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Transkript · Geschichte Indiens · Teil 1Einführung in die Zivilisationsgeschichte — Transkript
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0:00:30Nun, einführend in seiner monumentalen Geschichte der Zivilisation erklärt der Philosoph und Schriftsteller Will Durant, ich zitiere ihn, Wenn man sich an die Geschichte Indiens herantastet, gibt es nichts Beschämenderes als feststellen zu müssen, wie unser Wissen darüber äußerst mangelhaft und hauptsächlich auf die jüngsten Ereignisse begrenzt ist. Zitat Ende. Seine Worte scheinen mehr als angebracht, wenn wir uns mit der Kulturgeschichte Indiens auseinandersetzen. Vielmehr muss man von der Kulturgeschichte des indischen Subkontinents sprechen, dessen geografische Grenzen ein weitaus umfassenderes Gebiet markieren als das gegenwärtige Gebiet des indischen Staates. Und ebenso kann nicht von der indischen Zivilisation die Rede sein, sondern eher von einer Mehrheit indischer Zivilisationen. Aber warum müssen wir von indischen Zivilisationen sprechen und warum beginnen wir diese gemeinsame Reise durch die Kulturgeschichte der Menschheit just in Indien?
0:02:01Unsere Antwort darauf entspringt folgenden Betrachtungen. Zitat Ende. Die Kontamination der Menschheit ist nicht selten eine tief einschneidende Gegebenheit der kulturellen Entwicklung an den verschiedensten Orten des Planeten Erde und der indische Subkontinent hat einen bedeutend oft auf den ersten Blick nicht offensichtlichen Einfluss auf die andernländische Kultur ausgeübt. Nehmen wir als Beispiel unsere Sprache. Wie oft sind wir in der Linguistik der Definition des indoeuropäischen Ursprungs eines Begriffes begegnet? Weshalb ist das so? Hilft uns ein Verständnis der indischen Kulturgeschichte zu einem besseren Verständnis unserer abendländischen Kulturgeschichte? Die indoeuropäischen Sprachen entnehmen ihren Namen von der Region, in der ihr gemeinsame Vorfahre, vermutlich in der Jungsteinzeit oder Bronzezeit entstanden ist. Schon die Bezeichnung und Gründung setzt sich aus zwei Elementen zusammen.
0:03:25Nämlich aus dem Begriff Indo, der sich auf die geografische Region Indien und ihre Sprachen bezieht, und aus dem Begriff Europäisch, der sich auf die in Europa gesprochenen Sprachen bezieht, die ebenfalls zur indo-europäischen Sprache gehören. Sprachfamilie gehören. Dieser Teil des Namens steht für die verschiedenen europäischen Sprachen, von Griechisch zu Lateinisch, aus dem die romanischen Sprachen entstanden sind, bis zu den germanischen Sprachen. Der Begriff Indoeuropäisch unterstreicht also die Hypothese einer gemeinsamen Muttersprache, aus der sich eine Vielzahl von Sprachen entwickelt hat, die in Indien und Europa sowie in anderen Regionen der Welt gesprochen werden. Es ist jedoch zu beachten, dass der tatsächliche Ort des gemeinsamen Ursprungs der indoeuropäischen Sprachen immer noch Gegenstand von Studien und Debatten unter Sprachwissenschaftlern ist. Die indoeuropäischen Sprachen bilden demnach
0:04:43große Sprachfamilien, die viele Sprachen umfassen, die in verschiedenen Regionen der Welt wie vorher angedeutet gesprochen werden. Einige der wichtigsten Unterfamilien der indoeuropäischen Sprachen sind die germanischen Sprachen, also zum Beispiel Deutsch, Englisch, Dänisch, Schwedisch oder Niederländisch und die romanischen Sprachen, also zum Beispiel Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch
0:05:23und der keltischen Kultur entwickelt haben, wie zum Beispiel irisch, schottisch, gälisch, walisisch und bretonisch oder zu den östlichen Sprachgruppen gehören wie albanisch oder armenisch. Schließlich der gewaltige Stamm der so reichen slawischen Sprachgruppen wie russisch, polnisch, serbisch, ukrainisch, tschechisch und kroatisch, um die Hauptsprachen zu nennen. Insbesondere hat Sanskrit als klassische Sprache des alten Indiens die europäischen Sprachen maßgeblich beeinflusst. Dieser Einfluss ist durch mehrere Mechanismen erkennbar. Sowohl die sprachlichen Wurzeln als auch ihre lexikalische Verwandtschaft, aber auch ihre grammatikalische Struktur und Phonologie weisen sehr große kulturelle Verbindungen aus. So ist der sanskritische Begriff Matr die Wurzel des deutschen Begriffs Mutter, des englischen Mother, des italienischen Madre, des französischen Mer, des russischen Mat oder des griechischen Miterra. Der sanskritische Begriff Pitar wird im Deutschen zu Vater, im Englischen zu Father,
0:06:59im französischen zu Père und im griechischen zu pateras. Das sanskritische Brater wird im deutschen zu Bruder, im englischen zu Brother, im italienischen zu Fratello, im französischen zu Frère und im russischen zu Brat. Das sanskritische Svassr wird im Deutschen zu Schwester, im Englischen zu Sister, im Italienischen zu Sorella, im Französischen zu Sir, im Russischen zu Sestra. Das sanskritische Nacta wird im Deutschen zu Nacht, im Englischen zu Night, im Italienischen zu Notte, im Französischen zu Nuit und im Russischen zu Nock. Diese Wörter sind nur einige Beispiele für die vielen Begriffe, die ihren Ursprung im Sanskrit haben und in verschiedenen europäischen Sprachen Verwendung finden. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Wörter über geografische und kulturelle Grenzen hinweg verbreiten und in verschiedenen Sprachen ähnlich bleiben können.
0:08:27Aber auch weitere kulturelle und religiöse Verbindungen sind nicht selten erkennbar. Ob es sich um den Einfluss der spirituellen Eigenschaften, wie wir sie in den Veden und Upanishaden lesen können, die sich in einigen Aspekten auch in der Sprache verändern, die sich auf die jüdische, christliche oder muslimische Religion übertragen haben. Ebenso hat die indische Kultur die Kultur des Westens auf vielen anderen Gebieten beeinflusst, wie in der Philosophie und der Spiritualität. Spuren der Lehren des Yoga, der Meditation und Reinkarnation lassen sich da und dort erkennen. In der Literatur und der Kunst haben alte Indische, wie die Veden, die Upanishad, die Mahabharata und das Ramayana, westliche Schriftsteller, Künstler und Dichter inspiriert. Die Spiritualität, die Metaphern und die Ideen in diesen Werken haben die westliche Kultur und Kunst tiefgreifend beeinflusst.
0:09:45Auch in der heute immer mehr in Verbreitung geratenen alternativen Medizin, lassen sich Spuren der indischen Ayurveda-Medizin in manchen Aspekten wiederfinden. In der Mathematik haben das von uns übernommene indische Positionszahlensystem und das Konzept der Null einen wesentlichen Beitrag zu unserem wissenschaftlichen und technologischen Erfolg geleistet. Eine weitere Überlegung entspringt ebenfalls der vorher gestellten Fragen, über die Gründe unseres kulturellen Reisebeginns in Indien. Indien ist der Kontinent, in dem man die mehrfachen zivilisatorischen Schichtungen präziser auseinanderhalten und erkennen kann. Das kulturelle Muster Indiens ist sagenhaft. Indien ist ein Schmelztiegel von vielen Völkern, die es aufgesucht haben, um sich in diesem wunderbaren Gebiet der Erde zu befinden. Indien ist ein Schmelztiegel von vielen Völkern, die es aufgesucht haben, um sich in diesem wunderbaren Gebiet der Erde zu befinden.
