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Transkript · Geschichte Chinas · Teil 3Die Chinesischen Philosophen: Konfuzius, Lao Tse und Sun — Transkript
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0:00:00Die Akademie der Vernunft und Barouge präsentieren Die Geschichte Chinas Teil 3 Die chinesischen Philosophen, welche die Welt veränderten. Eine Entdeckungsreise im Denken von Konfuzius, Lao Tse und Sun Tzu. Erlebt die Wiege unserer Zivilisation. Taucht mit uns ein in die mythische Welt der Griechen. Die Weisheit des Judentums und die bahnbrechenden Ideen Chinas. Entdeckt Helden wie Herakles, die Entstehung des Monotheismus und die Philosophie von Konfuzius, Lao Tse und Sun Tzu. Eine Reise durch Zeit und Kultur, die unsere Welt bis heute prägt. Nachdem wir uns bei unserem letzten Treffen einem Flüchtigen, wenn auch angesichts der weiten Tiefe und Gliederung, sicherlich oberflächlichen und verkürzten Überblick über die Inseln, in Anführungszeichen Weltanschauung der chinesischen Kultur und ihre kosmogonischen Konzeptions des Daseins
0:01:11im weitesten Sinne gegeben haben, wollen wir versuchen, in diesem weiten Ozean der chinesischen Philosophie und des chinesischen Denkens hineinzutauchen. Im Jahr 845 schrieb Prinz Shao an Prinz Li Wang, ich zitiere, Ein Kaiser weiß zu regieren, wenn die Dichter die Freiheit haben, Gedichte zu schreiben, das Volk sich mit Spielen amüsieren kann, die Minister Ratschläge erteilen, die Armen über die Steuern schimpfen, die Studenten ihre Lektionen laut lernen, die Arbeiter auf ihre Fähigkeiten stolz, sind und Arbeit suchen, das Volk über alles redet und die Alten mit allem unzufrieden sein dürfen. Zitat Ende.
0:02:23Die Wiederentdeckung des chinesischen Denkens und der chinesischen Philosophie im Abendland, wir werden später noch Gelegenheit haben zu sehen, wie die gegenseitige Kontamination des menschlichen Denkens eine lange Geschichte, eine lang Geschichte hat, geht auf die Schriften des Jesuitenpaters Matteo Ricci aus dem 16. Jahrhundert zurück. Die neue intellektuelle Entdeckung Chinas ist ein Produkt der Aufklärung. Nach Diderot waren die Chinesen allen anderen Völkern in Alter, Witz, Kunst, Weisheit, Politik und auch an ihrem Geschmack für Philosophie überlegen. Voltaire stellte fest, dass China tausende von Jahren überlebt hatte, ohne dass sich Gesetze, Sitten, Sprache oder gar Kleidung verändert hätten. Die Institutionen seines Reiches waren in der Tat die besten, welche die Welt je gesehen hatte. Für Graf Kaiserling besaß China auch die höchste Kultur des Seins
0:03:51und die höchste Kultur des Könnens, was diesem Land Überlegenheit verlieh. Er bewunderte die Courtoisie der gebildeten Chinesen und bescheinigte China eine Vorrangstellung unter den Nationen. Es ist sicherlich richtig, dass die chinesische Kultur, wie bereits erwähnt, eine außergewöhnliche, ununterbrochene Abfolge von sieben Jahrtausenden vorweisen kann. Etwa im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden in China die endgültigen Grundlagen für Sprache, Literatur und Philosophie, aber auch für Kunst, wirtschaftliche Entwicklung und staatliche Organisation gelegt. Bevor wir uns mit der Beschreibung des Chinesen und des chinesischen philosophischen Denkens befassen, halten wir es für angebracht, zu erwähnen, dass es im menschlichen Denken eine Art Synchronicität gab, die unabhängig vom kulturellen Kontext faszinierenden Parallelen aufweist. Man kann mit Sicherheit sagen, dass es zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung
0:05:15einen weitreichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden, weichenden. einen weitreichenden Übergang gibt zwischen der Welt, die mit Magie oder spiritueller Transzendenz gelesen wird, und der Welt, die mit Vernunft und Rationalität gelesen wird. Es sei uns eine Anmerkung erlaubt, damit aus der vorherigen Aussage keine Missverständnisse entstehen. Die Beziehung zwischen Magie und spiritueller Transzendenz ist komplex und hat ihre Wurzeln in kulturellen, religiösen und philosophischen Traditionen auf der ganzen Welt. Beide Konzepte beinhalten die Suche nach einer Verbindung mit höheren Dimensionen oder Kräften jenseits des geläufigen Verständnisses, unterscheiden sich jedoch in Zweck, Modalität, und Kontext. Magie wird im Allgemeinen als eine Reihe von Praktiken, Ritualen oder Techniken betrachtet, die darauf abzielen, die sichtbare oder unsichtbare Welt
0:06:39durch den Einsatz von übernatürlichen Kräften, Symbolen, Zaubersprüchen oder spirituellen Interventionen zu beeinflussen. Wobei der Zweck oft pragmatisch ist, sprich, ein bestimmtes Ergebnis wie Schutz, Heilung, Wohlstand, Liebe durch Manipulation okkulter Energien zu erreichen. Die spirituelle Transzendenz ist eine Erfahrung oder ein Weg, der darauf abzielt, die Grenzen der materiellen und individuellen Existenz zu überwinden und mit einer höheren, göttlichen oder universellen Dimension in Kontakt zu treten. Sie zielt nicht auf materiellen oder unmittelbaren Nutzen ab, sondern auf inneres Wachstum, Seelenbefreiung oder das Verständnis letzterer Wahrheiten, wie zum Beispiel Erläuterung. Die Beziehung zwischen Vernunft und Rationalität hingegen ist subtil, aber bedeutsam und betrifft die Art und Weise, wie die beiden Begriffe in der Philosophie, der Psychologie und der Alltagssprache verwendet werden.
0:08:18Mit Vernunft ist die menschliche Fähigkeit gemeint, logisch zu denken. Begriffe zu formulieren, zu urteilen und die Welt zu verstehen. Sie ist eine geistige Fähigkeit, die es dem Menschen ermöglicht, Wahres von Falschem und Gutes von Bösem zu unterscheiden. Sie wird als eine der menschlichen Natur innewohnende Eigenschaft betrachtet. Eine universelle Fähigkeit, die sich durch Erfahrung, Forschung und Bildung entwickelt. Vor allem im philosophischen Kontext wird die Vernunft oft als Richtschnur für moralisches Verhalten und die Suche nach der Wahrheit angesehen. In der Philosophie steht sie zum Beispiel im Mittelpunkt des Denkens von Autoren wie Kant, der die Vernunft als Quelle der Ethik ansieht. Rationalität hingegen ist die Fähigkeit, die Vernunft als Quelle der Ethik ansieht. Rationalität ist die praktische und konkrete Anwendung der Vernunft,
0:09:32um Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen. Sie bezieht sich auf die Anwendung von Logik und Argumentation, um bestimmte Ziele zu erreichen. Doch kehren wir zu der faszinierenden Parallelität des menschlichen Denkens zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurück. Dieses als axiales Zeitalter bekannte Abschnitt hatte einen tiefgreifenden und dauerhaften Einfluss auf die Art und Weise, wie wir heute denken und leben. Das rationale Denken des 6. bis 5. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung ist die Grundlage unserer Zivilisation. Es ist das Fundament unserer Zivilisation. Es gab uns Werkzeuge an die Hand, um die Welt zu verstehen, Gesellschaften zu organisieren und die großen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Die Fähigkeit, Rationalität und Ethik in den Bereichen Wissenschaft,
0:10:53Politik und Spiritualität anzuwenden, ist eines der wertvollsten Vermächtnisse dieser außergewöhnlichen Zeitalter. Selbst im 21. Jahrhundert blicken wir weiterhin auf diese Vergangenheit, um uns inspirieren und leiten zu lassen. Die Synchronicität des philosophischen Denkens in den verschiedenen Zivilisationen der Antike ist ein außergewöhnliches Phänomen, das auf eine kulturelle Konvergenz oder eine parallele Entwicklung des menschlichen Intellekts als Antwort auf die Frage stellt, wie wir uns verhalten. Und wie man hier auf gemeinsame gesellschaftliche Herausforderungen hindeutet. Zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, dass, wie bereits erwähnt nach dem Philosophen Karl Jaspers, der ja in Basel gelebt und schlussendlich auch gestorben ist, geprägten Begriff als axiales Zeitalter bezeichnet wird, ist in Regionen wie Griechenland, Indien, Spanien oder Europa,
0:12:09China und dem Nahen Osten eine unglaubliche Entwicklung des philosophischen, spirituellen und moralischen Denkens zu beobachten.
