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Transkript · Geschichte Japans · Teil 4Vom Untergang des Schwertes zur Morgendämmerung — Transkript
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0:00:00Die Akademie der Vernunft und Barouge präsentieren Die Geschichte Japans Teil 4 Vom Untergang des Schwertes zur Morgendämmerung der Ordnung Diese Episode zeigt, wie aus Chaos und Krieg ein Zeitalter des Friedens, der Kunst und der strengen Disziplin entstand und warum genau diese Epoche die Grundlage für das moderne Japan legte. Im weiten Wandtempich der japanischen Geschichte gibt es nur wenige epochale Übergänge, die so dramatisch und symbolträchtig sind wie der Übergang von der späten Muromachi-Zeit über die turbulente Azuchi-Momoyama-Zeit zur geordneten Stabilität der Tokugawa-Zeit, der Edo-Periode, die wir heute Abend sehen. Wie gesagt, gemeinsam durchlaufen werden. Dieser Übergang, der sich zwischen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und dem Beginn des 17. Jahrhunderts vollzog, war nicht nur ein einfacher Dynastiewechsel,
0:01:20sondern eine paradigmatische Metamorphose, in der die alte Welt des Krieges zu Ende ging und eine Ära begann, in der die Welt des Krieges zu Ende ging. Das war die Zeit, in der Ordnung, Hierarchie und soziale Kontrolle zu Grundprinzipien des Zusammenlebens wurden. Die Muromachi-Zeit, die unter der Herrschaft des Ashikaga-Jabunats von 1336 bis 1573 begann und die wir bei unserer letzten gemeinsamen Session betrachtet haben, war eine Zeit, in der die Welt des Krieges zu Ende ging. und die wir bei unserer letzten gemeinsamen Session betrachtet haben, und die wir bei unserer letzten gemeinsamen Session betrachtet haben, und die wir bei unserer letzten gemeinsamen Session betrachtet haben, war Schauplatz einer fortschreitenden Schwächung der Zentralmacht, die schließlich in einem Mosaik territorialer Herrschaftsgebiete, den Daimyo,
0:02:20deren blutige Auseinandersetzungen in dem langen und turbulenten Konflikt, der als Sengoku-Zeit bekannt ist, eskalierten. In diesem Kontext feudaler Anarchie geprägt von politischem Zynismus und einer raffinierten Kriegskultur setzte sich eine Triade außergewöhnlicher Feldherren durch, nämlich Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und schließlich Tokugawa Ieyasu, die nacheinander als Architekten in Anführungszeichen der nationalen Wiedervereinigung fungierten. Der Übergang zu dieser Epoche war, nicht nur ein militärisches oder politisches Ereignis, vielmehr war es die Etablierung eines neuen Ethos.
0:03:21Das Ideal des wandernden, gewalttätigen Kriegers wich dem disziplinierten Bushi, der sich der Pflicht und dem Kodex des Bushido verschrieben hatte und in eine pyramidenförmige, überwachte soziale Struktur eingebunden war. Die Urbanisierung beschleunigte sich.
0:03:48Die Künste verfeinerten sich unter der scheinbaren Ruhe des Bakofen und die Samurai-Kultur verwandelte sich von einem Kriegsinstrument zu einem ethischen und formalen Prinzip. An diesem heiklen Scheideweg vollzog Japan einen Übergang von der Desintegration zum Zusammenhalt, von der Kriegswut, zur bürokratischen Gelassenheit in einem ebenso ehrgeizigen wie dauerhaften sozialen Ingenieurprojekt. Und während das Echo von Pferdehufen und Rüstungen, der kontrollierten Stille der Zehngärten und dem geordneten Rhythmus der Grundbücher wich, trat das Land der aufgehenden Sonne in eine neue Ära ein, in der Frieden nicht mit dem Schwert, sondern durch das Wachstum, das Gewicht des institutionellen Gleichgewichts erreicht wurde. In der feierlichen Stille, mit der Japan sich der Außenwelt verschloss, begann die Tokugawa-Ära oder, wie vorher schon angedeutet, die Edo-Zeit oder Edo-Periode,
0:05:08die vielleicht symbolträchtigste Periode der japanischen Geschichte, in der Autorität sich in Rituale hüllte. Macht zu Disziplin, wurde und die Kultur in einem gekonnten, begrenzten Raum aufblühte. Diese Ära begann 1603 mit der Ernennung von Tokugawa-Jeyauzu zum Shogun und erstreckte sich über mehr als zweieinhalb Jahrhunderte in einer Kontinuität, die keine Stagnation war, sondern eine raffinierte Choreografie des Unverendlichen. Das war die Zeit, in der die Kultur in einem gekonnten, begrenzten Raum aufblühte. Tokugawa-Shogunat war die Vollendung einer langfristigen Strategie. Das grundlegende Ziel war, das Chaos der Sengoku-Zeit durch eine weitverzweigte Hierarchie und eine umfassende Kontrolle der lokalen Autonomien zu neutralisieren. Die Macht wurde nicht so sehr in der Person des Shogun selbst zentralisiert, sondern in der institutionellen Maschinerie des Bakufu.
0:06:23Einer Militärregierung, die von der Stadt Edo, 1869 in Tokio umbenannt, ausoperierte und den über 250 regionalen Daimyo, ein System der bedingten und überwachten Loyalität, auferlegte, das im Sankin-Kotai, nämlich der obligatorischen abwechselnden Residenz in Edo, kodifiziert war. Das Shogunat schaffte, den Kaiser nicht ab, sondern degradierte ihn zu einem spirituellen Symbol ohne politische Macht in Kyoto. So entstand eine paradigmatische japanische Doppelstruktur, eine Nation, die formal unter der himmlischen Autorität des Kaisers vereint war, de facto jedoch von der kalkulierenden Rationalität des Tokugawa-Bakufu regiert wurde. Die Gesellschaft wurde nach einer strengen konfuzianischen Klassifizierung geordnet, nämlich Samurai, Bauern, Handwerker, Kaufleute, zu denen die Ausgestoßenen, nämlich Eta oder Hinin genannt, und die tolerierten, aber kontrollierten religiösen Gemeinschaften hinzukamen. In dieser unbeweglichen Hierarchie verlor die Figur des Samurai nach und nach,
0:07:57ihre kriegerische Funktion, und wurde zum Bürokraten oder bezahlten Intellektuellen, eher Hüter des Anstands als des Krieges.
0:08:11Paradoxerweise, während sich die oberen Klassen in einer formalen Ethik versteiften, häuften die Kaufleute, obwohl verachtet, immense Reichtümer an und trugen so zur Blüte einer hochentwickelten städtischen Wirtschaft, Die Städte, allen voran Edo, erlebten eine rasante Entwicklung mit wachsender Bevölkerung, gut ausgebauter Infrastruktur, lebhaften Märkten und einer hochwertigen handwerklichen For-Industrie. Die seit 1639 verhängte Isolation nach außen, Sakoku genannt, blockierte den Handel nicht, der lediglich über bestimmte, wie Nagasaki, die nur für Holländer und Chinesen geöffnet war, geregelt wurde. Um ihre Macht zu festigen, setzten die Tokugawa unter anderem auf das Element Religion als soziales Bindemittel. Um den Buddhismus als Machtpfeiler zu stärken, wurde das Christentum 1612 zunächst im Gebiet von Tenryo, sprich dem direkt vom Tokugawa Shogunat regierten Gebiet,
0:09:33das Tenryo, oder Bakufuryo genannt wurde und aus den besten Provinzen der besiegten Feinde bestand und 1615 dann in ganz Japan verboten. Alle einfachen Japaner mussten Mitglieder einer buddhistischen Gemeinde werden. Alle ausländischen Missionare, vor allem Jesuiten aus Spanien und Portugal, wurden des Landes verwiesen. Damit scheiterte der Versuch, der Jesuiten Japan durch Missionierung zu kolonialisieren. Die japanischen Christen wurden gezwungen, ihrem Glauben abzusteuern. Das Verfahren, mit dem die Christen zur Abkehr von ihrem Glauben gezwungen wurden, wurde Fumie genannt. Fumie, wörtlich Bild zum Zertritten, ist ein Begriff, der christliche Symbole bezeichnet, die von den Behörden verwendet wurden, um Anhänger des Christentums in der Bevölkerung zu identifizieren. Anfangs wurden gemalte Bilder oder Drucke auf Holzblöcken verwendet, die jedoch aufgrund ihrer schnellen Abnutzung
