bekanntesten Rong-Stämme in alten chinesischen Texten. Der Begriff guan bedeutet »Hund«, ein Beiname, der für die Chinesen als »Hund« bezeichnet wurde. Die Chinesen wurden in abwertender Weise verwendet, um ihren Status als wildes und nomadisches Volk zu unterstreichen, der aber auch auf die Verwendung von Jagd- oder Kriegshunden durch diesen Stamm hinweisen konnte. Die Guangrong gerieten, wie schon angedeutet, mehrmals in Konflikt mit der Shu-Dynastie, insbesondere während der Zeit der Zivilisation. Die Guangrong waren eine der westlichen Shu-Dynastie. Sprich, zwischen 1046 und 771, das heisst im Jahr 771 vor unserer Zeitrechnung, spielten die Guangrong eine entscheidende Rolle beim Untergang der westlichen Shu-Dynastie. Chinesischen Chroniken zufolge griffen die Guangrong, verbündet mit einem

0:09:10rebellischen Feudalherrn, die Zu-Dynastie. Die Guangrong waren eine der westlichen Zu-Dynastie. In der Nähe des heutigen Xi'an-An und töteten König Zhu von Zhu. Dies markierte das Ende des westlichen Shu-Dynastie und den Beginn der Frühlings- und Herbstperiode, 1770 bis 476 vor unserer Zeitrechnung. In der der Zhu-Hof nach Osten, nach Osten, nach Osten, nach Osten, nach Osten, Luoyang verlegt wurde. Die Beziehungen zwischen den Chinesen und den Guangrong waren, wie bei anderen Nomadenstämmen, auch komplex. Nomadenstämme konnten oft sowohl Verbündete als auch Feinde der chinesischen Dynastien sein, je nach den jeweiligen Umständen. Die Guangrong waren manchmal an militärischen Überfällen auf China. Die Guangrong waren manchmal an militärischen Überfällen auf China. Die Guangrong waren teilweise in chinesischen Gebieten beteiligt. Zu anderen Zeiten trieben sie aber auch

0:10:21Handel und knüpften diplomatische Beziehungen. Wie viele der Nomadenvölker der Steppe waren die Guangrong erfahrene Reiter und geschickte Kämpfer. Ihre nomadische Lebensweise machte sie schnell und mobil. So, dass sie in der Lage waren, schnelle Überfälle und Angriffe auf stabile Landwirtschaft durchzuführen. Obwohl die Chinesen die Guangrong als Barbaren betrachteten, besaßen diese Völker eine eigene, komplexe Kultur, die auf Ackerbau, Nomadentum und einer hierarchischen Gesellschaft beruhte, in der militärische Stärke und die Jagd einen hohen Stellenwert hatten. Wie viele andere Nomadenstämme trugen auch die Guangrong. Die Guangrongen zur Gestaltung der Wechselwirkung zwischen den sesshaften chinesischen Zivilisationen und den nomadischen Steppenkulturen bei. Der Konflikt und der Austausch mit den Nomaden war eine Konstante in der chinesischen Geschichte und beeinflusste die Entwicklung von Militärstrategien, Technologien und sogar die

0:11:51Verteidigungspolitik, wie zum Beispiel den Bau der Chinesen. Der Bau der ersten Befestigungsanlagen, die schließlich zur großen Mauer führten. Ab dem Jahr 870 vor unserer Zeitrechnung beginnt ein Zeitalter der Instabilität. So wurde zum Beispiel König Li, 878 bis 827 vor unserer Zeitrechnung, nach einer Revolte gezwungen, die Hauptstadt fluchtartig zu verlassen und die Krönung zu verlassen. Die Befestigung seines Nachfolger Chuang, 827 bis 782 vor unserer Zeitrechnung, fand im Exil statt. Wie schon vorher beschrieben, wird das Westreich, 771 vor unserer Zeitrechnung, von den Barbaren eingenommen.

0:12:53Während der Hochblüte der westlichen Shu-Dynastie wendeten die Könige eine besondere Methode an, um die eroberten Territorien effizient unter Kontrolle zu halten. Es scheint, dass 71 Fürsten hierfür ausgewählt wurden, von welchen 53 direkt mit dem Königshaus verwandt waren. Da die Hauptstadt Shu im Westen lag, wurden besonders loyale Fürsten nach Osten gesandt. Die Ausdehnung des Reiches erreichte das Gebiet, um das heutige Peking im Norden und den mittleren Lauf des Yangtze-Qiang im Süden. Die Fürsten wiederum verteilten die Gebiete an den Kleinadeln. Es durfte ohne die Einwilligung des hierarchisch höher gestellten Adligen keine Landüberschreibung vorgenommen werden. Die Bauern und Landarbeiter der betreffenden Gebiete wurden als Leibeigene ebenfalls weitergegeben. In der ersten Phase des Reiches war die Bindung zwischen König und Fürsten äußerst ausgeprägt.

0:14:20Er war es, der König, der den Umfang des zu verteilenden Gebietes und die Größe der dort aufgestellten Armee festlegte. Die verschiedenen Gebietsarmeen wurden im Kriegsfall unter direktem Kommando des Königs gestellt. Das administrative System Das administrative System war relativ komplex. Vergleichbar zu den Fürsten wurden auch die hohen Beraterstellen an die Nachkommen vererbt. Die Wirtschaft war vor allem landwirtschaftsbezogen. Unter der Lehensherrschaft wurde insbesondere die Extensivanbautechnik wesentlich verfeinert. Ebenso wurden die ersten grossen Hydraulikingenieure tätig. Sie überdachten und verbesserten die Bewässerungsanlagen des Ackerbaus. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Wirtschaft war das Bronzehandwerk. Sowohl für den zivilen als auch für den militärischen Bereich. Die Barbareninvasion wurde von einem adeligen Heer unter König Ping zurückgeschlagen. Um sich vor weiteren Angriffen besser schützen zu können,

0:15:51verlegte man die Hauptstadt Shengsu in die Provinz Henan. Der Fürst des Staates Xin deckte mit seinen Armeen den Rückzug des König Ping und wurde von diesem mit den Gebieten des Westreiches belohnt. Damit wurde der Grundstein für die Qin-Dynastie gelegt. Die übriggebliebenen Machtstrukturen des Reiches erlebten eine Beschleunigung des Zerfallprozesses, indem einzelne Fürsten auf die königlichen Rechte pochten. Daraus ergab sich eine lange Serie von Fäden, welche von ständig veränderten Allianzen, Verrat, Mord, Bürgerkriegen und Verarmung der Tradition durchzogen waren. Diese Voraussetzungen eigneten sich bestens für die sich wiederholenden Angriffe der Barbaren.

0:17:00König Huan versuchte, die königliche Hoheit über die Landfürsten zu erlangen, wurde jedoch angegriffen und schwer verletzt. Später nahmen auch die Landesfürsten und Herzöge den Titel Wang an und dieser Zustand der immer grösser werdenden Schwächung der Macht des Königs erstreckte sich über fast vier Jahrhunderte und endete mit der Auflösung des Westreiches durch die Qin-Dynastie. Um 256 vor unserer Zeitrechnung die Auflösung kommt dem Ende der Epoche der streitenden Reiche gleich.

