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Transkript · Geschichte Indiens · Teil 8Geschichte Indiens — Teil 8 — Transkript
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0:00:00Die Akademie der Vernunft und Baruj präsentieren Die Geschichte Indiens Teil 8 Von den Maraten bis zur Gegenwart entdecken Sie mit uns, wie das Kastensystem trotz gesetzlicher Verbote weiterhin tief in der indischen Kultur verwurzelt ist und welche Rolle Gandhis Philosophie der Gewaltlosigkeit in der heutigen Welt spielt. Ein spannender Streifzug durch eine der ältesten Zivilisationen der Welt, informativ, analytisch und aufschlussreich. Wir sind nunmehr bei unserem letzten Beitrag über Indien angelangt. Wir werden den letzten Teil der Auseinandersetzung mit dieser bemerkenswerten Zivilisation in Angriff nehmen. Es ist ein historischer in Anführungszeichen Spaziergang vom Beginn der westlichen Kolonialmacht bis zur Ära der Indiener. Der erneuten Unabhängigkeit und der Ausrufung der Republik Indien. Schließlich werden wir eine sehr grobe geschichtliche Zusammenfassung
0:01:17bis in die Nähe unserer Unmittelbarkeit tätigen und darüber hinaus einen Blick auf ihre nähere potenzielle Zukunft werfen oder zumindest wollen wir das versuchen. Das heute in... Indien geltende gesetzliche Verbot des Kastenwesens konnte nicht verhindern, das gegenwärtig Moralbegriffe im Zusammenhang mit dieser Gesellschaftsregelung nach wie vor Geltung besitzen. Die Übergangszeit, in der sich eine von einer durch geburtsrechtliche Schranken behinderte Bevölkerung zu gleichberechtigten Angehörigen des Staates wandelt, wird noch länger andauern. Hindu sein bedeutet nämlich nicht nur einer Religion oder einer Weltanschauung anzugehören, sondern den durch die Geburt bestimmten Platz in einer Kaste einzunehmen und die damit verbundenen Einschränkungen, Pflichten, aber auch Rechte eben als rechtens anzuerkennen. Aus dem Sanskrit kommend verwendet man für diese Ethik den Begriff Dharma,
0:02:54was mit Gesetz, Recht und Sitte, ethische und religiöse Verpflichtungen einer Kaste gleichgesetzt werden kann. Im Rahmen des Dharma ist für den Hindu die Möglichkeit garantiert, Verfehlungen in vergangenen Lebensspannen auszumerzen, respektive zu läutern und neue Vorzüge für die nächste Wiedergeburt zu sammeln.
0:03:28Daher erscheint auch heute noch einem strenggläubigen Hindu ein Wechsel in eine andere Kaste sinnlos und eine neue Weltanschauung. Eine kastenlose Gesellschaft ist eigentlich undenkbar.
0:03:49Wenn man vom Dharma spricht, muss man zwischen dem Dharma einer Kaste und dem allgemeinen Dharma, welches für alle Kasten gilt, unterscheiden.
0:04:04Letzteres bestand in der Gründerzeit der Kasten, man erinnere sich von den Indern Varna genannt, vor allem aus drei Gründen. Es gibt drei Hauptverpflichtungen. Die Ehrfurcht vor den Brahmanen, die Verehrung der Kuh und die Zeugung von Kindern. Diese drei Verpflichtungen werden umso mehr verständlich, wenn man bedenkt, dass ein wesentlicher Teil der Vorfahren der Inder, die Arya, vor ihrer Sesshaftwerdung Nomaden waren. Man brauchte Anführer, die das Volk zusammenhielten, und ihm die Marschrichtung vorgaben. Das Rind war Lebensgrundlage und Statussymbol. Und die Kinder waren nicht nur der Garant für die Altersversorgung, sondern gewährleisteten auch den Fortbestand des Volkes. Außerdem waren die Nachkommen diejenigen, welche im Rahmen des Ahnenkultes den Verstorbenen und den Verletzten verliehen. Sie brachten Speiseopfern.
0:05:29Die Hauptanforderung im allgemeinen Dharma, Kinder in die Welt zu bringen, erklärt auch, warum sich eine indische Familie schon bei der Geburt eines Kindes über die Verheiratung desselben den Kopf zerbricht. Denn die Ehe wird im Hindusystem als unabdingbare Basis für den Fortbestand eines Volkes angesehen. Ein unverheirateter Mann oder eine Frau mit einer allzu langen Jungfräulichkeit wurde auch noch in jüngster Vergangenheit als gesellschaftliche Randfigur ohne soziale Stellung und Achtung eingestuft. Die Kastenzugehörigkeit spielt dabei keine Rolle. Zudem darf die Ehe nach der Auffassung eines strenggläubigen Hindus, nicht nach dem Motto Liebe auf den ersten Blick, geschlossen werden. Die Romantik hat in diesem Zusammenhang nicht prioritäre Stellung. Für die Romantik gibt es das Ramayana oder in neuster Zeit die Bollywood-Blockbuster.
0:06:53Der Weitblick der Eltern muss dafür sorgen, dass die Kinder nicht vom Fieber des kurzsichtigen Leidenschafts verpasst werden und letztendlich in Enttäuschung und Bitterkeit verelenden. Es könnte sonst dabei geschehen, dass sich ein Paar aus verschiedenen Kasten zusammenfindet und somit die Wiedergeburt des Paares negativ beeinträchtigt würde. Im Gegensatz zur heutigen Weltanschauung des Abendlandes, dieser zentralen Haltung gegen Überlebende, über eine Beziehung, ist in Indien eine Komplexität an Variablen im Raum, deren Verständnis für uns nicht leicht zugänglich ist. Solche Überlegungen führten zu Kinderehe. Dabei wurden zwischen der Eheschliessung und dem Inkrafttreten der Ehe selbst ein Zeitraum festgelegt, in dem das Mädchen wohlbehütet, im Haus ihrer Eltern, verblieb.
0:08:10So war die junge Braut bis zum Inkrafttreten der Geschlechtsreife geschützt. Auch muss in diesem Zusammenhang aus der Geschichte Indiens erwähnt werden, dass es Harems süchtige islamischen Erobern verboten war, verheiratete Hindu-Frauen als Sklavinnen fortzuführen. Die Kinderehe und später die religiösen Sanktionen für die Ehe, die sie in Indien verbreitet haben, die Eheunwillig gewordene Frauen, könnten unter anderem dazu geführt haben, dass heute noch in Indien der Ehebruch ein Ausnahmefall darstellt. Der Mann brauchte ja, zumindest in der Vergangenheit, keinen Seitensprung vollführen. Er ging ähnlich wie der Mann der westlichen Welt, nicht ins Bordell, sondern in einen Tempel, in dem, der war das, das sogenannte Mekte Gottes seine Lust linderten. Ursprünglich war es die Aufgabe dieser Frauen, vor den Göttern zu tanzen und zu singen
0:09:23und allenfalls den Brahmanen zu erbauen. Später war es ihnen gestattet, ihre Dienste allen Zahlungsfähigen anzubieten, vorausgesetzt, dass von den Einnahmen ein Teil der Geistlichkeit, Zufluss, hauptsächlich konnte man diese Kortisanen für Tanz- und Gesangsaufführungen, aber auch für private Festigkeiten engagieren. Da nicht wenige von ihnen lesen und schreiben lernten, waren sie in höher gestellten Kreisen gern gesehene, bezahlte TeilnehmerInnen von Gesellschaften, in denen sie zu kultivierten Konversationen animierten. Man denkt, in diesem Zusammenhang unwillkürlich an die japanischen Geishas oder an die griechischen Hetarei, die Hetären, welche die gleichen Aufgaben erfüllten und sehr angesehen waren. Neben den Devadasis erhielten nur die Frauen der obersten Gesellschaftsschicht eine geistige Bildung. Die Kunst des Lesens galt als unschicklich, da ja die Gefahr, dass sie durch ein philosophisches Studium moralisch verderben konnte
0:10:53und somit dem Manne nicht mehr gehorchen würde. Auch was den Schnöden in Anführungszeichen Mammon das Geld betraf, traute man der Frau nicht zu, dass sie damit sorgsam umgehen könnte. Hier teilte sie das Schicksal mit ihren Söhnen und den Sklaven. Fast alles gehört, aber nur fast alles. Denn die Mitgift und die Hochzeitsgeschenke blieben im Besitz der Frau und die Mutter eines minderjährigen Fürsten
0:11:37durfte bis zur Mündigkeit oder Volljährigkeit des Thronfolgers sogar dessen Staatsgeschäfte führen, inklusive das Finanzressort. Verheiratete Frauen mussten bei gesellschaftlichen Verhandlungen, durch Abwesenheit glänzen. Sie mussten des Weiteren als zwar liebliches, aber minderwertiges Wesen ihrem Manne mit geduldiger Erhebenheit dienen.