0:10:58Weshalb ist das aber so? Weshalb sind viele Völker nach Indien gezogen? Woher kamen sie? Weshalb haben sie sich in die Bewegung gesetzt? Was haben sie aus ihren Herkunftsgebieten mitgebracht? Und was in der kulturellen Kontamination mit den anderen Völkern, die dort schon angesiedelt waren, gemeinsam neu erarbeitet? Nun, die extremen Wetterbewegungen. Ob es sich um Dürre oder Überschwemmung, ob klirrende Kälte oder brütende Hitze handelt, bestimmten und bestimmen das Schicksal der Menschheit in relevantem Maß. Sie sind wesentlich verantwortlich für den Auf- und Untergang der Zivilisationen. Der heutige Stand der Wissenschaft vermutet zum Beispiel, dass das Verschwinden des Neandertalers genügend ist, genau mit dem Klimawandel zusammenhängt. Und dieser Klimawandel ebenso mit dem Siegeszug des Homo sapiens, also mit uns, verantwortlich ist.
0:12:18Das Leben selbst auf der Erde ist ständig und weit mehr den elementaren Kräften ausgeliefert, als es unser kollektives Imaginär wahrhaben will. Alleine was die Menschheitsgeschichte anbelangt, hat der Klimawandel bedeutend überauftragen, und der Aufstieg oder Untergang der Zivilisationen entscheidend mitgewirkt. Ein günstiges Klima ist die Grundlage für die Entwicklung eines großen Reiches, für Handel und Ressourcen verantwortlich und demnach für die Entstehung einer Blütezeit der entsprechenden Kultur. Die alten Griechen definierten dies mit Topos und Kairos, sprich der richtige Augenblick am richtigen Ort. Gleichermaßen fanden in der Kulturgeschichte der Menschheit Krieg und Zerstörung nicht selten im Zusammenhang oder als Ursprung von klimatischen Turbulenzen oder um es wissenschaftlich auszudrücken mit klimatischen Anomalien statt. Die Entstehungsgeschichte dessen, was wir heute als Klima definieren,
0:13:39findet laut unserem Wissensstand im Auseinanderdriften der Kontinente seinen Ursprung. Alles scheint vom Superkontinent Pangea auszugehen. Pangea war ein Urkontinent, der alle im Perm vorhandenen Landmassen der Erde umfasste. Also das auf der geologischen Zeitskala letzte System des Paleozoikums, in dem die Erdbeeren und die Erdbeeren und die Erdbeeren und die Erdbeeren und die Erdbeeren und die Erdbeeren und die Erdbeeren in der Zeitspanne vor etwa 298,9 bis etwa 251,9 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Pangea als Superkontinent bezeichnet, ist der bisher letzte der Erdgeschichte. Dieser Kontinent existierte vom späten Karbon 325 Millionen Jahre vor heute bis in den Jura. 150 Millionen Jahre vor heute. Also in jenem Zeitraum der Erdgeschichte, in dem sich das grosse Massenaussterben am Ende des Perm abspielte
0:14:56und die evolutionäre Entwicklung der Dinosaurier begann. Die Ausdehnung von Pangea betrug einschließlich der Schelfsockel rund 138 Millionen Quadratkilometer. Wovon 73 Millionen Quadratkilometer auf den südlichen Bereich entfallen. Vor rund 300 Millionen Jahren begann das Auseinanderdriften von Pangea. Und es entstanden Kontinente. Dieser Prozess bewirkte verschiedene Temperaturunterschiede zwischen Land und Wasser. Und dieselben waren der Grund für das Entstehen der Winde. Ebenso haben die verschiedenen Landbrücken, die Meeresströmungen erzeugt. Das Zusammenspiel von Winden und Meeresströmungen ist die Grundlage für die Entstehung des uns bekannten Klimas. Die unzähligen astronomischen und planetarischen Untervariablen setzten jedoch das Klima immer wieder einem Veränderungsprozess aus. Wie schon angedeutet haben diese Veränderungen, sprich Klimaanomalien, einen wesentlichen Einfluss auf das Leben, auf das Bios des Planeten Erde.
0:16:25Alleine der Aufprall eines etwa 10 Kilometer großen Kieselsteins in Form eines Meteoriten vor etwa 65 Millionen Jahren im Zusammenspiel mit einer wahrscheinlich darauf folgenden Vulkanausbruch-Serie hat zu einer verheerenden Kettenreaktion geführt, nach welcher nichts, nichts überlebt hat, was größer als ein Kaninchen war. Ohne dieses Ereignis ist es fraglich, ob die Säugetiere hätten entstehen können. Selbst danach haben die Vorfahren der Menschen mehrere Kalt- und Warmperioden durchleben müssen. Unsere Spezies wurde mehrmals vom Aussterben bedroht und dies insbesondere während der letzten Eiszeit, welche vor rund 12.000 bis 4.000 Jahren ihr Ende fand. Innerhalb einer länger andauernden Kälteperiode, wir zählen fünf davon, wurde der Planet zu weiten Teilen von einem Eispanzer überdeckt. Vor rund 65.000 Jahren wurde der Höhepunkt der lebensfeindlichen Seite des Planeten erreicht.
0:17:48Die Durchschnittstemperatur, war rund zwischen 5 und 7 Grad Celsius tiefer als heute. Dieser nur scheinbar kleine Unterschied der Durchschnittstemperatur bewirkte die Ausdehnung des Eises bis zum europäischen Kontinent. Das durch die Eisbildung gebundene Wasser hatte als Konsequenz das Sinken des Meeresspiegels um etwa 100 Meter im Vergleich zu heute zur Folge. Der Dauerfrost hatte auch einen großen Einfluss auf die Landmassen. Dort, wo sie nicht von den Eismassen überdeckt waren, war der Boden steinhart und extrem trocken. Diese Böden waren von Tundra und Taiga überzogen. Eine Gattung unserer Spezies war jedoch wie geschaffen für diese ungünstigen Bedingungen, die Neandertaler. Der Neandertaler war ein ausgesprochener Kältespezialist und alles andere als primitiv. Er hauste in Höhlen, beherrschte die Kunst des Feuermachens
0:19:08und war ein begnadeter Großwildjäger. Robust gebaut, relativ kleinwüchsig, durchschnittlich etwa 163 cm groß, besaß er eine ausgesprochene wärmeerzeugende Muskelmasse, die in Kombination mit einer geringen wärmeverlierenden Hautfläche ihn für kaltes Klima sehr gut ausgerüstet hatte. Man nimmt an, dass seine durchschnittliche Körpertemperatur um 37 bis 38 Grad Celsius war.