0:17:50Das Ostreich hingegen wurde straff organisiert. Es war in neun Provinzen und 1700 Stämmen aufgeteilt. Es gab fünf Klassen unter den Verwaltern, einen Hofkodex und königliche Inspektionsreisen sowie ein diplomatisches Protokoll, das die Beziehungen zwischen König und Verwalter regelte. Die Regierung setzte sich aus den Grossherzogen und sechs Ministern zusammen, die direkt dem König unterstellt waren. Des Weiteren wurden die Landfürsten dazu verpflichtet, Armeen zu stellen und die Rangordnung am Hofe wurde unter anderem auch von der Stärke der Armee, die sie zur Verfügung stellten, bestimmt. Andere Elemente, die diese Rangordnung ebenfalls mitprägten, waren der persönliche Reichtum, das Alter des Geschlechtes und der Verwandtschaftsgrad zum König. Das Steuersystem teilte sich grundsätzlich in drei Ebenen auf. Die monetären Steuern, die Frohnarbeit,

0:19:09welche über einen Zeitraum von drei bis zehn Tagen im Jahr geleistet werden musste, und der Heeresdienst.

0:19:21Die Gesetze waren in Bronze graviert und konnten so im ganzen Reich überall angebracht werden und somit auch bekannt gemacht werden. Was die Einhaltung dieser Gesetze anbelangt, muss wohl festgestellt werden, dass es eine völlig ungenügende Anzahl von entsprechenden Beamten gab, um sie großflächlich umzusetzen und man sich mit der Statuierung von Exempeln, wie zum Beispiel der Stiftung, begnügte. Die Reorganisation des Staates und somit der Grafschaften und Herzogtümer ermöglichte eine wesentliche Welle der technologischen Errungenschaften und deren Umsetzung in der Wirtschaft, welche dadurch einen starken Aufschwung erlebte. So wurde zum Beispiel in der Metallindustrie das industrialisierte Gießen der Eisenwerkzeuge eingeführt, was bedeutend ökonomischer und effizienter als die Bronzegießerei war. In der Landwirtschaft wurde damit begonnen, systematisch die Felder zu düngen,

0:20:38was die Erträge um ein Mehrfaches steigerte. Es wurde eine Klassifizierung der verschiedenen Bodeneingeschafften vorgenommen und die entsprechende Bewässerung mit einem adäquaten Kanalsystem besorgt. Auch der Ackerbau wurde sehr verbessert. Neues Brustgeschirr wurde geschaffen, das den Zugtieren die Luft nicht mehr abdrückte und somit die Leistungsfähigkeit der Tiere optimierte. Der ganz große Durchbruch gelang mit der Verwendung des Eisenflugs. Der durch diese Maßnahmen erworbene Wohlstand führte zu einer Zunahme der Bevölkerung. Zwischen 770 und 780 Millionen Menschen und 454 vor unserer Zeitrechnung fällt die sogenannte Zeit der Frühlings- und Herbstanalen. Die Analen der Frühlinge und der Herbst werden traditionsgemäß der Chronik von Konfuzius zugeordnet und beschreiben die Vorkommnisse im Fürstentum Lu. Der große Philosoph, dessen Leben und Werk wir im weiteren Verlauf näher kennenlernen werden,

0:22:05lebte praktisch in der Endzeit dieser Zeitspanne, welche ihren Ausgang in der Zeit der streitenden Reiche finden wird, wie wir schon angedeutet haben. Es ist dies eine Zeit des gesellschaftlichen und politischen Zerfalls. Gründe dafür sind der zu schnell erworbene Reichtum, Korruption auf allen Ebenen und eine Führung, die versucht, ihre Macht durch das Verteilen von Pfründen, an ihre Stadthalter zu halten. Die Streitigkeiten und Machtansprüche vermehrten sich und die gewaltsamen Auseinandersetzungen waren keine Seltenheit. Nach einer Barbareninvasion aus dem Westen flüchtete der König mit seinem Hofstaat nach Osten und musste sich auf dieser Flucht immer mehr an die lokalen Fürsten wenden, um Aufnahme und Vertrag zu bekommen. Dies führte in der Konsequenz zu einer großen Stärkung des Einflusses dieser Fürsten.

0:23:21Der König der Schuh-Dynastie erlangte nie mehr die Macht und den Glanz der Vergangenheit. Und dies führte die Zeit der Feudalherren ein, die wir eben besser als die Zeit der Frühlings- und Herbstanalen kennen. Aus dem einstigen Königreich entstanden sieben Fürstentümer. Han, Shao, Wei, Yang, Qin, Qi und Zhu. Die jeweiligen Fürsten, eben die Wang, hatten alle Macht auf sich konzentriert, obwohl sie formell immer noch dem König unterstanden.

0:24:06In der Zeitspanne zwischen 453 und 221 vor unserer Zeitrechnung erlebt China die sogenannte Epoche der Streitenden Reiche. Nachdem die Schuh-Dynastie mehr und mehr an Einfluss eingebüßt hatte und sie nicht mehr dem Zusammenhalt des Königreiches zu garantieren vermochte, war der Anstoss für den unumkehrbaren Zerfall die innere Teilungskrise des Qin-Fürstentums. In der Zeit der Frühlings- und Herbstanalen war es das mächtigste Fürstentum des Reiches gewesen und seine Macht weitete sich sogar noch mehr aus, als der König Wu-Chi zu seinem Premierminister machte und dieser tiefgreifende Modernisierungsreformen einleitete. Im gleichen Jahr, 389 vor unserer Zeitrechnung, erklomm der Clan der Tian die Macht im Staate Qi. Im Fürstentum Wei starb der Marquis Wu ohne Nachkommen und nach drei Jahren Bürgerkrieg fielen die Fürsten von Shao und Han in Wei ein,

0:25:34um sich den Staat anzueignen. Nach der Eroberung jedoch wurden sich die Herrscher nicht über die Aufteilung einig. Der Marquis Wu von Wei eroberte den Thron zurück und griff das Fürstentum Shao an. Der neue Fürst Tian von Qi eilte dem Shao zu Hilfe und Wei wurde in der Schlacht von Guilin geschlagen. Im Jahre 334 vor unserer Zeitrechnung versuchte das Fürstentum Wei jenes der Han zu erobern und wieder kamen die Qi zu Hilfe, und schlugen die Wei. Zeitgleich mit diesem Ereignis erklärten sich alle Fürsten als unabhängig und regierten auch formell ihre eigenen Reiche. Das Shu-Reich war praktisch aufgelöst, wenn auch formell noch existent. Die gegenseitigen Streitereien und Kriege schwächten die Protagonisten mehr und mehr, und schliesslich kam es,