0:12:14Zusätzlich kam vom Brahmanen her die Warnung, dass eine aufmüpfige Frau in ihrer nächsten Inkarnation als Schakal wiederkäme. Brachte allerdings eine Frau, die sich nicht mehr so gut fühlt, viele Kinder zur Welt. Dann galt eine andere Anweisung aus dem Gesetzbuch des Manu, die da lautet, ich zitiere, die Mutter übertrifft 1000 Väter im Recht auf Ehrerbietung. Zitat Ende. Das Gesetzbuch des Manu ist weniger ein juridisches, sondern mehr ein normatives Werk, welches in der Zeitspanne von 200 vor unserer Zeitrechnung und 200 unserer Zeitrechnung geschrieben worden ist. Und indem erwünschte Verhaltensweisen festgehalten sind, so auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Wenn zu diesem Thema auch viele Passagen enthalten sind, die aus unserem Blickwinkel die Frau diskriminieren, so kann man aber durchaus Friedrich Nietzsche recht geben, wenn dieser in einer Stellungsnahme zu diesem Buch feststellt,
0:13:44dass die Frau darin immer noch wesentlich ehrenvoller beschrieben wird als in manchen christlichen Traktaten. Besaß die Frau, man erinnere sich, in der vedischen Zeit noch eine hohe Stellung, so schwamm diese unter dem Einfluss der hinduistischen Brahmanen, im Lauf der Geschichte den Ganges hinunter. Die Ehefrau redete ihren Mann mit Meister oder Herr an und bereitete beispielsweise die Mahlzeiten, aß aber erst nach Beendigung des Mahls ihres Mannes und ihrer Söhne das, was übrig geblieben war. Aber schwangere Frauen, Bräute und Edelfräulein sollten bei Gesellschaften, wirtschaftlichen Anlässen vor allen anderen Gästen als erste die Speise erhalten. In der Öffentlichkeit ging die Frau einige Schritte hinter ihrem Gemahlsgatten. Doch wenn ein Gebäude beispielsweise betreten wurde, hatte der Mann zu warten.
0:15:04In dieser Situation überließ er der Frau sowie Greisen und Brahmanen den Vortritt. Wie?
0:15:16sah die Gegenleistung des Mannes für so viel weibliche Hingabe aus. Vorab musste dieser eine Frau innerhalb einer Kaste, aber ausserhalb seiner Sippe auswählen, beziehungsweise dies erledigte in den meisten Fällen schon seine Eltern. Ab dem Zeitpunkt, an dem seine junge Ehefrau Kinder zu Welt bringen konnte, hatte der Herr des Hauses seiner Angetrauten, ich zitiere, sorgfältig Schutz zu geben, Zitat Ende. Wie es im Gesetzbuch des Manu so schön formuliert ist. Das Gesetzbuch des Manu sieht auch vor, ich zitiere, man soll die Frau nicht schlagen, selbst nicht mit einer Blume. Man soll sie weiters nicht streng überwachen, denn dann wird er nicht mehr schlagen. Man soll ihr Schafsinn einen Weg finden, Unheil zu stiften. Und wenn sie schöne Kleider haben will, ist es weise, ihre Wünsche zu erfüllen.
0:16:27Dann erfreut sie ihren Gatten mit einem neuen Glanz und verschönert das ganze Haus. Zitat Ende. Im Lauf der Geschichte Indiens wurde die verheiratete Frau immer mehr in eine häusliche Abgeschiedenheit gedrängt. Diese Entwicklung verstärkte sich noch unter dem späteren Einfluss des Islams. Bald durfte eine indische Frau von Stand in der Öffentlichkeit nur mehr dicht verschleiert gehen und es verstiess gegen die Regeln des Anstands, wenn man als Gast sich nach dem Befinden der Dame des Hauses erkundigte oder letztere vielleicht sogar ansprach. Wie schon zu Anfang unseres schnellen Durchlaufens durch die indische Kulturgeschichte gesehen haben, begann man ab rund 1200 vor unserer Zeitrechnung allmählich heilige Texte in vedischer Sprache niederzuschreiben. Vedisch war gewissermassen eine Vorform des Sanskrits. Man geht bei der Annahme sicherlich nicht vollständig fehl,
0:17:51dass diese Sprache durch das Zusammentreffen der Aryakultur und der Dharvidakultur entstanden ist und vor allem die Schrift aus dem dharvidischen Kulturraum stammt. Sanskrit ist vom Gebrauch her mit der lateinischen Sprache in Europa durchaus vergleichbar. Denn sehr bald schon wurde Sanskrit die Sprache der Priester und der Gelehrten, und ist es auch heute noch. Im Zuge dieser Entwicklung zur gelehrten Sprache büßte Sanskrit allerdings seine Kraft und einprägsame Einfachheit, die man bei den vedischen Hymnen bewundert, vielfach ein. Die weissen Männer der Philosophie und andere hohen Wissenschaften suchten, sicherlich aus den Veränderungen der Zivilisation heraus verständlich, nach neuen künstlich, wirkenden und nicht spontan aus dem Volk gewachsenen Ausdrucksformen und erfanden dabei, losgelöst von der gebräuchlichen Sprache des Volkes, sehr artikulierte und komplexe Begriffskonstruktionen.
0:19:12Somit war Sanskrit im Norden Indiens in Bezug auf die Bevölkerung eine tote Sprache, eine Art Esperanto der gelehrten indischen Welt, während das Volk es in eine neue Sprache, Prakrit genannt, ummodelte, ähnlich wie aus dem Lateinischen Italienisch entstand. Aus dem Prakrit entwickelte sich Pali und gegen Ende des 10. Jahrhunderts erreichte ein neuer Dialekt, Hindi genannt, den ersten Platz der Sprachengebrauchsliste. Während der islamischen Besetzung fanden zahlreiche arabisch-persische Begriffe Eingang in das Hindi. Dieses Gemisch bekam den Namen Urdu und wurde letztendlich eine der wichtigsten Sprachen des Subkontinents. In den Sprachen Südindiens wie Teluga oder Kanada ist der Einfluss des Sanskrits ebenfalls noch klar erkennbar, nicht so im Tamil, der bedeutendsten südindischen Literatursprache. Auf sie nahm das Sanskrit weniger Einfluss.
0:20:47Wenn sich ein Europäer mit indischen Sprachen auseinandersetzt, sollte er eines nicht unbeachtet lassen. Aus gesamtindischer Sicht gesehen, lernen Sprachwissenschaftler bereits spätestens ab dem 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung die Sprache nach ihrer Herkunft und ihrem Wesen zu erforschen. Neben anderen großen Philologen Indiens wird von den meisten Historikern Panini als einer der weltweit größten Experten der Geschichte in diesem Fachbereich angesiedelt. Panini lebte wahrscheinlich im 5. oder 4. Jahrhundert vor Christus und lehrte in Taxila. Er verfasste die älteste erhaltene Grammatik des Sanskrits und damit die älteste erhaltene Grammatik überhaupt. Wie sieht in Indien die Sprachlandschaft der Gegenwart aus?
0:22:02So wie es keine gesamteuropäische Sprache gibt, wird auch in Indien keine einheitliche indische Sprache verwendet. Die 22 staatlich anerkannten Sprachen, die von den über 1,4 Milliarden Indern in 29 Bundesstaaten gesprochen werden, lassen eine Unterteilung von weit über 100 lokalen Dialekten erkennen und gehören vier Sprachen in die Sprache. Laut der indischen Verfassung können die Bundesstaaten Indiens eine oder mehrere regional verbreiteten Sprachen zur Amtssprache erheben. Die Indio-Arya-Sprachfamilie hat 21 Sprachgruppen und wird von 78% der Gesamtbevölkerung gesprochen. Die Dravidische Sprachfamilie hat 17 Sprachgruppen. Die Australasiatische Sprachfamilie hat 5 Sprachgruppen und wird von 19% der Gesamtbevölkerung gesprochen. Die Austro-Asiatische Sprachfamilie hat 2 Sprachgruppen und wird von 0,5% der Gesamtbevölkerung gesprochen. Demso auch die Tibetobirbanische Sprachfamilie, die aus 66 Sprachgruppen besteht
0:23:44und ebenso von 0,5% der Gesamtbevölkerung. Bevölkerung gesprochen wird. Schließlich bestehen die restlichen 2% der Sprachen, die in Indien verwendet werden, aus Farsi, was in Persien gesprochen wird, aus Pashtun, was in Afghanistan gesprochen wird und schließlich aus Arabisch. Bereits in der weite wirtschaftlichen geprägten Kultur der Aria war der Rinderbesitz, ein wirtschaftlicher Gradmesser und damit Statussymbol ersten Ranges. Spätestens ab der vedischen Zeit erlangte das Rind, vor allem die Kuh, einen hohen religiös-mythischen Status als Göttin Prithivimata, sprich Verkörperung der Erde. Und der noch heute weltweit bekannte Hirtengott Christus, wird gerne in Gesellschaft einer Kuh abgebildet. Des Weiteren kann man im Atavara Veda nachlesen, ich zitiere, dass die Kuh die Herrin des Lebens ist. Zitat Ende. Trotz all dieser Vergöttlichung wurde und wird die Kuh nie in Abbildungen,
0:25:22sondern nur als Leben, lebendes Wesen verehrt. Während die Kuh auf diese Weise einen göttlichen Status bekam, brachte es der Stier in seiner spirituellen Karriere lediglich zum Status des ständigen Begleiters des Gottes Shiva. Dass die Jainas als strikte Vegetarier kein Rind schlachteten, erscheint völlig logisch. Aber es leuchtet auch ein, dass die Jainas als strikte Vegetarier kein Rind schlachteten, erscheint völlig logisch. Dass aufgrund der vorab getroffenen Feststellungen Hindus und Buddhisten es neben religiösen Gründen ebenfalls ablehnen, ihren sonst keineswegs immer vegetarischen Speisezettel mit Rindfleisch zu bereichern. Dazu trägt die Wertschätzung des Rindes bei, als Lieferant von Bekleidung, Dünger, Heizmaterial Baustoff, Medizin und Arbeitskraft. Viele indische Bauern bewirtschaften ihre Felder heute noch mit Hilfe der Rinder. Neben dem materiellen Nutzen sollte man den spirituellen Reinigungseffekt nicht vergessen.