0:10:57bald durch Stein-, Holz- und Bronzetafeln ersetzt wurden. Die Motive dieser Tafeln zeigten Szenen der Kreuzigung und Bilder der Jungfrau Maria. Wer verdächtigt wurde, den christlichen Glauben zu bekennen, diesen aber leugnete oder verleugnete, musste vor den zuständigen Beamten auf das Bild treten, um seinen Glauben zu beweisen. Wer sich weigerte, wurde verhaftet und hingerichtet. Obwohl in Nagasaki eine von der Außenwelt völlig isolierte christliche Gemeinde, die sogenannte Kakure Christianen, weiterbestand, wurde das Christentum in Japan erst 1873, während der Meiji-Zeit, wieder offiziell zugelassen. Der Islam und das Judentum, um die Religionen mit abrahamitischen Wurzeln zu nennen, waren in Japan bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts so gut wie unbekannt. Die Stabilität der Tokugawa-Dynastie wurde nicht nur durch Gewalt gewährleistet,
0:12:13sondern auch durch die Stabilität der Kirche. Durch ein Netz von Normen, Pflichten und Zeremonien, die ein umfassendes institutionelles System bildeten. Die territoriale Verwaltung war in Lehen aufgeteilt, die jeweils innerlich autonom waren, aber durch ein System gegenseitiger Verpflichtungen der Zentralgewalt unterstanden. Japan war in 270 Daimyo, die zumindest nominell im Shogunat verwundet war. Der Außenhandel stellte ein potenzielles Machtinstrument dar, insbesondere für die Daimyo der Insel Kiyoshi, die in der Vergangenheit oft Feinde der Zentralregierung gewesen waren. Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges in Europa, also die Zeit zwischen 1618 und 1648, ordnete das Tokugawa-Shogunat ab der Mitte des 17. Jahrhunderts die absolute Isolation Japans vom Ausland an. Eine Politik, die als Sakuko bekannt ist. Nur Vertreter des Chinesischen Reiches und der niederländischen Ostindien-Kompanie
0:13:44durften sich auf japanischem Gebiet aufhalten. Alle anderen Ausländer wurden verfolgt. Und hingerichtet. Die protestantischen Niederländer distanzierten sich von den katholischen Spanien und Portugiesen und erklärten, dass sie keine missionarische Tätigkeit ausüben würden. Im Hafen von Nagasaki wurde in den 1630er Jahren die künstliche Insel Dejima angelegt, auf der eine niederländische Kolonie entstand. Die Niederländer durften die Insel nicht verlassen und nur ein Schiff pro Jahr durfte dort anleben. Trotz der Isolation gab es ein lebhaftes Interesse am Westen und die in Dejima ansässigen Holländer versorgten die Japaner regelmäßig mit Büchern über westliches Wissen, die mit großem Eifer studiert wurden. Das sogenannte Ranguku. Auf diese Weise entstand in Japan ein offen fassendes, aber teilweise auch verzerrtes Bild von Europa. Die Bevölkerung war in vier Klassen,
0:15:07sogenannten Shinkosho unterteilt und das System wurde Mibunzei genannt. Auf der ersten Stufe standen die Händler, welche die reichste Klasse darstellten, aber im Konfuzianismus nicht sehr geschätzt wurden, weil sie, ich zitiere, nur das verteilen, was andere produzieren. Zitat Ende. Es folgten die Handwerker und darüber die Bauern. Die Samurai bildeten, wie bereits erwähnt, die höchste Klasse. Sie waren von Kriegsherren zu Beamten geworden, die das Land verwalteten und Steuern in Form von Reis eintrieben. Über dem Klassensystem standen die Kuge, Mitglieder des Hofes von Kyoto, die jedoch auf ihre zeremonielle Rolle reduziert waren und keine wirkliche Macht hatten. Aus dem Klassensystem ausgeschlossen waren, ähnlich wie in Indien die Paria, die sogenannten Burakumin, auch Eta oder Hinin genannt. Zu ihnen gehörten Nomaden, Prostituierte und Berufe,
0:16:24die nach shintoistischer und buddhistischer Auffassung als unrein galten, wie zum Beispiel Metzger und Totengräber. Das Recht war nicht nur Gesetz, sondern kodifizierte Moral und das Shobatsu, sprich Belohnung und Bestrafung, wurde zum pädagogischen Schlüssel der Regierung. Die Zensur war ausgefeilt und selektiv und eher darauf ausgerichtet, die Zens einzudämmen, als die Kultur zu ersticken. Trotz der Isolation von der Außenwelt blühte die japanische Wirtschaft während der Edo-Zeit auf. Nach Jahren der Kriegsverwüstung war das Hauptziel der Daimyo nicht mehr die Eroberung von Territorien, sondern die Entwicklung ihrer Provinzen. Da ihre Aufgabe an die Zentralregierungen feststanden, konnten sie ihren Reichtum durch die Urbarmachung von Land und die Steigerung der Erträge ihrer Felder mehren. 80% der Bevölkerung waren in der Reisproduktion beschäftigt.
0:17:45Im Laufe der Edo-Zeit kam es zu einer Zunahme des Güterverkehrs, einem deutlichen Anstieg des Innenhandels und zunächst bis zur Abschottung und der darauffolgenden Politik der Autarkie, auch des Außenhandels sowie zu einer Verbreitung von Handels- und Handwerksbetrieben. Es wurde ein Kreditsystem eingeführt, um Zahlungen zu erleichtern und Bargeld verbreitete sich zunehmend, was zur Gründung neuer Unternehmen führte. Die Feudal Clans verwalteten in zunehmendem Maße die steigende landwirtschaftliche Produktion und die bäuerlichen Tätigkeiten. Um die Bauern zu befrieden, wurden alle Schwerter beschlagnahmt und nur Samurai durften Waffen tragen, die länger als ein Kurzschwert waren. Alle Feuerwaffen, die nicht im Besitz der Samurai waren, wurden vernichtet. Die Feudal Clans verwalteten zunehmend die steigende landwirtschaftliche Produktion und die bäuerlichen Tätigkeiten. Der Beginn einer starken Urbanisierung führte,
0:18:59Mitte des 18. Jahrhunderts, zu über einer Million Einwohnern in Edo und mehr als 400.000 Einwohnern in Osaka und Kyoto. Die Warengewinner des wirtschaftlichen Aufschwungs waren nicht die Daimyo, sondern eine viel mindrigere soziale Schicht, nämlich die Kaufleute, wie beispielsweise die Familie Mitsui. Die Samurai besaßen nur Naturalvermögen und mussten den produzierten Reis verkaufen, um ihren teilweise ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren. Viele Fürsten verschuldeten sich bei den Kaufleuten. Das Chagunat erließ jedoch weiterhin diese Schulden, was wiederum dazu führte, dass die Kaufleute von Anfang an hohe Zinsen festlegten. Um 1800 hatte sich der Handel so weit verbreitet, dass er auch die entlegensten Dörfer erreichte. Dies veränderte auch die ländliche Gesellschaft radikal, in der einige Bauern sehr reich wurden. So entstanden viele Banken,
0:20:18die oft von Sake-Herstellern gegründet wurden. Im Herzen Japans, wo der Nebel wie ein alter gütiger Geist über den Reisfeldern liegt, entsteht ein Getränk, das nicht einfach nur eine Mischung aus Reis und Wasser ist, sondern ein Distillat aus kollektiver Erinnerung, Ritual und Zeit, eben das Sake. Ihn als Reiswein zu bezeichnen, wäre eine semantische Ungerechtigkeit, gar eine ethnografische Reduzierung, die sein Wesen verfehlt. Sake ist vielmehr eine flüssige Liturgie, eine Alchemie, welche die Geduld des Menschen mit der Großzügigkeit, der Natur verbindet, eine Verschmelzung von unsichtbaren Mikroben und überlieferten Handgriffen. Jeder Tropfen ist eine Geschmackspalette, in der Jahrhunderte der Kultur, klösterliche Stille und die Perfektion einer Ästhetik, die überflüss scheut, wie das in Japan oft ist, gären den Sake zu diesem Produkt.