0:26:51wie es in diesen Fällen kommen muss. 230 vor unserer Zeitrechnung unterwarfen sich die Han widerstandslos dem König von Qin. Rund fünf Jahre später eroberten die Qin das Fürstentum Wei und weitere drei Jahre später eroberten sie auch das Fürstentum Zhu. Der Grundstein für die Qin-Dynastie war damit gelegt. Wie schon angedeutet, ist diese Zeit auch jene der sehr einflussreichen chinesischen Philosophen. Wenn wir in China geistesgeschichtlich und philosophisch verstehen wollen, müssen wir uns mit den Grundzügen der chinesischen Denktradition und Überlieferung auseinandersetzen. Unser westliches Denken und Erfassen der Welt ist geprägt von einem Mechanismus, einem mechanistischen Weltbild. Als mechanistisches Weltbild, sprich mechanistische Weltanschauung oder mechanistische Philosophie, bezeichnet man eine Position, welche auf einem metaphysischen Materialismus festgelegt ist, also auf die These,

0:28:15dass nur Materielles existiert und zum Beispiel der menschliche Geist oder der Wille nicht durch Bezug auf Immaterielles erklärbar ist. Eine Unterform dieser These ist der Atomismus, wonach die gesamte Wirklichkeit aus kleinsten materiellen Objekten besteht. Somit ist unsere Methode kausal-analytisch. Zum besseren Verständnis der grundlegenden Unterschiede ist es notwendig, gemeinsam einen kurzen Dekalog der grundlegenden Unterschiede zwischen den Weltanschauungen der beiden Kulturen, also der abendländischen Kultur und der chinesischen Kultur, zu durchschreiten. Wobei wir festhalten, dass es nur sehr grob ist, was wir hier beschreiben. Der grundlegende Unterschied zwischen der westlichen und der chinesischen Weltanschauung lässt sich also als Weltanschauung, Philosophie und Herangehensweise an die Realität verstehen, die auf unterschiedlichen kulturellen und historischen Traditionen beruhen. Die westliche Tradition, insbesondere nach der Einführung

0:29:48der Idee der Seele durch den heiligen Augustin, aber auch später mit der Renaissance und der Aufklärung, legt einen starken Schwerpunkt auf den Individualismus. Das Individuum wird oft als Zentrum der Erfahrung gesehen, das mit autonomen Rechten und Pflichten ausgestattet ist. Persönliche Freiheit, Selbstverwirklichung und Bürgerrechte sind zentrale Werte. In der chinesischen Kultur hingegen, wird traditionell der Kollektivismus geschätzt. Die Menschen werden als Teil eines größeren sozialen Gefüges gesehen und soziale Harmonie. Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft und der Familie, sowie die Achtung der bestehenden Ordnung sind von zentraler Bedeutung. Zur Untermauerung dieses Postulates können wir beobachten, wie die westliche Philosophie durch eine dichotome Sicht der Welt gekennzeichnet ist, während die chinesische Philosophie durch eine harmonische Sicht gekennzeichnet ist. Die westliche Philosophie neigt dazu,

0:31:20die Welt durch dualistische, also dichotome Gegensätze zu sehen. Platon und Aristoteles beispielsweise haben das westliche Ideal mit einer scharfen Unterscheidung zwischen Konzepten wie Gut und Böse, Körper und Intellekt, Materie und Spiritualität beeinflusst. Dies führt häufig zu einer Weltanschauung, die von einem Konflikt zwischen Gegensätzen ausgeht. Die vom Taoismus beeinflusste chinesische Philosophie betont die Harmonie und gegenseitige Abhängigkeit der Gegensätze. Das Konzept von Yin und Yang steht für die Komplementarität gegensätzlicher Kräfte, die nebeneinander existieren und sich ausgleichen, anstatt sich zu bekämpfen. Es gibt keine klare Trennung zwischen den Gegensätzen, sondern vielmehr eine Vorstellung von zyklischem Fluss und Gleichgewicht. Die westliche philosophische Tradition, die von griechischen Denkern beeinflusst und durch die jüdisch-christliche Betrachtungsweise und die moderne Wissenschaft weiterentwickelt wurde,

0:32:49tendiert zu einer Weltanschauung, die auf Rationalismus und der Suche nach objektiver Wahrheit beruht. Es gibt eine starke Vorstellung von Fortschritt, von der Suche nach absoluter Wahrheit und Linearität. in Geschichte und Wissen. Die chinesische philosophische Tradition, insbesondere der Konfuzianismus, legt den Schwerpunkt auf einen ethischen Pragmatismus. Die Wahrheit ist nicht notwendigerweise universell oder abstrakt, sondern hängt vielmehr mit den Umständen und sozialen Beziehungen zusammen. Moral wird als Kontext bezogen und praktisch betrachtet. Das heisst, dass soziale Ordnung und Harmonie vom ethischen Verhalten jedes Einzelnen im Rahmen seiner sozialen Beziehungen abhängen. In der westlichen Sichtweise, insbesondere unter dem Einfluss der jüdisch-christlichen Kultur, wird die Zeit auf lineare Weise betrachtet. Es gibt einen Anfang und ein Ende, die Erschaffung der Welt und das Ende der Zeit.

0:34:26Und die Geschichte wird als ein fortschreitender Prozess mit der Vorstellung eines ständigen Fortschritts gesehen. Die chinesische Kultur hingegen hat eine eher zyklische Sicht der Zeit, die von der taoistischen und buddhistischen Philosophie beeinflusst ist. Die Welt wird als ein Kreislauf von Schöpfung und Zerstörung, Wachstum und Verfall gesehen. Auch die Geschichte wird in Form von Zyklen gesehen, mit Dynastien, die aufsteigen, gedeihen und dann wieder fallen. Diese Aspekte spiegeln sich natürlich auch in der Einstellung zum Wissen im Allgemeinen wider. Und wir können sehen, wie im Westen theoretisches Wissen hoch geschätzt wird. Der Westen hat komplexe philosophische Systeme entwickelt, die versuchen, die Existenz des Wissens, die Moral, die Politik und die Natur der Realität zu erklären. Man denke nur an die platonische Unterscheidung

0:35:47zwischen der sinnlichen und der intelligiblen Welt, in der sich die Betrachtung der Welt, der Ideen als der Weg erweist, die Wirklichkeit jenseits ihrer scheinbaren Formen zu erfassen. Oder an die Enzyklopädie des Aristoteles mit ihrer systemischen Organisation des Wissens und der Logik. Der Übergang von der Scholastik des Thomas von Nagin zum Rationalismus von Renatus Descartes oder vom Empirismus von John Locke und David Hume zum transzendentalen Idealismus von Kant und so weiter. Das Wissen in China ist historisch gesehen eher pragmatisch geprägt. Der Konfuzianismus beispielsweise, legt den Schwerpunkt eher auf die Frage, wie man ein moralisches Leben führen und eine harmonische Gesellschaft aufrechterhalten kann, als auf metaphysische Abstraktionen. Auch der Taoismus hat zwar eine starke mystische Komponente, ist aber sehr stark auf die persönliche Praxis

0:37:16und Weisheit im täglichen Leben ausgerichtet. So wird viel klarer, warum die westliche Kultur von den monotheistischen Religionen, welche die Idee eines einzigen Gottes, einer absoluten Wahrheit und eines universellen moralischen Urteils betonen, tiefgreifend beeinflusst wurde. Es wird aber gleichwohl viel deutlicher, warum die Religionen und Philosophien des chinesischen Denkens, Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus, weniger dogmatisch sind als der westliche Monotheismus.