0:26:52Mischt man nämlich Kudung ins Reinigungswasser für Haus und Hof und für Plätze, auf denen ein Ritual durchgeführt werden soll, so kann ein auf diese Art gereinigtes Stück Erde als göttlich sauber angesehen werden. Für den Europäer mutet diese Art von Hygiene etwas seltsam an. Jedoch haben ernstzunehmende Untersuchungen der Ausscheidungen des Rindes ergeben, dass dieser Dung auch ein wirksames Insektizid und Desinfektionsmittel ist. Daher verwundert es nicht, dass Bestandteile dieser Methode in der ayurvedischen Medizin als Gegenmittel gegen verschiedene Krankheiten Verwendung findet. Die Bedeutung der Kuh wird auch durch ihre Produkte bei verschiedenen hinduistischen Riten unterstrichen. Ohne Butter kein Licht und keine Opferspeise. Und ohne Milch und Joghurt als Opfer kein hinduistisches Zeremoniell. Wer es sich leisten kann und konnte, um seinen karmischen Schuldenstand entscheidend zu dezimieren,
0:28:20schenkte bzw. schenkt heute noch am besten, vor allem den Brahmanen, eine Kuh. Wer es sich nicht leisten kann, schenkt symbolisch eine aus Holz geschnitten Kuh. Wer es nicht leisten kann, schenkt symbolisch eine aus Holz geschnitten Kuh. Wer es sich nicht leisten kann, schenkt symbolisch eine aus Holz geschnitten Kuh. Wegen all dieser Gründe genoss und geniesst das Rind auch heute noch in Indien höchste Wertschätzung und den Schutz des Menschen. Letzterer führte beispielsweise dazu, dass islamische Heereseinheiten bei ihren Raubzügen Rinderherden vor sich hertrieben, um indische Einheiten an der Gegenwehr zu hindern. Um indische Einheiten an der Gegenwehr zu hindern. Im Alter werden Rinder entweder bis zu ihrem natürlichen Tod betreut und gefüttert oder verbringen ihren Lebensabend in Gaushalas.
0:29:19Das sind Ställe, die eigens für kranke und alte Tiere angelegt und von Wohlhabenden durch Spenden instand gehalten werden. Es gibt verständlicherweise aber auch Inder, die ihre in die Jahre gekommenen Rinder verkaufen. Es gibt verständlicherweise aber auch Inder, die ihre in die Jahre gekommenen Rinder verkaufen. Bei diesem Geschäft ist der gläubige Hindu nicht verpflichtet, in Erfahrung zu bringen, ob der islamische Käufer vielleicht Geschäftsbeziehungen zu einer Gerberei oder Lederfabrik unterhält.
0:29:57Bei diesem Geschäft ist der gläubige Hindu nicht verpflichtet, in Erfahrung zu bringen, ob der islamische Käufer vielleicht Geschäftsbeziehungen zu einer Gerberei oder Lederfabrik unterhält. Bei diesem Geschäft ist der gläubige Hindu nicht verpflichtet, in Erfahrung zu bringen, ob der islamische Käufer vielleicht Geschäftsbeziehungen zu einer Gerberei oder Lederfabrik unterhält. Bei diesem Geschäft ist der gläubige Hindu nicht verpflichtet, in Erfahrung zu bringen, ob der islamische Käufer vielleicht Geschäftsbeziehungen zu einer Gerberei oder Lederfabrik unterhält. den Boden mit dem Begriff Kapital, so wird beim Studium der Geschichte dieses Subkontinentes sofort erkennbar, dass der in Anführungszeichen Zinsertrag aus einem solchen Kapital nur mühsam zustande gekommen war. Unter immensen Anstrengungen rangen die Inder den Dschungelgebieten und den bergigen Landschaften Kulturland ab und führten einen permanenten Kampf gegen Wildtiere mit dem Ergebnis,
0:31:05dass wild lebende Löwen, Tiger oder Elefanten heute mehr oder weniger der Führungskampf der Vergangenheit angehören. Nur die Insekten und die Schlangen ließen sich vom Homo sapiens nicht unterkriegen. Doch das dem Dschungel mit seinen Wildtieren abgerungene Terra war mit Ausnahme der Stromebenen landwirtschaftlich noch immer nicht nutzbar. In weiten Teilen Indiens musste schon seit der Harappa-Kultur zusätzliches Landwirtschaftsgebiet, zusätzlich große Bewässerungsanlagen gebaut werden, um das Land fruchtbar zu machen. Dies war vor allem in jenen Gebieten notwendig, in die der Regen und damit der Erntesegen bringende Monsoon nicht erreichte, da die Barrieren von Bergketten dies verhinderten. In den Gegenden aber, in denen er jährlich sehnsüchtig erwartet wurde, In den Gegenden aber, in denen er jährlich sehnsüchtig erwartet wurde, blieb er so manches Jahr aus oder führte ins Gegenteil verkehrt
0:32:28durch gewaltige Überschwemmungen erst recht zu Hungersnöten in der Bevölkerung.
0:32:37Diese Entwicklung zur Gewinnung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen setzte in Indien besonders stark nach der Invasion der Ariya ein. Vor allem benötigten die Eroberer für ihre Tierherde Weideland. Da sich die Bevölkerung aber weitgehend vegetarisch ernährte, sprich Reis, Hülsenfrüchte, Hirse, Gemüse und Obst, wurde in der Folgezeit mehr und mehr Ackerboden kultiviert. Neben der Gewinnung von Naturpflanzen zur Nahrungsmittelversorgung bekam der Anbau von Gewürzen wie Curry, Ingwer, Nelken und Zimt, sowie Baumwolle eine steigende Bedeutung durch den Fernhandel mit Europa. Baumwolle wird als Rohstoff bereits im Rig Veda um 1500 vor unserer Zeitrechnung erwähnt. Einer der ältesten Hinweise auf die Baumwolle findet sich beim griechischen Chronisten Herodot von Helikarnassos um das 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Ich zitiere. Außerdem tragen da selbst wilde Bäume statt der Früchte eine Wolle,
0:34:12die an Schönheit und Güte die Schafwolle übertrifft, und die Inder tragen Kleider dieser Baumwolle.
0:34:28Begriffe aus unserem heutigen Sprachgebrauch zum Themenbereich Baumwolle erinnern an Indien, als vorrangiges Produktionsland und an die arabischen Händler, welche die Zwischenhändler dieses Rohproduktes waren. Zwei Beispiele hierzu. Die Araber übernahmen die handwerklichen Fähigkeiten im Zusammenhang mit der Baumwollverarbeitung und ihr Begriff Gutan wandelte sich zum englischen Wort Cotton oder zum deutschen Wort Kutte. Das in Mosul im nördlichen Mesopotamien nach indischem Vorbild erzeugte feine Baumwollgewebe hat sich in Anlehnung an den Namen der Stadt begrifflich im Wort Muselin verewigt. Bemerkenswert erscheint die Tatsache, dass unabhängig von den Indern das Baumwolle auch in frühester Zeit in Amerika und Afrika angebaut und verwertet wurde. Im Zusammenhang mit dem eingangs gestellten Vergleiches Kapital und Zinsen stellt sich sofort die Frage, wer bei dem Geschäft mit dem Boden profitierte.
0:35:59Wie an anderer Stelle schon festgehalten, waren die Bauern vorerst Besitzer ihres Grundes. Aber bereits ab 300 vor unserer Zeitrechnung, während der Herrschaft von Chandragupta, Maurya, ging das Besitzrecht eines Grundstücks an den König über. Gegen Bezahlung einer jährlichen Pachtsteuer wurde den Bauern dann der Grund zur Bearbeitung überlassen. Allerdings mussten die Bauern für die notwendigen Staudämme und andere Bewässerungsanlagen nicht aufkommen. Diese Bauten wurden vom Staat, errichtet und instand gehalten. Was den Bergbau betrifft, scheinen die Inder weltweit betrachtet unter den Ersten gewesen zu sein, die Gold aus Bergwerken gewannen. Auch der Abbau von Silber, Kupfer, Blei, Zinn und Zink und Eisen hat in Indien eine lange Tradition. In der Metallverarbeitung waren die indischen Handwerker den europäischen Teilnehmer. Das war damals weit voraus.
0:37:16Bis zu dem Zeitpunkt, an dem die europäischen Mächte geruhten, Indien gründlich auszublündern, zählte das Eisschmelzen in kleinen Holzkohleöfen zu den bedeutendsten Gewerbezweigen Indiens. Im Handwerklichen generell wurden die Inder in Europa und Asien lange Zeit als die besten Sachverständigen betrachtet. Beginnend bei der Kalksteinskulpturen aus Mohenjo Daro bis zu den kunstvollen Schmuckstücken und Textilien unserer Tage, deren Fertigung man noch immer in den Bazaaren mitverfolgen kann, zeichnen sich viele handwerkliche Erzeugnisse seit der Zeit der Harappa-Kultur durch niveauvolle Kunstfertigkeit, gediegenen Geschmack, und hohe Qualität aus. Indische Textilerzeugnisse sind, was die Bearbeitung des Gewebes anbelangt, heute noch unübertroffen. Man denke nur an die Kaschmir-Schals oder an indische golddurchwirkte Brokatstoffe. Der indische Handwerker war nie eine Nur-Arbeitskraft, sondern eine bestens ausgebildete,
0:38:46verarbeitete Kunsthandwerker. Ohne auf die Gründe dafür eingehen zu wollen, muss aber festgestellt werden, dass die Erzeugnisse der indischen Töpferei keine kunsthandwerklichen Merkmale aufweisen. Das Gegenteil kann man wiederum bei Schalen, Vasen und anderen Zier- und Gebrauchsartikeln, die aus Gold, Silber oder Messing angefertigt wurden, feststellen. Die Produktion von Waren, die höchsten Ansprüchen genügten, führte zwangsläufig auch zu einem regen Handelsleben.
