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Transkript · Geschichte Japans · Teil 5

Samurai und Robotik — Transkript

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0:00:00Wir sind gerade in Patek Mille, Patek Mille.

0:00:13Sind Sie mir nicht ein wenig weit weg voneinander? Soll ich ein wenig näher kommen?

0:00:22Das ist, weil ich Knoblauch gegessen habe.

0:00:30Das ist für mich eine Ausführung von einem anderen Büro. Nach einem Tag. Eine Meldung in Kopien, die in Patek Mille am Büro in Rom gekommen ist. Sie haben es verstanden? Sie sagen mir eine Meldung. Warte. Diese? Ja. Schau. Ich schicke sie dir ohne Probleme. Ja, klar.

0:00:54Ich denke, du hättest darüber gesprochen. Du weißt nicht, was ich geschrieben habe. Nein, nein. Nein, nein. Eine Ausführung von einem Büro ist etwas, was funktioniert.

0:01:06Schon wieder in die Nähe dieses Individuums. Social Distancing, bitte.

0:01:44So viel.

0:01:50Sehr gut. Es ist sehr cool, dass du hier bist.

0:02:00Ich danke dir. Ich bin der beste Distancing, der ich je gesehen habe. Ich finde, du hast du sehr viele Freunde. Und die drei Bilder, die ich dir heute eingeladen habe, sind so toll. Ich habe jeden Tag Zeit, um das zu zeigen. Und da haben wir den ganzen Tag mit Ihnen. Und es ist wirklich eine Tollfung, und wir freuen uns, dass wir hier tagen.

0:02:16und dann noch, weißt du, schön glatt rasiert, notabene du hast nicht geglaubt, dass ich das nicht merke, oder? dass du mir noch keine Rechnung beschrieben wirst Ladies and Gentlemen liebe Kulturinteressierte ich habe die große Freude heute Abend Geschichte Japans Teil 5 Samurai und Robotik Japans langer Weg von der Meiji-Periode in die Zukunft und, äh, in die Gegenwart und in die Zukunft mit Sergio in der Gegenwart zu lesen ich habe mit Englisch angefangen because we have a guest from Romania thank you for the long way that you took to be part of it dear Ovidiu herzlich willkommen in German thank you so much ich glaube das wird der letzte Teil Japans sein das ist jetzt der abschließende Teil Japans

0:03:19dürfen wir schon einen Sneak peek in die Zukunft wagen was wird auf uns zukommen? wir haben vorhin gescherzt Geschichte Mallorcas aber die würde bei Ballermann glaube ich beginnen und bei Ballermann aufhören nein, wir haben entschieden dass wir die Geschichte von Minarka machen genau, die größere die Aussicht ist die folgende, dass wir ja chronologisch gesehen müssten wir jetzt ja eigentlich nach Ägypten aber Ägypten ist eine der ganz großen Diamantspitze eines Kontinents von dem der breiten Öffentlichkeit mehr in Stereotypen als mit Wissen man unterwegs ist und das ist der Kontinent von Afrika von dort stammen wir alle her und es ist vielleicht nicht uninteressant, nicht allzu lang aber mal einen Ausblick zu bekommen was der afrikanische Kontinent war

0:04:30ist und vielleicht wird mit all seinen vielschichtigen Verschiedenheiten mit seinem Reichtum und mit dem Zustand, dass wir so wie die Ägypter auch alle aus diesem Kontinent stammen und erst dann gehen wir nach Ägypten heute ist viel los in der Barouge wir versuchen laut und deutlich zu sprechen, falls ihr irgendwie das Gefühl habt, ihr hört uns nicht könnt ihr uns so oder so Zeichen machen, ich werde gerne versuchen lauter zu sprechen, wenn das nötig ist andernfalls mitlesen die Untertitel sind ja euch zur Verfügung gestellt vielen Dank für die nette Erinnerung ich war so frei und habe das schon gemacht und das finde ich auch einen sehr tollen Beitrag, den wir für unsere Zuhörer leisten können, dass wir diese

0:05:21Mehrsprachigkeit hier pflegen und ich würde sagen Hajimemashite, beginnen wir auf japanisch die Edo-Zeit über die wir bei unserem letzten Treffen gesprochen haben und die durch die Herrschaft des Tokugawa Shogunats geprägt war, stellt eine der bemerkenswertesten Phasen der japanischen Geschichte dar es war eine Zeit scheinbarer politischer Unbeweglichkeit aber auch einer außergewöhnlichen kulturellen und sozialen Blüte das institutionelle System geruhte auf einem strengen Feudalsystem das durch internationale Isolation, bekannt als Sakoko und eine umfassende Kontrolle der sozialen Klassen Stabilität garantierte diese Isolation die darauf abzielte ausländische Einmischungen zu verhindern und die Macht des von europäischen Missionaren eingeführten Christentums einzudämmen bewahrte den Archipel vor externen Konflikten und förderte ein internes Gleichgewicht das über zwei Jahrhunderte lang Bestand hatte das Ergebnis

0:06:51war eine disziplinierte Gesellschaft, die sich durch eine lebendige städtische Wirtschaft die Entstehung eines raffinierten Verlagmarktes neue Kunstformen wie das Ukiyo-e und das Kabuki sowie eine Philosophie auszeichnete die sowohl die Ordnung als auch die Ästhetik des Vergänglichen feierte unter dieser Oberfläche der Harmonie brodelten jedoch Spannungen welche die Solidität des Tokugawa Gebäudes erschüttern sollten die Starrheit des Feudalsystem wurde angesichts der wirtschaftlichen Expansion der Kaufleute die trotz ihres wachsenden Reichtums keine politische Macht und der Verarmung vieler Samurai die gezwungen waren von symbolischen Gehältern zu leben immer anachronistischer gleichzeitig begann die intellektuelle Unruhe die durch den Neokonfuzianismus und das Interesse an den westlichen Wissenschaften bekannt als Rangaku angeheizt wurde Fragen über das Verhältnis zwischen Autorität, Fortschritt und nationaler Identität

0:08:23wurden aufgeworfen Es waren jedoch äußere Einflüsse welche die Edo-Ordnung endgültig destabilisierten Im 19. Jahrhundert übten die europäischen Kolonialmächte und vor allem die Vereinigten Staaten einen wachsenden Einfluss auf die asiatische Region und zwangen Japan seine Häfen zu öffnen Die Ankunft der schwarzen Schiffe von Commodore Perry im Jahr 1853 mit ihrer einschüchternden militärischen Macht zeigte dass es unmöglich war die Isolation aufrecht zu erhalten und machte die Verwundbarkeit des Landes gegenüber der technologischen und militärischen Modernität des Westens deutlich Die Unterzeichnung der ungleichen Verträge die unter Androhung von Gewalt erzwungen wurden stellte für viele Japaner eine Demütigung und eine Krise dar Die Ankunft der sogenannten schwarzen Schiffe Kurofune genannt im Jahr 1853 markierte einen epochalen Bruch in der japanischen Geschichte

0:09:54und im Schicksal des Archipels selbst Diese imposanten Dampfschiffe der US Marine die vom Kohlerauch geschwärzt waren waren nicht nur Instrumente militärischer Macht sondern konkrete Symbole einer technologischen und geopolitischen Moderne die Japan das sich über zwei Jahrhunderte lang freiwillig isoliert hatte nicht länger ignorieren konnte Das Erscheinen dieser bedrohlichen Geburt von Edo dem heutigen Tokio erschien den Zeitgenossen als beunruhigendes fast apokalyptisches Bild das ein ganzes politisches und kulturelles System zwang sich mit seiner eigenen Verwundbarkeit auseinanderzusetzen Perrys Initiative war kein Einzelfall sondern Ausdruck einer globalen Strategie der Vereinigten Staaten die darauf abzielte