0:38:03Es gibt in der chinesischen Weltanschauung keinen einzelnen absoluten Gott, sondern man konzentriert sich auf die natürlichen und moralischen Prinzipien, welche die Harmonie des Universums bestimmen. Religion wird oft eher als eine Reihe von Ritualen und moralischen Praktiken, denn als ein dogmatisches Glaubenssystem betrachtet. In ihrer sehr langen Kultur- und Zivilisationsgeschichte haben die Chinesen, wie wir bei unserem ersten Treffen festgestellt haben, die Welt seit vielen Jahrtausenden betrachtet. Vielleicht sind ihre Kultur und Zivilisation deshalb von einer starken empirischen Komponente geprägt, welche als Aufmerksamkeit für die praktische Erfahrung und die phänomenologische Welt verstanden werden muss. Es ist aber wichtig darauf hinzuweisen, dass sich der chinesische Empirismus vom westlichen Empirismus unterscheidet. Wie schon angedeutet, ist der chinesische Empirismus mit dem Erfassen und Erforschen von induktiv-synthetischen,

0:39:30assoziierenden Entsprechungssystemen geprägt. Die natürliche Harmonie, das kräftemäßig ausgewogene System spielt eine Hauptrolle. Ausgeglichenheit der Lebensenergie Qi oder Qi, es ist das energetische Potenzial des Daseins. Aufgrund der außerordentlich komplexen chinesischen Kultur und Weltanschauung kann man nicht auf ein grundlegendes Prinzip verweisen, aus dem sich alles in der zeitlichen Projektion entwickelt hat. Das chinesische Denken wird von vielen Komponenten bestimmt. Und wir werden uns aus Zeit- und Kontextgründen alleine auf einige bedeutendere Aspekte konzentrieren. Aber noch einmal, die außergewöhnliche chinesische Kultur lässt sich nicht auf diese reduzieren. Taoismus oder Taoismus ist die Seinsweise des Logos und des Daseins. Der altgriechische Ausdruck Logos verfügt über einen sehr weiten Bedeutungsspielraum. Er wird unspezifisch im Sinne von Wort und Rede sowie deren Gehalt gebraucht,

0:41:08bezeichnet aber auch das geistige Vermögen und was dieses hervorbringt, z.B. die Vernunft. Wie auch ferner ein allgemeineres Prinzip einer Weltvernunft oder eines Gesamtsinns der Wirklichkeit. Tao wird übersetzt als Weg oder Tugend. Es ist das Lebensprinzip für die Natur, für das Individuum und für die herrschenden Kräfte der Gesellschaft. Es ist ein Ausrichtungssystem, welches die chinesische Kultur und Philosophie bis heute beeinflusst. Es handelt sich um eine komplexe Tradition, die Philosophie, Religion und spirituelle Praxis umfasst und deren Schwerpunkt auf der Harmonie mit der Natur, dem Gleichgewicht zwischen Gegensätzen und der Suche nach einem universellen Prinzip gründet.

0:42:27Das universelle Prinzip des Tao ist das zentrale Konzept des Taoismus und bezieht sich auf den grundlegenden Weg oder das Prinzip, das dem gesamten Universum zugrunde liegt und es durchdringt. Die taoistische Weltanschauung wird von deren Grundprinzip als immanent und transzendent begriffen. Der Begriff immanent stammt vom lateinischen Begriff inmanere, sprich, was im Inneren bleiben bedeutet. In der Philosophie und Theologie wird er verwendet, um etwas zu beschreiben, das innerhalb einer gegebenen Realität oder eines Systems vorhanden ist und wirkt, ohne diese zu transzendieren oder ausserhalb zu existieren. In der philosophischen Dimension bedeutet Immanenz, dass eine Kraft, ein Prinzip oder ein Wesen innerhalb der Welt oder des Universums wirkt und sich darin manifestiert, ohne sie zu transzendieren oder in einer anderen Dimension zu existieren.

0:44:00Wenn wir zum Beispiel sagen, dass Tao im Taoismus immanent ist, meinen wir damit, dass es eine Kraft ist, die innerhalb der Natur und des Universums wirkt und nicht als eine externe oder entfernte Entität. Der Begriff transzendent stammt vom lateinischen transcendere und bedeutet darüber hinausgehen. Im Allgemeinen bezieht sich Transzendent auf etwas, das die Grenzen der normalen Erfahrung oder des menschlichen Verständnisses überschreitet. In der Philosophie geht eine transzendente Entität oder Wahrheit über die Grenze des sinnlichen Wissens und der empirischen Erfahrung hinaus.

0:45:06Nach dem Philosophen Immanuel Kant zum Beispiel betrifft transzendentes Wissen das, was jenseits der Erfahrung liegt, aber notwendig ist, um die Welt zu verstehen, wie Gedankenformen, Raum und Zeit usw. Zurück zum Tao. Das Tao ist weder eine persönliche Gottheit, noch hat es menschliche Eigenschaften. Es ist vielmehr ein kosmischer Fluss, eine natürliche Ordnung, der alle Dinge unterworfen sind, einschließlich der Menschen. Der Taoismus lehrt demzufolge, dass das Tao fließend und natürlich ist. Die Menschen sollen lernen, dem Fluss des Tao zu folgen, anstatt sich zu widersetzen oder zu versuchen, der Welt ihren Willen aufzuzwingen. Innerhalb des Taoismus ist das Wu Wei ein zentrales Konzept, eine der wichtigsten Denkströmungen der chinesischen Philosophie, das wörtlich übersetzt Nichthandeln oder Mühelosigkeit bedeutet.

0:46:38Die tiefere Bedeutung von Wu Wei ist jedoch nicht einfach Untätigkeit, sondern vielmehr ein natürliches, spontanes und müheloses Handeln im Einklang mit dem Fluss der Dinge und des Universums. Wu Wei bedeutet demnach, zu handeln, ohne die Situation zu erzwingen oder gegen den natürlichen Lauf der Dinge vorzugehen. Es bedeutet, sich vom natürlichen Fluss der Dinge mitreißen zu lassen, anstatt zu versuchen, ein Ergebnis zu erzwingen. Wu Wei ermutigt dazu, nicht zu versuchen, Ereignisse aggressiv zu kontrollieren oder zu manipulieren. Vielmehr versucht man, den Dingen zu erlauben, sich von sich selbst zu entwickeln und nur dann einzugreifen, wenn es wirklich notwendig ist, und zwar auf sanfte und natürliche Weise. Paradoxerweise wirkt durch Wu Wei große Effektivität erreicht, da man mit Einfachheit handelt

0:47:57und die Hindernisse vermeidet, die durch übermäßige Kontrolle oder Ehrgeiz entstehen. Man erreicht mehr, indem man weniger tut. Der Fluss, der um die Felsen herumfließt, ohne zu versuchen, sie zu zerschlagen, ist ein Beispiel für Wu Wei.