0:19:52Die vorher beschriebenen klimatischen Bedingungen führten jedoch dazu, dass er sich ausschließlich aus Proteinen und Fett, sprich Fleisch, ernährte. Seine Beute bestehend somit aus Großwild, das in den Waldgebieten hauste, oder auch in den nahrungsreichen Städten während der kurzen Sommer graste, wie zum Beispiel die Mammuts. Dass die Klimaanomalien ein sich wiederholendes Modell darstellen, ist uns bekannt. Aber wir können diese Modelle nur bis zu einem gewissen Punkt mit mathematischen Verfahren interpretieren und verstehen. Die Konstellation unseres Sonnensystems trägt wesentlich dazu bei. Die Einwirkung der Sonneneinstrahlung auf die Erde hängt relevant mit den Umlaufbahnen der Erde um die Sonne zusammen. Manchmal bewegen wir uns in sehr nahen orbitalen Kreisen zur Sonne, manchmal weit entfernt in elliptischen Bahnen. Laut dem Stand der Wissenschaft
0:21:12ändert sich dieser Zyklus alle 100.000 Jahre. Zudem ändert sich alle 40.000 Jahre der Winkel der Erdachse zur Sonne. Die Kombination dieser Veränderungen trägt relevant zu den Klimaschwankungen der Erde bei. Hingegen sind die Schwankungen der Meeresströmungen für uns in ihrer Unregelmässigkeit noch ziemlich unbekannt. Nehmen wir als Beispiel den Golfstrom ins Auge, welcher für unseren Kontinent als Wärmepumpe fungiert. Diese beschriebenen Veränderungen der Sonneneinstrahlung bedingen laut unserer Hypothese zwei bis drei Grad Celsius Durchschnittstemperaturunterschiede. Der Golfstrom kann sich hingegen im Nordatlantik zu Temperaturunterschieden bis zu 8 Grad Celsius führen. Aufgrund von Bodenprobenanalysen hat die Klimaforschung festgestellt, dass vor rund 62.000 Jahren sich das Klima schlagartig verändert hat. Steppen und Waldlandschaften haben sich in hohem Tempo abgelöst. Die Warm- und Kaltphasen
0:22:40haben sich zehnmal in Folge rapide verändert. Der Neandertaler lebte in einer Waldvegetation und innerhalb von zehn Jahren befand er sich aufgrund einer dramatischen Klimaveränderung plötzlich in einer Steppenlandschaft. Er war nicht imstande, sich einer Gegebenheit so rasch anzupassen, in welcher das von ihm gejagte Großwild, plötzlich nicht mehr da war. Er wurde zu einem Jäger ohne Beute und dies besiegelte schließlich sein Verschwinden von der Erdoberfläche. Dem nicht genug bekam er gleichzeitig einen gefürchteten Konkurrenten, den Homo sapiens, der in seine Reviere vordrang und ihm die knapp gebliebenen Ressourcen streitig machte. Der Homo sapiens stammt ursprünglich aus Ostafrika und aus Gründen, die noch nicht genügend erforscht werden konnten, machte er sich auf die Suche nach neuem Lebensraum. Er drang über Spanien, der Türkei
0:24:01und den Gebieten des heutigen Georgiens und der Ukraine nach Europa. Morphologisch war er deutlich weniger für das raue Klima geeignet als der Neandertaler. Er war groß, schlank und besaß lange Gliedermaßen. Mit einer Durchschnittsgröße von 1,70 bis 1,75 und somit mit einer weit größeren Hautoberfläche und bedeutend weniger Wärme produzierender Muskelmasse war er eindeutig kälteempfindlicher als der Neandertaler. Diese Nachteile machte er jedoch durch Einfallsreichtum wett. Er entwickelte und zujahre den Wurfsperr, welcher es ihm erlaubte, auch in einer Steppenlandschaft äusserst jagdeffizient zu werden. Ein weiteres und vielleicht wichtiges Bewährungsmittel war das Setzen auf den Teamgeist, sowohl bei der Jagd als auch innerhalb seiner Lebensgemeinschaft. Noch ein weiteres essenzielles Merkmal war seine in mehrfachen Bereichen anwendbare, Anpassungsfähigkeit. Schon sein Speiseplan war,
0:25:21im Unterschied zum Neandertaler, ausgesprochen vielfältig. Wenn er kein Fleisch besorgen konnte, machte er das mit seiner Fähigkeit, Fischfang zu betreiben, wett. Und wenn auch das misslang, sammelte er Wurzeln und Beeren. Das Erfolgsmodell Homo sapiens dehnte sich über Völkerwanderungen auf ganz Europa und Asien aus. Er gelangte sogar über die damalige Landbrücke der Beringstrasse, welche erst vor etwa 10.000 Jahren vom Meer überspült wurde, bis zum amerikanischen Kontinent Faure, den er von Norden bis Süden besiedelte. Eine gigantische Völkerwanderung und Gebietsbesiedlung, die etwa 14.000 vor Christus den ganzen Planeten eroberte.
0:26:21Wie wir schon angedeutet haben, kann das Erfolgsrezept grob auf zwei Eigenschaften reduziert werden. Anpassungsfähigkeit und Solidargemeinschaft.
0:26:37Um rund 17.000 vor Christus bahnte sich das Ende der schlimmsten uns bekannten Eiszeit des Planeten an. Die Erdbahn näherte sich mehr und mehr der Sonne und insbesondere im Sommer stiegen die Temperaturen so weit an, dass das Spiel von Kontinenten, Wassertemperaturen, Winde und Strömungen der Natur ein frühlinghaftes Erwachen bescherte. Über einen Zeitraum von etwa 2.000 Jahren wurde der Planet von der Sonne dermaßen aufgeheizt, dass sich schließlich eine sehr günstige Wärmezeit einstellte. Die damit verbundene Eisschmelze hob den Meeresspiegel an und der Golfstrom begann erneut seine Wärmepumpefunktion einzunehmen. Die immer massiveren Schmelzwassermassen bewirkten einen entsprechenden massiv größeren Verdunstungsprozess in der Atmosphäre, was wiederum zu regelmäßigen Niederschlägen führte. Die Kombination zwischen mildwarmen Temperaturen und regelmäßigen Niederschlägen ist eine perfekte Voraussetzung
0:28:01für die Entstehung von weit ausgebreiteter Flora und Fauna. Der Homo sapiens befand sich in einer relativ kurzen Zeit in einem Garten Eden, in welchem er mit wenig Mühe aus dem Vollen schöpfen konnte.