0:39:26Jede Straßenecke und Gasse in einem Dorf oder in einer Großstadt war und ist zum Teil auch heute noch ein Bazar. Im Fernhandel überschwemmten Händler aus Arabien, Mesopotamien, Persien, aus dem Fernen Ost und, seit der Landung der portugiesischen Flotte an Südindiens Küste, Europa und die Europäer die indischen Märkte. Vor allem arabische Händler vermittelten im 15. Jahrhundert ihren Kollegen aus Venedig und Genua und anderen italienischen Städten indische Waren und alle Beteiligten wurden im Mensreich. Dies war der eigentliche Grund, warum Christoph Kolumbus einen kürzeren Seeweg nach Indien suchte. Aber auch einer der Gründe, warum einige Jahrhunderte vorher schon die christlichen Kreuzfahrer unter dem Deckmantel der Befreiung des in Anführungszeichen heiligen Landes arabische Gebiete in ihren Besitz bringen wollten.
0:40:44Der Fernhandel brachte es auch mit sich, dass große Werften in Bengalen und im Sind entstanden, in denen später noch sogar die britische Ost-Indien-Kompanie Schiffe bauen ließ. Sowohl der Binnen als auch der Fernhandel benötigten ein Zahlungsmittel. Jedoch dauerte die Entwicklung des Geldes einige Jahrhunderte. Das staatlich geregelte Münzwesen dürfte, wie im Teil Geschichte der Indiens von den Adiwadis zu Mahariwa schon erwähnt, um 500 vor Christus unter persisch-griechischem Einfluss eingeführt worden sein. Rund 1000 Jahre später ließ der Pashtunische Herrscher Sher Khan Suri 1542 bis 1545 gut geprägte Kupfersilber und Goldmünzen in den Geldumlauf bringen und bestimmte die Kupier als Münzeinheit für das ganze Reich. Diese Maßnahme erleichterte den Handel erheblich. Die Einführung eines Kreditsystems, gehemmt durch religiöse Vorschriften, dauerte noch
0:42:09länger als jene des Münzwesens. Beim Geldverleih richtete sich der Zinfuß nach der Kaste des Darlehensnehmern. Der Durchschnitt betrug an die 20 Prozent. Bei Überschuldung war eine Bankrotterklärung keine Option. Wenn ein Schuldner verstarb, mussten seine Nachkommen bis zur sechsten Generation die Schulden tilgen. Ackerbau und Handel waren stark besteuert. Ein Bauer musste von einem Sechstel bis zur Hälfte seiner Ernte abliefern. Im Handelsbereich belasteten viele Abgabe und Zölle den Warenverkehr. Ganz zu schweigen, die Warenverkehr zu verhindern, war nicht so einfach, wie es damals war. In Indien, wie in jedem Land der Welt und zu allen Zeiten, gab es auch in Indien eine extrem reiche Oberschicht und eine eher in bescheidenen Verhältnissen lebende Bevölkerungsbasis. Der Reichtum Indiens erreichte, bezogen
0:43:26auf die herrschenden Schichten der Bevölkerung, jeweils unter den Guptaherrschern und unter den Mughul-Kaisern, zwei absolute Höhepunkte. Von Shah Jahan berichten indische Historiker, dass er Gold- und Silberschätze in zwei Gewölben mit je 50.000 Kubikmeter Fassungsraum stapelte. Bei den werktätigen Untertagen ergab sich eine leicht andere Rechnung. Ein Handwerker erhielt zur Regierungszeit Akbars maximal den Gegenwert von 29 Kilogramm Weizen oder 42 Kilogramm Gerste im Monat. Dies reichte offensichtlich aus, um eine Familie ernähren zu können. Wie wir schon anlässlich unserer letzten Begegnung betrachten konnten, entstand nach dem Zerfall der Mughulatenreiche eine Verbreitung des Maratenreichs. Seinen Ursprung findet das Gebilde in den Herrschaftsgebieten der Stammeshäuptlinge, die in den Diensten der Sultane von Bijabhur zur Zeit der Mughule standen. Raja Shivanshi griff mehrmals mit Erfolg
0:44:56die Mughul-Enklaven in der Gegend des Surat an. Surat ist an der nordwestlichen Küste Indiens gelegen. Um 1674 liess er sich als, in Anführungszeichen, Herr des Universums krönen und erklärte seinen Willen, ein Hindu-Reich im Maharashtra zu begründen, das Maratenreich. Um 1717 kam es zur Unterzeichnung eines Abkommens mit den Mughulen, in welchem dem Maratenreich die Kontrolle des Dekans zugesichert wurde. Peshwa, sprich Premierminister Baji Rao I., der 1720 bis 1740 für seinen milden König Shashu, Enkel von Shivanshi, regierte, führte die Maratenmacht zu ihrem Zenit. Die Zeit war gekennzeichnet durch niedrige Steuern und religiöse Toleranz. Auf der Gegenseite stand in Delhi der Mughul-Politiker Nizam-ul-Mulk, der sich aber bei Hofe letztlich nicht durchsetzen konnte. Die Maraten bekamen Geldzahlungen und politische
0:46:22Zugeständnisse. 1734 standen sie vor Agra und 1737 wurde Delhi nur durch einen Glücksfall gerettet. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts betrieb die Maratenflotte unter Kanhoshi Angre 1667 bis 1729 und seinem Sohn Tulashi umfassende Piraterie, im Wesentlichen auf eigene Rechnung, aber auch See- und Handelskrieg gegen die englische Ostindien-Kompanie. Mehrere Straf-Expeditionen der europäischen Kolonialmächte scheiterten. Erst 1756 gelang den Briten einen entscheidenden See-Krieg und Tulashi-Angre floh. Der nächste Peshwa, Madhavrao I. 1761 bis 1772, konnte seinen Gegner noch zurückhalten und Delhi samt Grossmogul Shah Alam ins Reich eingliedern. Aber nach seinem Tod verbündete sich sein Onkel Rangunath mit der britischen Ostindien-Kompanie gegen den legitimen nächsten Peshwa und dessen Anhänger. Rangunath spaltete damit die Maraten und gab den Briten
0:47:54Raron Hastings, dem Generalgouverneur in britischen Ostindien, Handlungsfreiheit. Es kam zum ersten Krieg zwischen der Ostindien-Kompanie und den Maraten, in dem die Maraten unter General Mahaji Sindhya nach einem Sieg 1779 doch noch bei Sibri 1781 geschlagen und zum Frieden von Salwai im Jahre 1782 gezwungen wurden. Die europäische Kolonial-Eroberungsgeschichte Indiens hat Tradition. 1498 erreichte der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama, nach elf Monaten Seereise von Lissabon aus startend, Calicut, das heutige Côte d'Ivoire an der Westküste Indiens. Er wurde von Rajah, von Malabur, freundlichst empfangen, und dieser gab ihm für den König Portugals ein Schreiben mit, in dem er feststellte, der Edelmann, also ich zitiere, der Edelmann Vasco da Gama aus eurem Hofe hat mein Reich besucht, und dies hat mir grosse Freude bereitet. In meinem Reich besitze ich Zimt,
0:49:26Gewürznelken, Pfeffer und Edelsteine. Was ich in eurem Reiche suche, sind Gold, Silber und roter Samtstoff. Zitat Ende. Der portugiesische König Manuel I. beantwortete den Brief mit dem Anspruch, Indien in eine portugiesische Kolonie umzuwandeln. Er entsandte eine Flotte mit Soldaten und Missionaren nach Indien, um den Kontinent zu verchristlichen und zu beherrschen. Im 17. Jahrhundert kamen die Holländer, verjagten die Portugiesen und gründeten die holländische Ostindien-Kompanie. Kurze Zeit später vertrieben die Franzosen die Holländer und gründeten die französische Ostindien-Kompanie. Am 31. Dezember 1600 gewährte Goethe, Königin Elisabeth I. für 21 Jahre das absolute Handelsmonopol für den ganzen Raum des Indischen Ozeans, der hierfür gegründeten British East India Company. Diese bestand aus einem Konsortium von Handelsunternehmen und als Ziel setzte man sich in Indien,
0:50:57billigst Waren einzukaufen und in Europa möglichst teuer wieder zu verkaufen. 1608 wurden in Indien Waren für 2 Millionen Pfund gekauft und in Europa für 10 Millionen Pfund wiederverkauft. 1670 erließ der britische König Charles II. ein Edikt, mit welchem er der Kompanie erlaubte, eine eigene Währung in Indien zu verkaufen.
0:51:451686 schließlich kündigte die Kompanie an, sie wolle in Indien, ich zitiere, für immer eine breite, sichere und gut begründete Domination instaurieren. Sie gründete Banken in Madras, in Kalkutta und Bombay, heuerte weitere Truppen an und tätigte und ertrug Korruption, um ihre Macht auszuweiten. Das englische Parlament wurde jedoch bald müde, den politischen in Anführungszeichen Lobbismus dieser unglaublich starken Machtmaschinerie zu ertragen und versuchte mit der Gründung einer konkurrierenden, englischen Kompanie, Trading to the East Indias, ihr Monopol zu brechen. Schon 1704 fusionierten die zwei Gesellschaften.
0:52:531757, also 54 Jahre später, schlug der britische General und Staatsmann Sir Robert Clive bei der Schlacht von Placey, der heutigen Stadt Palaschi in West-Bengalen, die Franzosen und setzte faktisch den Grund, den Grundstein zur britischen Kolonialisierung Indiens. Clive hatte auch überhaupt keine Mühe, von den indischen Gouverneuren Geschenke für rund 170.000 Pfund zu akzeptieren und verlangte von ihnen einen jährlichen, persönlichen Tribut von 140.000 Pfund. Er verkaufte das Amt des Gouverneurs von Bengalen für 6 Millionen Pfund, und annektierte diesmal für die Kompanie weite Gebiete Indiens. Schließlich verfiel er dem Opium, wurde vom englischen Parlament der Korruption angeklagt und beendete sein irdisches Dasein mit einem Selbstmord im Jahr 1774. Ihm folgte Sir Warren Hastings, ein intelligenter, wenn auch wie sein Vorgänger,
0:54:12skrupelloser Geist. Er verlangte von den indischen Fürsten Tribute von einer Viertelmillion Pfund im Jahr, die er in die Kassen der Kompanie fließen ließ. Persönlich ließ er sich reichlich bestechen, damit er den jährlichen Tribut nicht erhöhte.