0:48:24Daraus lässt sich ableiten, dass in einer Situation, in der man versucht, ein Problem zu lösen, dass Wu Wei empfiehlt, nicht mit aller Kraft auf eine sofortige Lösung zu drängen, sondern die Lösung auf natürliche Weise mit Geduld und Beobachtung entstehen zu lassen. Man kann grob synthetisieren, dass Wu Wei eine Denkbegebenheit ist, die das Handeln im Einklang mit der Natur und dem Kontext fördert, ohne etwas zu erzwingen, sodass die Ziele auf harmonische und spannungsfreie Weise erreicht werden können.

0:49:12Der Taoismus beruht auf der Vorstellung, dass das Universum von zwei gegensätzlichen und komplementären Kräften beherrscht wird, Ying und Yang. Diese Prinzipien stehen für die essentielle Dualität, welche die gesamte Existenz durchdringt. Ying repräsentiert das passive, weibliche, dunkle und kalte Prinzip, das mit der Nacht und der Erde verbunden ist. Yang steht für das aktive, männliche, leuchtende, warme Prinzip und wird mit dem Tag und dem Himmel in Verbindung gebracht.

0:50:01Nach der taoistischen Philosophie sind alle Dinge im Universum das Ergebnis der Interaktion und des Gleichgewichts zwischen Yin und Yang. Keines der beiden Elemente kann ohne das andere existieren und die Harmonie der Welt ergibt sich aus ihrem Gleichgewicht. Das absolute Yin und das absolute Yang sind unendlich. Aufgespannt zwischen Himmel und Erde. Es ist also ein Energiemodell und ein Raummodell. Aber es ist auch ein Zeitmodell aufgespannt zwischen Leben und Tod und zwar zwischen unendlichem Leben und unendlichem Tod. Das Yin und Yang unterliegt dem ewigen Gesetz des Panta Rei, dass alles fliesst und wird durch die fünf Wandlungsphasen endlich erfassbar. Das unendliche Yin ist weiblich, rechts angesiedelt. Es ist das unendlich Passive, Empfangende. Es ist Form, Struktur und Materie.

0:51:27Mitternacht. Leer. Mond. Winter. Wasser. Kälte. Nacht. Tod. Das unendliche Yang ist männlich, links angesiedelt. Es ist das ultimativ Schöpferische. Zeugende. Das Promethische Feuer. Die Sonne. Das Licht. Das Leben schlechthin. Aber auch Hochsommer. Hochmittag. Aktiv Geist. Aber dieses unendliche oder absolute Dualitätsprinzip gibt es für unsere menschliche Existenz und für unsere limitiertes Dasein nicht. Für uns gibt es nur das endliche unendliche Kreis, auf dem wir im weiteren Verlauf eingehen werden. Ein weiterer grundlegender Aspekt des Taoismus ist jenes des Ziran, welches Spontanität oder Natürlichkeit bedeutet. Ziran ermutigt den Menschen zur Einfachheit des Lebens und zur Authentizität. Der Taoismus empfiehlt, in Harmonie mit der eigenen inneren Natur und der Welt um sich herum zu leben und Künstlichkeit, Exzess und Ehrgeiz zu vermeiden.

0:53:05Das Ideal ist es, wirklich man selbst zu sein, ohne sich von gesellschaftlichen Konventionen oder äusseren Kräften beeinflussen zu lassen, welche die eigene individuelle Natur verzehren. Ziran zu folgen führt zu einem Gefühl des inneren Gleichgewichts und zu einer harmonischen Existenz mit der Welt um uns herum. Es ist eine Idee, die sich gegen Zwang und Künstlichkeit wendet und stattdessen Gleichgewicht und Kohärenz mit der Natur fördert. Wilde Tiere, die sich ohne menschliches Zutun nach ihrem natürlichen Instinkt verhalten, sind ein Beispiel für Ziran. Sie handeln gemäss ihrer angeborenen Natur ohne künstlichen Zwang oder Veränderung. Ein Mensch, der aufrichtig oder echt handelt und seine innere Natur respektiert, folgt dem Ziran-Prinzip. Ein zentraler Aspekt des taoistischen Denkens ist die Relativität von Begriffen

0:54:23wie gut und böse, schön und hässlich, richtig und falsch. Dem Taoismus zufolge sind diese Dichotomien oft mentale Konstruktionen, die unser Verständnis der Realität einschränken. Das Tao liegt somit jenseits menschlicher Kategorien und lässt sich nicht auf begrenzte Konzepte reduzieren. Der taoistische Weise strebt danach, starre Urteile zu überwinden und die Fluidität des Lebens anzunehmen, indem er akzeptiert, dass alle Dinge miteinander verbunden sind und sich ständig verändern.

0:55:13Zu den wichtigen Texten, die uns in die Welt des Taoismus führen, gehört das Tao Te Ching. Das Tao Te Ching, manchmal auch als Dao De Jing transkribiert, ist einer der grundlegenden Texte des Taoismus und der chinesischen Philosophie im Allgemeinen. Das Tao Te Ching wird Lao Tzu im Abendland auch als Lao Tse bekannt, zugeschrieben. Einer legendären Figur, die wahrscheinlich im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebte. Die Gestalt von Lao Tse ist geheimnisumwittert und es ist unklar, ob er tatsächlich als historische Person existiert hat. Die Überlieferung besagt, dass er im 6. Jahrhundert vor Christus während der Shu-Dynastie geboren wurde. Er soll Archivar oder Bibliothekar am kaiserlichen Hof gewesen sein, aber er hatte genug von der Korruption und der Unordnung seiner Zeit

0:56:31und beschloss, China zu verlassen. Bevor er das Land verließ, überredete ihn ein Grenzwächter, seine Lehren niederzuschreiben, woraus das Tao Te Ching wurde. Lao Tse wird oft als weiser, alter Mann dargestellt, der auf einem Wasserbüffel sitzt, was seine Loslösung von weltlichen Belangen und seinen Weg zu einem Leben im Einklang mit der Natur symbolisiert. Das Tao Te Ching und seine Lehren haben die chinesische Kultur tiefgreifend beeinflusst und zahlreiche Denkschulen, auch außerhalb Chinas, inspiriert. Das Tao Te Ching ist ein kurzes, aber sehr einflussreiches Werk, das aus 81 Kapiteln besteht, die sich mit Themen aus dem Bereich Leben, Politik, Natur und Spiritualität befassen. Der Titel des Werkes besteht aus dem schon aufgeführten Begriff Tao, dem Begriff Te, welcher allgemein

0:57:51mit Tugend oder Kraft übersetzt wird und für die Manifestation des Taos im menschlichen Leben steht, sprich dafür, wie der Mensch in Harmonie mit dem Tao leben kann. Schließlich aus dem Begriff Ching, was mit Klassiker oder heiliger Text übersetzt wird. Das Werk ist in einem poetischen und aphoristischen Stil verfasst, der sich durch eine knappe und manchmal rätselhafte Form auszeichnet. Diese Form hat eine Vielzahl von Interpretationen und Übersetzungen ermöglicht und macht den Text zu einer ständigen Quelle der Inspiration und Reflexion. Das Tao Te Ching hat nicht nur das taoistische Denken, sondern auch den Konfuzianismus, den Buddhismus, die chinesische Politik, Kunst und Literatur beeinflusst. Seine Weltsicht hat spirituelle und philosophische Bewegungen auf der ganzen Welt inspiriert, sodass es zu den am meisten übersetzten

0:59:08Texten der Welt gehört.