0:21:46Seine Entstehung ist ein fast taoistischer Prozess. Der Reis wird geschliffen, bis sein stärkehaltiges Herz zum Vorschein kommt und dann mit Koiji, einem demiurgischen Pilz, der die Türen zur Gärung öffnet, beimpft. Nichts wird dem Zufall überlassen, doch wird auch nichts erzwungen. Die parallele Mehrfachgärung, eine exklusive Technik des Sake, verkörpert das östliche Paradoxon, die Reinheit hervorbringt, des Chaos, aus dem Struktur entsteht. Ihn zu trinken ist nicht nur ein geselliger Akt, sondern eine fast mythopoetische Erfahrung. Ob warm oder kalt, in rauen Keramikgefäßen oder Kristallschalen serviert, verwandelt Sake jeden Schluck in eine Erzählung. Er kann die Melancholie eines Seengartens im Herbstregen oder die Leichtigkeit des Hanami heraufbeschwören, wenn die Kirschblütenblätter vergänglich im Wind tanzen. Hanami, wörtlich Blüten betrachten, ist eine der poetischsten Traditionen Japans
0:23:18und tief in der ästhetischen Sensibilität des Landes verwurzelt. Er bezieht sich auf die Betrachtung der Kirschblüten, Sakura genannt, während ihre Blüte im Frühling. Aber es ist nicht nur ein Picknick unter den Bäumen. Es ist ein kollektiver und zugleich intimer Ritus, bei dem die vergängliche Schönheit der Blumen zum Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens wird. Das zentrale Konzept der japanischen Philosophie, das wir in unseren früheren Begegnungen mit Japan mehrfach angesprochen haben, nämlich die zarte Melancholie und Vergänglichkeit der Dinge. Während des Hanami versammeln sich Familien, Freunde und Kollegen in den Parks unter den blühenden Kirschbäumen. Man isst, trinkt Sake, singt, aber vor allem betrachtet man die Natur. Die Kirschblüte ist kurz. Sie dauert nur wenige Tage, manchmal nur Stunden der Vollkommenheit,
0:24:29bevor die Blütenblätter wie rosa Schnee fallen. Und in dieser Vergänglichkeit offenbart Hanami seine symbolische Kraft. Nichts ist ewig, aber gerade deshalb ist es kostbar. Es handelt sich nicht um Blütentourismus. Es ist vielmehr eine Auseinandersetzung. Eine Einladung, innezuhalten, zu beobachten, zu atmen und vielleicht zu verstehen, dass auch die Schönheit wie das Leben gerade deshalb wertvoll ist, weil sie vergänglich ist. Im Sake spiegeln sich Shintoismus und Buddhismus wider. Die Schatten des Wabi-Sabi und die vergängliche Anmut des Mono-No-Aware. Doch trotz seiner weit zurückreichenden Ursprünge, die über 2000 Jahre zurückreichen, ist Sake keine Reliquie, sondern eine lebendige Einheit. Heute erlebt er eine Renaissance in neuen Formen, tritt in einen Dialog mit der westlichen Küche, verschmilzt mit den Herausforderungen der modernen Önologie,
0:25:53ohne jemals seinen Geist zu verleugnen. So erneuert sich in der alten Geste des Einschenkens immer für den anderen, niemals für sich selbst, gemäß der Etikette des Omotenashi, das Geheimnis eines Getränks, das zugleich Ritual, Poesie und Metapher ist. Sake trinkt man nicht, man hört ihn. Man betrachtet ihn. Man lässt ihn auf sich wirken. Denn letztendlich, wie ein Zen-Poet sagen würde, Zitat, Wer Sake trinkt, stillt nicht seinen Durst, sondern lädt seine Seele ein, sich daran zu erinnern, wer sie ist. Zitat Ende. Aus dieser Zeit stammen auch die große Bedeutung und Entwicklung der Geishas. Eine Geisha, oder Person der Künste, war ursprünglich eine japanische Unterhaltungskünstlerin, die traditionelle japanische Künste darbot. Der Beruf der Geisha hat seinen Ursprung in den Taikomochi oder Hokan,
0:27:13die eher den Solisten der Kunst am Hofe ähnelten, und wurde ursprünglich nur von Männern ausgeübt. Die ersten Frauen, die um das 17. Jahrhundert den Beruf der Geishas ausübten, wurden Onna-Geisha, sprich weibliche Geisha genannt. Die Blütezeit der Geishas war im 18. und 19. Jahrhundert, als ihre Dienste als Unterhalterinnen sehr gefragt und zugänglich waren. Sie waren auch Trendsetter in der Mode. Nach der Meiji-Restauration änderte sich ihre Rolle und sie wurden zu Hüterinnen der traditionellen Künste. In der Vergangenheit gab es in den meisten japanischen Städten sogenannte Hanamachi, sprich Blumenviertel. Hana ist auch eine Umschreibung für Prostituierte. Es muss betont werden, dass Geishas in der Regel keine Prostituierten sind und es auch nie waren. Ihre Aufgabe war und ist es,
0:28:25mit Anmut, Kultur und Kunst zu unterhalten und nicht fleischliche Freuden anzubieten. In diesen Vergnügungsvierteln lebten die Geishas zusammen in Okiya, nämlich großen Frauenhaushalten oder ihren eigenen Wohnungen. Heute gibt es nur noch wenige Hanamachi, von denen die berühmtesten in Kyoto dem Zentrum der japanischen Geisha-Kultur zu finden sind. Allerdings nimmt die Zahl der Geishas stetig ab und ihre Dienste sind teuer und exklusiv. Die Kunst des Schreibens und Lesens wurde wegen ihrer Komplexität und Schwierigkeit sehr geschätzt. Der Druck erfolgte nach alter chinesischer Schule mit festen Holzblöcken. Für kurze Zeit wurden bewegliche Druckelemente eingeführt, aber aus uns bekannten Gründen wurden sie relativ schnell wieder aufgegeben. Trotz der festen Druckelemente wurden 1780 in Japan etwa 3000 Bücher pro Jahr gedruckt,
0:29:40während es im selben Jahr in Russland nur 400 waren. Die allgemeine Schulpflicht wurde in Japan 1871 eingeführt und im Gegensatz zu China gab es in Japan keine literarische Elite. Diese Situation veranlasste das Volk, insbesondere Handwerker und Händler, ihre Welt, ihre Umgebung, ihre Regeln und ihren ethisch-moralischen Kodex schriftlich festzuhalten. Im Handwerk entwickelte sich eine spezialisierte vorindustrielle Fertigung. Diese Voraussetzungen ermöglichten Japan nach der Öffnung eine rasche Industrialisierung. So nutzten insbesondere Kaufleute ihren Reichtum, um ihren sozialen Status durch Heirat mit Mitgliedern der Samurai-Klasse erheblich zu verbessern. Die Blüte des Neo-Konfuzianismus war die wichtigste intellektuelle Entwicklung der Edo-Zeit. Obwohl die Lehre des Konfuzius lange Zeit von buddhistischen Priestern am Leben erhalten worden war, löste sich der Konfuzianismus in der Edo-Zeit von der buddhistischen Kontrolle.
0:31:10Dieses Denksystem setzte eine zunehmend säkuläre Sichtweise des Menschen und der Gesellschaft durch. Die ethische, humanistische, rationale und historische Perspektive des Neo-Konfuzianismus wurde für die herrschende Konfuzianismus immer attraktiver. Mitte des 17. Jahrhunderts war der Neo-Konfuzianismus die vorherrschende Philosophie und Weltanschauung in Japan. Es wurden neue Gesetze ausgearbeitet und neue Verwaltungsinstrumente eingeführt. Eine neue Regierungstheorie und neue Gesellschaftsvisionen dienten dazu, die wachsende Macht des Bakufu zu rechtfertigen. Jeder Mensch hatte einen festen Platz in der Gesellschaft und musste arbeiten, um seine Lebensaufgabe zu erfüllen. Das Volk wurde, zumindest in den Versprechungen und manchmal auch in den Absichten von denen, welche die Pflicht zu regieren hatte, wohlwollend regiert. Die Regierung war allmächtig, musste aber auch verantwortungsbewusst und menschlich sein. Obwohl das Klassensystem vom Neo-Konfuzianismus beeinflusst war,
0:32:47war es nicht mit ihm identisch. Während im chinesischen Modell das Militär und der Klerus die untersten Schichten bildeten, gehörten in Japan einige von ihnen zur herrschenden Elite. Im Gegensatz zum Bushido, der Samurai, entwickelte sich eine andere, besondere Lebensweise, das Chonindo oder Weg der Bürger. Das Chonindo war vor allem eine Kultur, die sich in Städten wie Osaka, Kyoto und Edo entwickelte. Sie förderte das Streben nach den Tugenden des Bushidos – Fleiß, Ehrlichkeit, Ehre, Loyalität und Genügsamkeit – und integrierte dabei die Glaubensvorstellungen des Shintoismus, des Neo-Konfuzianismus und schließlich des Buddhismus. Auch das Studium der Mathematik, Astronomie, Kartographie, Ingenieurwesen und Medizin wurde stark gefördert. Besondere Bedeutung wurde der Qualität der Ausführung der Arbeit beigemessen, insbesondere in der Kunst.
0:34:11Zum ersten Mal hatte die städtische Kirche die politische Bevölkerung, die mittelnde Freizeit, um eine neue Massenkultur zu fördern. Ihr Streben nach Vergnügen wurde als Ukyo, sprich fließende Welt, bekannt. Eine ideale Welt für Mode und populäre Unterhaltung. Professionelle Unterhalterinnen, die bereits erwähnten Geishas, Musik, berühmte Geschichten, Kabuki und Bunraku, sprich Puppentheater, Poesie und Kunst, wie beispielsweise die Holzschnittsdrucke Ukyo-e, waren Teil dieser blühenden Kultur. Die Edo-Zeit etablierte sich zwar als Hüterin des Friedens, war aber auch Mutter einer lebendigen und vielfältigen Stadtkultur, in der Strenge mit Sinnlichkeit und Kontrolle mit formalem Vergnügen einhergingen. In diesem Umfeld erhielten Innovationen und Entwicklungen, in der Architektur, in der Kunst des Ikebana, im Kabukitheater, in den japanischen Kampfkünsten, was angesichts der Tatsache, dass die Edo-Zeit sehr friedlich war,
0:35:28nicht wenig überraschend ist, und in den Onsen einen erheblichen Aufschwung. Die japanische Architektur war weitgehend von chinesischen Vorbildern inspiriert, deren Einfluss überall sichtbar ist. Aber sie war auch eine große Inspiration für die westliche Architektur. Tatsächlich lag die Grundidee dieser Epoche, die später den großen Mies van der Rohe inspirieren sollte, in dem, was in der modernen und zeitgenössischen Architektur des Westens als Skin and Bone bezeichnet wurde, und darin besteht, eine tragende Außenstruktur ohne Innenwände zu schaffen, sodass die Innenarchitektur alle Optionen, die sich in der Architektur befinden, offen lässt. Die Fußböden bestehen aus gepresstem, geglättetem und manchmal lackiertem Reißstroh mit einer Dicke von bis zu 6 cm. Die Trennwände der Räume bestehen aus Holzrahmen, die mit Reißpapier verkleidet sind.