0:12:24In der griechischen Philosophie wurden die Grundlagen der Rationalität von den sogenannten vorsokratischen Philosophen wie Thales, Anaximander, Heraklit, Pythagoras und Parmenides gelegt, aber auch viele andere. Auf welchen die Riesen des abendländischen Denkens wie Sokrates, Platon und Aristoteles folgten, wie wir in späterem Treffen noch genauer sehen werden. Die griechische Philosophie ist auf die Erforschung der Natur, auf griechisch physis genannt, des Ursprungs des Universums und der Rolle der Menschen im Kosmos ausgerichtet. Sie zelebriert die zentrale Bedeutung des Rationalismus, und der Logik als Werkzeuge zum Verständnis der Welt. Auf die kosmologische Untersuchung der vorsokratischen Denker folgt mit Sokrates, Platon und Aristoteles eine Untersuchung von Ethik und Politik. Wie wir im indischen Denken beobachten konnten, setzen sich in dieser historischen Periode Denkschulen wie die Upanishaden durch,
0:13:41in denen die Bedeutung von Begegnungen, Begriffen wie Brahman, das universelle Absolute, und Atman, das individuelle Selbst, vertieft werden. Wir erleben die Geburt des Buddhismus, der von Siddhartha Gautama, sprich dem Buddha, gegründet wurde, und der die Befreiung vom Leiden mit der Erleuchtung durch ethische Praxis, Meditation und Weisheit betont. Neben dem Buddhismus entstand der Realismus, in dem Mahavira eine Philosophie entwickelte, die auf die Ahimsa, die Gewaltlosigkeit, Karma und individuelle Befreiung beruht. All diese sehr wichtigen indischen Denkschulen haben eines gemeinsam, nämlich eine tiefgreifende Reflexion über die Ewigkeit, die zyklische Natur des Lebens, sprich dem Samsara, und die Überwindung des Schmerzes durch Wissen und Disziplin oder Methoden. Wie wir im Laufe der heutigen Begegnung noch genauer sehen werden, bringt das chinesische Denken das Tao hervor,
0:15:06oder die Suche nach den Prinzipien der Harmonie, den Ursachen und Wirkungen der Naturgesetze, nach Sein und Werden. Konfuzius legt den Schwerpunkt auf Ethik, soziale Ordnung und die Rolle der Rituale bei der Harmonisierung der Gesellschaft. Huan-Fai-Zi hingegen vertritt eine pragmatische Philosophie, die strenge Gesetze zur Aufrechterhaltung der Ordnung fordert. Zur gleichen Zeit treffen wir im Nahen Osten auf Zoroaster und die Bewegung der hebräischen Dynastie. Zaratustra, auch bekannt als Zoroaster, führt ein dualistisches System von Gut und Böse ein, das später Religionen wie das Christentum und den Islam beeinflusst hat. Zur gleichen Zeit entstand in der jüdischen Tradition das Denken von Propheten wie Esra oder Jeremias, welche die Ethik, das Böse, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade, das Gnade.
0:16:29Die Erstaunliche Gleichzeitigkeit der philosophischen Entwicklung in so unterschiedlichen Kulturen wirft viele Fragen auf, ohne dass wir bisher schlüssige Antworten erhalten haben. Es gibt viele Hypothesen, die von den Wissenschaftlern geäussert wurden. Sie reichen von der Vorstellung, dass wir in der fortschreitenden Entwicklung komplexer Gesellschaften, wie zum Beispiel Städte, Staaten oder Imperien, die zwangsläufig die Notwendigkeit moralischer, philosophischer und politischer Systeme zur Bewältigung von Konflikten und zur Organisation des Zusammenlebens hervorbrachten. Andere Wissenschaftler verweisen auf die tiefe Krise der traditionellen Mythen, auf welchen die Suche nach der Welt, nach rationalen oder spirituellen Antworten neue Ansätze hervorgebracht hat. Bei all dem darf nicht vergessen werden, dass die direkten Kontakte zwischen Griechenland, Indien, China und dem Nahen Osten zwar begrenzt waren, aber Kommunikationswege wie die Seitenstrasse existierten,
0:17:51die den Austausch von Ideen und Einflüssen, die den Austausch von Ideen und Einflüssen erleichterten. Zu den verschiedenen Theorien gehört auch jene, dass der menschliche Intellekt einen Reifegrad erreicht haben könnte, bei dem die Gesellschaften unabhängig von ihrer geografischen Lage begannen, über die grossen existenziellen Probleme ähnlich zu denken. Sicherlich könnten wir das Postulat in den Raum stellen, dass die Synchronicität, des philosophischen Denkens nicht zufällig ist, sondern in universellen menschlichen Bedürfnissen wie dem Verständnis der Welt, der Definition der Rolle des Einzelnen und der Lösung von Konflikten wurzelt. Trotz ihrer Unterschiede stellen die grossen philosophischen Traditionen des axialen Zeitalters ein gemeinsames Erbe tiefgreifender und zeitloser, einsichtender Darf.
0:19:01Auch in der chinesischen Philosophie gibt es einen Wendepunkt in ihrem Werden, der oft in der Person des Konfuzius gesehen wird. So wie wir die Philosophie vor Sokrates und die Philosophie nach dem Meister der Majeutik kennen, kennt auch die chinesische Philosophie ein Vor-Konfuzius und ein Danach des Meisters der Tugend der menschlichen Beziehung, der Erziehung und der moralischen Führung. In unserem Kontext ist es nicht möglich, auf vertiefte Details einzugehen, und so beschränken wir uns in der Sphäre der vorkonfuzianischen Philosophie auf Lao Tse und Sun Tzu, obwohl die Zuordnung in diese vorkonfuzianische Epoche von Sun Tzu immer noch Gegenstand heftiger Debatten und der Gelehrten ist. Einige halten ihn für einen Zeitgenossen des Konfuzius, andere bezweifeln sogar seine Existenz als physische Person
0:20:11und behaupten, wie im Abendland bei Homer, er habe nie existiert. Und sein berühmtes Werk, die Kunst des Krieges, sei nichts weiter als eine Sammlung von Texten, die von mehreren Denkern verfasst wurden, die zwischenzeitlich in der Geschichte in die Anonymität geraten waren und sind. Beginnen wir mit Lao Tse, dem wir schon anlässlich unserer letzten Begegnung begegnet sind. Entschuldigt das Wortspiel. Lao Tse, auch Lao Tzu, Lao Tse oder Lao Tse genannt, war ein chinesischer Philosoph und Schriftsteller aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und ist, wie wir bereits in unserem letzten Treffen gesehen haben, der angebliche Autor des Tao Te Ching und Begründer des Taoismus. Im ersten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung wurde er die Hauptgottheit des taoistischen Pantheons.