0:28:22Diese so tiefgreifende Klimaanomalie war die Hauptursache des Übergangs von den Jägern und Sammlern der Gemeinschaften, die bei ihrer Nahrungssuche in ständiger Bewegung von einem Ort zum nächsten wanderten, welche zur Sesshaftigkeit des Homo sapiens führte. Es gab insbesondere eine Region, in welcher dieser Garten Eden am üppigsten lag. Es ist die Region des Zweistromlandes, also das halbmondförmige Gebiet zwischen den Flüssen Tigris und Euphrat, und dem Streifen von der südlichen Osttürkei in der Ebene, welche von Mersin über Adana und Iskenderum geht, und sich entlang der Küste südwärts über den Libanon, Israel bis nach Ägypten und über den Nil und seinen Ofen bis tief in den Süden erstreckte. Die Kultstätte von Göbekli-Tatpe in der Türkei ist uns ein Zeugnis,
0:29:33dafür. Göbekli-Tatpe ist eine archäologische Stätte, die etwa 18 Kilometer nordöstlich der Stadt Sanlirufa nahe der Grenze zu Syrien liegt und möglicherweise aus dem frühen Neolitikum oder dem späten Mesolytikum, sprich der Mittelsteinzeit, also der Epoche, die von 10.000 bis 8.000 vor Christus geht, stammt. Dort wurde ein steinerer Gebäudekomplex gefunden, der auf das 10. Jahrtausend vor Christus datiert wird. Auf den 60 Steinstählen von Göbekli-Tatpe sind eine Vielzahl von Tieren eingemeißelt, Symbol für eine Nahrungsvielfalt, der scheinbar keine Grenzen gesetzt waren. Die Sesshaftigkeit findet jedoch ihren in Anführungszeichen Motor im Wildgetreide, welches üppig im Zweistromland gedeiht. Emmer insbesondere ist die bedeutendste Sorte, die sich breit macht. Das Klima garantierte in dieser Phase des Neolitikums, sprich der Jungsteinzeit vor 11.500 Jahren, verlässliche Jahreszeiten
0:31:02und diese bilden die Voraussetzung für eine Blütezeit der Landwirtschaft. Jäger werden zu Viehzüchter und Sammler zu Landwirten. Mit der Beobachtung der Jahreszeiten und ihren Naturprodukten kombiniert mit der vom Entdeckung und Erfindergeist stimulierten Experimentationsfreude lernt der Homo sapiens die Zeitpunkte des korrekten Ackerbaus zu kennen. Die Sesshaftigkeit führt zum Beispiel vom Bau von Dörfern und die reichhaltigen Nahrungsquellen zu einer demografischen Explosion. Aber die Sesshaftigkeit hat ebenso ihre Hürden zu nehmen. Die Jäger- und Sammlergemeinschaften bestanden aus herumziehenden Gruppen von geschätzten 30 bis 60 Individuen. Diese kannten demzufolge keine epidemischen Pathologien, sprich krankhaften Vorgänge im Körper. Die überlebenswichtige Solidargemeinschaft war dermaßen ausgeprägt, dass Kinder logischerweise biologische Eltern hatten, sozial aber als Kinder der Sippe empfunden wurden. Das Fehlen von epidemischen Pathologien
0:32:29war natürlich auch Grundlage für eine absolute sexuelle Promiskuität, sprich jener Praxis sexueller Kontakte mit relativ häufig wechselnden verschiedenen Partnern oder parallel mit mehreren Partnern. Ebenso war die Vorstellung des individuellen Besitzes, wie wir sie kennen, völlig fremd. Für diese Sippengemeinschaft hatte es keinen Sinn, Dinge zu besitzen, die man unnötig von einem Ort zum anderen schleppen musste. Mit der Einführung der Sesshaftigkeit und der entsprechenden demografischen Entwicklung änderte sich sehr viel. Da die verschiedenen Sippen nicht gleichzeitig sesshaft wurden, gab es immer noch Jäger- und Sammlergemeinschaften, die umherstreiften und wenn sie auf das Getreide oder auf die Viehherden der Sesshaften trafen, ohne jegliche Hinterfragung sich dessen hemmungslos bedienten. Ein Zustand, welcher den Sesshaften keinen Spaß bereitete. Des Weiteren gab es unter den mehr oder
0:33:45minder sesshaften Sippen, die sich auf den Ackerbau fokussierten und andere, die dies mit der Viehhaltung praktizierten. Es darf nicht verwundern, dass die Viehzüchter sich keine große Skrupel machten, ihre Herden auf die bebauten Äcker loszulassen. Die Gegenmaßnahme ist leicht vorhersehbar. Die Landwirte begannen ihre Felder zu bewachen und zu umzäunen, was wiederum den Viehhirten keine Freude bereitete. Die ersten tiefgreifenden Interessenskonflikte bahnten sich an und dieser Streitpunkt wurde zu einem permanenten Auseinandersetzungspunkt. Der biblische Mythos von Kain und Abel ist uns ein Zeugnis dafür. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit ist just diese Vielzahl von neuen Problemen, die von der Sesshaftigkeit herrühren, die Grundlage für eine Mehrzahl von Gesellschaftsmodellen der Menschheit. Wagen wir gemeinsam einige Hypothesen hierzu. Jäger- und Sammlergemeinschaften kannten jenseits von elementaren
0:35:06Verhaltensweisen, die wir im Kontext von Totem und Tabu sammeln, also sehr grob ausgedrückt Totem für all das, was erlaubt ist und Tabu für all das, was verboten ist, auf Krankheiten nur biologische Antworten. Sie waren im Stande, alleine auf ihr Immun- und Anpassungssystem zu setzen. In den sesshaften Gemeinschaften, um ein Beispiel zu nennen, kommen auf die Gemeinschaften Pathologien zu, die sich aufgrund einer nie dagewesenen Nähe von Mensch und Zuchtvieh über verschiedene Erreger übertragen. Auf diese Form von pandemischen Ereignissen gab es keine immediate biologische Antwort. Deshalb mussten kulturelle Strategien entwickelt werden, die zu einem größtmöglichen Raum der Trennung zwischen Mensch und Zuchtvieh abzielten. Die nicht selten stattfindenden Beischlafsepisoden zwischen Hirten und ihrem Zuchtvieh führte mit großer Wahrscheinlichkeit zur Ausbreitung von
0:36:33Geschlechtskrankheiten, die man vorher nicht in diesem Maß kannte. Die immer noch vorhandene sexuelle Promiskuität, die aus der Zeit der Jäger- und Sammlergemeinschaften stammte, förderte ihre Verbreitung ohne jegliche Hürden. Die kulturelle Antwort auf dieses Problem führte mit größter Sicherheit zur Einführung der Monogamie. Die Monogamie ihrerseits führte zur Zertrümmerung der traditionellen Sittengemeinschaft und zur Einführung von Familieneinheiten. Konsequenz davon ist die Erhebung der Bedeutung des Besitzes, um das Überleben der Familieneinheit zu gewährleisten. Dadurch wird auch die Empfindung der Solidargemeinschaft verändert und von anderen Regeln bestimmt. Regeln, die mehr und mehr von der vorhergehenden gelebten Notwendigkeit abstrahieren und somit die Grundlage für kompliziertere Gesetzesformeln bildet. Mit der kulturellen Kategorie der Landwirtschaft wird ein unumkehrbarer Weg eingeschlagen, welcher den ersten gewaltigen Eingriff