0:36:36Alle Möbel sind sehr niedrig. Sogar das Bett, das Futori genannt wird, besteht aus einer Holzplatte, die auf Sockeln, wenige Zentimeter über dem Boden ruht und auf den dünnen Matratzen ausgelegt werden. Die Gründe für diese architektonischen Entscheidungen finden wir wieder in jenem Lebenskonzept, das wir im Laufe unserer Begegnungen mit Japan so oft wiederholt haben. Auch in diesem Aspekt des Lebens, in der gedämpften Stille der Zen-Gärten, zwischen den horizontalen Linien der geschwungenen Dächer und der edlen Schlichtheit des unbehandelten Holzes, verbirgt sich die Seele der japanischen Architektur der Edo-Zeit. Eine Architektur, die das Monumentale ablehnt, die nicht aufdringlich ist, sondern einladend, die nicht errichtet, um zu dominieren, sondern entwirft, um der Lehre zu lauschen. Während dieser Jahrhunderte des Friedens und der kulturellen Isolation
0:37:38machte Japan die Wesentlichkeit zu einer strukturellen Tugend. Die Wohnhäuser wurden ebenso wie die zeremoniellen Räume, nach Prinzipien konzipiert, die Flexibilität vor Beständigkeit, Leichtigkeit vor Masse und Transparenz vor Opazität stellten. Das Haus war kein starrer Körper, sondern ein atmender Organismus, der in Symbiose mit der ihn umgebenden Natur stand. Der Innenraum war nicht durch Wände unterteilt, sondern durch bewegliche Trennwände, die berühmten Shoji, die ein sanftes, fast spirituelles Licht durchließen. Die Modularität, die durch die Größe der Tatami-Matten bestimmt war, verlieh der Architektur eine Mathematik der Lehre. Jeder Raum konnte im Lauf des Tages, je nach den Bedürfnissen des Wohnens, Empfangens und Kontemplierens neu gestaltet werden. Nichts war fest, alles war möglich. Diese Zugleichung, zugleich ästhetische und ontologische Vision,
0:38:51hat ihre Wurzeln im Sehngedanken und im Prinzip des Ma, dem Raum als Zwischenraum, als Atem zwischen den Formen. Eine Idee, die Zeit und Raum durchquert hat, bis sie den Westen erreichte und ein neues Paradigma mit sich brachte. Diese wiederkehrende, ja sogar permanenten Säulen des japanischen Denkens spiegeln sich deutlich in der Kunst des Ikebana wider. Im Herzen einer Ästhetik, in der das Vergängliche wertvoller ist als das Dauerhafte und die Abwesenheit das gleiche Gewicht hat wie die Anwesenheit,
0:39:44blüht Ikebana, die Kunst oder vielleicht besser gesagt der Weg des Blumenarrangements. Im Gegensatz zur barocken Opulenz westlicher Blumenarrangements versucht Ikebana nicht den Überfluss der Natur zu feilen, sondern der Stille einen Rhythmus zu geben, mit Leben in einem Raum zu gestalten, der nicht von sich selbst spricht, sondern von dem, was ihn umgibt. Es ist die dreidimensionale Poesie, geschrieben mit Blumen, Zweigen, Linien und Leerständen, in der jedes Element mit Sorgfalt ausgewählt wird und ebenso sorgfältig platziert wird, die gleichzeitig ästhetische Geste und meditativer Akt ist. Entstanden als rituelles Opfer in buddhistischen Tempeln im 6. Jahrhundert, hat sich Ikebana im Lauf der Jahrhunderte zu einer der subtilsten Ausdrucksformen des japanischen Geistes entwickelt und dabei Einflüsse des Zehens, Prinzipien der Asymmetrie
0:41:09und die unbeschreibliche Schönheit des Unvollkommenen, Vergänglichen und Einfachen in sich aufgenommen. Ikebana-Schulen vermitteln nicht nur Techniken, sondern schulen auch den Blick. Wer Ikebana praktiziert, arrangiert nicht einfach Blumen, einfach in Anführungszeichen natürlich, sondern lauscht den Formen, den Spannungen zwischen den Zweigen, der natürlichen Neigung eines Stils. Jede Komposition ist ein Dialog zwischen dem Künstler und der lebenden Materie. Eine Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Himmel, Mensch und Erde, symbolisiert durch die drei Grundlinien Shin, Soe, Hikai. Dennoch ist die Ikebana nicht statisch. Es ist eine Kunstform, die in der Zeit lebt, sich mit den Jahreszeiten verändert und die Vergänglichkeit jedes Elements mit Anmut akzeptiert. Die Schönheit, die sie hervorruft, ist nicht dazu bestimmt zu bleiben, sondern im gegenwärtigen Moment betrachtet zu werden,
0:42:34wie die Blüte eines Kirschbaumes oder das Schatten eines Blattes. In diesem Sinne ist Ikebana keine Dekoration, sondern eine stille Philosophie. Es ist die Kunst, den Raum mit Feingefühl zu bewohnen. Schönheit im Verhältnis zur Zeit zu gestalten und das Unsichtbare durch das, was wächst und vergeht, zu folgen. Für den Betrachter ist es eine Einladung, den Blick zu verlangsamen. Für den Praktizierenden ist es ein Weg der inneren Disziplin, auf dem die Hand zur Verlängerung des Gedankens wird und der Gedanke sich wiederum in Form nimmt. Im Labyrinth der japanischen Tradition, wo die Geste das Wort enthält und die Erscheinung zur poetischen Wahrheit hört, steht das Kabuki-Theater als eine der höchsten Ausdrucksformen der visuellen und symbolischen Dramatik des fernen Ostens.
0:43:47Das Kabuki entstand im frühen 17. Jahrhundert in einem Japan, das sich auf die lange Phase der Tokugawa-Reihe der Stabilität vorbereitete und ist ein Kind der ambivalenten Energie einer Zeit kontrollierten Friedens, in der die urbane Vitalität nach neuen Formen der Spektakularisierung suchte. Kabuki, dessen Name sich vom Ideogramm für Singen, Tanzen und Spielen ableitet, ist nicht nur eine Theatergattung, sondern eine kulturelle Synesthesie, eine ästhetische Summe aus Stimme, Gestik, Farbe, Musik und Kostüm, verschmolzen zu einer Architektur kodierter Emotionen. Im Gegensatz zum strengen Noh-Theater, das wir bei unserem letzten Treffen erwähnt haben und das sich der Essenzialität der Stille und der Leere verschrieben hat, ist Kabuki ein Theater des Körpers und der Exzessivität. Der Metamorphose und der Erscheinung. Aber Exzessivität ist hier niemals chaotisch, sondern kodifiziert,
0:45:05strukturiert und zutiefst diszipliniert. Jede Geste, vom Öffnen des Fächers bis zum Stampfen der Füße, ist ein verkörpertes Ideogramm. Jede Farbe des Make-ups, Kumadori genannt, ist ein moralisches Zeichen. Jedes Kostüm, eine textile Kalligrafie, die mehr erzählt, als die Stimme sagen kann. Im Mittelpunkt steht die Figur des Onnagata, des männlichen Schauspielers, der auf Frauenrollen spezialisiert ist. Es handelt sich nicht um eine karikaturistische Verkleidung, sondern um eine Verklärung des weiblichen Archetyps, bei der die Weiblichkeit nicht imitiert, sondern in ihrer rituellen Essenz destilliert und in einem eigenständigen Ausdruckscode subliminiert wird. Damit suggeriert Kabuki, dass Identität wie die Kunst keine feste Größe ist, sondern ein ernsthaftes Spiel mit Masken und Metamorphosen. Der Bühnenraum selbst ist ein mechanisches Wunderwerk. Bewegliche Brücken, Hanamichi genannt,
0:46:26drehbare Falltüren, Mawaributai genannt, Vorhänge, die wie Wasserfälle gleiten. Nicht der Zuschauer betritt die Welt des Theaters, sondern das Theater dringt in den Raum des Zuschauers ein, umhüllt ihn und zieht ihn in einen zeitlichen Strudel, in dem Vergangenheit und Gegenwart in derselben theatralischen Geste verschmelzen. Doch trotz seiner Spektakularität ist Kabuki keine reine Unterhaltung. Es ist eine weltliche Liturgie, ein kollektives Kunstwerk, in dem sich die Erinnerung des Volkes mit der Raffinesse des untergegangenen Adels, Ironie mit Tragik und Alltägliches mit mystischem Verflechten. In ihm vereinen sich der Nachhall epischer Erzählungen, die moralische Spannung des Dramas und die Leichtigkeit der Komödie. Immer eingebettet in einen ästhetischen Rahmen, der den Schmerz subliminiert und die Geste verherrlicht. In seinem barocken Glanz vermittelt uns Kabuki eine wesentliche Wahrheit,
0:47:41nämlich dass Theater wie das Leben, Maske und Transparenz, Illusion und Offenbarung, vergänglicher Gesang und Tanz der Ewigkeit ist.
0:47:56Kosmetik und Körperpflege, hatten in Japan eine lange Tradition. Bereits in der Nara-Zeit schminkten sich alle Männer von Rang die Wangen, benutzten große Mengen Puder, gossen Parfum über ihre Kleidung und trugen immer einen Spiegel bei sich. Seit Jahrhunderten entspricht der Teint japanischer Frauen dem ihres Puders. Elegante Frauen schminkten ihre Wangenknochen, Fingernägel und Unterlippen rot. Sie kannten 15 verschiedene Arten ihre Haare vorne und 12 Arten sie hinten zu frisieren. Die Augenbrauen wurden rasiert und mit pechschwarzer Farbe halbmondförmig oder auf andere Weise gefärbt. Um sie mit dem künstlich geschwärzten Zähnen in Einklang zu bringen. Das Frisieren der Haare dauerte zwischen 2 und 6 Stunden.