0:21:26Er soll bis zum Alter von 87 Jahren gelebt haben. Niemand weiß, wo er gestorben ist. Alles, was bleibt, ist sein Name und sein Buch, das vielleicht nicht einmal etwas mit ihm zu tun hat. Lao Tse bedeutet der alte Meister. Es heißt, dass sein richtiger Name Li war. Im 20. Jahrhundert stellten viele Kritiker die Historizität, der als Lao Tse bekannte Person,
0:22:08in Frage und hielten ihn eher für eine von Legenden umwobene Figur, als für einen historisch existierenden Menschen. Ein ähnliches Schicksal erteilte ihn als Autor des Tao Te Ching, einer Sammlung taoistischer Sinnssprüche, die angeblich von mehreren Personen verfasst wurden. Andere Autoren mahnen jedoch zu größter Vorsicht und führen diese Kontroverse auf eine im 20. Jahrhundert entstandene akademische Manie zurück, welche die Existenz verschiedener historischer, religiöser und spiritueller Figuren anzweifelte und darauf hinwies, dass es nicht genügend Material gibt, um eine sichere Antwort auf die Frage zu finden. Sein philosophisches Denken ist, wenn man von den Auswirkungen seines Denkens auf viele spätere Autoren absieht, im Buch Tao Te Ching zusammengefasst. Das Werk besteht aus etwas mehr als 5000 Wörtern, die ihm ausreichten, um die zentralen Punkte seines Denkens
0:23:34auszudrücken und zu formalisieren. Dem Beispiel anderer chinesischen Wörter, wie der Chinesisch-Denker folgend, aber nicht nur, macht Lao Tse ausgiebig Gebrauch von Paradoxien, Analogien, Ausdehnungen, Symmetrien, Reimen und rhythmischen Konstruktionen. Es überrascht nicht, dass das gesamte Werk als eine komplexe Analogie interpretiert werden kann. Wie wir bereits im Rahmen unseres letzten Treffens erwähnt haben, steht im Mittelpunkt von Lao Tses Denken das Konzept des Tao, sprich des Weges oder Pfades, als ideale Quelle aller Existenz. Das Tao ist nach Lao Tse unsichtbar, aber nicht transzendent, äusserst mächtig und doch bescheiden und die Wurzel aller Dinge. Der Mensch, der nach seinem eigenen Wünschen, Impulsen und seinem freien Willen handelt, verhält sich oft unnatürlich und stört das natürliche Gleichgewicht des Tao. Das Tao Te Ching zielt darauf ab,
0:24:58seine Schüler zu einem natürlichen Zustand in vollkommener Harmonie mit dem Tao zurückzuführen. Dazu gehört auch die Polemik gegen die Sprache und die traditionelle Weisheit, die als von Natur aus voreingenommenen und künstlich angesehen werden. Zu den grundlegendsten Konzepten der Philosophie von Lao Tse gehört das Wu Wei, das zur obersten Norm des individuellen und kollektiven Verhaltens erhoben wird. Wu Wei lädt keineswegs zur Passivität ein, auch wenn es ständige Aufmerksamkeit für den Fluss oder die Welt um sich herum verlangt, um den spontanen Fluss der natürlichen Ereignisse nicht zu stören. Vielmehr handelt es sich um ein Konzept, das sich für verschiedene, auch für sprachliche Interpretationen eignet. Wu Wei kann mit nicht handeln oder nicht streben oder auch im theatralischen Sinne
0:26:13mit spontan handeln oder im Augenblick leben übersetzt werden. Eine chinesische Version unseres Kapetiem. Die Grundhaltung des Nicht-Handelns geht einher mit der Spontanität, die konzeptionell unter dem Begriff Ziran oder Harmonie mit dem Tao zusammengefasst wird. Im Abendland sind Verweise auf Lao Tse und seinen Aphorismen weit verbreitet. Wir geben einige von ihnen wider, betonen jedoch, dass das Zitieren seiner Aphorismen bei weitem nicht ausreicht, wenn wir die Philosophie von Lao Tse verstehen wollen.
0:27:08Wenn das Tao verloren ist, erscheinen Moral und Pflicht. Es ist besser, eine Lampe anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen. Auf der Welt gibt es nichts, was weicher und dünner ist als Wasser. Doch um Hartes und Stares zu bezwingen, kommt diesem nichts gleich. Je mehr Gesetze und Verordnungen man erlässt, desto mehr Diebe und Räuber wird es geben. Ein fallender Baum macht mehr Lärm als ein wachsender Wald. Und wir zitieren weitere Sinnessprüche von Lao Tse Pannon. Zum Beispiel Was die Raupe das Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt einen Schmetterling. Oder So muss es sein. Du musst wie das Wasser sein. Keine Hindernisse. Es fließt. Es findet einen Damm. Dann hört es auf. Der Damm bricht.
0:28:31Es fließt wieder. In einem quadratischen Gefäß ist es quadratisch. In einem runden Gefäß ist es rund. Deshalb ist es unentbehrlicher als alles andere. Nichts auf der Welt ist so anpassungsfähig wie Wasser. Und weiter. Wenn man deprimiert ist, lebt man in der Vergangenheit. Wenn man ängstlich ist, lebt man in der Zukunft. Wenn man in ausgeglichenem Frieden ist, lebt man in der Gegenwart.
0:29:15Zu wissen, dass man nichts weiß, ist das Beste. So zu tun, als wüsste man es, wenn man es nicht weiß, ist eine Krankheit.
0:29:30Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut. Und schließlich, wenn man ein Problem hat und es lösen kann, ist es sinnlos, sich Sorgen zu machen.
0:29:53Wenn man es nicht lösen kann, ist es ebenso sinnlos, sich Sorgen zu machen. Wir schreiten nun zu Sun Tzu über. Sun Tzu oder Sun Tzi, so die klassische Interpretation, soll 544 vor unserer Zeitrechnung in Sun Wu geboren worden und 496 vor unserer Zeitrechnung gestorben sein.
0:30:25Aber wie wir bereits erwähnt haben, wird seine Existenz als physische Person von den Gelehrten immer noch bestritten. Die Kürze der Bequemlichkeit und der Bequemlichkeit halber werden wir Sun Tzu in der klassischen Version wiedergeben. Er war ein chinesischer General und Philosoph, der zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeit gelebt haben soll. Ihm wird eine der wichtigsten Abhandlungen über militärische Strategien aller Zeiten zugeschrieben. Der Titel des Werkes ist »Die Kunst des Krieges«, deren Originaltitel »Sun Tzu Bing Fa« lautet. Die verschiedenen biografischen, klassischen biografischen Quellen, stimmen darüber ein, dass Sun Tzu in der späten Periode der Frühlings- und Herbstzeitperiode gelebt haben soll, sprich zwischen 722 und 481 vor unserer Zeitrechnung, und in den Diensten von König He Lü als Militärberater stand
0:31:44und ihm bei der Eroberung des Staates Chu half. Nach einer angeblichen Beteiligung an einem Komplott wurde Sun Tzu des Verraters verdächtigt und deshalb entmannt und ins Exil geschickt. Es wird vermutet, dass er während seiner Abwesenheit aus seiner Heimat »Die Kunst des Krieges« schrieb, mit dem sein Name unternbar geworden ist. Der Ort und das Datum seines Todes sind jedoch unbekannt. Es gibt eine offensichtlich unbewiesene Anekdote über sein Leben, die uns von dem chinesischen Historiker Sima Qian erzählt wird. Dem Bericht des Historikers zufolge wollte der König von Wu, bevor er Sun Tzu als Mit-Militärberater anstellte, seine Talente prüfen und fragte ihn, ob seine strategischen Fähigkeiten, auch auf Frauen anwertbar seien.
0:33:00Sun Tzu willigte ein, es ihm anhand der 180 Konkubinen des Königs aufzuzeigen. Der General teilte die Frauen in zwei Gruppen ein und setzte die beiden Lieblingskonkubinen des Königs an die Spitze jeder Gruppe. Dann erklärte er den beiden Gruppen die zu befolgenden Regeln, auf Sun Tsus Befehl sollten sich alle Frauen in die angegebene Richtung drehen. Beim Trommelwirbel befahl er den Frauen, sich nach rechts zu drehen. Aber sie begannen zu lachen und gehorchten nicht. Sun Tzu sagte dann, wenn die Regeln nicht klar sind und die Befehle nicht verstanden werden, ist der General schuld. Dann erklärte er die Regeln noch einmal und befahl den Frauen, auf den Trommelwirbel hin nach links zu gehen. Erneut brachten die Frauen in Gelächter aus
0:34:14und gehorchten nicht. Sun Tzu sagte daraufhin, wenn die Regeln nicht klar sind und die Befehle nicht verstanden werden, ist der General schuld. Wenn aber die Regeln klar sind und die Befehle trotzdem nicht befolgt werden, sind die Offiziere schuld. Dann gab er den Befehl, die beiden Favoritinnen zu enthaupten. Der König, der die Manöver von der Spitze seines Pavillons aus verfolgte, befahl ihm, die Hinrichtung zu stoppen, da er von Sun Tsus Geschicklichkeit bei der Führung der Truppen überzeugt sei. Doch dieser erwiderte, dass er als General Befehle des Königs nicht befolgen könne. Die beiden Frauen wurden daraufhin hingerichtet und die rangniedrigeren Lieblingskonkubinen wurden mit der Führung der beiden Gruppen beauftragt. Dieses Mal befolgten die Frauen die Befehle ohne Verzögerung.
0:35:25Nun sagte Sun Tzu dem König, dass seine Truppen bereit und gut ausgebildet seien und jedem seiner Befehle gehorchen würden und lud ihn ein, sie zu überprüfen. Doch der König entliess ihn, ohne dies zu tun, und Sun Tzu bemerkte daraufhin, der König liebt schöne Worte, weiss aber nicht, wie er sie in die Praxis umsetzen kann. Auf diese Weise, so erzählt Sima Qian, konnte Sun Tzu seine militärischen Theorien unter Beweis stellen und in königliche Dienste gestellt werden. Das Sun Tzu Bim Fa, die Kunst des Krieges, ist eine Sammlung von 13 Kapiteln, in denen systematisch verschiedene Aspekte der militärischen Strategie und Führung behandelt werden. Seine Prinzipien sind für ihre Universalität und Anwendbarkeit in anderen Bereichen als der alleinigen Kriegsführung bekannt.