0:11:00sich logistische Stützpunkte für die Schifffahrt im Pazifik zu sichern Die industrielle Revolution hatte das internationale Kräfteverhältnis verändert Die technische und militärische Überlegenheit der westlichen Mächte machte die Unterwerfung der Länder die versuchten sich diesem Druck zu entziehen unvermeidlich Das Tokugawa Japan mit seiner Politik des Sakoku stellte in den Augen des Westens einen Anachronismus dar den es zu beseitigen galt Angesichts dieser Herausforderung befand sich das Shogunat in einer dramatisch geschwächten Position Die auf archaischen Techniken gründenden Küstenverteidigungsanlagen waren gegen die modernen Kanonen der amerikanischen Schiffe machtlos Perry zögerte nicht dieses Kräfteungleichgewicht offenzulegen und verfolgte eine Strategie der Einschüchterung die Diplomatie und militärische Drohungen verband Die darauf folgenden Verträge beginnend mit dem Vertrag von Kanagawa von 1854 waren ungleich

0:12:17und belastend gewährten den Vereinigten Staaten die Nutzung von Häfen Handelsprivilegien und extraterritoriale Rechte welche die japanische Souveränität untergruben In der nationalen Demütigung war tiefgreifend und wurde zum Auslöser einer politischen und kulturellen Krise Die aufmerksamsten Samurai und Intellektuellen verstanden dass das Überleben Japans nicht durch blinden Widerstand sondern durch einen radikalen Wandel erreicht werden konnte Die Episode der schwarzen Schiffe löste somit eine hitzige Debatte aus Auf der einen Seite standen die Anwärter der Vertreibung der Barbaren genannt Joy Auf der anderen Seite diejenigen die Öffnung und Modernisierung als notwendiges Übel forderten Rückblickend war die Ankunft Paris nicht nur eine Aggression von außen sondern auch der Auslöser für einen internen Prozess der Neudefinition der Identität Sie machte den technologischen Rückstand

0:13:32gegenüber dem Westen deutlich und zwang zur Wahl zwischen Niedergang und Erneuerung Die Meiji-Restauration die kurz darauf eine Phase tiefgreifender Reformen einleitete war weitgehend die Antwort auf diese dramatische Erkenntnis Die schwarzen Schiffe bleiben somit nicht nur eine in Kohledampf materialisierte Bedrohung sondern das Symbol eines erzwungenen Erwachens des Moments in dem Japan angetrieben durch den Aufprall der westlichen Moderne begann sich zu einer Weltmacht der Gegenwart zu entwickeln Aus dieser Konstellation entstand die Meiji-Zeit die von 1868 bis 1912 dauern wird nicht als bloßer Einschnitt sondern als notwendige Antwort auf einen doppelten Druck den inneren der durch die Widersprüche einer unbeweglichen sozialen Ordnung entstanden war und den äußeren der durch die Dringlichkeit des kolonialen Schicksal anderer asiatische Länder zu vermeiden

0:14:54Die Wiederherstellung der kaiserlichen Macht war weniger eine Rückkehr zur Tradition als vielmehr ein weitsichtiger politischer Akt Der Thron wurde zum Symbol der Einheit und der Modernisierung Japan schlug daraufhin einen beschleunigten Kurs wirtschaftlicher militärischer und institutioneller Reformen ein wobei es westliche Modelle selektiv übernahm und Innovation mit kultureller Kontinuität verband In diesem Übergang zeigt sich die besondere Stärke Japans die Fähigkeit eine Krise in ein Projekt zu verwandeln die Fähigkeit die Bewahrung der eigenen Identität mit der Dringlichkeit einer schnellen und radikalen Anpassung an das veränderte Weltbild zu verbinden Man kann ohne Zweifel sagen dass die Meiji-Zeit eine der überraschendsten und entscheidendsten Veränderungen in der Weltgeschichte darstellt In weniger als in einem halben Jahrhundert entwickelte sich Japan von einer streng strukturierten

0:16:25isolierten und scheinbar in einer Jahrtausend alten traditionellen Ordnung verankerten Feudalgesellschaft zu einer industrialisierten zentralisierten Nation die sich mit den Ambitionen einer modernen Macht auf die internationale Bühne begab Diese Metamorphose als in Anführungszeichen Revolution von oben beschrieben wird war nicht nur ein politischer und wirtschaftlicher Prozess sondern betraf auch die Kultur die Künste die Lebensphilosophie und das kollektive Bewusstsein Das Meiji-Japan wurde zu einem Laboratorium der Moderne und Tradition zu einem Ort der Spannung zwischen der westlichen Zivilisation und dem Wunsch eine autochtone Identität zu bewahren in einem dialektischen Spiel das bis heute die zeitgenössische japanische Sensibilität prägt Es muss berücksichtigt werden dass wie es oft bei zu schnellen und daher tiefgreifenden Umwälzungen der Fall ist die Geschwindigkeit mit der Japan

0:17:54von einer jahrhundertealten feudalen Ordnung zu einer industriellen Gesellschaft überging die offen für westliche Modelle war einen tiefgreifenden Nebeneffekt hatte Es kam zu einer kulturellen und spirituellen Desorientierung welche die Grundlagen der kollektiven Identität zutiefst erschütterten Die alte Wertvorstellungen des Konfuzianismus und des Bushido schienen plötzlich nicht mehr auszureichen um das Leben in einer Gesellschaft zu regeln die sich in einem neuen Rhythmus bewegte und von neuen wirtschaftlichen technologischen und politischen Logiken dominiert wurde Gleichzeitig wurden westliche Werte obwohl sie bewundert und nachgeahmt wurden als fremd und manchmal als zerstörerisch empfunden In dieser Sinnlehre verspürten weite Teile der Bevölkerung eine tiefe Beklommenheit und schwankten zwischen Faszination und Ablehnung der Moderne Diese Krise des Wertesystems führte zu einem Bedürfnis nach einfachen Gewissheiten

0:19:14und sofortigen Antworten auf komplexe Fragen Wie immer führt eine solche Situation zu einer starken zentralen Autorität Im Falle Japans verkörpert durch die sakralisierte Figur des Kaisers die einen beruhigenden Zufluchtsort zu bieten scheint In Wirklichkeit führte dieser autoritäre Weg der als Gegenmittel gegen Chaos und Zersplitterung gedacht war das Land zu ideologischer Rigidität und politischen Entscheidungen die langfristig zu mehr als einer Katastrophe führten für die nationalistischen und militaristischen Auswüchse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorbereiteten Wie bereits erwähnt bezieht sich der Begriff Meiji-Restauration auf die Rückkehr der kaiserlichen Macht in die Hände des Kaisers verkörpert durch die Figur des jungen Mutsuhito Tenno In Wirklichkeit war der Prozess jedoch weitaus komplexer denn die tatsächliche Macht war in den Händen

0:20:26einer neuen politischen militärischen Elite die sich aus Samurai aus den Provinzen Satsuma, Choshu, Tosa und Hisen zusammensetzte die den Kampf gegen das Tokugawa Shogunat angeführt hatten Dennoch spielte die kaiserliche Symbolik eine grundlegende Rolle Die Figur des Tenno wurde zum symbolischen Mittelpunkt der neuen Nation zum Schnittpunkt von Identität, Loyalität und Gründungsmythos Es handelte sich um eine institutionelle Neugründung die das Feudalsystem der Daimyo abschaffte die Verwaltung zentralisierte und den Grundstein für einen modernen Staat legte Die Schaffung einer starken Regierung welche in der Lage war die nationalen Ressourcen zu koordinieren war die Voraussetzung für den großen Sprung mit all seinen Widersprüchen der darauf folgte Wie bereits erwähnt und daran sollte man sich erinnern war der Kontakt mit dem Westen