0:38:00des Menschen in die natürliche Ordnung gleichkommt. Genau dieser Eingriff, diese radikale Veränderung durch die Transformation von Jäger- und Sammlergemeinschaften in sesshaften Gemeinschaften und die daraus entstehende Notwendigkeit, auf vorher unbekannte Probleme kulturelle Antworten zu erarbeiten, bilden den Humus, auf welchem der Schritt von Gemeinschaften zu Gesellschaften und von Gesellschaften zu Zivilisationen getätigt wird. Damit dies jedoch entstehen kann, muss die solidarische Kooperation als kulturelle Kategorie maximiert werden. Dies bedeutet im Umkehrschluss eine Kooperationsebene herzustellen, in welcher die Arbeitsteilung organisiert werden muss. Die Arbeitsteilung ihrerseits führt zu einer immer größer werdenden Spezialisierung der verschiedenen Arbeitssektoren, was wiederum bedeutete, dass technisches Wissen angehäuft wurde, welches zum Motor der Förderung von Kultur und Zivilisation wird. Die täglich gelebte und nicht hinterfragte Solidargemeinschaft wandelte sich in
0:39:27eine kulturelle Kategorie der Kooperation und Benevolenz. Kategorie, welche bis heute die Grundlage jeder Gesellschaft darstellt. Kooperation und Benevolenz werden zur Wahrnehmung der Unumgänglichkeit des solidarischen Zusammenhalts, damit die verschiedenen Sektoren der Betätigungsleistung in der Gesellschaft harmonisch zusammenspielen und zum Erfolg führen. Das Endprodukt dieses harmonischen Zusammenspiels ist eine Zivilisation. Sobald dieses Gleichgewicht durch die Negation von Kooperation und Benevolenz gestört wird, steigt die Gefahr des Zerfalls einer Zivilisation durch den Eingriff des Menschen. Die Zivilisation verwandelt über kurz oder lang Dörfer in Städte. Die Stadt Jericho in den heutigen palästinensischen autonomen Gebieten am Westufer des Jordans ist uns als älteste Stadtgemeinschaft der Menschheit bekannt und wurde um etwa 8000 vor Christus gegründet. Weitere werden zeitnah folgen, wie zum Beispiel Çatalhöyük, in dem heutigen
0:41:01Türkei gelegen, oder Eridu und Ur. Beide unweit der heutigen irakischen Stadt Nasiriyah gelegen. Die regional anhaltende Klimakunstphase war also die Voraussetzung für die Entwicklung von Zivilisationen. Zeitgleich bahnte sich jedoch im fernen nordamerikanischen Kontinent ein tief einschneidendes Ereignis an. Wegen der enormen Ansammlung von schmelzendem Süßwasser bildete sich der Axissee. Die heute vorhandenen Reste des ehemaligen Sees, von denen der Winnipegsee im heutigen Grenzgebiet von Kanada und den US-Staaten North Dakota und Minnesota der größte ist, gefolgt von den naheliegenden Winnipego-Sees und Manitoba-See sowie dem Lake of the Woods, dominieren die Geografie Manitobas. Während seiner Entstehung vor ca. 11.700 Jahren bedeckte er die einen Großteil Manitobas, Saskatchewan, den Westen Ontarios sowie den Norden Minnesotas und North Dakotas. In seiner
0:42:27größten Ausdehnung erstreckte er sich über eine Fläche von etwa 440.000 Quadratkilometern und war damit größer als jedes heutige Binnengewässer, einschließlich des Kaspischen Meeres. Der Axitzsee wuchs und wuchs umso mehr die Eisschmelze fortschritt. In einer ersten Phase konnte die noch bestehenden Eismassen die Wucht des enormen und stetig wachsenden Wasserdrucks abmildern. Doch 6200 vor Christus kam es zum Super-GAU. Die Eisbarrieren brachen unter dem Druck des Wassers ein und eine gewaltige aus Eiswasser bestehende Flutwelle brach über die Landmassen des Kontinents hinweg und stürzte in den Atlantik. Diese gigantischen Wassermengen brachten das ganze Strömungssystem des Atlantiks durcheinander und zwar in einem Maße, das der wärmetransportierende Golfstrom aussetzte und die wertvolle Wärme, die nach Europa transportiert wurde, unterbrach. Ich darf
0:43:45einen kurzen Einschub mir gönnen. Es ist heute Abend das große Privileg, mehrere Chemiker unter uns zu haben, die anschließend während der Diskussion uns eröffnen können, wie die Salinität, nämlich Salzgehalt im Wasser, durch die elektrische, daraus entstehende Prozesse die Strömung sowohl drosseln, als auch beschleunigen können. Überall auf dem europäischen Kontinent, aber auch im zweistromlangen Land, sanken sich die Temperaturen. Es wurde kälter und Trockenheit setzte an. Deren Folge waren Dürrekatastrophen und den entstehenden Zivilisationen in diesem Gebiet wurde die Lebensgrundlage entzogen. Den darin lebenden Menschen blieb alleine die Option, dem Regen hinterherzuwandern. Somit wurden sie zu den ersten breitangelegten Klimaflüchtlingen der Geschichte. Welche sich auf den Weg machten, um einen neuen Garten Eden zu finden. Einige versuchten ihr Glück im
0:45:04europäischen Norden, wo es noch Niederschläge gab. Andere wanderten gegen Süden des Orients. Wieder andere zogen nach Osten, um im Fünfstromland des Indus-Tals im indischen Kontinent einen neuen Lebensraum zu finden. Auf ihrer Flucht nahmen sie nicht nur das transportierbare Hab und Gut, sondern auch Saatgut und Zuchtvieh auf die Reise mit, aber vor allem ihr zwischenzeitlich angehäuftes Wissen. Ihre Ansiedlung fand an Wasserläufen und Küstengebieten statt, wo die Nahrungsbeschaffung viel einfacher war. Dies schützte sie aber nicht vor den einschneidenden Klimaanomalien. Über die Sonneneinstrahlung wuchs der Schmelzwasserpegel immer mehr an und somit auch der Meeresspiegel bis zu 120 Meter. Dramatische Flutkatastrophen trafen die Menschen und auch in diesem Fall finden wir in den epischen Erzählungen Zeugnisse darüber. Wir finden sie im
0:46:25berühmten Gilgamesch-Epos und in einem einigen Teilen praktisch deckungsgleich in der biblischen Beschreibung der Sintflut und der Arche Noah, also im Genesis Kapitel 6 bis 9, aber auch im Koran, hauptsächlich in der Sure 71. Ähnliche Zeugnisse finden sich auch in den mythologischen Erzählungen der südamerikanischen Indios oder in jenen der australischen Aborigines. Das Anheben des Meeresspiegels dauerte bis etwa 5000 vor Christus und viele neolithische Siedlungen stehen heute unter Wasser. Der angehobene Meeresspiegel änderte auch die Landkarten. England wurde zu einer Insel. Die Landbrücke zwischen Afrika und Sizilien versank in den Fluten und gleiches gilt für die Meerenge von Gibraltar. Sizilien, Sardinien und Korsika wurden zu Inseln und der griechische Archipel, insbesondere die Ägäis, verfandelte sich in das heutige
0:47:43Gebiet der 1000 Inseln, die in der Tat auf 6000 geschätzt werden. Auch Japan und Indonesien sowie Australien wurden von Ozeanwasser umgeben und der amerikanische Kontinent wurde durch die Flutung der Beringstraße ebenso nur noch von Meeren umgeben. Die gigantische Veränderung den Meeren entlang hatte jedoch auch einen bedeutenden Einfluss auf unvermutete Regionen der Erde. Die heutige Sahara-Wüste wurde zu dieser Zeit zu einem Ort des pulsierenden Lebens mit einer üppigen Flora und Fauna. Sie entwickelte sich zu einer wasser- und nahrungsreichen Savanne. Dies wird durch die nunmehr entstandenen Monsun-Winde ermöglicht. Da die Wärme, wie wir bereits gesehen haben, von den Landmassen wesentlich besser gespeichert wird, als dies in den Meeren der Fall ist, entsteht durch die Winde ein gewaltiger Sog an