0:49:13Japaner, die sich leisten konnten, wechselten bis zu dreimal am Tag ihre Kleidung. Und sowohl die Reichen als auch die Armen badeten täglich. Die 52 Grad Celsius warmen Bäder waren auch eine Möglichkeit, sich im Winter aufzuwärmen. Das Ritual des Thermalwassers, das Onsen, ist nicht nur ein Moment des körperlichen Wohlbefindens, sondern auch eine Möglichkeit, die Seele zu reinigen. Eingebettet in den schwefelhaftigen Nebel der Berge zwischen verschneiten Birken oder blühenden Kirschbeugen sind die Onsen, mineralische Heiligtümer, in den Körper, Zeit und Landschaft. In einer radikalen Stille verschmelzen. Befreit von der Hektik der Modernen. Hygiene ist in Japan weit mehr als eine rein funktionale Praxis. Sie ist eine spirituelle und kulturelle Disziplin. Das Waschen ist kein privater, beiläufiger Vorgang, sondern eine formelle, fast liturgische Handlung,
0:50:36die dem Eintauchen in das Thermalwasser vorausgeht und darauf vorbereitet. Das Wasser dient nicht der Reinigung, sondern der Regeneration, um dem Einzelnen seinen Platz im harmonischen Kreislauf der Welt zurückzugeben. Man betritt die Onsen nicht, um sich zu waschen, sondern um zur Quelle zurückzukehren und die Grenzen zwischen sich selbst und der Natur aufzulösen. Der Körper wird in diesem Zusammenhang nicht als zu präsentierende Oberfläche wahrgenommen, sondern als Präsenz, die es in Einklang zu bringen gilt. Der rituelle Nudismus des Onsen, diszipliniert und ohne zur Schaustellung, hebt soziale Barrieren aus und integriert jeden Einzelnen wieder in eine Dimension der ursprünglichen Gleichheit, in der die Pflege des Lebens selbst auch die Anerkennung des Anderen ist. In diese Aufmerksamkeit für den eigenen Körper
0:51:51fügt sich das weite Universum der japanischen Kampfkünste ein. Im traditionellen Japan, wo die Grenze zwischen Geste und Gedanken in einer kontinuierlichen Linie verschmilzt, waren die Kampfkünste nie einfache Kampftechniken, sondern Wege, Do genannt, auf denen der Körper zum Spiegel des Geistes wird und die Disziplin der Bewegung zu einer höheren Form des Bewusstseins führt. Seit dem japanischen Mittelalter definierte sich der japanische Krieger Dabushi, der später in der Figur des Samurais kodifiziert wurde, nicht durch seinen Mut auf dem Schlachtfeld, sondern durch die Einhaltung eines moralischen und spirituellen Kodex, der in präzisen körperlichen Übungen zum Ausdruck kommt. So entstanden die Bugei, die Kampfkünste, die sich im Laufe der Jahrhunderte von Kriegswerkzeugen zu inneren Wegen entwickelten, zu dem, was wir heute als Budo bezeichnen,
0:53:08also den Weg des Kriegers. Wie bereits erwähnt, mag es auf den ersten Blick überraschend erscheinen, dass sich in einer Friedenszeit wie der Tokugawa Shogunat diese außergewöhnliche Verbreitung und Entwicklung der Kampfkünste vollzogen hat. Man könnte zunächst an eine japanische Version des römischen Grundsatzes civis pacem parabellum denken, also, wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor. Während diese Maxime in der römischen Welt jedoch eine realistische und pragmatische Vorstellung von Macht widerspiegelte, nämlich die Annahme, dass Frieden nur dann erreicht und erhalten werden kann, wenn man über die glaubwürdige Kraft verfügt, ihn zu verteidigen oder durchzusetzen, war die kontinuierliche militärische Ausbildung in Friedenszeiten eine Garantie für Abschreckung und Bereitschaft. Es handelte sich um eine externe und strategische Sichtweise.
0:54:19Der Feind ist der Andere und Frieden ist ein Zustand, den es zu schützen oder zu erobern gilt. Man kann nicht sagen, dass dies der Grund war, warum die Kampfkünste in Japan der Edo-Zeit einen so hohen Stellenwert hatten. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass die Samurai-Kaste, die ihrer aktiven Kriegsfunktion beraubt war, vor einer Weggabelung stand, entweder zu verschwinden oder sich zu wandeln. In diesem Zusammenhang lüten die japanischen Kampfkünste als Wege zur inneren Vervollkommnung auf. Die Kriegstechniken wurden zu spirituellen und ästhetischen Disziplinen kodifiziert, in denen die Kunst des Kampfes zur Kunst des Lebens wurde. Der Feind war nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern in einem selbst. Die Angst, das Ego, die Ablenkung, die Unwissenheit. Mit anderen Worten,
0:55:29das Fehlen eines realen Krieges war die Voraussetzung für seine philosophische Subliminierung. Die Katanas blieben scharf, wurden aber eher zu Instrumenten der Disziplin als der Zerstörung. Zwischen den Nebeln des Mythos und dem feierlichen Staub des Dojo, dem Heiligen Ring, steht das Sumo, als ältester aller kriegerischen Riten Japans. Lange bevor Japan sich einen Kriegskodex gab, noch bevor das Katana die Silhouette des Samurai prägte, standen sich zwei nackte Körper in einem Kreis aus gestampfter Erde gegenüber, um die Götter durch die ritualisierte Demonstration der Urkraft zu ehren. Das Wort Sumo lässt sich wörtlich mit sich gegenseitig schlagen übersetzen. Aber es wäre zu kurz gegriffen, es als einfachen, aber physischen Kampf zu interpretieren. Sumo ist eine weltliche Liturgie, eine Synthese aus Kraft und Spiritualität,
0:56:42in der jede noch so massive Geste von Regeln, Anmut und Jahrtausende alter Tradition durchdrungen ist. Heute ist Sumo der Nationalsport Japans. Aber seine Ursprünge liegen in landwirtschaftlichen Festen und Shintoistischen Ritualen, bei denen die zur Schaustellung menschlicher Kraft als Opfergabe für eine reichhaltige Ernte dargebracht wurde. Das Ritual ist allgegenwärtig. Vor jedem Kampf führen die Ringer den Shiko aus, das Anheben und schwere Fallen lassen, der Beine, um böse Geister zu vertreiben. Die Arena selbst wird mit reinigendem Salz geweiht. Die langsamen, wiederholten, fast choreografierten Bewegungen bereiten die Explosion des Kampfes vor, der oft nur wenige Sekunden dauert, aber Jahre der Hingabe, Disziplin und stillen Selbstbeobachtung in sich verleiht. Die Ringer, die Rikishi, sind keine bloßen Athleten. Sie sind Asketen der Kraft,
0:58:00die sich einem Leben in Gehorsam und Ritualität verschrieben haben. Ihr monumentaler, muskulöser Körper ist ein Symbol für sozialen und spirituellen Status, nicht nur für körperliche Ausdauer. Sogar ihre Frisur, der Chon Maje, erinnert an die Ästhetik der Krieger der Edo-Zeit, während der zeremonielle Gürtel, Keshomawashi genannt, an die Welt des Theaters und der Mieten erinnert. Aber jenseits der Heiligkeit der Formen ist Sumo auch eine Metapher für die japanische Kultur. In ihrem geschlossenen Kreis stehen sich nicht nur Körper gegenüber, sondern auch innere Welten, und der Sieger ist nicht derjenige, der Schaden zugefügt, sondern derjenige, der die Mitte hält, der sich nicht aus der unsichtbaren Grenze der Disziplin vertreiben lässt. Die Grenze des Dojo ist nicht nur physisch, sondern auch moralisch.
0:59:19Eine ontologische Grenze. Sie zu überschreiten bedeutet, aus der eigenen Achse zu fallen. In einer Welt, in der Geschwindigkeit und Zerfall dominieren, bleibt Sumo ein lebendiges Relikt nicht einer überholten Vergangenheit, sondern einer tiefen Zeit, in der Identität nicht in Worten, sondern in Gesten, nicht im Laufen, sondern im eisernen Gleichgewicht der Stasis lag. So erinnert uns Sumo im dumpfen Schlag der Füße auf dem Boden, im angehaltenen Atem der Zuschauer, in dem Moment, in dem sich zwei Massen berühren und die Stille wie eine Welle bricht, daran, dass wahre Stärke nicht Herrschaft ist, sondern Beständigkeit, dass der reinste Kampf der ist, der ohne Hass, ohne Waffen, aber mit heiliger Achtung stattfindet. Das Universum der japanischen Kampfkünste ist ein komplexes und vielschichtiges Mosaik,
1:00:44in dem Kampftechniken, ethische Werte und spirituelle Suche untrennbar miteinander verwoben sind. Was im mittelalterlichen Japan aus purer Kriegnotwendigkeit entstand, verwanderte sich im Laufe der Zeit in einen inneren Weg. Eine erzieherische Disziplin und sogar eine Kunstform. In dieser Metamorphose verweisen sich die Kampfkünste nicht nur als Mittel zur Verteidigung oder zum Angriff, sondern als Wege zur Selbstvervollkommenheit, als Ausdruck einer Idee von Harmonie, die über die physische Dimension hinausgeht. Zu den ikonischsten Disziplinen, gehört zweifellos das Kenjutsu, die klassische Schwertkunst, welche die Kampfkunst par excellence der Samurai darstellte. Das Katana war keine einfache Waffe, sondern eine Verlängerung der Seele, ein Symbol der Ehre und ein Güter des Lebens. Der Kenjutsu-Schulen entwickelten Systeme zum Schneiden, Parieren, Kontern, die auf das Überleben im Zweikampf,
1:02:08oder in der Schlacht ausgerichtet zu wagen. Die Schläge mussten schnell und präzise sein, um in einem Augenblick über Leben und Tod zu entscheiden. Es war die Wissenschaft des Überlebens, aber auch der Ort, an dem der Samurai sich selbst formte und nicht nur seine Technik, sondern auch sein Inneres verfeinerte. Mit dem Beginn der Moderne entstand aus dieser Tradition das Kendo, der Weg des Schwertes. Hier wurde die scharfe Klinge durch den Bambusstock, Shinae, ersetzt und die echten Duelle durch den Sport, der durch eine Schutzausrüstung geregelt ist. Hinter dem Wettkampf verbirgt sich jedoch ein höheres Ziel, die Erziehung des Einzelnen durch Disziplin, die Verfeinerung von Geist und Charakter, die Umwandlung des Schlags von einem Akt der Zerstörung in eine Geste der Bildung.