0:54:38In den von der Kompanie besetzten Gebieten wurde eine Grundsteuer von 50% des Ertrags und dazu so massive und harte Steuern gefordert, dass zwei Drittel der Bewohner die Flucht ergriffen, während diejenigen, die blieben, ihre Kinder verkaufen mussten, um zu überleben. Der englische Historiker Sir Thomas MacCulley stellte fest, dass in Kalkutta enorme Vermögen in kürzester Zeit angehäuft wurden, während 30 Millionen Menschen in horrender Armut dahinvegetierten. Die Inder waren Tyrannei gewöhnt, aber nicht eine Tyrannei in einem solch erschreckenden Ausmass. Das englische Parlament hatte in der Zwischenzeit den Indian Act erlassen, um die unerträgliche Einflussnahme der ostindischen Kompanie in weiten wirtschaftlichen Bereichen zu brechen. Ihr wurde das Handelsmonopol auch weiterhin gewährt, jedoch mit ganz klaren Auflagen. Der Indian Act von 1784
0:56:01stellt den Anfang des Niedergangs der Ost-Indien-Kompanie dar. 1785 beginnen englische Armeeeinheiten, den ganzen Subkontinent zu erobern, um ihn unter die englische Krone zu stellen. Und 1818 ist der Prozess mit Ausnahme des im Norden gelegenen Sikh-Reiches abgeschlossen. Rund 40 Jahre später, um 1857, hatte die ostindische Kompanie den Nordosten des Landes dermassen ausgebeutet, dass die lokalen Bevölkerungen mit einer blutigen Revolte darauf reagierten. Die britische Armee auf dem indischen Territorium zählte damals rund 238'000 Mann, von denen rund 200'000 Inder waren, die von ihren englischen Offizieren derart traktiert wurden, dass der Aufstand vorprogrammiert war. Zeitgleich mit der Volksrevolte kam innerhalb der Armee das Gerücht auf, dass die Gewehrpatronen mit Kuh- und Schweinefett eingerieben wurden, was gleichermassen die indischen Hindu- und Moslem-Soldaten
0:57:30in die Revolte miteinbezog. Die Unterdrückung der Revolte 1858 war ein Blutbad, in dem Abertausende den Tod fanden und das britische Parlament erliess den Indian Government Act, mit welchem sie alle Besitztümer der Kompanie beschlagnahmte und unter die Herrschaft der englischen Krone setzte. Damit formalisierte England den Kolonialisierungsprozess und setzte nun Generalgouverneure ein, die der Krone und dem Staat über ihr Handeln Rechenschaft ablegen mussten. 1874 schliesslich wurde die British East India Company aufgelöst. Nur drei Jahre später wird Königin Victoria zur Kaiserin Indiens gekrönt. Generalgouverneure wie Lord William Bednick betätigten sich als grosse Reformer. So ersetzte dieser in der Gerichtsbarkeit die persische Sprache durch Englisch, verbot Kinderarbeit und das Sati, sprich die Witwenverbrennung. Dieser Brauch, dessen Bezeichnung vom Namen Sati abstammt,
0:58:54Sati war die Frau von Shiva, die sich aus Hingabe zu ihrem Gemahl in Feuer auflöste, wurde insbesondere in der Kaste der Brahmanen und Krachitschas vollzogen. Er sah vor, dass eine verwitwete Frau den Freitod, auf dem Scheiterhaufen ihres Ehemannes wählen wusste, um dabei bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Zur Zeit des Verbotes durch Bednick zählte man durchschnittlich 600 Sati-Fälle im Jahr. Bis heute kann dieser Brauch in vereinzelten Fällen rund 20 im Jahr trotz strikten Verbotes noch nicht beseitigt werden. Lord Bednick reaktivierte landesweit das Kanalsystem und vernetzte ab 1885 den Kontinent mit der Eisenbahn. Er ließ überall Schulen bauen und sagte dem Analphabetismus den Kampf an. Schließlich wurde das Postwesen modernisiert und reformiert und eine der ersten Telefonnetze der Geschichte sah in Indien das Licht.
1:00:14Im gleichen Jahr gründete man die Universitäten von Calcutta, Bombay und Madras, in welchem auch eine neue indische Führungsklasse ausgebildet wurde.
1:00:301895 gründete Lord Alan Octavian Hume den Indian National Congress, eine politische Partei, die sich in den Prinzipien der Sozialdemokratie und des sozialen Liberalismus erkannte und binnen kürzester Zeit zum politischen Referenzpunkt der Unabhängigkeitsbewegung Indiens emporstieg. Parallel dazu entstand die muslimische Liga, die ebenfalls für die Unabhängigkeit kämpfte. Indien war in der Zwischenzeit von einer ganzen Serie von Naturkatastrophen und Epidemien heimgesucht worden, welche die Inder, die sich schon an den Grenzen einer erträglichen Lebensweise befanden, noch weiter ins Elend stießen. Allein die Pestepidemie zwischen 1894 und 1912 hinterließ 12 Millionen Tote, zu denen weitere 14,5 Millionen Tote durch verschiedene Hungersnöte hinzu kamen. 1911 ließ sich King George V. in der neuen Hauptstadt Delhi zum Kaiser krönen und ließ zeitgleich
1:01:58die aufgewühlte Provinz Bengalen mit sehr gelinde gesagt oder ausgedrückt und sanften Methoden beruhigen. 1916 schlossen sich die muslimische Liga und der Indian National Congress zu einer Unabhängigkeitsbündnis zusammen, worauf England als Gegenmaßnahme 1919 den sogenannten Rowlatt Act erließ und damit die Freiheit der Inder weitgehend beschnitt. Diese Maßnahme ist insofern von großer Bedeutung, weil sie Gandhi die Augen öffnete über das, wie die Briten sein Volk unterjochten. Dies war der Beginn seines gewaltlosen Widerstandes gegen die Willkür der englischen Besatzungsmacht. Mohandas Karaman Chand Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 geboren. Er ist der geistige Vater des modernen Indiens und der grosse indische Poet Tagore gab ihm den Namen Mahatma, was so viel wie grosser Geist bedeutet. Viele Inder nennen ihn auch Bapu.
1:03:25Sprich Vater. Die UNO hat seinen Geburtstag als internationalen Tag der Gewaltlosigkeit erkoren. Er stammte aus einer gehobenen Händlerfamilie. Gandhi bedeutet Drogist. Und sein Vater war Premierminister im Fürstentum Rashot, das sich auf der Halbinsel Qat Yawar an den Ufern des Arabischen Meeres in den Bundesstaaten Kuchara befindet.
1:04:03Seine Familie war Jainistisch und mit 12 Jahren wurde er, der Sitte entsprechend, mit einer Gleichaltrigen verheiratet. Mit 17 Jahren ging Gandhi nach London, um Jurisprudenz zu studieren. 1891, nach Abschluss seines Studiums, kehrte er nach Indien zurück, wo er mit sehr geringem Erfolg den Anwaltsberuf ausübte. Er fand schliesslich eine Stelle bei einem indischen Handelsunternehmen, das eine Geschäftsbeziehungen mit der sich am indischen Ozean befindenden südafrikanischen Provinz Natal unterhielt. Der junge Gandhi wurde dorthin gesandt, um einen Gerichtsfall zu vertreten. Er war scheu, nicht sehr wortgewandt und windete sich im Gerichtssaal zusehends. In Südafrika traf er auf die Apartheid, auf die Ausgrenzung der schwarzen Bevölkerung und auch die Fehler seiner 150'000 Landsleute, die im Natal lebten. Was vielleicht aus heutiger Sicht nicht wenig erstaunt, ist die Tatsache, dass ganz
1:05:33Gandhi zwar gegen den Rassismus der Afrikaans den Indern gegenüber vehement ankämpfte, aber sich im gleichen Atemzug mit rassistischen Ausdrücken über die Kafers, wie die schwarzen Urbevölkerung beschimpft wurde, äusserte und sie mit den niedrigen Tieren verglich. Nachzulesen in Collected Works of Mahatma Gandhi. Mehrere dieser Äußerungen Gandhis wurden von ihm später in der von ihm 1904 gegründeten und bis 1914 geleiteten Zeitung der Indian Opinion publiziert. Kurz vor seiner Rückreise nach Indien erfuhr Gandhi, dass das Parlament des Natalgebietes ein Gesetz plante, mit welchem man den indienstämmigen Bürgern aufgrund ihrer Rassismus, der Rassenzugehörigkeit, das Stimm- und Wahlrecht genommen werden sollte. Von den zum Teil sehr reichen Indern im Natal wurde er gebeten, eine Petition gegen den Gesetzesentwurf zu erstellen. Er wusste genau, dass die Petitionen an die Regierung des Natals
1:06:57und an die englische Behörden nichts bewirken konnte. Aber er war sich im Klaren, dass die gesetzliche Satzung von Gandhi aus dieser Zeit nicht möglich war. Indische Bevölkerung in Indien war eine bestimmte Gelegenheit, die indische Bevölkerung im Natalgebiet zu einer eng verschworenen Gemeinschaft werden zu lassen. 1893 gründete und führte er die Natal-Indien-Kongresspartei, die in der Gesellschaft sehr rasch als starke politische Kraft in Erscheinung trat. 1904 war er der unangeforderte, unverzichtbare und unverzichtbare Oberpräsident der Indien. Er war der besprochene Anführer der indischen Gemeinschaft im Natal, kaufte rund 40 Hektar Land, las die heiligen Schriften des Hinduismus und legte ein Keuschheitsgelübde ab. Er hörte auf Milch zu trinken, schnitt sich selbst die Haare und reinigte die Latrinen als Zeichen der Demut auf dem Weg zum Harijan, was so viel wie Kind Gottes bedeutet.