0:36:37Die Struktur des Werks von Sun Tzu beruht auf bestimmten Eckpfeilern, wie z.B. dem Sieg ohne Konflikt. Sun Tzu lehrt, dass der grösste Erfolg darin besteht, ohne Kampf zu gewinnen. Es ist besser, den Feind durch Strategie, Diplomatie und Täuschung zu bezwingen als durch direkte Konfrontation. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, den Feind und sich selbst zu kennen. Wenn man den Feind kennt und sich selbst kennt, braucht man den Ausgang von 100 Schlachten nicht zu fürchten. Wissen ist laut Sun Tzu der Schlüssel zum Sieg. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anpassungsfähigkeit. Ein guter Stratege ist flexibel und weiss, wie er sich den Umständen anzupassen kann, indem er die Schwächen des Gegners ausnutzt und seine eigenen Stärken maximiert.
0:37:51Schliesslich appelliert Sun Tzu an Täuschung, Überraschung und Ressourcenmanagement. Der Erfolg tendt von der Fähigkeit ab, den Feind zu verwirren. Die eigenen Absichten zu verbergen und das Unerwartete auszunutzen.
0:38:17Sun Tzu betont die Bedeutung von Disziplin, Logistik sowie Effizienz und Wirksamkeit bei der Nutzung der Ressourcen. Sun Tzu geht über eine einfache militärische Taktik hinaus und schlägt eine echte Konfliktphilosophie vor, die auf Intelligenz, Zurückhaltung und dem Verständnis der Umgebung beruht. Die zentrale Bedeutung seiner Idee von Strategie liegt in der Erkenntnis, dass Krieg nicht nur eine Frage der Stärke, sondern eben der Strategie ist. Derjenige, der besser denkt und besser voraussieht, wird sich durchsetzen, unabhängig von der militärischen Stärke. Sun Tzu macht sich in seinem Denken eine taoistische Idee zu eigen. Der General muss im Einklang mit dem Tao handeln, sich den natürlichen Gegebenheiten anpassen und dem Fluss der Ereignisse folgen. Obwohl Sun Tzu auf Wirksamkeit setzt, befürwortet er keine wahllose Kriegsführung.
0:39:44Er betrachtet den Konflikt als eine extreme Maßnahme und betont die Notwendigkeit, den materiellen und menschlichen Schaden zu begrenzen. Der Text des Traktates von Sun Tzu, von dem 13 Kapitel überliefert sind, deckt alles ab von der Entwicklung der Strategie bis zur Durchführung von Schlachten. Er hält das Studium der Kriegsführung für das Überleben von Staaten als unerlässlich und geht auch auf die wirtschaftlichen, moralischen und politischen Kosten der Kriegsführung ein. Sun Tzu legt die Kriterien fest, die jeder Fürst und General anwenden muss, um den Gegner einzuschätzen und nur mit der Gewissheit des Sieges in den Kampf zu ziehen. In seinem Werk theorisiert er die Notwendigkeit der Autonomie der militärischen Führung. Der General, der Politiker oder der Fürst muss, sobald die Entscheidung zum Kampf gefallen ist,
0:41:02unbedingt die grundlegende Bedeutung der List und der notwendigen Spionagepraxis berücksichtigen. Die strategischen Gebote von Sun Tzu sind dreifach. 1. Der Gipfel der militärischen Strategie ist es, den Sieg ohne Blutvergießen zu erringen. Dieser erste Punkt ergibt sich unmittelbar aus der Betrachtung der wirtschaftlichen, moralischen und politischen Kosten des Krieges in einer Welt, in der er innerhalb ein und derselben Gesellschaft dem kaiserlichen China praktiziert wird und auf die Eroberung von Ressourcen und die Unterwerfung der Besiegten abzielt. Sun Tzu argumentiert, dass es nicht von Interesse ist, begehrte Ressourcen zu zerstören oder diejenigen zu töten, die morgen die eigenen Untertanen sein werden. Der Begriff des Erzfeindes gab es zu damaliger Zeit noch nicht. Der Begriff Erzfeind bezieht sich auf eine Feindschaft oder Rivalität,
0:42:20die im Laufe der Zeit zwischen Gruppen, Nationen, Familien oder Gemeinschaften weitergegeben wird. Diese Art von Feindschaft beruht häufig auf historischen Konflikten, kulturellen, politischen, religiösen oder territorialen Differenzen und wird durch kollektive Erzählungen, Traditionen und gemeinsame Erinnerungen aufrechterhalten. Auch hier ist die mögliche Parallele zwischen Sun Tzu und Thucydides aus dem Axialzeitalter faszinierend. Thucydides, um 14460 geboren und um 395 vor unserer Zeit gestorben, war ein athenischer Historiker und Feldherr. Er gilt aufgrund seiner rationalen und analytischen Herangehensweise an historische Ereignisse als einer der Väter der abendländischen Geschichtsschreibung. Am bekanntesten ist sein Werk Der Peloponnesische Krieg, der den langen Konflikt zwischen Athen und Sparta zwischen 431 und 404 vor unserer Zeit schildert und eine tiefgreifende Reflexion über das Wesen von Krieg, Macht und Politik bietet.
0:43:52Obwohl beide aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, Sun Tzu aus China, Thucydides aus dem klassischen Griechenland, liefern sie bedeutungsvolle Analysen über das Wesen menschlicher Konflikte. In seinem Meisterwerk Den Peloponnesischen Krieg analysiert Thucydides die tiefgreifenden und unmittelbaren Ursachen des Krieges und stellt unter anderem das Wachstum der athenischen Macht und die durch Sparta in Sparta ausgelösten Angst fest. Hier führt er das Konzept der Thucydides Falle ein, sprich den strukturellen Konflikt, der sich aus der durch eine aufstrebende Macht erzeugten Unsicherheit ergibt. Sun Tzu konzentriert sich mehr auf die strategischen Gründe für einen Krieg und betont die Planung und Vermeidung unnötiger Konflikte. Er befasst sich nicht mit den Kriegsursachen im historischen Sinne, sondern betont, dass Krieg das Ergebnis von Fehlern oder Versäumnissen
0:45:12bei der Verwaltung staatlichen Interessen ist, dass die Notwendigkeit, sich selbst und den Feind zu kennen wesentlich ist, um unnötigen Krieg zu vermeiden. Beide betrachten den Krieg als ein Phänomen, das nicht rein zufällig ist, sondern aus Machtstrukturen oder strategischem Missmanagement resultiert. Thucydides stützt seine Analyse auf das Gleichgewicht der Kräfte. Die Rivalität zwischen Athen und Sparta war nicht nur politisch, sondern strukturell bedingt, sprich jeder Staat handelte um seine eigenen Interessen und seine eigene Sicherheit zu wahren, was unweigerlich zu Konflikten führte. Für Sun Tzu ist die Macht ebenfalls von zentraler Bedeutung, aber er sieht sie in fliessenden und dynamischen Begriffen und in dieser Vision des Werdens wird die taoistische Komponente des chinesischen Denkens deutlich. Das Gleichgewicht wird durch Flexibilität,
0:46:33Manipulation und Anpassung erreicht, nicht durch direkte Konfrontation. Beide erkennen an, dass Macht für das Verständnis von Krieg grundlegend ist, während Thucydides sie jedoch als ein relativ festes und strukturelles Phänomen betrachtet, interpretiert Sun Tzu sie als eine Kraft, die mit List und Intelligenz gesteuert werden kann. Für Thucydides, wie auch einer der wichtigsten modernen Kriegstheoretiker Karl von Clausewitz viel später sagen würde, ist der Krieg die natürliche Erweiterung der Politik mit anderen Mitteln. Aber er führt zu schwerwiegenden und unvorhersehbaren Folgen, wie der Niedergang Athens zeigt. Er betont die Bedeutung von Besonnenheit und Kalkül bei politischen Entscheidungen. Auch für Sun Tzu ist der Krieg ein Instrument der Politik, sollte aber nur geführt werden, wenn er von Nutzen ist. Ich zitiere ihn