0:48:58feuchter Meeresluft in Richtung Landmassen und die in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit schlägt sich als reiche und häufige Regenfälle auf das Land nieder. Es handelt sich, wie schon gesagt, um die Monsun-Winde. Dieser begnadete Zustand hält jedoch in der geologischen Zeitmessung selbstverständlich nicht sehr lange an. Neue Klimaanomalien verhindern die wassersegenbringenden Monsun-Winde und somit breitet sich erneut und Schritt für Schritt die Wüste aus. Es ist die Rückerobung der Gebiete mittel des trockenen Sandes. Innerhalb von weniger als 1000 Jahren verwandelt sich die einst so blühende Savanne in die größte Wüstenregion der Erde. Dies ist ja auch kein Einzelfall, denn zeitgleich entsteht auch die Taklamakan-Wüste im Nordwesten Kinas und die Gobi-Wüste im Gebiet zwischen China und Mongolei. Aber auch das rote
0:50:13Zentrum in Australien, die Namib-Wüste in Namibia und die Kahlari-Wüste in Südafrika. Um das Jahr 3000 vor Christus werden die Bedingungen in der Sahara- Wüste dermaßen lebensfeindlich, dass das Gebiet nicht mehr bewohnbar ist. Wo sind aber ihre einstweiligen Bewohner hingezogen? Wir wissen es nicht genau, dennoch vermutet man, dass ein Teil von ihnen an den Ufern des Nils zu Flucht gefunden hat und somit die Grundlage für die Gründung des ägyptischen Reiches gebildet wird. Entlang der Ufer des 1100 Kilometer langen Flusses entsteht ein neuer Garten Eden. Der Nil wird von den sommerlichen, reichhaltigen Niederschlägen über dem äthiopischen Hochland gespiesen und so trickisch wie er ist, geht er pünktlich zwischen den Monaten September und Oktober über seine Ufer und flutet das umliegende Land. Die
0:51:26Flut hinterlässt eine dicke und fette düngende Lehmschicht, die von der Sonneneinstrahlung getrocknet wird und sobald dies geschieht, sind die Felder bereit für ihre Bestellung mit der Getreide- und Gemüsesaat. Die Siedler perfektionierten diese natürlichen Möglichkeiten mit der Anlegung eines Systems von Bewässerungskanälen, welches erlaubte, die Felder über das ganze Jahr mit Wasser zu speisen. Die Erfindung der Bewässerungskanäle machte aus Ägypten ein äußerst reiches Land, denn die Agrarwirtschaft wurde so imstande, große Überschüsse an Landwirtschaftsprodukten zu produzieren und zu vermarkten. Ein blühender und reger Handels- und Handwerksraum entstand. Dieser Ort des Reichtums zog natürlich sehr viele Menschen an und so entstand die Notwendigkeit, Wohnraum herzustellen. Bald wurden Städte gegründet und die hohe Bevölkerungsdichte benötigte gezwungenermaßen eine straffere Organisationsform. Deren Verfeinerung im
0:52:46Laufe der Zeit führte zur bekannten ägyptischen Hochkultur. Deren Beginn um 4500 vor Christus anzusiedeln ist. Die über fast 5000 Jahre dauernde Hochkultur war im Wesentlichen ein Produkt einer Klimaanomalie. Diese Hochkultur entstand nicht nur in Ägypten, auch andere Gebiete blühten aufgrund der günstigen Klimabedingungen zwischen dem 20. und dem 40. Breitengrad in jener Epoche auf. Ähnliche Hochkulturen entstehen in Mesopotamien, in Persien, Nordindien, aber auch in China, Mexiko und Peru. Im Mittelmeerraum entstehen die Palastkulturen der Mykener, der Minoer, der Thraker und Etrusker. Alle Schauplätze liegen im gleichen Klimagürtel und noch etwas haben sie gemeinsam, mit Ausnahme von China. Sie sind alle mit Sonnen- und Sonnenanbetenden Religionen ausgestattet. Ab 1200 vor Christus zerfallen diese Reiche eines nach dem anderen. Die
0:54:09wissenschaftlichen Untersuchungen weisen darauf hin, dass um diese Zeit eine Klimaanomalie die Bedingungen änderte. Gegen Ende der Bronzezeit setzte eine relevante Dürreperiode ein und die Temperaturen fielen. Wie wir schon gesehen haben, ist die Kombination zwischen Dürre und Kälte das perfekte Rezept für eine Katastrophe. Ein gewaltiger Strom an Klimaflüchtlingen machte sich auf den Weg nach Ägypten, wo der Nil weiterhin und zuverlässig die Nahrung garantierte. Doch selbst für das reiche Ägypten waren die Flüchtlingshorten zu groß und zwangen das Reich der Pharaonen in die Knie. Es gibt Hypothesen, nach welchen dieser Einfall von unzähligen Klimaflüchtlingen den Beginn des schleichenden Zerfallprozesses der ägyptischen Hochkultur einläutete. Diese ungünstige Klimaanomalie dauerte in Anführungszeichen nur drei bis vierhundert Jahre, wonach sich wieder günstige klimatische
0:55:33Verhältnisse einstellen und die Hochkulturen der Griechen und Phönizier und kurze Zeit danach der Römer entwickeln. Die periodischen Niederschläge und die milden Temperaturen verwandeln ganz Nordafrika in einen blühenden Garten und in ein Paradies für den Anbau von Getreide. Dieser Nahrungsüberfluss ermöglicht den Aufschwung des Hansels und des Transportwesens und damit den Aufschwung von den Griechen und Phönizier. Aber wer mit dieser großzügigen Natur den größten Siegeszug feiern kann, sind die Römer, welche mit dem Schwert in der Hand binnen weniger Jahrhunderte das mächtigste Imperium der Menschheitsgeschichte erschaffen werden. Ab dem zweiten Jahrhundert vor Christus kreist die Erde in einer nahen Entfernung zur Sonne und empfängt dadurch ein hohes Maß an Wärmeenergie. Weltweit gibt es äußerst günstige klimatische Bedingungen. Wärme und
0:56:44Niederschläge begleiten sich harmonisch im Gleichgewicht. Rom hat sich zu einer breit angelegten Hochkultur entwickelt, mit einem höchst wirksamen und effizienten Rechtssystem und mit einer straffen Verwaltungsform. Architektur und bildende Künste setzen Maßstäbe, deren Spuren sich bis in unsere Zeit erhalten haben. Das Klimaoptimum hält sich nur wenige Jahrhunderte. Dennoch erlaubt die Eisschmelze ein um zwei bis drei Grad Celsius wärmeres Klima. Das damit verbundene Auftauen der Alpenpässe ermöglicht wiederum den römischen Legionen die Eroberung nördlich der Alpen. Auf dem Höhepunkt seiner Expansion erreichte das römische Reich von Schottland bis zum Kaspischen Meer und vom Persischen Golf bis zum Atlantik. Rom herrschte über 50 Millionen Einwohner. In dieser Zeit ist nicht nur Rom ein Riesenreich. Das ferne Indien mit dem
0:58:00Mayauria Reich und China mit der Han Dynastie erleben eine ähnliche Hochblüte. Im fernen Osten ist es nicht der Emmer sondern der Reis der die Nahrungsgrundlage bildet. China durchlebt ähnliche Probleme wie das Ägypten der Pharaon. Der Druck von den nördlich liegenden mongolischen Völkern ausgeht insbesondere die Hunnen wächst zusehen und führt als Gegenmaßnahme zum Bau des größten Bauwerks der Menschheit der chinesischen Mauer. Sie wird wie wir zukünftig sehen werden lange ein probates Mittel sein, aber schließlich werden die Mongolen einfallen und China für etwa 75 Jahre lang besetzen. Auch Rom setzt auf diese Methode und baut im Norden Britanniens den Antonius Wall und den berühmten Hadrians Wall, um die Horden aus dem Norden aufzuhalten. Rom erbaut auch den fünften