1:03:12Während Kenjutsu die Strategie des langwierigen Kampfes lehrte, spezialisierte sich Jujutsu hingegen auf den unerwarteten Moment, das blitzschnelle Ziehen des Schwertes und den sofortigen Schlag, eine Handlung, welche die Spannung zwischen Leben und Tod in sich vereint. Mit der Zeit verwandelte sich diese Kriegskunst in Jaido, eine Disziplin, in der die Schnelligkeit der Bewegung zu einer Meditation in Bewegung wird. Jedes Ziehen wird zum Ritual, jede Kata ist ein kleines inneres Theater. Das Schwert verletzt nicht mehr, sondern schult die Aufmerksamkeit, die Atmung und das Bewusstsein für den Augenblick. Neben dem Kata hatten die Samurai oft auch einen Bogen, Yumi genannt, der jahrhundertelang die Hauptwaffe der japanischen Krieger war, lange bevor das Schwert zu ihrem Symbol wurde. Bereits im 8. Jahrhundert wurden die Samurai
1:04:25in den Militärchroniken als Kyuba no Michi, sprich der Weg des Bogens und des Pferdes bezeichnet, um darauf hinzuweisen, dass der ideale Kampf derjenige zu Pferd mit dem langen Bogen war.
1:04:44Der japanische Yumi war ein asymmetrischer Bogen, der viel länger als der europäische war, sogar über zwei Meter, und sowohl zu Pferd als auch vom Boden aus verwendet wurde. Das Bogenschießen zu Pferd, Yabusame genannt, war nicht nur eine militärische Technik, sondern auch ein Ritual mit spiritueller Bedeutung, das noch heute in shintoistischen Zeremonien praktiziert wird. Das Schwert wurde vor allem in der Edo-Zeit, die wir hier behandeln, zum Symbol der Samurai, als die Kriege beendet waren und die Rolle des Kriegers sich zu einer eher sozialen und kulturellen Funktion wandelte. Aus dieser Tradition entstand das Kyujutsu und sein moderner Nachfolger Kyudo, also der Weg des Bogens und der Kontemplation. Wie bereits erwähnt, war Kyujutsu die alte Kunst des Bogenschießens,
1:05:44vor dem Aufkommen der Feuerwaffen, ein entscheidendes Kriegsinstrument. Der japanische Bogen, der Yumi, asymmetrisch und imposant, erforderte nicht nur Kraft, sondern auch Anmut und Konzentration. Sein spirituelles Erbe lebt heute im Kyudo weiter, der weniger als Wettkampf, denn als Zen-Disziplin zu verstehen ist. Das Ziel ist nicht Selbstzweck. Es zu treffen bedeutet, einen Zustand der Harmonie zwischen Körper, Bewegung und Geist zu erreichen. In diesem Sinne ist Kyudo eine Kunst der Kontemplation, getarnt als Kampfkunst. Zwischen dem Katana und dem Speer, dem sogenannten Yahari, gab es die Naginata, eine Waffe zwischen Schwert und Speer. Dank ihrer großen Bewegungsfreiheit und der Möglichkeit, den Abstand zum Gegner zu halten, war sie auf den mittelalterlichen Schlachtfeldern sehr effektiv. Die Kunst der Naginata, das Naginata-Jitsu,
1:06:54wurde nicht nur von Kriegen, sondern auch von Samurai-Frauen, Onnabugeisha genannt, ausgeübt, die sie mit Stolz und Disziplin verteidigten.
1:07:09Die moderne Version, das Naginata-Do, ist heute eine Sport- und Ausbildungsdisziplin, die die Menschen in der Welt oft von Frauen ausgeübt wird und in der die Eleganz der Bewegung auf die Präzision der Kampfkunst trifft. Der Yahari hingegen spielte eine entscheidende Rolle in der japanischen Militärstrategie. Das Shojitsu, die japanische Kunst des Speerwerfens, entwickelte eine raffinierte Fertigkeit, die Kraft und Flexibilität vereinte, und für militärische Formationen und Nahkämpfe konzipiert war. Wenn das Katana heute das Symbol der Samurai ist, so war das Yahari in Wirklichkeit die am weitesten verbreitete und auf den Schlachtfeldern verwendete Waffe, insbesondere seit der Muromachi-Zeit. Das Yahari wurde wahrscheinlich in der späten Kamakura-Zeit in Japan eingeführt und entwickelte sich aus ähnlichen Waffen, die bereits in China bekannt waren.
1:08:27Mit der Zunahme der Clankriege in der Sengoku-Zeit verdrängte der Speer oft das Schwert. Seine Länge und einfache Handhabung machten ihn perfekt für Infanterie-Formationen, die sogenannten Ashigaru. Samurai zu Pferd benutzten ihn für Frontalangriffe und um Abstand zum Gegner zu halten, während man mit dem Yahari zu Fuß mehrere Gegner gleichzeitig bekämpfen konnte. Das Sujitsu entwickelte eine Vielzahl von Techniken, darunter schnelle, kraftvolle Stöße, die viel effektiver waren als ein Schwertschlag. Aber auch seitliche und schräge Schnitte waren dank der spitzen und an den Seiten geschliffenen Klinge möglich. Mit dem Schaft wurden Feger- und Hebegriffe ausgeführt, um den Gegner aus dem Gleichgewicht oder zu Fall zu bringen.
1:09:30Gruppenbewegungen, koordiniert in engen Reihen, ermöglichten es, regelrechte Speerwände zu bilden. Mit dem Ende der bewaffneten Konflikte wurde der Stock, Yo genannt, zu seinem spirituellen Erben. Im Yo-Do konzentrierten sich die Praxis auf den Kampf zwischen Stock und Schwert. Eine Kunst, die durch ein einfaches und vielseitiges Werkzeug Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit und Körperbeherrschung wehrt.
1:10:09Im Gegensatz zu den waffenbasierten Künsten konzentrierte sich das Jujitsu auf den Nahkampf.
1:10:20Gelenkhebel, Festhaltetechniken, Würfe, Kontrolle des Gegners durch Nachgiebigkeit. Seine Philosophie, den Gegner zu besiegen, indem man seine Kraft nutzt, anstatt sich ihm frontal entgegenzustellen, inspirierte die bekanntesten modernen Kampfkünste wie das Judo, das durch Igor Okano berühmt wurde, olympische Disziplin und Bildungssystem und das Aikido, gegründet von Morihei Ueshiba, das Selbstverteidigung in die Suche nach universeller Harmonie verwandelt. Beide tragen den Ursprung des Jujitsu in sich, nämlich die Kraft, die nicht Herrschaft, sondern Gleichgewicht ist. Karate, das seinen Ursprung anders hat, da es sich in Okinawa unter dem Einfluss der chinesischen Kampfkünste entwickelte, wurde im 20. Jahrhundert von Funakoshi Gichin in Japan eingeführt. Der Weg der leeren Hand, auf Japanisch Karate-Do, basiert auf Schlägen, Tritten, Abwehrtechniken und Techniken mit bloßen Händen
1:11:44und entwickelte sich schnell von einer Selbstverteidigungsmethode zu einer globalen Erziehungs- und Sportdisziplin. Sein Geist bleibt jedoch der Idee einer Kraft verbunden, die eher aus dem Inneren kommt, als aus der Offensive. Neben den edlen Wegen der Samurai kommt dem Ninjutsu, der Gesamtheit der Techniken der Ninja-Krieger, eine rätselhafte Rolle zu. Es handelt sich dabei nicht um eine Kampfkunst im herkömmlichen Sinne, sondern um ein komplexes System aus Guerillakrieg, Spionage, Überleben und Tarnung. Die Ninja beherrschten nicht nur leichte Waffen und Kampftechniken, sondern auch die Kunst der Flucht, der Verkleidung und der Täuschung. Während die Samurai-Künste auf Ehre und Frontalität beruhten, verkörperte das Ninjutsu Schatten und Strategie und bildete einen unterirdischen Kontrapunkt zur offiziellen Kultur des feudalen Japans. Das Bild der japanischen Kampfkünste
1:12:53offenbart einen einzigartigen Weg. Was aus der Notwendigkeit des Krieges entsteht, verwandelte sich in ein Streben nach Harmonie. Schwert, Bogen, Stock, Faust, sogar der Schatten der Ninja, alles wurde zu Wegen, auf Japanisch Do genannt, zu Ausbildungswegen, die zu innerer Ausgeglichenheit und Harmonie mit anderen erziehen. In der heutigen Praxis der japanischen Kampfkünste geht es nicht mehr darum, einen Gegner zu besiegen, sondern sich mit sich selbst zu messen. Das ist die tiefgreifende Lektion, die sie vermitteln. Die Technik ist nur das Mittel. Das letztendliche Ziel ist die Verwandlung des Menschen in ein bewusstes, harmonisches und ganzheitliches Wesen. Jede japanische Kampfkunst ist in ihrer technischen Besonderheit ein ethischer und ästhetischer Weg. Was man im Dojo lernt, dient nicht dazu, die Außenwelt zu unterwerfen,
1:14:03sondern die eigene Innenwelt zu ordnen. Der Kampf wird zu einer Form der Erkenntnis und die Form verschwindet, wenn sie perfekt ist, um den Geist zu offenbaren. Daraus folgt, dass die Kampfkünste im alten und modernen Japan niemals eine Verherrlichung der Kraft waren, sondern eine Disziplin der Maßhaltung, eine Choreografie des Geistes, eine Erziehung der Gesten in den Diensten des Seins. Eine weitere Besonderheit der japanischen Tradition sind die Tako, die japanischen Drachen. Im Land der aufgehenden Sonne sind Drachen viel mehr als nur fliegende Objekte, sondern wie fast alles Symbole einer Kultur, die Kunst, Spiritualität und Tradition miteinander verbindet. Ihre Geschichte ist eng mit jener Japans selbst verflochten und entwickelte sich von rituellen Instrumenten zu handwerklichen Meisterwerken und visuellen Kunstwerken.