0:48:01Und meint damit, dass die wahre Kunst darin besteht, den Krieg zu vermeiden. Beide sehen den Krieg nicht als Ziel, sondern als Mittel. Sun Tzu konzentriert sich jedoch auf Vorbeugung und Effizienz, während Thucydides eher die moralischen Dilemmatas und die Folgen eines Konfliktes untersucht. Thucydides und Sun Tzu bieten komplementäre Perspektiven. Thucydides konzentriert sich auf die strukturelle und menschliche Dynamik des Krieges, während Sun Tzu die Kunst der Strategie und des Konfliktmanagements hervorhebt. Zusammen bieten ihre Werke ein umfassendes Bild der Ursachen und der Handhabung von Kriegen, das historische Analyse und strategische Praxis in Einklang bringt. Kehren wir jedoch zu Sun Tzu zurück, der der Ansicht ist, dass es im Krieg im Wesentlichen darum geht, einen komparativen Vorteil zu finden,
0:49:20wobei es nicht darum geht, den Gegner zu vernichten, sondern ihn dazu zu bringen, den Willen zum Kampf zu verlieren. Dieser zweite Punkt impliziert den Einsatz von Gewalt in exaktem Verhältnis zur Art des verfolgten politischen Ziels. Der General hält es für unerlässlich, sparsam und geschickt vorzugehen, den Gegner zu destabilisieren und die Rolle des letzten Schlages gegen einen unbewaffneten Gegner dem Krieg zu überlassen. Schließlich ist die Kenntnis des Gegners der Schlüsselfaktor für jeden militärischen Sieg. Dieser dritte Punkt ist die direkte Projektion einer traditionellen chinesischen Philosophie, die Intelligenz und Wissen im Allgemeinen schätzt. Für Sun Tzu ist die Spionage die Krönung militärischen Handelns. Er ist der Ansicht, dass Spionage der Prozess ist, durch den ein Kriegsherr das Gesamtbild sehen
0:50:38und gegebenenfalls im Voraus und ohne Angst vor Fehlern wissen kann, wer den Krieg gewinnen und wer ihn verlieren wird. Bei der Kriegsführung sind fünf Elemente zu berücksichtigen, über welche die Offiziere ständig nachdenken und auf die sie achten müssen. Der Weg spricht das Tao, die Jahreszeiten spricht das Klima, das Gelände spricht die Topografie, der General spricht die Eigenschaften des Anführers, und schließlich die Disziplin, sprich die Verwaltung der menschlichen und materiellen Ressourcen. Diese fünf Faktoren zusammen bestimmen den Ausgang eines militärischen Einsatzes. Nur die gewissenhafte und überlegte Berücksichtigung dieser Daten ermöglicht es dem Kriegsherrn, seine Siegeschancen zu berechnen. Werden sie aus Unwissenheit oder Anmassung außer Acht gelassen, führt dies zur Niederlage. Die Einheit einer Armee besteht nicht nur in der Anzahl der Soldaten,
0:52:03sondern auch in ihrer Gesamtstärke. Der Kriegsherr muss zu jeder Zeit wissen, ob er kämpfen kann und wann er aufhören muss. Er muss wissen, ob er sich wenig oder viel engagieren soll. Er muss sowohl den einfachen Soldaten als auch den Offizieren gegenüber dankbar sein. Er muss wissen, wie er die Umstände ausnutzen kann und schliesslich muss er sicher sein, dass der Kriegsherr alles gut heisst, was für seinen Dienst getan wird. Die Kunst des Krieges ist ein Grundpfeiler der chinesischen Militärtradition und hat Generale und Herrscher seit Jahrhunderten beeinflusst. Es besteht kein Zweifel daran, dass Sun Tzu's Gedankengut auch in andere strategische Traditionen beeinflusst hat, etwa die japanische Samurai-Tradition, wie wir sehen werden, wenn wir die Geschichte Japans gemeinsam durchgehen.
0:53:13Seine strategischen Theorien finden bis in die Gegenwart Anwendung. So wird sein Werk beispielsweise in militärischen Ausbildungen der Offiziere auf der ganzen Welt studiert, aber auch im Bereich wie Management, Marketing und Konfliktlösung. Wie bei Lao Tse führen wir eine Reihe von Zitaten aus seinem Denken auf?
0:53:44Jeder Kriegszug muss im Schein gelöst werden, Unordnung vortäuschen, den Feind immer wieder ködern, um ihn zu locken, Unterlegenheit vortäuschen, um seine Arroganz zu fördern, wissen, wie man seinen Zorn erregt, um ihn besser in Verwirrung stürzen zu lassen. Jeder Krieg beruht auf Täuschung. Niemals hat ein langer Krieg irgendeinem Land genützt. Kenne deinen Feind und kenne dich selbst. In hundert Kriegen, die zu führen sind, wirst du nie geschlagen werden. Wenn du deinen Feind ignorierst und dich selbst kennst, sind deine Chancen zu verlieren und zu gewinnen gleich gross. Wenn du sowohl deinen Feind als auch dich selbst ignorierst, wirst du deine Kämpfe nur nach deinen Niederlagen zählen. Gehen wir nun gemeinsam zu Konfuzius. In vielen Kreisen der westlichen Kultur besteht die Tendenz,
0:55:00Konfuzius als den wichtigsten chinesischen Philosophen anzusehen. Dass er zu den Speerspitzen des klassischen Denkens zu zählen ist, steht außer Zweifel. Seine Philosophie hatte einen grossen kulturellen, sozialen und politischen Einfluss auf China und ganz Ostasien. Das Denken des Konfuzius, auch Konfuzianismus genannt, hat soziale, politische und moralische Gefüge Chinas über zwei Jahrtausende lang maßgeblich geprägt. Sein enormer Einfluss zeigt sich aber auch in den Kulturen von Ländern wie Korea, Japan und Vietnam. Seine Lehren beruhen auf universelle Werte wie die Menschlichkeit
0:56:02Gerechtigkeit Treue und soziale Harmonie Li auf Chinesisch, die sowohl in China als auch in Ostasien nach wie vor von grosser Bedeutung sind. Konfuzius, dessen Name auf Chinesisch Konfuzi, sprich Meister Kong lautet, wurde am 28. September 551 vor unserer Zeitrechnung in Lu geboren und starb am 11. April 479 vor unserer Zeitrechnung. Er lebte im letzten Teil der Frühlings- und Herbstperiode, sprich in der Zeitspanne zwischen 781 und 477, sprich einer Ära der Anarchie, der politischen Instabilität und der weit verbreiteten Korruption, die von Kriegen zwischen Feudalstaaten beherrscht wurde, und nahtlos in die nächste Ära, die Periode der Streitenden Reiche zwischen 453 und 221 überging, die schließlich in der Einigung Chinas unter einem Herrschen gipfelte. Der Überlieferung nach wurde Konfuzius im Staat Lu,
0:57:30heute Teil der Provinz Shandong, geboren und auch der Beginn der philosophischen Bewegung der 100 Denkschulen liegt in dieser Zeit, wie wir bereits gesehen haben. Nach klassischer Auffassung stammte Konfuzius Vater Shuai Liang He aus einer verarmten Adelsfamilie aus der Shang-Dynastie und hatte im Alter von 65 Jahren ein 15-jähriges Mädchen Yang Shengshai geheiratet. Nach den damaligen Gepflogenheiten wurde eine solche Ehe als unerlaubte Verbindung betrachtet. Wie so oft werden prominente Persönlichkeiten zum Adressaten bestimmter späterer Legenden aus der Mythologie. Dies war auch bei Konfuzius der Fall, dessen Geburt angeblich von aussergewöhnlichen Ereignissen begleitet war. Der Neugeborene wurde von Drachen und göttlichen Wesen besucht und es erklang himmlische Musik. Solche Legenden werden natürlich von orthodoxen Konfuzianern mit rationalistischen Tendenzen abgelehnt.
0:58:57Konfuzius verlor seinen Vater im Alter von drei Jahren und wurde von seiner Mutter aufgezogen, der es gelang, ihm eine Ausbildung zu ermöglichen, obwohl die Familie in Armut lebte. Über das Leben des Konfuzius liegen keine gesicherten Informationen vor. Sein sozialer Status ordnet ihm der aufstrebenden Schicht zwischen dem Adel und dem einfachen Volk zu, in welcher, wie Konfuzius, begabte aber bescheidene Männer aus bescheidenen Verhältnissen gehörten, die durch ihre intellektuelle Begabung eine hohe Stellung erreichen wollten. Er heiratete im Alter von 19 Jahren und liess sich im Alter von 23 Jahren scheiden. Im Alter von 22 Jahren gründete er in seinem Haus eine Schule. Er lehrte seinen Schülern drei Dinge, nämlich Geschichte, Poesie und Rhetorik, sowie Anstand und Moral.