0:21:36der 1853 von Perry brutal erzwungen wurde der Schock der die Stabilität des Shogunats erschütterte und den Wandel beschleunigte Die Meiji Elite erkannte dass der einzige Weg zur Wiedererlangung der Souveränität darin bestand sich nach westlichem Vorbild in eine moderne Nation zu verwandeln Sie beschleunigte die Industrialisierung exponentiell schuf eine effiziente Armee eine solide Bürokratie und ein flächendeckendes Bildungssystem Das Leitprinzip wurde Fukoku Kyohei zu deutsch reiches Land starke Armee Eine programmatische Zusammenfassung eines Projekts zur globalen Erneuerung Die Meiji Wirtschaft sah die Entstehung neuer Infrastrukturen wie Eisenbahnen Telegrafenleitungen und modernisierte Häfen Die ersten Industrien die oft mit staatlichem Kapital und Knowhow gegründet wurden wurden nach und nach privatisiert was die Entstehung großer Finanz- und Industriekonzerne der sogenannten Zaibatsu wie die Konzerne

0:22:58Mitsui, Mitsubishi oder Sumimoto begünstigte Die Landwirtschaft die Grundlage des nationalen Reichtums wurde durch die Besteuerung vom Grundbesitz in Geld statt in Reis reformiert Eine Maßnahme die dem Staat stabile Einnahmen garantierte aber die Bauern die oft zur Verschuldung gezwungen waren schwer belastete Die Industrialisierung war nicht nur ein bloßer Technologietransfer sondern ging mit einem tiefgreifenden sozialen Wandel einher Massen von Bauern strömten in die Städte Die Arbeit der Frauen in den Spinnereien wurde zu einem wesentlichen Element und das Entstehen eines städtischen Proletariats führte zu neuen sozialen Spannungen die manchmal hart unterdrückt wurden 1868 empfing der Kaiser den niederländischen Diplomaten Dirk de Graef van Poolsbrek als ersten europäischen Gesandten überhaupt Diese Audienz legte den Grundstein für eine moderne niederländische Diplomatie

0:24:23in Japan In der Folgezeit stand de Graef dem Kaiser als liberaler Berater bei seinen Verhandlungen mit Vertretern der europäischen Gesellschaft zur Seite Ebenso entwickelte sich Japan unter der Meiji-Herrschaft zu einer Industrie- und Seemacht Die Beamten schafften das alte Feudalsystem ab und führten in Japan wie bereits erwähnt staatliche öffentliche Schulen und den Gregorianischen Kalender ein Auf politischer Ebene entwickelte das Meiji-Japan ein System das kaiserliche Autorität mit westlich geprägten Institutionen verband 1889 wurde die Meiji-Verfassung verabschiedet die sich am preußischen Modell orientierte Der Kaiser war heilig und unantastbar Inhaber der Souveränität aber es wurde ein Zweikammern-Parlament die kaiserliche Dieta eingerichtet und ein modernes Rechtssystem eingeführt Die individuellen Rechte wurden anerkannt wenn auch mit starken Einschränken und dem Wohl des Staates

0:25:57untergeordnet Dieses Gleichgewicht spiegelte den Willen wider Instrumente der westlichen Moderne zu übernehmen ohne auf eine hierarchische und autoritäre Struktur zu verzichten Die Meiji-Führungsklasse bekannt als Genro steuerte das politische System von oben und behielt die effektive Kontrolle während sie nur begrenzten Raum für Beteiligung gewährte Die Bildung wurde zu einer Säule des Modernisierungsprojektes 1872 wurde ein Gesetz zur Einrichtung eines nationalen Schulsystems verabschiedet mit dem Ziel Alphabetisierung und wissenschaftliche Kenntnisse zu verbreiten Gleichzeitig war die Bildung ein Mittel zur patriotischen Erziehung Der berühmte Erlass zur Bildung bekannt als Kyokyu Chogu von 1890 betonte die konfuzianischen Tugenden der Loyalität und puerilen Pietät und verband sie mit der Hingabe an den Kaiser So entstand ein nationales Konflikt das technische Modernität und moralische Tradition vereinte

0:27:27und die Grundlage für die zukünftige kaiserliche Ideologie bildete Die japanische Bevölkerung verdoppelte sich von 1867 ca. 25 Millionen bis 1912 ca. 50 Millionen Es wurde ein modernes Eisenbahnnetz gebaut und das Straßennetz erweitert und modernisiert Das Meiji-Japan erlebte eine sehr lebendige kulturelle Blütezeit die von Einflüssen und Kontrasten geprägt war Die Verwestlichung war keine bloße Nachahmung sondern führte zu einem fruchtbaren Dialog In der Literatur etablierten sich neue Erzählformen die vom europäischen Roman inspiriert waren mit Persönlichkeiten wie Natsume Soseki und Mori Ogai die es verstanden universelle Themen wie Entfremdung den Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft und das Schicksal der Moderne auf japanische Weise zu interpretieren In der bildenden Kunst führte die Spannung zwischen der Übernahme westlicher Techniken und der Aufwertung japanischer Traditionen

0:28:42zu Bewegungen wie dem Nihonga das die traditionelle Malerei mit zeitgenössischer Sensibilität neu interpretierte

0:28:54In der Architektur koexistierten Gebäude im neoklassizistischen europäischen Stil und im Shintoistischen Geist renovierte Tempel In der Mode existierten Kimonos neben westlichen Anzügen was symbolisch den unaufhörlichen Dialog zwischen zwei Welten widerspiegelte Die militärische Erneuerung war ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung Die Armee und die Marine wurden nach preußischem und britischem Vorbild mit Wehrpflicht und moderner Bewaffnung neu organisiert Der Sieg im chinesisch-japanischen Krieg 1894 bis 1895 markierte den Eintritt Japans in die Reihe der aufstrebenden Mächte Er führte zur Annexion Taiwans und bestätigte die militärische Stärke Japans Noch sensationeller war der Erfolg im russisch-japanischen Krieg 1904 bis 1905 in dem zum ersten Mal eine asiatische Macht eine europäische Großmacht besiegte Dieses Ereignis fand weltweite Beachtung Japan wurde zum Symbol

0:30:09für die Möglichkeit der Emanzipation Asiens von der Kolonialherrschaft Die beiden entscheidenden Konflikte prägten den Aufstieg der Meiji-Ära Der erste chinesisch-japanische Krieg entstand aus dem Konflikt um die Kontrolle von Korea das seit Jahrhunderten ein Vasallenstaat des Kingreiches war und von Tokio als Klinge im Herzen Japans betrachtet wurde wenn es in feindliche Hände fallen sollte Der Ausbruch des Tonghak-Aufstands sprich der imposanten Bauernrebellion die 1894 in Korea ausbrach bot den unmittelbaren Vorwand China und Japan entsandten Truppen um ihn niederzuschlagen Bald eskalierte die Auseinandersetzung zu einem offenen Krieg Der Sieg Japans war schnell und sensationell China, Symbol der traditionellen Vorherrschaft in Asien wurde gezwungen die Unabhängigkeit Koreas anzuerkennen Taiwan und die Halbinsel Liaodong abzutreten die Japan jedoch auf Druck der europäischen Mächte

0:31:24zurückgeben musste und hohe Entschädigungen zu zahlen Für Japan bedeutete dies nicht nur territoriale Gewinne sondern vor allem den Erwerb von internationalem Ansehen und das Bewusstsein nun aus der Peripherie der Geschichte herausgetreten zu sein Diese Feststellung löschte neue Rivalitäten nicht aus sondern entfachte sie vielmehr Der Russisch-Japanische Krieg war der Höhepunkt des Wettstreits um die Manchurei und Korea Das zaristische Russland das mit dem Bau der transsiberianischen Eisenbahn und der Besetzung von Port Arthur in den fernen Osten vorgedrungen war schien entschlossen seine Präsenz in der Region zu festigen genau dort wo Japan seinen Einfluss geltend machen wollte