1:08:021905 nahm er in Afrika aus Protest gegen die Kolonialisierung am indischen Boykott der englischen Produkte teil und begründete den Sanitätskorps für die Soldaten, die im Zulu-Krieg verwundet wurden.
1:08:271906 begründet Gandhi das Satyagraha, sprich die Haltung. Die Haltung der Gewaltlosigkeit bei Protestaktionen. Sieben lange Jahre war er für diese Haltung das Vorbild. In die Ehe mehr von Peitschenheben bis zur Kerkerhaft, ohne gewaltsame Gegenwehr, alles ertrug.
1:08:591913 nach dem Verbot der Heirat zwischen Christen und Nichtchristen, das die Transwahl regierte, begann der lange Protestmarsch der indischen Frauen, der schließlich die Regierung zwang, mit Gandhi zu verhandeln. Sein erster großer politischer Sieg. Zwei Jahre später kehrte er nach einem kurzen Aufenthalt in London nach Indien zurück, wo er ein Jahr lang schweigend kreuz und quer durch Indien, bis in die abgelegensten, dörfer reiste. Zwischen 1917 und 1918 organisierte er in Indien unter den Landarbeitern den ersten Protest des zivilen Ungehorsams. Indien war im Jahr 1919 Schauplatz von durch den indischen Nationalkongress im ganzen Land initiierten Massendemonstrationen. Aus indischer Sicht waren mehrere soziale und politische Faktoren als Ärgernis einzustufen. Zum Beispiel der Rowlatt-Akt, der die Verhaftung von ohne Beweise als terroristisch eingestuften Personen erlaubte.
1:10:34Die schlechte Behandlung indischer Veteranen nach deren nicht unwesentlichem Einsatz, vor allem im Nahen Osten im Ersten Weltkrieg, sowie die Verhaftung der lokalen Anführung der indischen Nationalbewegung in Amritsar, löste eine tiefe Empörung aus. Eine zunächst friedliche Demonstration artete bald in gewalttätige Handlungen aus. Als Reaktion auf die Brandanschläge auf britische Behörden, Banken und Privateigentümer verhängte der damalige Gouverneur des Amritsars, Sir Michael O'Dwyer, das Kriegsrecht. Brigadegeneral Reginald Dyer aus dem benachbarten Bezirk Julundur übernahm die Kontrolle über die Stadt. Die Anweisung, die er von O'Dwyer erhalten hatte, lautete, ich zitiere, »Es werden keine Prozessionen oder Menschenaufläufe erlaubt. Alle Versammlungen sind zu beschießen.« Am 13. April 1919 kam es in der nordindischen Stadt Amritsar zu einem Massaker von britischen Soldaten und Gurkhas an Sikhs, Muslimen und Hindus verübt,
1:12:08die gegen die Inhaftierung von zwei nationalindischen Führungspersönlichkeiten protestierten. Betroffen waren Männer, Frauen und Kinder gleichermaßen. Das Massaker fand in einem von Mauern umgebenden Park statt, dem Jalinwala Bagh. Es existierten fünf enge Zugänge zu diesem Gelände, von denen nur vier geöffnet waren. General Reginald Dyer führte eine Truppe von 50 mit Gewehren bewaffneten Gurkhas, und Sikh-Soldaten zu diesem Park. Am Nachmittag versammelten sich auf dem Gelände rund 15.000 bis 20.000 Menschen, die zu zwei Dritteln aus Amritsar standen. Dyer ließ nach dem Erreichen des Parks der Menschenmenge sofort und ohne Warnung auf die versammelten Menschen schießen. 1650 Schuss wurden abgegeben. Nach offiziellen Angaben wurden 379 der gewaltlosen Demonstranten getötet und rund 1200 verletzt. Die Debatte um die tatsächliche Zahl der Opfer ist bis heute nicht abgeschlossen.
1:13:48Zurück im Hauptquartier behauptete Dyer gegenüber seinen Vorgesetzten, er habe sich mit einer revolutionären Armee konfrontiert gesehen und deswegen sei dem Punjab, ich zitiere, eine Lektion in Moral, Zitat Ende, zu erteilen gewesen. Winston Churchill verurteilte das Ereignis folgendermassen, ich zitiere, der Vorfall in Jallianwala Bagh war ein aussergewöhnliches Ereignis, ein monströses Ereignis, ein Ereignis, das in einzigartiger und unheilvoller Art und Weise für sich selbst steht, Zitat Ende. Das Massaker wurde weltweit verurteilt, fand allerdings auch Zuspruch in konservativen Kreisen. General Dyer wurde 1920 vor den Hunter-Untersuchungen im Untersuchungsausschuss zur Untersuchung des Massakers zitiert. Dort sagte er aus, ich zitiere, ich halte es für durchaus möglich, dass sich die Versammlung ohne zu schiessen hätte auflösen können. Wahrscheinlich wären sie dann zurückgekehrt und hätten mich ausgelacht
1:15:21und ich war nicht bereit, mich auslachen zu lassen, Zitat Ende. Unmittelbar nach dem Massaker von Amritsar, in welchem Gandhi nebst dem gewaltlosen Ungehorsam auch den Hungerstreik einsetzte, trat der Mahatma in den Indian National Congress ein und überzeugte die Partei von der Kraft dieser neuen Art, Widerstand zu leisten. Nur ein Jahr später verteidigte er die Ansprüche der indischen Moslems und stieg zum unangefochtenen Leader der antikolonialen Bewegung Indiens auf. 1930 schliesslich postulierte er auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit Indiens und bestärkte die autarkische Idee, indem er alle Inder aufforderte, selbst ihre Stoffe zur Kleiderherstellung herzustellen. Damit erreichte er gleich mehrere Ziele. Er fand eine Beschäftigung für die Bauern im Winter, indem er alle aufforderte, mindestens eine Stunde pro Tag Faden zu spinnen.
1:16:41Auf diese Weise fügte er der englischen Textilindustrie einen enormen Schaden zu, was wiederum sehr viel Druck auf die englische Regierung ausübte und ganz wesentlich bezog er die indischen Frauen in die Politik und in die Unabhängigkeitsbewegung vollumfänglich mit ein. Im gleichen Jahr begann er den berühmten Salzmarsch. Die Salzgewinnung und deren Handel waren damals ein Monopol der britischen Krone. Gandhi begann einen Fussmarsch von 380 Kilometern bis zum Ozean. Um dort ein einziges Salzkristall zu gewinnen. Auf seinem langen Marsch gesellten sich Tausende zu ihm und der Ungehorsam erregte sehr grosses Aufsehen. Der Vizekönig antwortete darauf mit der Verhaftung von 60.000 Menschen, inklusive jenem des Matma. Als er 1931 aus dem Gefängnis kam, wurden Verhandlungen aufgenommen und er wurde nach London eingeladen,
1:18:01um an der indischen Verfassung mitzuarbeiten. Die Konferenz scheiterte, weil es sehr bald klar wurde, dass die britische Regierung eigentlich nur versuchte, Zeit zu gewinnen. Zurück in Indien gab es drei Mordversuche auf Gandhi, die alle fehlschlugen. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, sicherte Gandhi, ohne jemanden zu konsultieren, dem Vereinigten Königreich eine moralische gewaltlose Solidarität zu. 1942 erliess er die Resolution Quit India, mit welcher er die Briten aufforderte, Indien die Unabhängigkeit zu gewähren. Der hierfür organisierte gewaltlose Protest führte durch das skrupellose Eingreifen der Polizei zu einem horrenden Blutbad und zu tausenden Verhaftungen. Gandhi wurde für 23 Monate inhaftiert und musste schmerzhafte persönliche Erfahrungen machen, vom Tod seines engsten Mitarbeiters bis hin zu jenem seiner Frau. Mit dem Ende des Weltkrieges erliess der englische Premierminister
1:19:37und Nachfolger von Churchill, Clement Attlee, eine Weisung, mit welcher er Jawaharlal Nehru aufforderte, eine transitorische Regierung in Indien zu bilden, um die Machtübergabe zu regeln. Gandhi ordnete somit an, den Widerstand gegen die Briten einzustellen und es wurden 100.000 politische Häftlinge entlassen. Der Vizekönig Lord Mountbatten regelte den Übergang und am 15. August 1947 wurde der Staat Indien ausgerufen. Auf Drängen der muslimischen Liga wurde eine religiöse, territorialen Grenze bezogen. Und somit entstand der Staat Pakistan, der zweigeteilt war in das heutige Pakistan und in Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch. Gandhi blieb sehr unter dieser Aufteilung, von der er großes Unheil erwartete. Am 30. Januar 1948 wurde er von einem fanatischen Sikh mit drei Revolverschüssen umgebracht. Für die Inder bleibt er eher ein Heiliger als ein Staatsvater.
1:21:15Ihm folgte Jawaharlal Nehru, genannt Pandit, was so viel wie wissender Meister bedeutet, als Präsident zwischen 1949 und 1964. Die Geschichte Indiens als Staat von der Zeit Pandit Nehrus bis heute umfasst mehrere Jahrzehnte des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandels. Indien verdankt seine Unabhängigkeit vor allem dem außergewöhnlichen politischen Geschick von Pandit Nehru, der zusammen mit den Führern der zahlreichen Teile der indischen Unabhängigkeitsbewegung am 5. August, dem 15. August 1947 die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte.