0:59:13Ein weiterer grundlegender Text der taoistischen Philosophie ist das Chuang-Chi, welches vom Philosophen Chuang-Chu, auch Chuang-Chu genannt, verfasst wurde. Es handelt sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, Gleichnissen und philosophischen Überlegungen, die das Wesen des Tao und der Existenz erforschen. Zu den Hauptthemen gehören die Relativität von Wissen und Werten, die Idee, dass Leben und Tod Teil des natürlichen Flusses des Universums sind, die Bedeutung der spirituellen Freiheit und die Akzeptanz der Veränderlichkeit des Lebens.

1:00:12Neben der philosophischen Dimension entwickelte sich der Taoismus auch als organisierte Religion mit Ritualen, spirituellen Praktiken und einer Hierarchie von Gottheiten. Ab dem zweiten Jahrhundert entwickelte sich der Taoismus zu einer formelleren religiösen Tradition, mit Tempeln, Priestern und Ritualen, die Unsterblichkeit, Gesundheit und Langlebigkeit durch spirituelle und alchimistische Praktiken fördern sollten. Obwohl der philosophische Taoismus und der religiöse Taoismus einige grundlegende Ideen teilen, zeichnet sich der religiöse Taoismus durch eine stärker strukturierte und mystische Dimension aus. Der religiöse Taoismus hat ein Pantheon von Gottheiten, Geistern und Ahnen, die verehrt werden können. Einige dieser Gottheiten stehen mit natürlichen oder kosmischen Kräften in Verbindung. Andere repräsentieren Weisse oder Unsterbliche, die einen Zustand geistiger Vollkommenheit erreicht haben. Zu den wichtigsten Figuren gehört der vergöttlichte Lao Tse,

1:01:41der als Manifestation des Tao selbst gilt und oft als Gottheit verehrt wird. Weitere wichtige Figuren sind die unsterblichen Xi'an genannt. Es sind Wesen, die einen Zustand vollkommener Harmonie mit dem Tao und damit geistige oder körperliche Unsterblichkeit erreicht haben. Der religiöse Taoismus umfasst eine breite Palette von Ritualen und Zeremonien, die von der Ahnenverehrung und der spirituellen Reinigung bis hin zu Heil- und Schutzritualen reichen. Viele dieser Rituale werden vom taoistischen Priestern durchgeführt, die als Vermittler zwischen der menschlichen und der göttlichen Welt fungieren. Eine zentrale Praxis ist das Qigong oder die taoistische Meditation, die darauf abzielt, das Qi, die Lebensenergie zu kultivieren und mit dem Tao zu harmonisieren. Diese Praktiken zielen darauf ab, Gesundheit, Langlebigkeit und in einigen Traditionen

1:03:05sogar Unsterblichkeit zu fördern. Einer der Hauptunterschiede zum philosophischen Taoismus ist das Streben nach Unsterblichkeit, sowohl körperlich als auch geistig. Der religiöse Taoismus schlägt innere und äussere Alchemietechniken vor, um das Leben zu verlängern und Unsterblichkeit zu erlangen. Die innere Alchemie , umfasst Atemübungen, Meditation und Techniken zur Kultivierung des Qi, während die äussere Alchemie , die Verwendung von Kräutern, Elixieren und Mineralien beinhaltet. Der religiöse Taoismus umfasst die Verehrung lokaler Geister, der Gottheiten des Taoisten, des Taoistischen Pantheons und der Ahnen und spiegelt die Verbindung zwischen Himmel, Erde und Menschheit wider. Die taoistischen Tempel sind Orte der Anbetung, an denen Gläubige Opfergaben darbringen, an Ritualen teilnehmen und die Gottheiten um Segen bitten können.

1:04:36Tempel sind auch Zentren der spirituellen Heilung, in denen man durch Rituale und Gebete Segen oder Heilung erhalten kann. Der religiöse Taoismus hat einen reichhaltigen Kalender mit Festen und Feiern, die man den Jahreszeiten, den Ahnen und den Gottheiten in Verbindung stehen. Am wichtigsten sind die Feierlichkeiten zum Geburtstag von Lao Tse, der als Begründer der Tradition gilt, und die Zeremonien zum Neujahrsfest, zu denen Gebete für Wohlstand und Langleblichkeit gehören. Abschließend kann man zusammenfassen, dass der religiöse Taoismus die chinesische Kultur und viele spirituelle und soziale Praktiken tiefgreifend beeinflusst hat. Er hat die traditionelle chinesische Medizin, die Kampfkünste wie zum Beispiel das Tai-Chi und verschiedene Aspekte des täglichen Lebens beeinflusst, darunter Heilpraktiken und Rituale im Zusammenhang mit dem Lebenszyklus.

1:06:00Mit diesen Darstellungen sind wir nun vorbereitet, uns auf das duale Denksystem von Yin und Yang, auf das Bagua und das I Ching, sowie die fünf Wandlungsphasen zu erweitern, wie wir später sehen werden. Der Chinese denkt in Funktionskreisen. Auch die Akupunkturlehre und die Meridiantheorie gründet auf der Dynamik des Tao und des Chi. Beim Vergleich zwischen westlichem und östlichem chinesischem Denken fallen Unterschiede in der Methodik, aber nicht unbedingt im Endresultat oder in der letztendlichen Logik aus. Im Westen werden Beobachtungen als Messwerte registriert. Diese liefern uns ein wissenschaftliches, mathematisches Welt- und Menschenbild. Im chinesischen System werden Beobachtungen empirisch im Kontext gewertet, rational vernetzt und in eine systematische, energetische und funktionelle Welt- und Menschenbild eingeordnet. Warum ist auch die chinesische Methode