0:59:12fünfhundertfünfzig Kilometer langen Limes Wall, um die Germanen vor dem Einfall in den Süden aufzuhalten. Man vermutet, dass um die Zeitwende, die mit der Geburt von Jesus zusammenhängt, sich die Sonnenaktivität reduziert hat und somit die Sommerregen in Nordafrika ausgefallen sind. Die Grundwasserschwiegel begannen zu sinken und waren nicht mehr im Stande der stattfindenden Dürre etwas entgegenzusetzen. Schließlich leerten sich die Getreideschober, welche durch den klimatisch bedingten Ausfall der Getreideproduktion nicht mehr nachgefüllt werden konnten. Dieser Zustand wird für Rom zum zentralen Problem, denn der Getreidemangel ermöglicht nicht mehr die Versorgung der Provinzen. Im viel zu großen Reich Roms beginnen überall Unruhen und die steigende Korruption verwandelt das Kombinat in eine tickende Zeitbombe. Die von diesem gewaltigen Problem erst Betroffenen sind die Außengrenzen des
1:00:30Imperiums. Die hungrigen Nachbarvölker suchen im Reich Roms die Ressourcen, um ihren Hunger zu stillen. Je weiter im Norden die Menschen angesiedelt waren, umso dramatischer war ihre Situation. Die ebenso vom Hunger geplagten Hunnen fielen in Germanien ein und machten den dort angesiedelten Bevölkerungsgruppen die wenigen Ressourcen streitig. Den Germanen blieb schließlich nichts anderes übrig als die Flucht nach Süden. Eine Massenbewegung setzte ein und auf dem Weg nach Süden verdrängte ein Volk das andere. Die zugefrorenen Flüsse und Sümpfe ermöglichten ein sehr einfaches Überschreiten der natürlichen Hindernisse und in der Silvesternacht des Jahres 406 überschritten rund 80.000 germanische Flüchtlinge die Grenze des Römischen Reiches und eroberten somit neuen Lebensraum, ohne dass dies seitens der Römer verhindert werden konnte. Dieser
1:01:48Einfall war nicht nur der Grund für die Flucht, er folgte just zu einem Zeitpunkt als das Einläuten des Niedergangs des Riesenreiches stattfindet und sein Untergang wird Europa ins düstere Mittelalter stürzen. Im Jahr 536 verdunkelte sich plötzlich die Sonne und die Temperaturen stürzten ab. Ein Zeugnis darüber geben sowohl die Byzantinischen als auch die Kirchen und Chinesischen Schriften ab. Lange blieb diese Anomalie ein unaufgeklärtes Rätsel und erst seit kurzer Zeit gibt es eine nachvollziehbare Hypothese darüber. Ein gewaltiger Ausbruch des in El Salvador stehenden Supervulkans Ilopango zerstörte binnen 48 Stunden ein Gebiet von 1000 Quadratkilometern. Die Caldera mit einer Fläche von 72 Quadratkilometern explodierte mit unbändiger Wucht und man hat berechnet, dass über 80 Kubikkilometer Asche in den Himmel geschossen wurden und
1:03:12bis in die Stratosphäre fordern. Über die Winde überdeckte diese gewaltige Aschenwolke vermutlich den ganzen Planeten und versetzte denselben über 18, 20 Monate lang in einen, wie wir heute sagen würden, nuklearen Winter. Natur und Mensch wurden auf eine harte Probe gestellt. Ein solches Phänomen führt zu einem feuchtkalten Klima, also zum perfekten Auslöser für ausfallende Ernten, faulenden und schimmligen Saatsgut sowie für die Propagierung aller möglichen Seuchen. Insbesondere die Pest breitete sich rasend schnell aus. Der Rattenfloh als Wirt des Pesterregers fand die ideale Umgebung, um sich ungestört auszubreiten. Fast ein Drittel der Europäer starb daran. Durch die nachfolgende demografische Implosion und das sich erneut einpendelte, günstige Klima entstanden großflächige, unberührte Nachrichten. Die Naturlandschaften und in weniger Jahrzehnte erstreckte sich über Europa
1:04:39riesige Waldlandschaften. Wölfe und Bären fanden ideale Bedingungen, um sich auszubreiten und diese flößenden Menschen derart große Ängste ein, dass sich praktisch niemand mehr getraute, diese immensen Wälder zu betreten. Zur Zeit des Römischen Reiches dachten die Menschen, die Kontrolle über die Natur erreicht zu haben. Im Mittelalter fürchteten sich die Menschen vor der Natur, die für sie eine Bedrohung darstellte. Die von der Furcht geschürten Fantasien beginnen in den Waldgebieten böse Geister, Elfen und Dämonen zu vermuten oder gar daran zu glauben. In einer solchen Situation der andauernden Beklommenheit wenden sich die Menschen bis heute an nicht definierte oder definierbare spirituelle Dimensionen. Die Bereitschaft, sich in einer von der Verzweiflung geschürten Hoffnung Schutz und Lebensqualität zu finden, an das
1:05:56Göttliche zu klammern, wird ausgesprochen groß. Ab dem 6. Jahrhundert begeben sich irische Wandermönche durch ganz Europa und der christliche Glauben fällt auf einen dankbaren Nährboden. Das Christentum wird praktisch hindernislos in einer großen Breite sehr populär. In China passiert etwas sehr ähnliches mit dem Buddhismus. Die klimatische Anomalie fördert in schwer vorhersehbarer Weise die Religion des ewigen Friedens. Trotz Trost im Leben und das Versprechen eines sich im Ehenseits befindlichen Paradieses oder Nirwana werden zu einschneidenden Kulturmodellen. Die erneute klimatischen Gunstphase im Klimagürtel zwischen dem 20. und dem 40. Paritengrad fördert auch in Mittelamerika Hochkulturen. Die Mayas werden zu einer Hochkultur und gleiches geschieht mit den Nazghar. Mit der Anpflanzung von Mais, Maniok, Bohnen, Kartoffeln, Kürbissen, Avogados und Erdnüssen bauen sie ein wirkliches
1:07:17Wirtschaftsimperium auf. Während die Mayas gewaltige Städte und Tempelanlagen schufen, dankten die Nazghar ihren Götter mit großen Erdzeichnungen für die Gunst ihrer Lebensumstände. Eine Klimaanomalie bringt jedoch ihre Zivilisation zu Fall. Die regenreichen Monsunwinde bleiben aus und mit ihnen die lebensspendenden Niederschläge. Die mit den auf Land stoßenden Nebelbänke des pazifischen Ozeans reichen nicht aus, um das Fehlen der Monsunwinde auszugleichen. Wir sprechen über den Regen. Am ganzen Äquator macht sich eine permanente Dürreperiode breit und schon im neunten Jahrhundert versuchen die Nazghar mit immer größer werdenden Erdzeichnungen, die wir bis heute in ihrem übrig gebliebenen Zustand aus der Luft betrachten können, die Gunst der Götter erneut zu erobern. Doch das günstige Klima kehrt nicht so schnell zurück. Um zu überleben, ziehen sich die