1:22:14Nehru wurde der erste Premierminister des unabhängigen Indiens. Unter seiner Führung nahm Indien 1950 eine republikanische Verfassung an und wurde eine souveräne, demokratische und säkuläre Republik. Pandit Nehru förderte eine gemischte Wirtschaftspolitik mit starken staatlichen Eingriffen in Schlüsselsektoren wie Industrie, Telekommunikation und Energie. Außerdem initiierte er Landreformen und Industrialisierungsprogramme. Es besteht kein Zweifel, dass er zu einem nicht unwesentlichen Teil von den Ideen des berühmten britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes inspiriert wurde. Nehru war sehr an wirtschaftlichen Fragen interessiert und hatte eine sozialistische Vision für die Zukunft Indiens. Obwohl er kein ausgebildeter Wirtschaftswissenschaftler war, wurde Nehru von Wirtschaftstheorien beeinflusst, welche staatliche Eingriffe in die Wirtschaft zur Förderung der Entwicklungen befürwortet. Wie wir bereits in der Begegnung mit dem Titel vom Alexander dem Großen bis zum Gupta-Reich erwähnt haben,
1:23:54vertrat Keynes die Ansicht, dass der Staat vor allem in Krisenzeiten durch eine expansive Finanzpolitik und öffentliche Investitionen in die Wirtschaft eingreifen sollte, um die Gesamtnachfrage anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu verringern. Diese Philosophie spiegelte sich in Nehru Wirtschaftspolitik wider, die auf einer starken Rolle des Staates bei der Wirtschaftsplanung und der industriellen Entwicklung setzte. Nehru war der Ansicht, dass der Markt allein in einem Entwicklungsland wie Indien die Probleme der Armut und Unterentwicklung nicht lösen konnte. Folglich verabschiedete die indische Regierung unter seiner Führung eine Reihe von fünf Jahresplänen, die vom sowjetischen Modell inspiriert waren, aber einen eher keynesianischen Ansatz verfolgten, bei dem der Staat eine zentrale Rolle bei der Regulierung und wirtschaftlichen Entwicklung spielte. In der Aussenpolitik verfolgte Nehru während des Kalten Krieges
1:25:17eine Politik der Blockfreiheit und versuchte, Indien gegenüber den westlichen und dem sowjetischen Block neutral zu halten.
1:25:30Lal Bandru Shastri war der zweite Premierminister Indiens und trat die Nachfolge von Pandit Nehru nach dessen Tod 1964 an. Der am 2. Oktober 1904 geborene Shastri gilt als demütige, ehrliche Führungspersönlichkeit mit einer starken Arbeitsmoral und einem Leben in den Diensten der Öffentlichkeit. Shastri war ein Veteran der indischen Unabhängigkeitsbewegung und ein Unterstützer von Mahatma Gandhi. Nach der Unabhängigkeit begleitete er verschiedene Ämter in der indischen Regierung, darunter des Innen- und des Verkehrsministers. Er war bekannt für seine Einfachheit, seine Integrität und seine Fähigkeit, feste, aber ausgewogene Entscheidungen zu treffen. Als Premierminister sah er sich mehreren grossen Herausforderungen gegenüber. Darunter der indisch-pakistanische Krieg von 1965 und eine schwere Hungersnot. Während dieses Konflikts prägte er den berühmten Slogan Jai Javan, Jai Kisan, sprich Grüße an die Soldaten, Grüße an die Landwirte,
1:27:03der die Bedeutung sowohl der Landesverteidigung als auch der landwirtschaftlichen Produktion für den Wohlstand Indiens betonte. Shastri spielte eine entscheidende Rolle dabei, Indien durch eine Zeit wirtschaftlicher, ernährungspolitischer und militärischer Schwierigkeiten zu führen. Während seiner Amtszeit leitet die indische Regierung die Grüne Revolution ein. Eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion des Landes sowie die Weisse Revolution, durch welche die Milchproduktion erheblich gesteigert wurde. Lal Bahandrur Shastri starb plötzlich am 11. Januar 1966 in Taschkent, in Usbekistan, damals Teile der Sowjetunion. Kurz nachdem er mit den Pakistanis in Tashkent begonnen hat, hatte der pakistanische Präsidenten Ayub Khan das Abkommen von Tashkent unterzeichnet, das den Krieg von 1965 beendete. Sein plötzlicher Tod hat den Anlass zu mehreren Verschwörungstheorien gegeben,
1:28:22obwohl offiziell angenommen wird, dass er an einem Herzversagen starb. Shastri wird wegen seines starken Charakters und seiner moralischen Führung in Erinnerung bleiben. Obwohl seine Zeit als Premierminister nur relativ kurz war, rund zwei Jahre, haben seinen Einfluss auf das Land am Leben gehalten und sein Beispiel für selbstlosen Dienst einen bleibenden Eindruck in der Geschichte Indiens hinterlassen. Lal Bahandur Shastri wurde im Amt des Premierministers von Indira Gandhi abgelöst, die eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der indischen Politik und die erste Frau im Amte des Premierminister Indiens war. Sie wurde am 19. November 1917 als Tochter von Pandit Nehru geboren und nahm aus Ehrwiedung gegenüber dem Mahatma den Nachnamen Gandhi an. Ihr Name wird oft mit einer Zeit großer Politiker,
1:29:40politischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen in Indien sowie mit einigen großen Kontroversen in Verbindung gebracht. Sie trat in die indische Politik ein, indem sie die Fußstapfen ihres Vaters trat. Nach Nehrus Tod 1964 war sie kurzzeitig Minister für Information und Rundfunk unter Premierminister Lal Bahadur Shastri. Nach Shastris Tod, nach seinem plötzlichen Tod, wurde Indira Gandhi zur Vorsitzenden der indischen Nationalkongresses gewählt und wurde Premierministerin. Während ihrer ersten Amtszeit zwischen 1966 und 1977 führte Indira Gandhi mehrere tiefgreifende Reformen durch. Einer ihrer berühmtesten Maßnahmen war die Verstaatlichung der Banken. Im Jahr 1969, die darauf abzielte, den einfachen Menschen, insbesondere Landwirten und kleinen Unternehmen, den Zugang zu Krediten zu erleichtern. Eine weitere wichtige Maßnahme war die Abschaffung der fürstlichen Privilegien mit der Agrarreform,
1:31:12wodurch die finanziellen Vorteile, die den Herrschern der ehemaligen indischen Fürstenstaaten gewährt waren, beendet wurden. Indira Gandhi ist auch dafür bekannt, dass sie Indien 1974 zum ersten Atomtest führte, der das Land zu einer aufstrebenden Atommacht machte. Dieses Ereignis, das als lächelnder Buddha bekannt wurde, veränderte das geopolitische Gleichgewicht in der Region erheblich. Einer der umschrittensten Aspekte von Indira Gandhis Regierungszeit war die Ausrufung des Ausnahmezustandes 1975. Eine außergewöhnliche Maßnahme, welche die bürgerlichen Freiheiten außer Kraft setzte und es der Regierung ermöglichte, per dekret zu regieren. Dieser 21-monatige Zeitraum war gekennzeichnet durch Pressezensur, Verhaftung von Oppositionsführern und Zwangssterilisation. Obwohl Indira Gandhi den Ausnahmezustand mit der Notwendigkeit rechtfertigte, das Land zu stabilisieren, wurde sie von vielen als Angriff auf die indische Demokratie kritisch.
1:32:48Nach dem Ende des Ausnahmezustandes und einer Niederlage bei den Wahlen 1977 kehrte Indira Gandhi 1980 nach einer kurzen Zeit der Opposition an die Macht zurück. Ihre zweite Amtszeit war jedoch durch wachsende ethnische und religiöse Spannungen gekennzeichnet. Insbesondere in Punjab, wo die separatistische Bewegung der Sikhs an Stärke gewarnt wurde.
1:33:25Infolgedessen ordnete sie 1984 die Operation Blue Star an, eine militärische Intervention im Goldenen Tempel in Amritsar, der heiligsten Städte des Sikhismus, um militante Separatisten auszurotten. Die Operation forderte zahlreiche Menschenleben und verursachte eine tiefe Wunde in den Beziehungen zwischen der Sikh-Gemeinschaft und der indischen Regierung. Am 31. Oktober 1984 wurde Indira Gandhi von zwei ihrer Sikh-Leibwächter als Vergeltungsmaßnahme für die Operation Blue Star ermordet. Ihr Tod löste eine Welle der Gewalt gegen Sikhs im ganzen Land aus und bei den darauffolgenden Unruhen wurden Tausende getötet. Indira Gandhi ist in der indischen Geschichte nach wie vor eine komplexe und zwiespältige Figur. Ihr Beitrag zur Entwicklung des Landes und ihre Führungsqualitäten in Krisenzeiten werden ebenso gewürdigt, wie ihre umstrittenen Entscheidungen während des Ausnahmezustands verurteilt.