1:15:15Es wird angenommen, dass Drachen während der Nara-Zeit 710-794 von chinesischen, buddhistischen Missionaren in Japan eingeführt wurden. Ursprünglich wurden sie bei religiösen Zeremonien verwendet, um böse Geister zu vertreiben und Glück zu bringen. Drachen wurden bald zu einem festen Bestandteil von Volksfessen wie dem Kodomonohi, dem Kindertag, der am 5. Mai gefeiert wird, und an dem karpfenförmige Drachen, Koinobori genannt, fliegen, um Kraft und Entschlossenheit zu symbolisieren. Die Edo-Periode markiert den Höhepunkt der japanischen Drachenkunst. In dieser Zeit des Friedens und des Wohlstands wurden Drachen zu einem Ausdruck technischer Fertigkeit und Kreativität. Besonders bekannt sind die Edo-Dakko, rechteckige Drachen mit Bambusrahmen und Maulbeerpapierpapier, die mit Motiven aus dem Ukiyo-e der traditionellen Holzschnitzkunst verziert sind. Diese Drachen wurden oft mit schwarzer Tinte
1:16:31im kaligrafischen Stil bemalt und stellen Szenen aus dem täglichen Leben, mythologische Figuren oder Glückssymbole dar. Jede Region Japans entwickelte einzigartige Stile und Formen von Drachen, die oft mit lokalen Legenden oder historischen Ereignissen verbunden waren. So weisen beispielsweise die Drachen aus Nagoya Farben und Motive auf, die von der niederländischen Präsenz im Hafen von Nagasaki während der Edo-Zeit beeinflusst sind. Die Drachen aus Akita, bekannt als Noshiro-Dakko, zeichnen sich durch eine besondere Struktur mit vertikalen und horizontalen Stäben aus und zeigen oft mythologische Figuren oder Szenen aus historischen Schlachten. Die Herstellung eines japanischen Drachens erfordert handwerkliches Geschick. Der Bambusrahmen muss leicht, aber stabil sein und das verwendete Papier muss robust genug sein, um den Wind standzuhalten, ohne zu zerreißen.
1:17:51Die dekorative Bemalung dient nicht nur der Verschönerung, sondern hat auch oft symbolische Bedeutung. Die durch Gesichter legendärer Helden sind Naturmotive wie Pflaumenblüten oder Drachen und Glückssymbole zum Ausdruck gekommen. Japanische Drachen sind eine faszinierende Verschmelzung von Kunst, Kultur und Spiritualität. Jeder Flug stellt eine Verbindung zwischen Erde und Himmel, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Mensch und Gott dar. In der Edo-Zeit wurde auch die Küche nach ästhetischen und symbolischen Gesichtspunkten verfeinert. Das in der westlichen Welt bekannteste japanische Gericht ist Sushi. Sushi ist nicht nur ein Lebensmittel, sondern ein Stück Ästhetik, eine Liturgie der Einfachheit, die zur Raffinesse erhoben wurde. Eine Begegnung zwischen Strenge und Zartheit, welche die intimste Seele der japanischen Küche offenbart. Seine Ursprünge liegen in einer alten Praxis,
1:19:15dem Nare-Sushi, einer Technik zur Konservierung von Fisch durch Fermentierung in gekochtem Reis. Diese Methode kam zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert aus China nach Japan und entwickelte sich nach und nach von einer Überlebensmaßnahme zu einer Kochkunst. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Fermentierung verkürzt, der Reis war nicht mehr Abfall, sondern wurde zu einem integralen Bestandteil des Gerichts. Bis schließlich in der Edo-Zeit Sushi die Form erhielt, die dem Sushi, wie wir es heute kennen, am nächsten kommt. Kleine Bissen aus säuerlichem Reis mit frischem Fisch darauf, die in wenigen Augenblicken verzehrt werden und fast den pulsierenden Rhythmus von Edo dem heutigen Tokio widerspiegeln. Sushi verkörpert ein Gleichgewicht zwischen Natur und Handwerk. Jedes Element ist essentiell, nichts ist überflüssig.
1:20:30Der mit Essig gesäuerte Reis wird zu einer neutralen Leinwand, welche die Farben und die Konsistenz des Meeres aufnimmt. Der Fisch, der mit fast ritueller Sorgfalt ausgewählt wird, wird roh oder leicht verarbeitet angeboten, als ein Geschenk, das man erst betrachten muss, bevor man es genießen kann. Es ist eine Küche der Maßhaltung, der Wesentlichkeit, in der sich Perfektion in scheinbarer Einfachheit manifestiert. In seiner geselligen Geste stellt Sushi auch eine Verbindung zur Zeit und zur Natur her. Es zu essen bedeutet, an einem stillen Dialog mit den Jahreszeiten teilzunehmen, da die Auswahl des Fisches den Zyklen des Meeres folgt. Und in seiner essentiellen Form, in seiner Eigenschaft als Nahrung und ästhetische Kontemplation zugleich, wird Sushi zu einer Metapher für die japanische Philosophie.
1:21:35Eine Suche nach Schönheit nicht in der Opulenz, sondern in der Harmonie der kleinen Dinge. So ist Sushi niemals nur ein einfaches Gericht. Es ist historische Erinnerung, künstlerischer Ausdruck und spirituelle Disziplin. Eine Art, das Meer zu ehren und die geschickte Hand zu vereiern, die das Gewöhnliche in etwas Außergewöhnliches verwandelt. Wenn wir vom rohen Fischgericht zu einem atemberaubenden gekochten Gericht übergehen dürfen, wird Tempura nicht unerwähnt belassen. Tempura ist viel mehr als nur eine Frittiertechnik. Es ist das Ergebnis einer Begegnung zwischen Kulturen. Ein erhabenes Beispiel dafür, wie die japanische Küche äußere Einflüsse aufnehmen und in Formen von absoluter Eleganz verwandeln kann. Seine Ursprünge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als portugiesische Missionare und Händler in Japan landeten, und dort Frittiermethoden einführten, die in der lokalen Tradition unbekannt waren.
1:22:47Das Wort Tempura selbst scheint von Lateinischen tempora abzuleiten, das die Fastentage bezeichnete, an denen fleischlose Speisen gegessen wurden, die oft in leichtem Teig frittiert wurden. Was als fremde Praxis begann, verwandelte sich in den raffinierten Händen der Japaner in eine völlig neue Kreation. Eine hauchdünne, fast ästhetisch frittierte Speise, welche die Frische der Zutaten hervorhebt, anstatt sie zu ersticken. In der Edo-Zeit fand Tempura seine Verbreitung als beliebtes Gericht, das an Strassenständen in Edo verkauft, in Sesammüll zubereitet und noch heiß duftend und mit einem sofortigen Gefühl der Zufriedenheit verzehrt wurde. Im Laufe der Zeit stieg es von einem Volksgericht zu einer Kunstform auf, die in Spezialitäten-Restaurants sorgfältig serviert wurde und neben Sushi und Sashimi zu einem Symbol der japanischen Küche wurde.
1:23:58Die Essenz von Tempura liegt in seiner Leichtigkeit. Ein hauchdünner Teig aus Mehl, eiskaltem Wasser und manchmal einem Hauch Ei, der beim Kontakt mit heißem Öl zu einer dünnen Kruste wird, die so zerbrechlich wie Reispapier und so transparent ist, dass man die natürliche Farbe der Zutaten erkennen kann. Die Garnelen behalten ihre Süße, das Gemüse seine Frische. Das Frittieren verdeckt nicht, sondern offenbart. Tempura zu essen bedeutet, an einer kulinarischen Philosophie teilzuhaben, die den Augenblick zelebriert. Das Öl verwandelt in wenigen Sekunden, was die Natur bietet, und Tempura muss sofort genossen werden, wenn die Knusprigkeit ihren Höhepunkt erreicht hat, bevor die Zeit ihre Perfektion auflöst. Es ist eine Küche der Vergänglichkeit. Eine flüchtige Kunst, die Schönheit und Zerbrechlichkeit in einem Augenblick vereint.