0:32:31In der dreifachen Intervention von 1895 mit welcher Russland Frankreich und Deutschland Tokio gezwungen hatten Liaodong aufzugeben schürte ein Gefühl der Rache und Dringlichkeit Der Krieg der mit einer Entschlossenheit geführt wurde die den Westen überraschte endete mit dem Sieg Japans Port Arthur und die Eisenbahnlinie in der südlichen Manchurei kam unter seine Kontrolle während Korea endgültig als Teil seines Einflussbereichs anerkannt wurde Der Widerhall dieses Sieges war weltweit zu spüren Zum ersten Mal wie bereits erwähnt besiegte eine asiatische Macht ein europäisches Reich was die Hoffnung der kolonialisierten Völker Asiens auf Emanzipation nährte und Japan zu einer vollfertigen Großmacht machte Die Meiji Modernisierung war also nicht nur Emanzipation sondern auch der Beginn eines imperialen Projektes das im 20. Jahrhundert

0:33:52dramatische Folgen haben sollte Trotz der Erfolge war die Meiji Gesellschaft von tiefen Widersprüchen gebremst Die rasche Industrialisierung führte zu sozialen Ungleichgewichten Streiks, Bauernbewegungen und sozialistische Unruhen wurden hart unterdrückt Der politische Autoritarismus schenkte die Entwicklung einer echten Demokratie ein Die Situation der Frauen war zwar durch neue Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten gekennzeichnet die aber einem patriarchalischen Ideal das auch im Zivilrecht verankert war untergeordnet Auch das Verhältnis zur Tradition war komplex Während die Elite auf Modernisierung drängte leisteten viele Bevölkerungsschichten Widerstand oder interpretierten die Neuerungen nach ihren eigenen Maßstäben neu Die japanische Moderne war nie eine lineare Struktur des Westens sondern vielmehr ein Prozess der Hybridisierung Spannung und kulturellen Selektion Als der Kaiser 1912 starb hatte sich Japan bereits gewandelt

0:35:22Von einem periferen und halb isolierten Archipel war es zu einer weltweit anerkannten Industrie- und Militärmacht geworden Die Meiji-Zeit hatte den Grundstein für die Entwicklung in Japan gelegt Der zentralisierte Staat das Bildungssystem die moderne Industrie die nationale Armee und die Idee einer unter dem Kaiser vereinigten Nation waren die Eckpfeiler dieser Entwicklung Doch die Modernität der Meiji-Zeit barg auch die Keime problematischer Entwicklungen wie Autoritarismus Nationalismus und Militarismus

0:36:11und wie es einer nationalen Identität diente sollte in den folgenden Jahrzehnten immer totalitärere Züge annehmen Die Spannung zwischen Modernisierung und Tradition die keineswegs gelöst war wurde zu einem konstanten Merkmal der japanischen Moderne 1912 wurde der Sohn von Mutsuhito unter dem Namen Kaiser Taisho gekrönt wodurch die Zeit seiner Herrschaft denselben Namen erhielt Aufgrund einer in seiner Kindheit erworbenen Meningitis litt Taisho unter körperlichen und geistigen Behinderungen Dennoch bestieg er nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1912 den Thron wurde aber als Tenno von der Öffentlichkeit ferngehalten Einer seiner seltenen öffentlichen Auftritte fand anlässlich der Eröffnung des Parlaments im Jahr 1913 statt Nach die vorbereitete Rede von einem Blatt Papier abzulesen rollte er es zu einer Röhre zusammen

0:37:19und blickte durch die Röhre auf die Versammlung Nach 1919 trat er nicht mehr öffentlich in Erscheinung 1921 wurde sein Sohn Hirohito bis zum Tod seines Vaters 1926 regent Die Behinderung des Kaisers Taisho ermöglichte die Festigung der politischen Macht des Militärs Und als im August 1914 der erste Weltkrieg ausbrach stellten sie Deutschland ein Ultimatum indem sie die Befreiung von Jiaozu im Nordosten Chinas zu ihren Gunsten forderten Der deutsche Kaiser Wilhelm II. lehnte dies ab Woraufhin die Japaner an der Seite der Alliierten in den Krieg eintraten und die deutschen Kolonialinseln im Pazifik besetzten Nämlich Deutsch-Neuguinea heute Teil von Papua-Neuguinea Den Bismarck-Archipel heute Teil von Papua-Neuguinea Die Insel Bugemville heute Teil von Papua-Neuguinea Und Salomonen heute Salomonen Nördliche Marianen

0:38:32heute Nördliche Marianen Teil der Außengebiete der Vereinigten Staaten Marschallinseln Palauinseln Karolinen verwaltet als Ost- und West-Karolinen Teil von Mikronesien Nauru Deutsch-Samoa heute unabhängiger Staat Samoa Savaii und Upolu heute unabhängiger Staat Samoa Nach dem Krieg erhielt Japan diese Inseln und einen Friedensmandat des Völkerbundes in Jiaosu das jedoch 1922 an China zurückgegeben werden musste War das Meiji-Japan die Schmiede der beschleunigten Modernisierung mit der Konsolidierung des Zentralstaates der Industrie und der Militarmacht gewesen so zeichnete sich die Taisho-Zeit durch ein offeneres kulturelles und politisches Klima eine wachsende soziale Unruhe und einen wenn auch begrenzten Versuch der Demokratisierung aus Diese Modernität ging jedoch mit politischen Schwächen und wirtschaftlichen und sozialen Spannungen einher die den Übergang zur Mitte des 20. Jahrhunderts prägten

0:39:52Die persönliche Schwäche des Tenno schuf mehr Raum für die Regierung und die aufstrebenden politischen Parteien und schuf damit einen günstigen Nährboden für einen gewissen institutionellen Pluralismus Obwohl der Kaiser weiterhin das Symbol der Nation und Hüter der Heiligen Macht blieb gewann in der Taisho-Zeit das Parlament und die Ministerkabinette an Bedeutung was zu einer Periode führte die von Historiken eben als die Taisho-Demokratie bezeichnet wird Die Taisho-Demokratie war kein vollständig konsolidiertes System aber sie stellte einen bedeutenden Versuch der politischen Öffnung dar Zu den wichtigsten Ereignissen gehörte die Ausweitung des Wahlrechts und im Jahr 1925 wurde das Gesetz über das allgemeine Wahlrecht für Männer das General Election Law verabschiedet das das Wahlrecht für erwachsene männliche Bürger erheblich ausweitete Millionen Neuwähler

0:41:10an die Urnen brachte und dem Parlament einen repräsentativen Charakter verlieh Dies ermöglichte die Stärkung

0:41:25Entschuldigung

0:41:32der bereits in der Meiji-Zeit entstandenen politischen Parteien die mehr Einfluss auf die Ernennung der Ministerkabinette gewannen obwohl die Armee und die Bürokratie weiterhin entscheidende Akteure blieben Schließlich gab es auch Presse und Vereinigungsfreiheit Die Meinungsfreiheit festigte sich und ermöglichte die Entwicklung von Zeitungen politischen Zeitschriften und Massenorganisationen wie Gewerkschaften und Studentenvereinigungen Diese Phase der Öffnung war nicht frei von Widersprüchen Die kaiserliche Macht blieb in ihrem heiligen Wesen unangetastet und das Parlament konnte leicht durch Ministerkrisen oder das Eingreifen der Bürokratie destabilisiert werden Dennoch stellt die Taisho-Ära eine Zeit des politischen Experimentes dar der zum ersten Mal versucht wurde institutionelle Modernität und kaiserliche Tradition in Einklang zu bringen Die Wirtschaft war von Kontinuität gegenüber der Meiji-Zeit aber auch von wichtigen Neuerungen

0:42:56Das bereits industrialisierte Japan festigte sein Produktionssystem mit dem Wachstum der Städte und der Schwerindustrie insbesondere in den Bereichen Textil Stahl und Schiffsbau Aufstrebende Industrien wie die Chemie und die Elektroindustrie trugen zu einer wirtschaftlichen Dynamik bei die das Land international wettbewerbsfähig machte Parallel dazu erlebte die städtische Gesellschaft tiefgreifende Veränderungen Das Wachstum der Städte führte zu neuen Arbeitsformen Zur Entstehung wir haben es schon vorher angedeutet des städtischen Proletariats und zur Verbreitung der Frauenarbeit in Fabriken und Büros Das Aufkommen neuer städtischer Schichten wie Angestellte, Händler und Intellektuelle begünstigte die Entwicklung einer lebhaften politischen und kulturellen Debatte Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände begannen sich trotz gelegentlicher Repressionen als Instrumente der sozialen Vertretung zu strukturieren Die Taisho-Zeit war auch eine Ära außergewöhnlicher