1:07:25wissenschaftlich exakt und hält einer Methodenkritik stand? Was sind die erkenntnistheoretischen und die methodenkritischen Voraussetzungen für Wissenschaftlichkeit? Die chinesische Beobachtungsweise zeigt einen zeitlich enormen Erfahrungswert und nimmt auf unendliche Daten und Beobachtungen minutiös Bezug. Diese Erfahrungsdaten nennt man wissenschaftlich positive Empirie. Die Vielzahl von Beobachtern durch eine Vielzahl von Beobachtern nimmt in Sprache, Bild und Deutung Bezug auf eine Normkonvention. Schlussfolgerungen werden damit objektiv mittelbar. Die Aussagen in Wissenschaft, Kosmologie, Philosophie, Astronomie, Akupunktur und Medizin sind in ihren Einzelaussagen in ein klares und streng strukturiertes Bezugssystem gesetzt. Es besteht eine rationale Vernetzung der Beobachtungsdaten oder eine strenge Systematisierung. Unter dem Qi oder Qi versteht der Chinese das Spannungsfeld oder das Energiegefälle, die Differenz energetischer Einflüsse. Es ist das lebensenergetische Potenzial,

1:09:05das die Natur bestimmt, das den Körper durchfließt, das eine Gesellschaft bestimmt. Die chinesische Kultur beschreibt sie oft mit einem Landschaftsbild, mit Flüssen, Seen und Sturzbächen. In der chinesischen Medizin, in Massage, Pharmakologie, Moxibustion, also jene therapeutische Praxis, auch Moxa-Therapie oder kurz Moxen genannt, welche den Vorgang der Erwärmung von speziellen Punkten des Körpers bezeichnet. Und Akupunktur spricht man von Meridianen. In diesen Leitbahnen fliess die Energie Qi von der Körpermitte zu den Extremitäten und wieder zurück. Es entsteht ein Funktionskreisgefüge mit einer klaren Ordnung. Der Mensch ist dadurch auch kosmologisch und psychosozial eingebettet. Der Chinese denkt und fühlt in Entsprechungssystemen. Wie wir andeutungsweise im ersten Teil über China gesehen haben, ist seine Sprache eine piktographische Bildsprache, die deshalb für uns so schwierig ist,

1:10:34da sie nicht statische Zeichen sind, sondern eine Dynamik beinhalten, wie übrigens auch die Hopi-Sprache der amerikanischen Urvölker. Die abstrakte Sprache des chinesischen Denk- und Erkenntnismodells ist das Trigramm und das Hexagramm, das auf der binären Analyse des Yin und Yang gründet. Versuchen wir gemeinsam, angesichts des bisher Aufgeführten, den Aufbau des Bagua zu untersuchen. Das Bagua besteht aus acht Trigrammen, von denen jedes ein natürliches Element oder eine bestimmte Eigenschaft darstellt. Das Trigramm, das aus drei übereinanderstehenden Linien besteht, Kyan, sprich Himmel genannt, steht für Schöpferkraft und Stärke. Das Trigramm, das aus drei übereinanderstehenden, unterbrochenen Linien besteht, Kun, sprich Erde genannt, steht für Empfänglichkeit und Nahrung. Jenes, in welchem die oberste und unterste Linie unterbrochen sind und die mittlere Linie ganz ist,

1:11:55wird Kan, sprich Wasser genannt und steht für Fluss und Gefahr. Das Trigramm, Li, sprich Feuer, steht für Licht und Wärme und wird mit einer oben und unten ganzen und in der Mitte unterbrochenen Linie dargestellt. Das Trigramm, Xun, sprich Wind, Holz, steht für Wachstum und Durchdringung und wird mit einem oben und in der Mitte ganzen Linie dargestellt, während die unterste eine unterbrochene Linie ist. Das Trigramm, welches Gen, sprich Berg genannt wird und Stabilität und Unbeweglichkeit ausdrückt, besteht aus einer ganz oberen Linie, während die unteren zwei unterbrochen sind. Das Trigramm, Zen, sprich Donner, steht für Bewegung und Erregung und wird mit den zwei obersten unterbrochenen Linien gezeichnet, während die unterste Linie unterbrochen ist. Schliesslich wenden wir uns dem Trigramm, Dui, sprich See, zu,

1:13:09welches für Freude und Gelassenheit steht. Dieses Trigramm hat zuoberst eine unterbrochene Linie, während die zwei darunter liegenden ganz sind. Wie wir schon angedeutet haben, findet das Bagua in Feng Shui Anwendung, um die Energie eines Raumes zu analysieren und auszugleichen. um die Energie eines Raumes zu analysieren und auszugleichen. um die Energie eines Raumes zu analysieren und auszugleichen. und so Glück, Gesundheit und Wohlstand zu beeinflussen.

1:13:42Ebenso in Kampfkünsten wie das Baguashan Ebenso in Kampfkünsten wie das Baguashan werden die Bagua-Prinzipien in kreisförmige und fließende Bewegungen eingebaut, welche die Harmonie zwischen Ying und Yang widerspiegeln. Aber auch im Kontext der Wahrsagerei werden die Trigramme und Hexagramme des I Ching verwendet. werden die Trigramme und Hexagramme des I Ching verwendet. um Veränderungen im Leben zu verstehen und Entscheidungen zu treffen, die auf dem Gleichgewicht der Ying- und Yang-Kräfte gründen. Wir sehen nun das klassische Bagua mit Ying- und Yang-Gegenüberstellung und das Fu-Xi-Zeichen. Das absolute Ying ist unten und das absolute Yang ist oben. Diese Form der Bagua-Darstellung entspricht dem Bild der Schildkröte, welche für chinesische Generale, wie wir später sehen werden, von grundlegender Bedeutung für die strategische Aufstellung ihrer Kampfgruppen war.

1:15:10Schließlich die dritte klassische Darstellung des Bagua mit Entsprechung der Trigam. Die Zusammenfassung dieser drei Modelle findet sich in dieser Darstellung. Neben den inhaltlichen Aussagen des Fu-Xi und der Trigamme des Bagua zeigt diese Abbildung bereits Hinweise zu den fünf Wandlungsphasen.

1:15:49Die verschiedenen Anordnungen und Beziehungen der acht Trigramme repräsentieren, wie wir haben sehen können, Energieinhalte und Informationen, also den Taoismus. Wahrscheinlich sind sie allegorisch. Das ist sehr korrekt. Werden jedoch, je nach Aspekt, verschieden gebraucht. Im strategischen und militärischen Denken und im generalstabsmäßigen Aufmarsch wurden meistens die zweite Variante gewählt. Unschwer erkennt man hier die Möglichkeit der Umklammerung und Einkesselung des Gegners. Die Formation wird auch Schildkröte genannt. Und so haben vielleicht die Schlachtvereine, die Schildkrötenfelder, mit der Schildkrötenformation ausgesehen.

1:16:51Entsprechend der Energieinhalte und der Himmelsrichtungen sowie den Informationen des Bagua bewegt sich der Mensch auch im Tai-Chi oder Tai-Guan, dem chinesischen Schattenboxen, das in China auch heute noch ein Volkssport in Form von Atem korreliert hat. Gymnastik. Es ist im Taoismus synonym für das allergrösste Wirkprinzip des harmonischen Wechselspiels der dualen Kräfte von Yin und Yang.