1:24:58So ist Tempura nicht nur ein Gericht, sondern die Verkörperung einer Begegnung zwischen Ost und West, eines technischen Wissens, das zu sinnlicher Poesie wird, und einer Ästhetik, die das Frittieren in eine Geste der Leichtigkeit und Harmonie verwandelt. Schließlich dürfen wir das eben erwähnte Shashimi nicht vergessen. Shashimi ist vielleicht die reinste und radikalste Form der japanischen Küche. Eine Kunst, die auf jegliche Kunstgriffe verzichtet, um den Rohstoff in seiner ganzen Wesentlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Es gibt kein Kochen, keine Vorbereitung, nur die direkte Begegnung zwischen dem Meer und dem Gaumen, vermittelt durch die erfahrene Hand des Kochs, der mit dem Messer Einfachheit in Perfektion formt. Die Ursprünge des Shashimi reichen bis in ferne Zeiten zurück, als der Verzehr von rohem Fisch sowohl mit rituellen Praktiken
1:26:09als auch mit der Notwendigkeit, der Frische verbunden war. Bereits in der Muromachi-Zeit verbreitete sich der Brauch, dünne Scheiben frisch gefangenen Fisches mit einfachen Gewürzen wie das Shoyu, der bekannten Sojasauce, und das Wasabi zu servieren. Lasst uns bei Letzterem etwas verweilen. Wasabi ist eine der rätselhaftesten und faszinierenden Zutaten der japanischen Küche. Er ist nicht nur eine einfache Beilage, sondern ein Symbol für Intensität, Reinheit und Maß. Seine scharfe Würze, die nicht die Zunge angreift, sondern schnell in die Nase steigt und sofort verfliegt, verkörpert die Philosophie des Vergänglichen, ein Energieblitz, der den Geschmack hervorhebt und sich sofort wieder auflöst. Wasabi stammt von einer in Japan heimischen Pflanze, die zur Familie der Rettich- und Senfgewächse gehört. Er wächst wild entlang klarer, kalter Wasserläufe in Bergregionen,
1:27:25einem Lebensraum, der ihn zu einer seltenen und kostbaren Zutat macht. Bereits in der Heian-Zeit war er bekannt und geschätzt, nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch wegen seiner antiseptischen Eigenschaften, die ihn zu einem idealen Begleiter für rohen Fisch machen. Da er diesen schützt und gleichzeitig seine Frische unterstreicht. Die Wurzel des echten Wasabi wird nicht im Ganzen verzehrt, sondern auf traditionellen, oft mit Rochenhaut überzogenen Reiben gerieben, die das flüchtige Aroma langsam freisetzen. Es ist ein stilles und gemessenes Ritual. Die so entstandene Paste ist hellgrün, samtig und hat einen Duft der Erde und Wasser, Berge und Wind vereint. Anders ist das Schicksal des größten Teils des außerhalb Japans vorbereiteten oder verbreiteten Wasabi, bei dem es sich oft um einen Ersatz
1:28:34aus westlichem Meerrettich, Senf und grünen Farbstoffen handelt, der weit von der Delikatesse und Noblesse des Originals entfernt ist. Aber zurück zum Shashimi, der ohne die beiden oben genannten Gewürze nicht auskommt. Sie sind in der Lage, die Delikatesse zu unterstreichen, ohne sie zu verändern. In der Edo-Zeit fand Shashimi eine ästhetische Kodifizierung. Es wurde nicht nur zu einem Lebensmittel, sondern zu einer visuellen und philosophischen Darstellung der urbanen Kultur Japans. In der sich die Eleganz durch Maß und Nüchternheit ausdrückte. Jede Scheibe Shashimi ist das Ergebnis strenger Disziplin, die von der Auswahl des Fisches über die Kunst des Schneidens bis hin zur Anrichtung auf dem Teller reicht. Das Messer des Meisters ist kein neutrales Werkzeug, sondern die Verlängerung eines ästhetischen Gedankens.
1:29:44Die Klinge gleitet mit chirurgischer Präzision, ohne die Fasern zu zerreißen, um die ideale Konsistenz beim Biss zu erzielen. Was dem Auge und dem Gaumen präsentiert wird, ist ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Konsistenz, Farbe und Frische. Zum Abschluss unseres heutigen Treffens können wir sagen, dass die Edo-Zeit, die oft wegen ihrer scheinbaren Unbeweglichkeit in Erinnerung bleibt, in Wirklichkeit die geheime Wiege des modernen Japans ist. Das Land erlebte über zwei Jahrhunderte innere Ruhe, eine politische Stabilität, die paradoxerweise gleichzeitig einschränkend und befruchtend war. Japan, das sich gegenüber äußeren Einflüssen verschlossen hatte, konnte ein tief verwurzeltes wirtschaftliches, soziales und kulturelles Gefüge entwickeln, das bereit war, in der folgenden Phase der Industrialisierung der Meiji-Zeit, über die wir in unserem nächsten Treffen sprechen werden, aufzublühen.
1:30:56Der Frieden von Edo ermöglichte ein beispielloses wirtschaftliches und städtisches Wachstum. Städte wie Edo, Osaka und Kyoto waren nicht nur Verwaltungs- oder Handelszentren, sondern echte Werkstätten der aufkeimenden Moderne. Hier entstanden die ersten Finanznetzwerke, entwickelten sich anspruchsvolle lokale Märkte und verfeinerte sich die Kunst der Produktion und des Vertriebs. Handwerk, Handel und Infrastruktur, Straßen, Kanäle und Häfen zeichneten die ersten Konturen einer Wirtschaft, welche die künftige Industrialisierung tragen konnten. In diesem Sinne war Edo keine Zeit des Stillstands, sondern eine Zeit der tiefen Verwurzelung. Die japanische Gesellschaft lernte, sich selbst zu regieren, effizient zu planen und zu handeln und schuf einen Komplex aus Fähigkeiten, Wissen, Erfahrungen und menschlichen Fertigkeiten der Innovation, Effizienz und soziale, wirtschaftliche und materielle Entwicklung, hervorbrachte und bereit war, sich dem Aufprall der westlichen Moderne zu stellen.
1:32:16Die bereits erwähnte Sakoku, die politische und kulturelle Isolation, die einen Großteil der Edo-Zeit prägte, verstärkte diese Dynamik. Da Japan von Aussenkontakten abgeschnitten war, entwickelte es ein originelles und kohärentes internes Modell, das die nationale Identität stärkte und zentralisierte, bürokratisch effiziente Regierungsstrukturen festigte. Diese Isolation führte zum zwar einerseits zu einem technologischen Rückstand gegenüber dem Westen, bot aber andererseits einen fruchtbaren Boden für eine beschleunigte Industrialisierung, nachdem die Häfen unter dem Druck des Auslands in den 1850er Jahren geöffnet wurden. Ebenso bedeutend war die Verbreitung von Bildung und technischer Kultur. Die Terakoya-Schulen und die Samurai-Ausbildungssysteme brachten Bürger hervor, die lesen, schreiben und rechnen konnten, sowie eine Führungsklasse, die bereit war, administrative und technische Führungsaufgaben kompetent zu übernehmen. In diesem Zusammenhang waren die kodifizierten Tugenden der Disziplin,
1:33:37Loyalität und Gesetzestreue nicht nur ethische Elemente, sondern echte Instrumente der sozialen und politischen Organisation, die für den Übergang zu einem industriellen und modernen Japan von grundlegender Bedeutung waren. Trotz dieser soliden Grundlagen muss betont werden, dass die Edo-Zeit zwar entscheidend, aber nicht ausschlaggebend für alle Glücksfälle und Unglücksfälle des modernen Japans war. Die politischen Entscheidungen der Meiji-Zeit, der koloniale Druck, die Weltkriege und die darauffolgenden wirtschaftlichen Umwälzungen waren Faktoren, die Tokugawa weder vorhersehen noch direkt beantworten. Die Stärke von Edo lag jedoch gerade in der Schaffung widerstandsfähiger Strukturen, in der Herausbildung einer Gesellschaft, einer Wirtschaft und eines Staates, die sich mit erstaunlicher Schnelligkeit an die Herausforderungen der Moderne anpassen konnte. Von der Edo-Zeit als Fundament des modernen Japans zu sprechen,
1:34:42ist keine nostalgische Übung, sondern eine Anerkennung der tiefen historischen Kontinuität. Die politische Architektur, das städtische Wachstum, die kulturelle Bildung und die wirtschaftliche Organisation dieser beiden Jahrhunderte bildeten eine Plattform, ohne die Japan weder die Meiji-Modernisierung noch die industriellen und technologischen Herausforderungen der folgenden Jahrhunderte hätte bewältigen können. Edo ist also nicht nur Vergangenheit, sondern das unsichtbare Gerüst, auf dem das heutige Gesicht Japans ruht. Das war die Geschichte Japans, Teil 4 Vom Untergang des Schwertes zur Morgendämmerung der Ordnung Präsentiert von der Akademie der Vernunft und Barouge Wenn du uns unterstützen möchtest, abonniere den Kanal und hinterlasse uns einen Like. Wenn du Fragen oder Anmerkungen zum Inhalt hast, kannst du einen Kommentar hinterlassen, wir versuchen alle Anfragen zu beantworten.
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