0:44:17kultureller Blüte Die grössere soziale und politische Offenheit begünstigte die Entfaltung neuer künstlerischer und literarischer Trends Die Belletristik wurde psychologischer und introspektiver Autoren wie Junichiro Tanizaki und Ryōnosuke Akutagawa experimentierten mit modernen Stilen und behandelten Themen wie Entfremdung, den Konflikt zwischen Tradition und Moderne sowie individuelle Introspektion Malerei und Architektur wurden durch westliche Einflüsse bereichert, wodurch hybride Stile entstanden, die modernes und traditionelles miteinander verbanden Die kulturelle Blüte ging einher mit dem Wachstum der Zeitschriftenpresse und der Verbreitung von Kultur- und Wissenschaftsmagazinen die zur Entstehung einer bewussteren und kritischeren Zivilgesellschaft beitrugen. Während der Taisho-Zeit festigte Japan seine Position als internationale Macht Der Eintritt in den Ersten Weltkrieg an der Seite der Alliierten war eine strategische Entscheidung die es Japan ermöglichte

0:45:33seinen Einfluss in Ostasien insbesondere in China und auf den Pazifikinseln auszuweiten Die Friedensverträge nach dem Krieg wie der Vertrag von Versailles verliehen Japan eine Rolle als Großmacht, schürten jedoch gleichzeitig Spannungen mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Mächten Die Außenpolitik der Taisho-Zeit war jedoch von größerer Vorsicht geprägt als in der Meiji-Zeit Die Lehren aus den vorangegangenen Kriegen und das Bewusstsein für die Grenzen der japanischen Streitkräfte veranlassten die Regierungen Strategien der kontrollierten Expansion und diplomatische Zusammenarbeit zu verfolgen, mit dem Ziel Japan auf der internationalen Bühne zu legitimieren ohne offene Konflikte auszulösen Trotz der Fortschritte war die Taisho-Zeit nicht frei von Schwächen Soziale und wirtschaftliche Spannungen im Zusammenhang mit Inflation Ungleichheiten und Agrarkrisen kamen zu den politischen Instabilitäten

0:46:47hinzu Das parlamentarische System war noch fragil Die Kabinette waren häufig Krisen ausgesetzt und dem Druck des Militärs Sozialistische und gewerkschaftliche Bewegungen wurden oft unterdrückt und die politische Freiheit war obwohl sie größer war als in der Meiji-Zeit durch das Fortbestehen starker autoritärer Kräfte eingeschränkt Vor diesem Hintergrund begann eine gekräftete Gesellschaft autoritäre oder nationalistische Lösungen als Antwort auf die wirtschaftlichen Probleme und die politische Instabilität zu befürworten Was den Grundstein für tiefere Spannungen legte die in der folgenden Showa-Zeit zum Ausbruch kam Es ist Zeit eine kleine Pause zu machen Lasst uns doch wenn möglich fünf ab weiterfahren haben wir Zeit um den zweiten Teil anzugehen

0:51:52und um zu schauen worauf es zu tun hat der Rest der Spielzeit Wir müssen uns die Geduld der letzten Folge abwesend voraus veranschaulichen und die Rechtigkeit der Nachricht der geralten Mitte den Welt der Grundstück Land der Versammlung

0:52:25der der Polizei der

0:52:32politische und

0:53:03Vielen Dank.

0:53:36Danke.

0:54:24Danke.

0:55:10Danke.

0:55:46Danke.

0:56:34Danke.

0:57:11Danke.

0:57:57Danke.

0:58:46Danke.

0:59:25Danke.

1:00:25Danke.

1:01:04Danke.

1:01:59Danke.

1:03:04Liebe Kulturinteressierte, wir sind schon ein bisschen über fünf ab auf meiner Uhr, aber die ist auch immer ein bisschen vorgestellt, damit ich nie zu spät komme. Also, ich freue mich auf den zweiten Teil, wie ihr gemerkt habt, es gibt gewisse Namen, die auszusprechen. Teilweise zu Hiccups führen. Please bear with us. Teil zwei. Die Showa-Zeit 1926 bis 1989, die der Regierungszeit von Kaiser Hirohito entspricht, stellt eine der komplexesten und bedeutendsten Phasen der japanischen Geschichte dar. Dieser lange Zeitraum umfasst Ereignisse von weltweiter Bedeutung. Wie den Zweiten Weltkrieg, die anschließende Besetzung durch die Alliierten und das Wirtschaftswunder, das Japan zu einer Weltmacht machte. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte auch Japan schwer getroffen. Viele Politiker und Militärs sahen in der Intensivierung der kolonialen Bestrebungen

1:04:15die Lösung für die Wirtschaftskrise. Die japanische Armee und Flotte unterstanden direkt dem Kaiser. Hatten sich bereits weitgehend der Kontrolle durch Parlament und Regierung entzogen und agierten in China auf eigene Initiative. Dank der erzielten Erfolge konnte die Armee ihr Vorgehen im Nachhinein rechtfertigen und gewann so zunehmend Einfluss auf die japanische Politik. Im Februar und März 1932 verübten einige Mitglieder der Geheimorganisation Blutbund die sogenannten Ketsumeidan, Attentate, bei denen der ehemalige Finanzminister Inoue Yunosuke und der Präsident der Mitsui-Konzerns, Dan Takuma, ums Leben kamen. Die Ketsumeidan hatte eine Liste mit Personen erstellt, die ermordet werden sollte. Darunter befanden sich Persönlichkeiten wie Premierminister Inukai Tsuyoshi und sein Vorgänger. Nach den Attentaten auf Inoue und Dan, hatten die anschließenden Ermittlungen die Verbindungen zwischen den Attentätern ans Licht.

1:05:34Die Mitglieder der Ketsumeidan suchten daraufhin unter den Reihen der Marine und der Armee nach Komplizen. Dort gab es Gruppen junger Offiziere, die eine Showa-Ishin, Showa-Restauration vergleichbar mit der Meiji-Restauration, herbeiführen wollten. Am 15. Mai 1932 waren es Kadetten der Kaiserlichen Marine, und junge Offiziere der Armee, die politisch wichtige Gebäude angriffen. Das Hauptziel war die Ermordung des Premierministers und des Lord-Kanzlers. Das Hauptquartier der Regierendenpartei Sei-Yukai, die Bank Mitsubishi, das Hauptquartier der Polizei von Tokio und verschiedene Kraftwerke außerhalb Tokios wurden angegriffen und besetzt. Den jungen Offizieren gelang nur, die Ermordung von Inukai. Mehrere Offiziere drangen in das Kōtei, die Residenz des Premierministers, ein und töteten Inukai. Es heißt, Inukai habe vor seinem Tod die Attentäter gebeten, mit ihm zu diskutieren.

1:06:50Der Aufstand vom 15. Mai wurde schnell niedergeschlagen und die Putschisten verhaftet. Dank des Drucks der Reservistenverbände, die 700.000 Unterschriften sammelten, fielen die Offiziere, die sie verhafteten, nicht mehr auf den Weg. Dann fingen die Strafen mild aus. Das Attentat auf Premierminister Inukai Tsuyoshi beendete die Koalitionsregierung und machte den Weg frei für die Armee, die mit einem »Kabinett der nationalen Einheit« die Macht übernahm. Begünstigt durch diese Situation konnte die Armee in der Manchurei frei und ohne Hindernisse seitens der Regierung in Tokio agieren. China reagierte, wie sich diejenigen erinnern werden, die mit uns die Geschichte Chinas durchlaufen haben, mit einem Handelsboykott gegen Japan und weigerte sich, die Waren japanischer Schiffe zu entladen. Infolgedessen gingen die japanischen Exporte auf ein Sechstel zurück. Dies schürte die Spannungen in Japan.