1:00:14Seiner Meinung nach muss der Charakter eines Menschen durch Lieder oder Gedichte geweckt und durch Formen des Anstands gestärkt werden. Der Geist muss durch logische Widerlegungen falscher Argumente geformt werden. Eine interessante Parallele zu Karl Popper, Falsifikationstheorien. Hier liegen Sokrates, Popper und die Lehren des jüdischen Talmuds auf derselben Linie. Er lehrte durch Rede, Dialog und Fragen. Auch hier ist an die methodische Ähnlichkeit der sokratischen Mäeutik zu denken, sprich an das Verfahren, mit dem der griechische Philosoph seine Schüler zur Erkenntnis führte. Sokrates lehrte seinen Schülern nichts, sondern regte sie an, sich von falschen Überzeugungen zu befreien und ihre eigenen Gedanken zu gebären, um zur Wahrheit zu gelangen. Dies entspricht der Technik der Verwendung von Hilfswörtern, sprich der Zeitadverbien, mit Fragen, Verneinungen,
1:01:34Konjunktiven, der Verwendung der Zukunfts- und Vergangenheitsform. Es handelt sich um die Nord-West-Passage im Gehirn. Konfuzius sagte, wer sich nicht anstrengt, dem will ich nicht helfen. Wer nicht danach strebt, sich auszudrücken, dem werde ich nicht helfen. Dem werde ich die Lösung nicht eröffnen. Nur wer charakterlich und geistig geläutert ist, kann ernsthaft humanistische Philosophie studieren. Und weiter, wenn ich ihm einen Winkel zeige und er es nicht schafft, ihn auf den anderen drei Winkel zu übertragen, werde ich sie ihm nicht wiederholen. Er sagte, dass nur die Intelligentesten und die Dümmsten nicht von seinen Vorlesungen profitieren würden. Es sei wahrscheinlich schwierig, jemanden zu finden, der drei Jahre lang gelernt habe und nicht entsprechend geläutert sei. Mehr als 3000 Menschen besuchten
1:02:50seine Schule. Er war sehr streng und lebte mit seinen Schülern in seinem Haus, bis sie über 70 Jahre alt waren. Er war nicht bereit, seine Zeit mit Schülern zu verschwenden, die nicht lernen wollten. Er selbst hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Seine Pädagogik war altmodisch. Wahrung von Distanz, Förmlichkeit, Benimmregeln, Höflichkeit, Puritanismus, Stoizismus, keine Meinungen, Vorurteile, Sturheiten, Egoismus oder Selbstgefälligkeit wurden geduldet. Vieles aus dem Leben des Philosophen ist uns aus der Posthumensammlung der Gespräche des Konfuzius überliefert, die von seinen Schülern zusammengestellt wurde. In diesem Werk werden die philosophisch-moralischen Gedanken sowie die vom Meister diktierten Gebote dargelegt. Wir lesen darin, dass er seinen Schülern seine Gedanken in fortgeschrittenem Alter diktierte und dass er maßvoll und zurückhaltend war. Er soll ein sehr zurückgezogenes und bescheidenes Leben geführt
1:04:19haben, das Landleben der Stadt vorgezogen und oft und gerne gefastet habe, wobei er abwechselnd sein eigenes Essen selber beschaffte und selber kochte. Er unterrichtete ohne Bezahlung, sondern nur mit einigen kleinen Sachspenden. Seine Schule zog so viele Anhänger an, dass sie elitär wurde und als Beispiel für Bildung galt. Offenbar verärgerte seine Schule die Mächtigen der damaligen Zeit, die den Meister und die Schule ausgrenzten, weil sie ihnen lästig waren, so sehr, dass sie fliehen mussten und der Meister selbst sein Leben riskierte. Die Parallele zum Leben des Sokrates ist auch hier sicherlich faszinierend. Es scheint jedoch, dass der Meister in den letzten Jahrzehnten seines Lebens ein geschätzter Botschafter und geachteter Mann am Hof wurde. Konfuzius war der Förderer
1:05:30eines originellen und in der chinesischen Kulturlandschaft beispielloses Denken. Seine Lehre lässt sich zusammenfassen als der Versuch, eine ethische Konzeption des Menschen in seiner Ganzheit und Universalität zu erarbeiten. Sprich, Konfuzius versuchte eine Reihe von Hinweisen darauf zu geben, wie der Mensch sein Leben am besten führen kann, wobei er alle wichtigen Aspekte der menschlichen Natur berücksichtigte. Dabei ging es nicht nur um die Identifizierung und Neudefinition dessen, was genau Menschwerdung bedeuten könnte, sondern auch darum, dass Konfuzius ein neues Modell für die Selbstverwirklichung vorschlug, das mit dem Aufbau einer wohlhabenden und harmonischen menschlichen Gemeinschaft vereinbar sein sollte. Die Lehre des Konfuzius war für die Entwicklung des chinesischen Denkens von entscheidender Bedeutung. Wir denken, dass man mit Sicherheit sagen kann, dass nach seinem Tod keine
1:06:52der nachfolgenden Denkschulen, philosophischen Strömungen und Denker in China ohne die Konfrontation mit einer wahren Gründerfigur auskommen konnte.
1:07:10Die Entdeckung oder vielleicht Wiederentdeckung des konfuzianischen Denkens wurde im 17. Jahrhundert von den Jesuiten nach Europa gebracht, die sich während ihrer ersten Missionen in China mit dem Studium der chinesischen Sprache und der Übersetzung einiger Werke der klassischen chinesischen Literatur beschäftigten. Meister Kong vertrat die Ansicht, dass derjenige, der das Wohl des Anderen sichern will, sein eigenes bereits gesichert hat. Daraus lässt sich leicht ableiten, dass seine Vision auf den Grundsätzen der individuellen und sozialen Ethik beruhte, die auf einem Sinn für Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit sowie auf der Bedeutung der Harmonie in den sozialen Beziehungen gründete und nach präzisen ethischen und rituellen Regeln kodifiziert war, welche der kulturellen Tradition des Altertums entlehnt waren. Nach Konfuzius ermöglicht die Einhaltung dieser Normen die Regelung
1:08:28der zwischenmenschlichen Beziehungen und garantiert die soziale Ordnung durch die Achtung der familiären und gesellschaftlichen Hierarchien. Grosse Bedeutung wird den Gefühlen der Loyalität und des Mitgefühls gegenüber dem Nächsten beigemessen, dem Lernen als einem Weg des Studiums, der Übung und der Reflexion sowie der Umsetzung des erlernten Wissens in die Praxis zur Verbesserung des eigenen Wohls und der menschlichen Gemeinschaft. Wie Sokrates hat auch Konfuzius keine eigenen schriftlichen Werke hinterlassen. Seine Lehren sind, wie bereits erwähnt, in den Gesprächen gesammelt, einer Sammlung von Gesprächsfragmenten, Anekdoten und Lehren, in denen der Meister selbst und einige seiner früheren Schüler zu Wort kommen. Die Parallele zu Platons Werk in Bezug auf Sokrates ist faszinierend. Diese Episoden, die höchstwahrscheinlich zunächst nur mündlich überliefert wurden,
1:09:58wurden von Schülern späterer Generationen schriftlich festgehalten, bis sie ihre endgültige Form annahmen und das Buch bildeten, das heute noch als die Gespräche des Konfuzius bekannt ist. Soweit wir wissen, schlug Konfuzius keine systematische Lehre vor, sondern forderte seine Schüler auf, tief über sich selbst und die Welt nachzudenken und ihr Wissen über die Vergangenheit zu vertiefen, aus dem sie durch das Studium der alten Texte lernen konnten. Er selbst stellte sich selbst als Bote, der nichts erfunden hat, dar, dessen Aufgabe es ist, die Weisheit der Alten weiterzugeben. Dem Studium im Allgemeinen wird grosse Bedeutung beigemessen. Gerade die Liebe zum Studium und der Wille, sich selbst zu verbessern, spricht sich in ethischer und menschlicher Hinsicht zu vervollkommen, sind für Konfuzius
1:11:12die einzigen Voraussetzungen, um sich als Mensch weiterzuentwickeln. Er glaubte, dass alleine ein solcher Weg der Weg sein könnte, um zu lernen, wie man sein Leben auf konkrete und tugendhafte Weise führt, indem man lernt, sich in jeder Situation angemessen zu verhalten und jederzeit die Ideale von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit in der Praxis umzusetzen, die nach Konfuzius die besondere Eigenschaften sind, die den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheiden. Diese Offenheit der Lehre für alle, unabhängig von Klasse und Einkommen, ist einer der Gründe, warum er in China als der erste Meister der chinesischen Tradition im engeren Sinn von Lehrer bekannt ist. Es muss darauf hingewiesen werden, dass Konfuzius, obwohl er nicht mehr aus einer wohlhabenden Familie stammte, immer noch