1:34:47Dennoch gilt sie als eine der einflussreichsten und mächtigsten Führungspersönlichkeiten der modernen indischen Geschichte. Rajiv Gandhi, Indiras Sohn, wurde nach dem Tod seiner Mutter Premierminister. Er förderte die Modernisierung und wirtschaftliche Liberalisierung sowie die Entwicklung der IT-Industrie. Seine Regierung war jedoch von Korruptionsskandalen wie dem Beaufort-Fall geprägt. Der Beaufort-Fall ist eine der bekanntesten und umstrittensten Korruptionsskandale in der indischen Geschichte der Ende der 1980er Jahre aufkam. Der Fall betrifft den Kauf von Haubitzen Artillerie des schwedischen Unternehmens Beaufort AB durch die indische Regierung. Der Vorwurf, dass die indische Politiker und Beamte bestochen wurden, um die Unterzeichnung des Vertrags zu erleichtern, löste grosse Empörung aus. Im März 1986 unterzeichnete die indische Regierung unter der Führung von Rajiv Gandhi mit dem schwedischen Unternehmen Beaufort einen Vertrag über den Kauf von 400 155 mm Haubitzen
1:36:18für die indische Armee im Wert von rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 1987 deckte eine Zeitungsrecherche des schwedischen Rundfunks auf, dass Beaufort hohe Bestechungsgelder an indische Mittelsmänner und Politiker gezahlt hatte, um den Vertrag zu erhalten. Diese Enthüllung erschütterte Indien und löste eine schwere politische Krise aus. Die Anschuldigungen wirkten sich unmittelbar auf das Image von Rajiv Gandhi aus, der bis dahin als relativ lupenreiner und moderner Führer gegolten hatte. Der Fall hatte verheerende Auswirkungen auf die Regierung von Rajiv Gandhi, führte zu einem Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit und trug zur Niederlage des indischen Nationalkongresses bei den Wahlen 1989 bei. Nach der Wahlniederlage wurde Rajiv Gandhi 1991 während einer Wahlkampagne durch einen Selbstmordattentat eines tamilischen Aktivisten ermordet. Die 1990er Jahren waren durch politische Instabilität
1:37:41und eine Reihe von Koalitionsregierungen gekennzeichnet. Das Wirtschaftswachstum wurde durch die erste wirtschaftliche Liebe und Liberalisierungsreformen beeinflusst, die 1991 unter Premierminister Narasimha Rao und Finanzminister Manmohan Singh eingeleitet wurden. 1998 unter der Regierung von Atal Bihari Vajapallye führte Indien Atomtests durch und erklärte sich damit offiziell zur Atommacht. Dies führte zu Spannungen mit Pakistan und dem Kargilkrieg im Jahr 1999. Während der Regierungszeit von Manmohan Singh, die von 2004 bis 2014 andauerte, erlebte Indien eine Phase bedeutenden Wirtschaftswachstums, insbesondere in der ersten Hälfte seiner Amtszeit. Indien wurde zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt mit Reformen in den Bereichen Telekommunikation, Finanzdienstleistungen und Bildung. Sings zweite Amtszeit war jedoch von mehreren Korruptionsskandalen geprägt, die die Regierung schwächten und zu massiven Protesten führte.
1:39:28Nachfolger von Singh wurde Narendra Modi, der Indien bis heute regiert. Er wurde 2014 mit einer starken parlamentarischen Mehrheit zum Premierminister gewählt. Er förderte weiterhin eine Politik der wirtschaftlichen Liberalisierung, Digitalisierungsinitiativen wie Digital India und Steuerreformen wie die Einführung der Waren- und Dienstleistungssysteme. Die Modi-Regierung hat sich für eine Agenda stark gemacht, die den Nationalismus in den Vordergrund stellt, wobei der Schwerpunkt auf der Stärkung der nationalen Sicherheit und der Förderung der hinduistischen Identität liegt. Dies hat zu Kritik an der Behandlung religiöser Minderheiten und dem Umgang mit sozialen Verhältnissen, aber auch an der Behandlung der Menschen. Modi hat Indiens Position mit einer selbstbewussten Außenpolitik und engeren Beziehungen zu den wichtigsten Weltmächten auf der internationalen Bühne gestärkt. Er führte auch umstrittene Agrarreformen ein,
1:40:54die zu massiven Protesten der Landwirte führten. Von der Nehru-Ära bis heute hat Indien eine bedeutende Entwicklung durchlaufen. Die mit tiefgreifenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Veränderungen einhergingen. Das Land hat sich zu einer der führenden Volkswirtschaften der Welt entwickelt, steht aber gleichzeitig vor internen Herausforderungen wie wirtschaftlicher Ungleichheit, sozialen Spannungen und Fragen der demokratischen Staatsführung. Dass heutige Indien und seine Zukunft sind angesichts seiner wachsenden Rolle als Weltmacht ein komplexes und multidimensionales Thema. Das Land ist derzeit eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt und wird voraussichtlich auch in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen. Um diese außergewöhnliche Entwicklungen fortzusetzen, wird das Land mit ungeblichen Herausforderungen konfrontiert sein. Dazu gehören Investitionen in die Infrastruktur, die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität sowie die Förderung der Industrialisierung
1:42:25und der technologischen Innovation. Der rasche Urbanisierungsprozess, bei dem sich das Wachstum der Städte voraussichtlich weiter beschleunigen wird, bietet zweifellos Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung, aber auch Herausforderungen in Bezug auf Stadtplanung, Infrastruktur, Verkehr und öffentliche Dienstleistungen. Mit Initiativen wie Digital India versucht das Land sich als globales Technologiezentrum zu positionieren. Die Verbreitung von Internet- und Mobiltechnologie könnte die indische Wirtschaft und Gesellschaft erheblich verändern und den Zugang zu Dienstleistungen, Bildung und wirtschaftlichen Möglichkeiten für Millionen von Menschen verbessern. Indien verfügt über ein boomendes Ökosystem für Start-ups, insbesondere im Technologiesektor. Dies könnte Indien zu einem globalen Innovationszentrum machen. Mit einer sehr jungen Bevölkerung hat Indien das Potenzial, die sogenannte demografische Dividende zu nutzen. Um dies zu erreichen, müssen jedoch jedes Jahr
1:43:48Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen werden, das Bildungssystem weiter gestärkt und sichergestellt werden, sodass die Arbeitskräfte über die erforderlichen Qualifikationen verfügen.
1:44:05Trotz des jungen Alters der derzeitigen Bevölkerung wird Indien bald auch mit den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung konfrontiert sein, die einen steigenden Bedarf an Sozial- und Gesundheitsdiensten hat. Obwohl Indien erhebliche Fortschritte bei der Verringerung der Armut gemacht hat, bleibt die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit ein offenes Problem. Demografische und wissenschaftlich-technische Entwicklungen beschleunigen den Paradigmawechsel hin zu einer möglichst ausgewogenen sozialen Nivellierung. Das Fortbestehen des religiösen Nationalismus mit seinen vielfältigen und komplexen Komponenten in der Gesellschaft und den daraus resultierenden Spannungen zwischen verschiedenen Gemeinschaften stellt eine erhebliche Herausforderung für den sozialen Zusammenhalt des Landes dar. Die Fähigkeit Indiens, seine kulturelle und religiöse Vielfalt zu bewahren, wird eine der wichtigsten Fragen für die politische Stabilität des Landes sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt
1:45:25ist die besondere Anfälligkeit des indischen Subkontinents gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren. Angesichts des Bedarfs an umfangreichen Energieressourcen, welche die enorme Entwicklung angemessen unterstützen können, könnte die Umwelt- und Energiepolitik des Landes sogar ein entscheidender Faktor sein. Sicher ist, dass Indien auf der internationalen Bühne eine immer wichtiger Rolle spielen wird, sowohl was den politischen als auch den wirtschaftlichen Einfluss angeht. Das Land könnte versuchen, seine Beziehungen zu den großen Weltmächten wie den Vereinigten Staaten, China und Russland auszugleichen und gleichzeitig seine regionalen Interessen in Südasien zu fördern. Prozesse wie die Stabilität der südasiatischen Region und die Verbesserung der Beziehungen zu Nachbarn wie Pakistan und Bangladesch können nicht ohne Indiens entscheidenden Beitrag stattfinden. Indiens Zukunft wird von seiner Fähigkeit abhängen,
1:46:53ein integratives und nachhaltiges Wachstum zu schaffen, ökologische und soziale Herausforderungen zu bewältigen und seine Rolle als Weltmacht zu konsolidieren. Wenn es diese Herausforderungen erfolgreich meistert, könnte Indien zu einer Großmacht des 21. Jahrhunderts werden und erneut einen wichtigen Beitrag zu globaler Stabilität und Wohlstand leisten. Die Reise durch die Kultur und Geschichte des indischen Subkontinents, die wir mit diesem Treffen abschließen, hat uns einen Einblick in eine der reichsten und komplexesten Regionen der Welt gegeben, welche durch eine außergewöhnliche kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt gekennzeichnet ist. Von den alten Zivilisationen des Industal über die historischen Königreiche, welche die Identität der Region geprägt haben, bis hin zu den Unabhängigkeitsbewegungen und den Herausforderungen der Gegenwart, hat jede Phase der Geschichte des Subkontinents
1:48:17dazu beigetragen, ein einzigartiges und lebendiges kulturelles Erbe zu schaffen. Politische und geistige Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi und Pandit Nehru haben nicht nur das Schicksal Indiens, sondern das der gesamten Region und der Welt unauslöschlich geprägt. Der Kampf um die Unabhängigkeit, das Entstehen neuer Nationen und die Herausforderungen der Modernisierung und Entwicklung spiegeln die Widerstandskräftigkeit und Anpassungsfähigkeit der Menschen auf dem Subkontinent wider. Kulturell hat die Region eine immense literarische, künstlerische, wissenschaftliche und philosophische Tradition hervorgebracht. Sanskrit, Urdu, Tamil und viele andere Sprachen haben ein breites Spektrum an geistigen und künstlerischen Ausdrucksformen hervorgebracht. Die Religion spielt eine zentrale Rolle. Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus haben hier ihren Ursprung und beeinflussen Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt. Der indische Subkontinent
1:49:43mit seiner komplexen Geschichte der Eroberung, Kolonialisierung und Dekolonialisierung bietet wertvolle Lektionen über die menschliche Widerstandsfähigkeit, die Bedeutung der Vielfalt und die ständige Suche nach Identität und Einheit.
1:50:10Diese Auseinandersetzung mit der Kulturgeschichte Indiens vermittelt uns ein tieferes Verständnis für eine Region, die mit ihren sich wandelnden Herausforderungen, Bestrebungen und Beiträgen weiterhin eine dynamische Kraft als Protagonist in der globalen Landschaft darstellt. Das war die Geschichte Indiens Teil 8 Von den Maraten bis zur Gegenwart. Präsentiert von der Bar Rouge und der Akademie der Vernunft Wenn du uns unterstützen möchtest, abonniere den Kanal und hinterlasse uns einen Kommentar. Wenn du Fragen oder Anmerkungen zum Inhalt hast, kannst du einen Kommentar hinterlassen. Wir versuchen alle Anfragen zu beantworten. Bis zum nächsten Mal auf diesem Kanal.