1:08:09Insbesondere ein Vorfall in Shanghai. Im Jahr 1932, bei dem fünf japanische Mönche misshandelt wurden , wurde von den japanischen Medien aufgegriffen und schürte die Wut der japanischen Bevölkerung. Am 29. Januar bombardierte Japan China und die erste Schlacht um Shanghai brach aus. Im Mai 1932 einigten sich beide Seiten auf einen Waffenstillstand. Aber die Japaner setzten ihren Vormarsch fort. Ein Jahr später, 1933, wurden die Provinzien Rehe und Chaha besetzt. Und 1935 musste China eine Pufferzone zwischen Manchukuo und Peking akzeptieren, in der die Japaner den autonomen Militärrat von Ost-Hopei, heute bekannt als Hebei, einsetzten, der sich aus kollaborierendem chinesischem Wettbewerb verliebte. Und 1936 wurden Teile der Inneren Mongolei besetzt. Am 7. Juli 1937 errechnete sich der Zwischenfall an der Marco Polo Brücke,

1:09:34an dessen Verlauf wir uns im Rahmen unserer gemeinsamen Betrachtung der Geschichte Chinas erinnert haben. Und bei dem japanische und chinesische Soldaten einen Feuerwechsel aus China, führten und in diesen gerieten. Es ist bis heute umstritten, ob dieser Zwischenfall von Japan provoziert wurde. Mit diesem Zwischenfall begann die zweite chinesische Kriegsepoche in China. Die Japaner rechneten mit einem schnellen Sieg. Doch die zweite Schlacht um Shanghai dauerte länger als erwartet und forderte zahlreiche Opfer. Nicht nur die Chinesen, sondern auch die Chinesen. Die gesamte internationale Gemeinschaft erkannte den japanischen Angriff als das, was er war, nämlich eine sorgfältig geplante Aggression im Rahmen der Expansionspolitik des Reiches der aufgehenden Sonne. Mit dem Angriff verstießen sie gegen den Briand-Kellogg-Vertrag, den sie mit unterzeichnet hatten.

1:10:48Die Vereinigten Staaten bestellten den japanischen Botschafter ein und teilten ihm mit, dass alle Konsequenzen, die sich daraus ergeben würden, auf das Land der aufgehenden Sonne selbst zurückfallen würden. Die japanische Regierung gab nicht nach. Die Vereinigten Staaten verstärkten daraufhin ihre Unterstützung für China mit Lieferung von Kriegsmaterial und einer formell nicht-amerikanischen Jagdstaffel, die aus Freiwilligen bestand. Anfang 1940 warnten die Vereinigten Staaten, die sich in China verliehen wollten, Japan vor einer Invasion französisch Indochinas und verlegten demonstrativ ihre Pazifikflotte vom Stützpunkt San Diego in Kalifornien nach Pearl Harbor in die Hawaii-Insel. Als Japan im Juli 1940 trotz der amerikanischen Warnungen Truppen nach Indochina entsandte, beschränkte die US-Regierung unter Präsident Franklin D. Roosevelt im September 1940 die amerikanischen Öl- und Stahlexporte nach Japan.

1:12:00Damals importierte Japan 80% seines Öls aus den Vereinigten Staaten. Als dies nicht die gewünschte Wirkung zeigte und Japan im Juli 1941 weitere Truppen nach Indochina entsandte, verhängten die Vereinigten Staaten am 25. Juli 1941 ein vollständiges Ölembargo gegen Japan und froren alle japanischen Vermögenswerte ein. Da sich das Vereinigte Königreich und niederländische Indien dieser Initiative anschlossen, verlor Japan 75% seines Außenhandels und 90% seiner Ölimporte. Ohne Importe hätten die Ölreserven Japans für Industrie und Militär nur für wenige Monate gereicht, sodass die japanische Regierung und der Premierminister Tojo Hideki die Ölversorgung innerhalb dieses Zeitraums wiederholten. Die Europäische Union und die Europäische Union haben die Möglichkeit, die Ölversorgung innerhalb dieses Zeitraums wiederherzustellen, wenn sie den Zusammenbruch des Reiches verhindern wollten.

1:13:02Dazu sah sie nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Aufhebung des Embargos durch Verhandlungen mit Washington im Austausch gegen japanische Zugeständnisse zu erreichen, oder die Versorgung mit Öl und anderen knappen Ressourcen durch die gewaltsame Besetzung der rohstoffreichen Kolonien Großbritanniens, Frankreichs und der Niederlande in Südostasien sicherzustellen. Japan nahm Verhandlungen auf, mobilisierte aber gleichzeitig seine Streitkräfte für den Fall, dass die Verhandlungen scheitern sollten. Am 6. November 1941 unterbreitete der japanische Botschafter in Washington dem amerikanischen Außenminister Cordell Hull den Vorschlag A, der die Einstellung der Feindseligkeiten in China, das Ende des Krieges und den teilweisen Abzug der japanischen Truppen aus den besetzten chinesischen Gebieten, im Austausch für die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen vorsah. Der US-Geheimdienst hatte jedoch die diplomatischen Codes des japanischen Außenministeriums entschlüsselt,

1:14:14insbesondere die Verschlüsselungsmaschine Purple. Daher wusste die amerikanische Seite, dass es einen Vorschlag B gab, den die Japaner im Falle einer Ablehnung vorlegen würden. Nach kurzer Überlegung lehnten sie am 14. November den Vorschlag A ab. Am 20. November legten die Japaner den Vorschlag B vor, der die Einstellung der japanischen Militäraktion im Austausch gegen die Lieferung von einer Million Gallonen, das sind 3800 Kubikmeter, Flugzeugtreibstoff durch die Vereinigten Staaten vorsah. Die Vereinigten Staaten erarbeiteten ein Gegenangebot, das auf einer monatlichen Lieferung von Öl für zivile Zwecke basierte. In der Zwischenzeit erfuhr die US-Regierung jedoch durch ihre Geheimdienste und die ihrer Verbündeten von den Kriegsvorbereitungen Japans in Südostasien. Präsident Roosevelt kam daher zum Schluss, dass die Japaner nur zum Schein verhandelten

1:15:20und beauftragte Außenminister Hall, das Gegenangebot zurückzuziehen. Anstelle des Gegenvorschlags überreichte Außenminister Hull dem japanischen Botschafter am 26. November eine Note mit dem Titel Grundlage für ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, die berühmte Outline of Proposal Basis for Agreement between the United States and Japan. Dieses Dokument, heute bekannt als Hull-Note, forderte unter anderem den vollständigen Rückzug Japans aus China und Indochina. Dies war für Japan inakzeptabel. Premierminister Tojo Hideki bezeichnete die Note vor seinem Kabinett als Ultimatum. Japan beschloss daraufhin, endgültig gegen die Vereinigten Staaten in den Krieg zu treten. Am selben Tag lief die japanische Angriffsflotte aus, um Pearl Harbor anzugreifen. In Washington wurden die Verhandlungen offiziell fortgesetzt, jedoch nur als Vorwand, obwohl, im Falle einer Einigung,

1:16:37die japanische Flotte hätten zurückgerufen werden können. Am 7. Dezember 1941 begann der Angriff der Luftstreitkräfte der kaiserlich-japanischen Marine auf die US-Flotte im Pazifik, die in Pearl Harbor, auf Hawaii, wir haben es vorher angedeutet, vor Anker lag. Der Angriff gilt als entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg, da er der Auslöser für den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten war, die bis dahin am Konflikt indirekt beteiligt waren, indem sie Großbritannien und der UdSSR umfangreiche materielle Unterstützung leisteten. Das sogenannte Land-Lease-Programm aber formal als neutral galten. Der überraschungshafte Angriff ohne vorherige Kriegserklärung setzte einen Großteil der amerikanischen Kriegsflotte außer Gefecht und ermöglichte es der japanischen Flotte, mehrere Monate lang die absolute Vorherrschaft im Pazifikraum zu behalten. Allerdings wurden weder die Flugzeugträger der Pazifikflotte

1:17:57noch die Treibstoffdepots entscheidend getroffen, was den Erfolg der Operation relativierte. Zugleich mit dem Angriff begannen die japanischen Flotter, die die amerikanische Offensive gegen die britischen und niederländischen Kolonien in Südostasien, wodurch der Krieg in Europa zu einem weltweiten Konflikt wurde. Weiter in diesen Kriegsschauplatz verwickelte Länder waren Großbritannien, Australien, Neuseeland und die Niederlande. Es war der einzige Krieg, in dem sowohl Atomwaffen von den Vereinigten Staaten gegen Japan, wie bereits erwähnt, als auch biologische und chemische Waffen, beide hauptsächlich von Japan und China eingesetzt wurden.