1:12:28dem Kleinadel angehörte und dass seine Lehre auf die Ausbildung künftiger Führungseliten ausgerichtet war. Das änderte nichts an der Tatsache, dass sein Denken, so wie der Meister es formulierte, formal allen offen stand, nicht nur den Söhnen des Adels. Konfuzius schlug ein Modell eines tugendhaften Menschen vor, das er Yunzi nannte, was im Abendland manchmal mit überlegener Mensch übersetzt wird. Die Versuchung, eine Parallele zu dem von Friedrich Wilhelm Nietzsche erdachten Übermensch zu ziehen, ist sicherlich interessant. Aber die beiden Figuren stehen für völlig unterschiedliche Ideale, die in sehr unterschiedlichen Kulturen, philosophischen und moralischen Traditionen wurzeln. In Konfuzius' Zeiten bezeichnete dieser Begriff ausschließlich den Adel des Blutes. Aber er wandelte seine Bedeutung und machte ihn zum Synonym für den Adel des Geistes. Die Lehre des
1:13:51Konfuzius beruht, wie auch von Aristoteles seiner Zeit postuliert, auf dem Beispiel. Der Meister gibt das Beispiel seiner selbst, fordert seine Schüler jedoch auf, viel weiter in die Vergangenheit zurückzublicken und sich von den großen Weisen und Königen der Vergangenheit, mythischen Figuren der chinesischen Tradition, inspirieren zu lassen. Nach Konfuzius sind es diese historischen Gestalten, die in ihren Erzählungen die Ideale der Tugend und des richtigen Verhaltens verkörpern. Beispiele, denen man folgen sollte, um einen Weg zu finden, der eines Menschen würdig ist. Nach Konfuzius sind die Großen der Vergangenheit zwar schon seit Jahrhunderten tot, aber ihre Taten sind auf den Seiten der klassischen Texte der Überlieferung unsterblich verewigt. Sie stellen, so mythologisch sie auch sein mögen, den Ort der Vortrefflichkeit dar, an dem die Ausbildung
1:15:09des tugendhaften Menschen stattfinden muss. Um Zugang zu diesen Texten zu erhalten, ist der grundlegende und unverzichtbare Schritt das Studium. Daher die konfuzianische Betonung des Lernens, verstanden als ein Prozess kultureller und moralischer Bildung, der durch den Zugang zur Literatur der großen chinesischen Tradition erfolgt und der in der täglichen Praxis moralischer Normen vollzogen werden muss, die durch die Inspiration aus Episoden im Leben von Königen und Weisen der Vergangenheit assimiliert werden, sprich das, was im Abendland in der lateinischen Redewendung Historia Magistra Vitae zusammengefasst wird. Die Beziehung zur Tradition und zur Vergangenheit im historischen und kulturellen Sinne ist ein Schlüsselelement in Konfuzius' Denken und einer der Gründe, warum ihm die Kanonisierung der klassischen Texte der chinesischen Tradition zugeschrieben wird.
1:16:35Das bedeutet, dass einige der heute als Klassiker des chinesischen Denkens geltenden Texte aus der vorkaiserlichen Zeit gerade deshalb erhalten geblieben sind, weil Konfuzius selbst sie als Texte von grösster Bedeutung für die kulturelle und moralische Bildung des Menschen bezeichnete. Die Umsetzung der durch das Studium erlernten moralischen Qualitäten in die Praxis geht mit der Verpflichtung einher, das eigene Leben tugendhaft zu führen und alle menschlichen Beziehungen mit dieser moralischen Aura zu versehen. Auf diese Weise kann sich die Tugend in konzentrischen Kreisen ausbreiten, zunächst im inneren Kreis der engsten Familienmitglieder, dann in immer grössere Entfernung, bis die gesamte menschliche Gemeinschaft umfasst. Im Wesentlichen geht es darum, die eigenen Tugenden und moralischen und menschlichen Qualitäten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, um die Verbesserung
1:17:58und Harmonisierung der Beziehung zwischen allen ihren Mitgliedern gemäss den von der Tradition kodifizierten rituellen Regeln zu gewährleisten. Von hier aus können wir verstehen, wie dieses Modell, in dem sich der Intellektuelle in den Dienst der menschlichen Gemeinschaft stellt, zum Schlüsselelement der kulturellen und moralischen Bildung der Gesellschaft werden kann. Nach Konfuzius hätte sich der Herrscher, der in der Lage gewesen wäre, sein Verhalten an den von der Tradition überlieferten moralischen Qualitäten auszurichten, in die Reihe der grossen Könige der Vergangenheit gestellt und wäre in der Lage gewesen, die verschiedenen Völker unter seinem Thron zu vereinen, indem er sich nicht auf die Waffengewalt, sondern auf die Kraft der Tugend gestützt hätte. Die von seiner eigenen Person ausgegangen wäre und welche die Völker dazu geführt hätte,
1:19:14ihm spontan zu folgen, als lebendigem Ausdruck eines Modells der Tugend und des Wohlwollens, das in der Lage war, seinem Volk Wohlstand zu garantieren. Auch in dieser Hinsicht gibt es eine interessante Parallele zwischen der konfuzianischen Konzeption des tugendhaften Königs und jener platonischen des Philosophenkönigs, denn beide repräsentieren Führungsideale, die auf moralischer Tugend, Weisheit und der Fähigkeit beruhen, im Sinne des Gemeinwohls zu regieren. Die beiden Visionen unterscheiden sich jedoch in ihrer kulturellen Wurzeln und den vorgeschlagenen Methoden zur Ausbildung dieser Anführer.
1:20:11Während der Han-Dynastie 206 vor unserer Zeit bis 220 nach unserer Zeit genoss das konfuzianische Gedankensgut ein viel höheres Ansehen als Denker, deren Lehren legistische oder taoistische Themen zum Ausdruck brachten, sodass während der Herrschaft von Kaiser Wu das Studium der Klassiker einen grossen Aufschwung erlebte. Unter dem Einfluss berühmter Interpreten des ursprünglichen Denkens von Konfuzius wie Mencius oder Mo Xi entwickelte sich ein wahrer Gedankenstrom, der mit einem kanonischen Korpus von Referenztexten ausgestattet war, die im Laufe der Jahrhunderte durch Dutzende von gelehrten Kommentaren bereichert wurden. Die chinesischen Kaiser bedienten sich des konfuzianischen Denkens, um eine Ideologie zu schaffen, die für die Verwaltung des kaiserlichen Staates geeignet war. Die Gebote und Texte des Konfuzianismus wurden zur gemeinsamen ideologischen Grundlage ganzer Generationen
1:21:32von kaiserlichen Beamten und seine Vorstellung von der Beziehung zwischen Untertanen und dem Herrschen, Herrscher und ganz allgemein zwischen dem Gelernten und der Gemeinschaft, in der er tätig ist, beeinflusste die gesamte chinesische Gesellschaft tiefgreifend. Seine Schüler behaupteten, dass er selbst Abhandlungen über Logik und eine Formel über Weisheit geschrieben habe. Für ihn gab es eine innere Verbindung zwischen Logik, Ethik, Wissenschaft und Politik. Seine Forderungen und Ansprüche waren klar. Klares Denken, also die Vernunft, und sich klar und ehrlich auszudrücken, also die Moral. Was man weiß, gilt als Wissen. Was man nicht weiß, gilt als Nichtwissen. Er vermied es, tatsächlich sich mit der Metaphysik zu befassen und versuchte, seine Anhänger vor allem mysteriösen und übernatürlichen Beobachtungen abzubringen. Er verachtete die metaphysische Esoterik,
1:22:51die er für einen Ort der Leichtgläubigkeit und weit entfernt von wahrem Wissen hielt. Konfuzius vertrat die Auffassung, dass Moral, Pflichtbewusstsein, Sitte und Tugenden, unsere Werte und Grundsätze der Politik und der Regierungskunst, von einer Prüfung der Wirklichkeit ausgehen. Idealerweise gründet die richtige staatliche Ordnung auf der richtigen Ordnung zwischen den Menschen und hat ihren Ursprung in der Erziehung in der Familie selbst. Die Ordnung zwischen den Menschen beruht auf der Selbsterziehung, Läuterung des Selbst, die auf Wahrhaftigkeit und kompromissloser Ehrlichkeit des Denkens beruht. Die Wahrhaftigkeit des Denkens, des Verstehens, der Vernunft und des Urteils beruht auf dem konsequenten Verständnis der Realität des Logos. Sprich Tao. Nach außen hin gerecht handeln, nach innen Aufrichtigkeit bewahren und so Frieden und Ordnung schaffen. Sprich das, was in der