1:17:37Und so sieht schliesslich die Wandlung des Bagua-Tai-Chi in Positionen und Bewegungen aus.

1:17:53In der folgenden Darstellung zeigt sich das taoistische Wechselspiel, der Natur. Die in der chinesischen Tradition und Kultur vorgegebene Kombination der Trigramme des Bagua führt konsequenterweise zu den 64 Hexagrammen des I Ching mit ihren entsprechenden Informationen und Inhalten, wie sie in der folgenden Darstellung zusammengefasst sind.

1:18:36Man ersieht aus den dargebotenen Darstellungen, dass sich die Philosophie des Tao und auch des Zen nicht auf Spruchweisheiten der alten Meister zu reduzieren ist, sondern das ganze System fußt auf den Einsichten und Lehren sowie Erkenntnissen der sogenannten alten Meister. Die Begriffe Weg, Mitte und Kraft finden in allen Lebensaspekten der chinesischen Kulturautorität zur Anwendung. Zusätzlich werden die Ying-Yang-Aspekte und die Ying-Yang-Beziehungen beurteilt und zugeordnet. Es sind vier Ying-Yang-Beziehungen zu berücksichtigen. Die Opposition. Yin und Yang sind relative Gegensätze. Unvereinbare Gegensätze wären sie, wenn sie unendlich wären. Absolut. Wie z.B. die Königin der Nacht. Das gibt es aber so nicht. Es gibt nur das relative Yin und das relative Yang. So ist der Frühling Yang relativ zum Winter, aber auch Yin relativ zum Sommer.

1:20:02Das Zweite. Gegenseitige Abhängigkeit. Yin und Yang brauchen und definieren sich durch ihre Gegensätzlichkeit. Es gibt keinen Winter ohne Sommer. Keinen Tag ohne Sommer. Keinen Tag ohne Nacht. Keine Geburt ohne Tod. Die Veränderungen entstehen durch die Spannungen zwischen diesen Extremen.

1:20:32Gegenseitiger Verbrauch ist der dritte Aspekt. Yin und Yang begrenzen einander. Wasser begrenzt das Feuer. Die Nacht den Tag. Das Licht das Dunkel. Der Regen die Trockenheit. Des Weiteren gibt es jenes der Disharmonie. Bei der Übermacht des einen und oder der Schwäche des anderen Poles entstehen Störungen im ganzen System. Ein Yin-Überschuss führt zu einem Yang-Mangel und ein Yang-Überschuss führt zu einem Yin-Mangel.

1:21:17Ein weiterer Aspekt ist die gegenseitige Umwandlung. Yin kann sich in Yang verwandeln, wenn es den Punkt seines Extrems erreicht hat. Verkehrt es sich in sein Gegenteil. Man nennt das Intertransformation und man könnte es auch als die Entsprechung der im Abendland gefeierten Winter- und Sonnenwende bezeichnen. Die chinesische Naturphilosophie katalogisiert alle Naturphänomene in fünf Kategorien. Holz Feuer Auer Erde Metall Wasser Und definiert ihre Beziehungen zueinander in den charakteristischen fünf Wandlungsphasen. Holz ist die Yang-Phase. Holz wächst und entfaltet sich frei, dehnt sich aus, entspricht der Freiheit und Harmonie auf körperlicher und seelischer Ebene. Das Feuer ist die Yang-Phase. Feuer wärmt, flackert aufwärts, macht den Geist des Shen, den Intellekt, das Charisma eines Menschen aus. Die Erde ist eine neutrale Phase.

1:22:47Es ist die Achse zwischen den beiden Yang und den beiden Ying. Es bildet die Mitte des Menschen. Sie ist die innere Mutter, sie ernährt und stabilisiert. Das Metall schließlich ist Yin-Phase. Das Metall oder Erz klärt, schützt, sinkt ab. Es symbolisiert auch die Oberfläche und hält den Kontakt des Menschen zur Umwelt aufrecht. Und schließlich Wasser, auch eine Yin-Phase. Es ernährt, es fließt, sorgt für den Wachstum und Fortpflanzung. Alles Leben kommt aus dem Wasser. Diese fünf Elementenlehre und ihre Wandlungsphasen beeinflussen einander in vier Zyklen. Der erste ist das Sheng-Zyklus oder die Mutter-Sohn-Regel. Das Holz bringt das Feuer hervor und aus dem Feuer entsteht die Asche, respektiv die Erde. In der Erde entstehen die Erze, das Metall. Und durch das Durchsickern durch Gestein und Metall entsteht das Grundwasser.

1:24:09Dieses wiederum fördert den Holzwachstum. Dann gibt es den Qi-Zyklus. Er ist der Kontrollzyklus und stellt immer noch eine physiologische Variante dar. Eine Wandlungsphase hält die andere unter Kontrolle und wird wiederum von der nächsten kontrolliert. Und schliesslich Cheng-Zyklus. In ihm wird eine Überkontrolle, eine pathologische Unterdrückung vorgenommen. Dadurch wird der kontrollierte Zyklus geschwächt. Tyrann. Wu-Zyklus. In diesem Zyklus wird die kontrollierende Wandlungsphase verspottet. Der Sohn revoltiert und missachtet den Sheng-Zyklus und Qi-Zyklus. Auch dieser Zyklus ist pathologisch. Bei dieser 5-Elementen-Lehre und den Wandlungsphasen geht es immer um die verschiedenen Formen der Energie Qi mit ihren entsprechenden Informationsinhalten. Wenn man die dargelegten Prinzipien nun auf die 64 Hexagramme anwendet, kann man sich leicht vorstellen, dass daraus ein komplexes System, ein Universum, ein metaphysisches Denk- und Deutungssystem daraus entsteht,

1:25:48das allem chinesischen Denken und der chinesischen Philosophie zugrunde liegt. Ohne diese Voraussetzungen kann man das chinesische Universum, den chinesischen Mikro- und Makrokosmos, das umfassende physische, geistige und sittliche Denken der chinesischen Philosophie, nicht oder nur sehr oberflächlich verstehen. Um es in den Worten des Lao-Tse auszudrücken, ich zitiere, die Kraft der Sitte ist es, durch die Himmel und Erde zusammenwirken, durch die vier Jahreszeiten in Hand. Durch die Sonne und Mond scheinen, durch die Sterne ihre Bahnen ziehen, durch die die Ströme fliessen, durch die alle Dinge gedeihen, durch die Gut und Böse geschieden wird, durch die Freude und Zorn den rechten Ausdruck finden, durch die die Unteren gehorchen und durch die die Oberen erleuchtet sind, durch die alle Dinge trotz ihrer Veränderung nicht in Verwirrung kommen.

1:27:38Wenn du Fragen oder Anmerkungen zum Inhalt hast, kannst du einen Kommentar hinterlassen, wir versuchen alle Anfragen zu beantworten. Bis zum nächsten Mal auf diesem Kanal.

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