1:18:47Insbesondere die Tatsache, dass es den Japanern nicht gedannte, die amerikanischen Flugzeugträger zu zerstören, weil diese auf See waren, sollte sich im Laufe des Krieges als verheerend für sie erweisen. Bereits im Juni 1942 erlitten die Japaner in der Schlacht von Midway ihre erste bedeutenden Rückschläge. Gleichzeitig war es der Fall, dass die japanischen Flotter, begannen die Amerikaner japanische Städte zu bombardieren, was zwar strategisch nicht entscheidend war, aber dennoch eine große psychologische Wirkung hatte. Die Marshallinsel wurden von den Alliierten erobert und zwischen 1943 und 1944 eroberten sie eine Insel nach der anderen und ein Gebiet nach dem anderen zurück. Im Februar 1945 wurden die Philippinen vollständig von den Vereinigten Staaten erobert. Am 6. August 1945 warfen die Vereinigten Staaten die erste Atombombe auf Hiroshima

1:19:55und drei Tage später eine zweite auf Nagasaki. Eine Stadt, die, wie wir im Laufe dieser Überlegungen mehrfach festgestellt haben, einen sehr hohen symbolischen Wert in den Beziehungen zwischen Japan und dem Westen hatte. Das Land war in die Knie gezwungen worden und Kaiser Hirohito, zwang das Militär, seine Entscheidung zur Einstellung der Kämpfe und zur bedingungslosen Kapitulation zu akzeptieren. Am Morgen des 15. August 1945 verkündete er im Radio die bedingungslose Kapitulation. Auch wenn dies aus historischer Sicht nicht relevant ist, sollte man doch hinzufügen, dass ein Staatsstreich versucht wurde, um Hirohito Tenno zu entführen und die Verkündung der Kapitulation zu verhindern, um die Stimmung und Haltung vieler unnachgiebiger Japaner in jener Zeit zu verstehen. Am 2. September 1945 unterzeichneten die Japaner die bedingungslose Kapitulation Japans

1:21:02auf dem Schiff USS Missouri, das in Tokio vor Anker lag. Präsident Harry Truman erklärte den Krieg erst am 31. Dezember 1945 für beendet und der Friedensvertrag wurde am 28. August 1951 unterzeichnet. General Douglas MacArthur verlegte sein Kommando als Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen nach Tokio und überwachte von dort aus den Wiederaufbau nach dem Krieg. Er hütete sich davor, den Kaiser abzusetzen und eine brutale Besatzung Japans durchzusetzen, da er sich bewusst war, wie schwierig es für den Westen sein würde, Japan zu erobern angesichts der dunklen Wolken am Horizont des bevorstehenden Kalten Krieges. MacArthur entmilitarisierte Japan und förderte den Demokratisierungsprozess, erklärte das Ende der göttlichen Herkunft des Tenno und richtete ein Kriegsverbrechertribunal ein. Es war das japanische Pendant zum Nürnberger Prozess,

1:22:14bekannt als Internationales Militärgericht für den Fernsehgericht, auch bekannt als Tokio-Prozess. Die Kapitulation löste in Japan zwei unterschiedliche Reaktionen aus. Unter denjenigen, die von der Kapitulation wussten, sowohl unter den Militärs als auch unter den Zivilbevölkerungen, kam es zu einer sehr hohen Zahl von Selbstmorden, von denen viele mit dem traditionellen Seppuku begangen wurden. Unter denen, die aus irgendeinem Grund nicht von der Kapitulation wussten, kämpften viele ohne zu zögern weiter. Bis in die 1970er Jahre traf man auf verlassenen Atollen japanische Soldaten, die auf alles schossen, was nicht eindeutig mit der Flagge des Reichs der aufgehenden Sonne gekennzeichnet war. Die Dichotomie zwischen der Zerstörung durch den Krieg und dem außergewöhnlichen Wiederaufbau nach dem Krieg macht die Showa-Zeit zu einem bevorzugten Forschungsgebiet,

1:23:16um die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Dynamiken zu verstehen, welche die japanische Nation im 20. Jahrhundert geprägt haben. Unter der Führung von General Douglas MacArthur führte die Besetzung durch die Alliierten zu tiefgreifenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Reformen. Die neue Verfassung von 1947, bekannt als Friedensverfassung, besiegelte Japans Verzicht auf Krieg als Mittel der nationalen Politik und führte ein demokratisches, parlamentarisches System ein. Agrarreformen verteilten Land an die Bauen, während Industriereformen den Wettbewerb förderten und die Macht der großen Saibatsu, die bereits erwähnten Industriekonglomerate, einschränkten. Die japanische Gesellschaft erfuhr eine demokratisierte, die zwar unvollständig war, aber den Grundstein für eine neue Ära legte. In den 1950er Jahren und den 1960ern erlebte Japan ein außergewöhnliches Wirtschaftswachstum, was oft als Wirtschaftswunder bezeichnet wird.

1:24:41Dank gezielter Industriepolitik, Investitionen in die Infrastruktur und hochqualifizierte Arbeitskräfte wurde das Land den Vereinigten Staaten zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Automobilindustrie mit Unternehmen wie Toyota und Honda sowie die Elektronikindustrie mit Sony und Panasonic wurden zu Symbolen für die Innovationskraft Japans. Das Wirtschaftswachstum ging mit einer Verbesserung der Lebensbedingungen und einem wachsenden kulturellen Einfluss auf globaler Ebene daher. Die Showa-Zeit war Zeuge, tiefgreifender kultureller Veränderungen. Die traditionell konservative japanische Gesellschaft öffnete sich zunehmend westlichen Einflüssen. Amerikanische Mode, Musik und Filme wurden bei jungen Menschen beliebt, während das Fernsehen zu einem Massenkommunikationsmittel wurde. Die Showa-Literaturbewegung mit Autoren wie Yuichiro Mishima und Kenzaburo Ohi beschäftigten sich mit Themen wie Identität, Modernität und existenzieller Krise. Die Populärkultur, vertreten durch Animationsfilme und Videospiele,

1:26:06begann sich zu einem globalen Phänomen zu entwickeln und nahm damit die Trends vorweg, die Japan im 21. Jahrhundert prägen sollten. Trotz der Fortschritte war diese Zeit nicht frei von Widersprüchen. Soziale und regionale Ungleichheiten bestanden weiterhin und die Spannungen zwischen Tradition und Moderne waren offensichtlich. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung führte zu einer zunehmenden Urbanisierung mit den damit verbundenen ökologischen und sozialen Problemen. Das Bildungssystem gehörte zwar zu den besten der Welt, war jedoch durch einen starken Druck auf die Schüler gekennzeichnet, was zu Stress und Entfremdung führte. Darüber hinaus blieben die Erinnerungen an den Krieg und seinen Gräueltaten ein heikles Thema mit Debatten über historische Verantwortung und Versöhnung mit den Nachbarn. Die Showa-Zeit endete mit dem Tod von Kaiser Hirohito im Jahr 1989.