1:24:09lateinischen Formulierung als Ordo ab Hau zusammengefasst ist. Wir gehen zu Mencius über. Mencius, auf chinesisch Meng Shi oder auch Meng Se, lebte in der Zeit der Streitenden Staaten, also in der Zeit von 372 bis 289 vor unserer Zeitrechnung. Er muss als einer der bedeutendsten chinesischen Philosophen angesehen werden. Viele Gelehrte betrachten ihn als den Hauptnachfolger von Konfuzius. Mencius ist für seine moralischen, politischen und menschlichen Lehren bekannt, die einen tiefgreifenden Einfluss auf die chinesische Philosophie hatten. Mencius wurde Meng Ke genannt, ist aber besser bekannt als Mencius. Er wurde in eine Familie hineingeboren, die wahrscheinlich nicht besonders wohlhabend oder einflussreich war, sich aber durch ihr Engagement für Bildung und Studium auszeichnete. Wie Konfuzius widmete auch Mencius sein Leben dem Studium
1:25:28der Klassiker und der Lehre. Er reiste in verschiedene Staaten Chinas und schlug seine Lehren verschiedenen Herrschern vor, schaffte aber nie ein bedeutendes politisches Amt zu erlangen. Dennoch wuchs sein Einfluss durch seine Schriften und Ideen beträchtlich. In dieser Zeit strömten Philosophen wie Huizhen Tse, der Apostel des natürlichen Übels und Mo Ti, der Prophet der universellen Liebe oder Yang Tzu, der den Egoismus betonte und ein Verfechter des epikureischen Determinismus war, in die Stadt Luoyuan. Er vertrat sogar die Ansicht, dass der Mensch zur Verderbtheit neigt. Mencius hingegen steht nach Konfuzius an zweiter Stelle. Auch er stammte aus einer alten Familie, auch er hatte eine Philosophenschule eröffnet. Auch er zog, wie wollte er, die Monarchie der Demokratie vor. Wie Konfuzius ging es ihm
1:26:45um ein tugendhaftes Leben, eine gute Regierung, das Wohlergehen des Volkes und eine gute Bildung. Er war davon überzeugt, dass Unwissenheit zu Verbrechen und Unordnung führt. Fanatische Selbstkasteiung ist in seinen Augen die Quelle allen Übels. Fast wie Rousseau formulierte er, es gibt kein Menschenherz ohne Mitleid. Es gibt kein Menschenherz ohne Scham. Es gibt kein Menschenherz ohne Bescheidenheit. Es gibt kein Menschenherz ohne Sinn für Gerechtigkeit. Mitleid ist der Anfang der Liebe. Scham ist der Anfang der Pflicht. Bescheidenheit ist der Anfang der Moral. Gerechtigkeit ist der Anfang der Weisheit. Seine Aphorismen zeugen von einer tiefen Menschlichkeit und Noblesse. Berühmt wurde er durch seine These, dass dem Volk das Recht auf Revolution zugestanden werden muss, wenn der Herrscher und die Regierung schwere Fehler begehen.
1:28:11Wenn der Herrscher wiederholt, ohne Konsequenzen gerügt wird, muss er abgesetzt oder getötet werden. Wer das Gesetz ausraubt, ist ein Schurke. Ein Schurke ist einfach ein Bürgerlicher, man kann ihm nicht sagen, dass man einen Fürsten getötet hat. Aber man muss sagen, dass man einen Bürgerlichen hingerichtet hat. Im Abendland wurde dieses grundlegende Menschenrecht auf Ungehorsam und Widerstand im Sachsenspiegel von 1215 und in der Magna Carta in England im selben Jahr verankert.
1:28:57Mencius stellt fest, ich zitiere, ein Herrscher, der den Zorn und die Feindschaft des Volkes erregt hat, hat das Mandat des Himmels verloren und muss abgesetzt werden. Eine mutige und kühne Lehre. Kommen wir nun zu Sun Tse. Sun Tse, besser bekannt als Shun Shi, 300 bis 239 vor unserer Zeitrechnung, war ein chinesischer Philosoph, der gegen Ende der Zeit der streitenden Staaten lebte. Seine Lehren waren dem Konfuzianismus zugeordnet. Im klaren Gegensatz zu Mencius' Denken vertrat Shun Tse die Ansicht, dass der Mensch von Natur aus böse sei, wie es später auch der heilige Augustinus, Thomas Hobbes, Arthur Schopenhauer und viele andere im Abendland taten. Das Gute im Menschen, so Shun Tse, sei künstlich und die Motive und Handlungen des Menschen dienten nur seinem eigenen Nutzen.
1:30:12Nur durch mühsames Studium könne der unedle Mensch in ein Wesen eines Weisen oder eines Heiligen verwandelt werden. Eines seiner bekanntesten Postulate lautet, ich zitiere, Der Mensch wird mit einem perversen Herzen geboren. Wenn er nicht kontrolliert wird, handelt der Mensch selbstsüchtig und gewalttätig. Nach Ansicht des Philosophen kann man den Menschen und die Gesellschaft durch Erziehung und Disziplin verbessern. Da der Mensch von Natur aus böse ist, müssen die Menschen durch Vermittlung und Ausübung von Tugenden erzogen und geformt werden. Er betrachtete die Einhaltung von Gesetzen, Ritualen und moralischen Normen als grundlegend für die Kontrolle menschlicher Triebe und die Schaffung von Ordnung in der Gesellschaft. Seine Philosophie hatte einen bedeutenden Einfluss auf künftiges politische Doktrinen, da er die Notwendigkeit
1:31:32starker Gesetze und Autorität zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Gerechtigkeit betonte. Sun Tse vertritt eine realistische und pragmatische Sicht des Konfuzianismus, welche die Schwierigkeiten der menschlichen Natur anerkennt und Erziehung, Disziplin und Gesetze als Mittel zur Schaffung einer harmonischen Gesellschaft vorschlägt. Seine analytischen Ideen unterscheiden sich erheblich von denen des Konfuzius und Menchus, hat aber dennoch einen nachhaltigen Einfluss auf die chinesische Philosophie und Politik jener Zeit. Sun Tse hat das politische Denken Chinas stark geprägt, insbesondere durch seine Ansichten über die Regierung und die Rolle der Gesetze bei der Erziehung der menschlichen Natur.
1:32:33Kommen wir zu Han Fei Xi. Han Fei Xi lebte 280 bis 233 vor unserer Zeitrechnung und gilt als Haupttheoretiker des Legalismus oder Legismus, einer Denkschule, welche die Bedeutung strenger Gesetze und die Autorität des Herrschers zur Aufrechthaltung der Ordnung hervorhebt. Der Legalismus stand im Gegensatz zum Konfuzionismus und Taoismus und hatte einen direkten Einfluss auf die Einigung Chinas unter der Qin-Dynastie, die Han Fei Xis Philosophie als Grundlage für ihr Regierungssystem übernahm. Shuang Tse, wir schließen diesen äußerst knappen Spaziergang durch das chinesische Denken der klassischen Ära mit einem Denker ab, den wir bereits in unserem letzten Treffen besprochen haben. Shuang Tse lebte zwischen 365 und 290 v. Chr. in einer Zeit grosser politischer und geistiger Umwälzungen. Der konfuzianische
1:33:49Glauben an das himmlische Yang, das Menkius, als die Quelle allen Guten gepriesen hatte, wurde brüchig. Dennoch blieb Shuang Tse ein Idealist. Er kritisierte Konfuzius scharf und pointiert und warf Lao Tse und Konfuzius Konventionalismus und Zeremonialismus vor. Es ging ihm um die Selbstkultivierung. Seine moralischen Lehren waren flexibler und betonten die Spontanität. Für Konfuzius waren die Umgangsformen des edlen Menschen ein kategorischer Imperativ. Für Shuang Tse musste es auch ein spielerisches Element der Distanz und Leichtigkeit geben. Die Situation und der Kontext mussten Teil des Entscheidungsprozesses sein. Er forderte eine gewisse geistige Leichtheit, keine starre Moral oder Sitte, sondern eine individuelle ethische Verantwortung. Er war auch Agnostiker und Fatalist. Sein Determinismus erscheint trotz seiner Ideale pessimistisch. Dieser Ausflug in die chinesische Philosophie zeigt, dass
1:35:20der neugierige Geist von der Tradition der chinesischen Philosophen unumgänglich angezogen wird, weil sie einige der wertvollsten Dinge darstellen, die China der Welt hinterlassen hat.
1:35:44Das war die Geschichte Chinas Teil 3. Chinesische Philosophen Konfuzius, Lao Tse und Sun Tzu. Präsentiert von der Bar Rouge und der Akademie der Vernunft. Wenn du uns unterstützen möchtest, abonniere den Kanal und hinterlasse uns einen Like. Wenn du Fragen oder Anmerkungen zum Inhalt hast, kannst du einen Kommentar hinterlassen, wir versuchen alle Anfragen zu beantworten. Bis zum nächsten Mal auf diesem Kanal.