1:08:33Nazghar auf die höher gelegenen Gebiete der Anden zurück. Man vermutet, dass Klimaanomalien mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Verminderung der Sonnenaktivität zurückzuführen sind. Wie wir bereits festgestellt haben, hängen die Klimaanomalien nicht selten mit der Intensität der Sonnenaktivität zusammen. Eine Aktivität, die maßgebend für die Energiemenge, die zur Erde gestrahlt wird, verantwortlich ist. Die Sonnenflecken sind ein erkennbares Merkmal dafür. Umso mehr Sonnenflecken unseren Stern bedecken, umso mehr ist die Aktivität intensiv. Einen Höhepunkt der Sonnenaktivität wird um das Jahr 800 erreicht. Und die Aktivität ist dermaßen groß, dass der Nordatlantik in weiten Teilen eisfrei wird und über das ganze Jahr schiffbar wird. An der Schwelle zum neunten Jahrhundert profitiert ein nördliches Volk, jenes der Wikinger, von den günstigen Gegebenheiten und sticht in
1:09:52See, um neuen Lebensraum zu erschließen. Als erstes besetzen sie das unbewohnte und zwischenzeitlich praktisch eisfreie Island. Von den dortigen, von ihnen angelegten Siedlungsgebieten aus erforschen sie um das Jahr 985 den Westen weiter und gelangen auf ein grünes und großes Land, sprich Grönland, das sie großräumig besiedeln. Nur in der Zeit von etwa 15 Jahren später macht sich der in Island geborene Leif Erikson auf dem Seeweg nach Westen und entdeckt in Neufundland als erster Europäer den amerikanischen Kontinent. In dieser Epoche steigen die Temperaturen auf der Nordhalbkugel um etwa drei Grad Celsius an. Die Landschaften erblühen als bunte Flächen. Die Waldgebiete steigen bis auf über 2000 Meter Höhe und dies ist der Beginn der europäischen Holzwirtschaft. Das günstige Klima garantiert
1:11:13verlässliche Wetterzyklen. Dies geschieht in einem Maß, dass die ersten Bauernregeln entstehen und zu verlässlichen Indikatoren für die Bestellung des Ackerlands, der Aussaat und Erntezeit werden. Die Bauern machen die Errungenschaft der Dreifeldlandwirtschaft und es wird üblich Sommer- und Wintergetreide anzubauen. Die Flächen der Felder werden im Turnus mit Wintergetreide, Sommergetreide und Brachland genutzt. Diese Errungenschaft führt zu einem nie dagewesenen Überschuss an Agrarprodukten. Aus Dorfmärkten werden Städte und Handel und Handwerk blühen in größter Intensität. Eine neue Gesellschaftsordnung wird nötig, um diese Blütezeit adäquat zu regeln. Der erworbene Reichtum wird in Wissen, Weiterentwicklung, Kultur und Kunst umgemünzt. Eine Zivilisation entsteht. Diese Epoche stellt auch den Grundstein für die moderne Welt, in der wir leben. Eine Stadtgründungswelle geht durch Europa
1:12:40und dort, wo die Städte schon bestehen, übernehmen sie eine Hauptrolle in der neuen Zeit. Venedig erwächst zur führenden Handelsmacht in Europa, deren Handelsrouten bis in den fernen Osten hineinreichen. Aber auch im Norden entstehen die Hansestädte, für welche Lübeck als Ausgangspunkt gilt. In Europa wird zunächst das Gewichtsgeld und danach der Silberling als Universalzahlungsmittel in Umlauf gebracht. Der große Wohlstand erlaubt die Bedingungen für breit angelegte Bildung und Kultur. In Bologna, Paris und Oxford entstehen die ersten Universitäten Europas. In der Architektur lernt man völlig neue Wege und Techniken in der Baukunst zu begehen. Der Zeitgeist wird insbesondere in der Gotik sichtbar. Gigantische Bauwerke aus filigranen Strukturen, ausgestattet mit riesigen Fenstern, welche die Gottestempels mit dem Licht als Hommage
1:13:57an die segnende Sonne und dem Weg zum Wissen durchfluten. Jedoch steht im 13. Jahrhundert die nächste Klimaanomalie vor der Tür. Mehrere Vulkane brechen an der Sonne, die sich in der Zeit der Erdballe befindet, an den unterschiedlichsten Stellen des Erdballs in einer langen Serie und mit naheliegendem Rhythmus aus. Immense Mengen an Vulkanasche und Schwefelwolken erklimmen Höhen bis zur Stratosphäre und sättigen diese. Die sogenannte kleine Eiszeit breitet sich über Europa aus. Anfang des 15. Jahrhunderts stehen die Menschen erneut vor einer unbeschreiblichen Situation. Die Chroniken über diese Zeit sind vielfältig und weit verbreitet. Die Bedingungen sind dermaßen horrend, dass die Menschen an dämonische Kräfte glauben, die im Spiel sein sollen. Der Menschennatur entsprechend sucht man Sündenböcke für die Misere. Judenpogrome,
1:15:08Hexen- und heretiker Verbrennungen sind an der Tagesordnung. Erneut sind die Klimatischen Bedingungen wie um das Jahr 500 perfekt für die Seuchenverbreitung. Pünktlich breitet sich die nächste Pest- Epidemie über Europa aus und erneut stirbt ein Drittel der Bevölkerung an den Folgen der Seuche. Das Eis ist erneut im Vormarsch und in den Alpen bilden sich riesige Gletscher. Island und Grönland werden von einem dicken Eispanzer überzogen. Die darauf entstehenden Unruhen in Europa wirken sich alsbald auch auf die kontinentale politische Ordnung aus und mit dem zweiten Prager Fensterschurz im Jahre 1618 wird zum Auftakt des Dreißigjährigen Krieges. Krieg und Klimaanomalie sowie daraus entstehende Epidemien und Hungersnöte vernichten zwei Drittel der europäischen Bevölkerung. Diese demografische Implosion reißt dermaßen viele Menschen aus dem
1:16:23Leben, dass die Überlebenden schlichtweg über viel zu wenig Arbeitskräfte verfügen, um die Agrarwirtschaft weiter zu betreiben. Da bekannterweise Not erfinderisch macht, spornt dieser Umstand die technische Entwicklung in Europa gewaltig an und erlaubt eine Unmenge von technischen Entdeckungen. Doch viele von diesen Innovationen kommen zu lahmsam zum Tragen, um sofortige und breit gefächerte Hilfe zu leisten. Hungersnöte folgen einander Schritt für Schritt. Die Brotpreise steigen ins Unerreichbare und die völlig überforderte Führungselite, die aus dem Adel besteht, reagiert auf diese dramatischen Umstände mit einer fast gleichgültigen Distanz. Kein Wunder aber, dass diese Erinnerung in die Zeit der Französischen Revolution ihren Anfang findet. Im Jahr 1815 bricht der in Indonesien liegende Vulkan Tambora mit einer gewaltigen Explosion aus, bei welcher
1:17:43schätzungsweise über 100 Kubikkilometer Asche in die Stratosphäre gelangte. Ein Drittel des Vulkans wurde durch die Eruption weggekippt und wurde dann gesprengt und die Explosionen wurden bis in eine Entfernung von 2000 Kilometern gehört. Die planetarischen Durchschnittstemperaturen sanken um ungefähr 4 Grad Celsius und die Hungersnöte machten sich erneut bereit. Als Folge darauf machte sich ein großer Klimaflüchtlingsstrom auf den Weg mit der Hoffnung auf das bessere Land und wanderte nach Amerika aus. Ab 1850 begann eine neue Wärmephase mit gemäßigten Temperaturen, die das Wetter bis heute bestimmen. Die nächste Klimaanomalie lässt sicher nicht ewig auf sich warten. Besten Dank für eure Aufmerksamkeit.