1:27:16Sein Tod markierte symbolisch das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen Phase in der japanischen Geschichte. Sein Sohn und Nachfolger Kaiser Akihito läutete die Heisei-Ära ein, die von neuen Herausforderungen wie dem wirtschaftlichen Abschwung und der Alterung der Bevölkerung geprägt war. Die Heisei-Zeit, die am 7. Januar 1989 mit der Thronbesteigung von Kaiser Akihito begann und am 30. April 2019 mit seiner Abdankung zugunsten seines Sohnes Naruhito endete, ist ein Kapitel von außerordentlicher Komplexität in der zeitgenössischen Geschichte Japans. Der Name Heisei selbst, der mit programmatischer Absicht gewählt und von den alten chinesischen Klassikern inspiriert wurde, bedeutet »Frieden überall« oder »Vollendung des Friedens« und beschwört ein Ideal der Stabilität nach dem Kriegstraumata der Showa-Zeit und den Spannungen des Kalten Kriegs herauf.

1:28:28Hinter diesem symbolischen Anspruch erlebte Japan in den Heisei-Jahren jedoch eine Entwicklung, die von tiefgreifenden Veränderungen und Widersprüchen geprägt war. Vom Zusammenbruch der Spekulationsblase in den 90er Jahren bis zum sogenannten verlorenen Jahrzehnt von den Naturkatastrophen, die das kollektive Gedächtnis prägten. Eine Zeit, die geprägt war von geopolitischen Schwierigkeiten in einem sich wandelnden Asien, von demografischen und sozialen Herausforderungen bis hin zu außergewöhnlichen technologischen Innovationen, welche die Softpower Japans in der Welt festigte. Die Heisei-Ära war also keine Zeit des stillen Friedens, sondern eine Zeit der ständigen Anspannung an interne und externe Krisen, in der Japan seine Rolle auf der globalen Bühne und seine kulturelle Identität neu definieren musste. Die Heisei-Ära begann im Zeichen der Desillusionierung. Die 80er Jahre hatten das Bild eines unaufhaltsamen Japans vermittelt.

1:29:37Das Wirtschaftswachstum, die technologische Macht und das kulturelle Ansehen ließen eine Zukunft der globalen Vorherrschaft erwarten. Die durch beispiellose Immobilien- und Finanzinvestitionen angeheizte Spekulationswelle führte jedoch zu einer enormen Wirtschaftsblase, die Anfang der 90er-Jahre platzte. Der Zusammenbruch führte zu einem drastischen Rückgang des Immobilienmarktes, einem Einbruch der Aktienkurse und einer Lähmung des Bankensektors, der durch uneinbringliche Kredite belastet war. Die Folgen waren nachhaltig. Japan trat in eine Phase der wirtschaftlichen Stagnation ein, die über ein Jahrzehnt andauern sollte und als das verlorene Jahrzehnt Ushinawareta Junen bekannt wurde. Die Versprechen eines kontinuierlichen und unbegrenzten Wachstums verschwanden und hinterließen eine desorientierte Gesellschaft. Unternehmen passten sich mit schmerzhaften Umstrukturierungen an, junge Menschen sahen sich mit wachsenden Beschäftigungsschwierigkeiten konfrontiert und der Mythos der lebenslangen Arbeitsplatzsicherheit begann zu größen.

1:30:57Die japanische Wirtschaft erholte sich nie ganz auf das Niveau ihrer goldenen Jahre, was einen tiefgreifenden psychologischen Wandel bedeutete. Japan wurde nicht mehr als in Anführungszeichen die Zukunft des Kapitalismus wahrgenommen, sondern wurde zum Laboratorium für postindustrielle und postmoderne Herausforderungen. Es war auch eine Ära, die tief von katastrophalen Ereignissen geprägt war, die das nationale Gedächtnis und das soziale Gefügte beeinträchtigten. Das große Erdbeben von Hanshin, Hawaii 1995, das die Stadt Kobe und die umliegenden Gebiete heimgesucht hatte, forderte über 6.000 Opfer und machte die Anfälligkeit der städtischen Infrastruktur deutlich. Im selben Jahr wurde Japan durch den Anschlag der Sekte Aum Shinrikyo auf die Tokyota-U-Bahn erschüttert, die Saringas einsetzte und in der Hauptstadt Tod und Panik verbreitete. Die Kombination aus Naturkatastrophen und heimischem Terrorismus

1:32:22schürte ein neues Gefühl der Verletzlichkeit in einer Gesellschaft, die an ein Bild von Sicherheit, Freiheit und Ordnung gewöhnt war. Aber es war das große Erdbeben von Tohoku am 11. März 2011, das die tiefste Wunde dieser Ära hinterließ. Das Erdbeben und der Tsunami, welcher die nordöstlichen Regionen verwüstete, forderte etwa 20.000 Opfer und löste die Nuklearkatastrophe von Fukushima Daiichi aus, die schwerste nach Tschernobyl. Dieses Ereignis führte nicht nur zu einer humanitären Tragödie, sondern erschütterte auch das Vertrauen in die Technologie und in die staatlichen Institutionen. Die Krise von Fukushima löste eine nationale und internationale Debatte über Atomkraft, Energiepolitik und die Fähigkeit der Regierung zum Notfallmanagement aus. In all diesen Fällen zeigte Japan eine außergewöhnliche kollektive Widerstandsfähigkeit, die in der Lage war, gemeinschaftliche Ressourcen und soziale Solidarität zu mobilisieren.

1:33:47Die Erinnerung an diese Katastrophe blieb jedoch ein roter Faden, der die Heisei-Ära als eine Zeit existenzieller Verletzlichkeit und kritisches Bewusstsein für die eigene Fragilität prägte. Politisch war die Heisei-Ära von relativer Instabilität geprägt. Die seit der Nachkriegszeit dominierende liberal-demokratische Partei, die LDP, erlebte Krisen und Machtwechsel, behielt aber langfristig ihre Vormachtstellen. Die kurze Phase der Oppositionsregierung in den Jahren 2009 bis 2012 konnte die Machtstruktur nicht nachhaltig verändern. Auf internationaler Ebene sah sich Japan neuen geopolitischen Herausforderungen gegenüber. Das Ende des Kalten Krieges zwang Tokio, seine Rolle in einem multipolaren Kontext neu zu definieren, und der Aufstieg Chinas zur Wirtschaft- und Militärmacht veränderte das regionale Gleichgewicht und schürte historische Spannungen und territoriale Streitigkeiten. Die Beziehung zu Japan war nicht einfach. Die Beziehung zu Japan war nicht einfach.

1:35:06Dass Japan zu den Vereinigten Staaten blieb, zentral, wobei die Frage der amerikanischen Militärpräsenz in Okinawa ein ungelöstes Problem blieb. Japan versuchte, seine diplomatische Präsenz durch Entwicklungshilfe, durchsoundилось, und zuschö���liche Identität von Blick und Griff multinationalen Institutionen. Das Japan der Heisei-Ära schwankte zwischen zwischen einem verfassungsmäßigen Pazifismus und dem internen und externen Druck, mehr Verantwortung im Bereich der Sicherheit zu übernehmen. Diese Debatte blieb ungelöst und zeigte die Ambivalenz der japanischen Gesellschaft zwischen dem Wunsch nach Frieden und der Notwendigkeit seiner Behauptung. Eines der symbolträchtigsten Merkmale der Heisei-Ära war die Verschärfung der demografischen Krise. Japan erlebte einen progressiven Rückgang der Geburtenrate und eine rasche Alterung der Bevölkerung. Phänomene, welche die Gesellschaft tiefgreifend veränderten. Das traditionelle Familienmodell geriet in eine Krise.

1:36:20Die Zahl der Singles stieg, die Heiratsrate sank und die Situation der Frauen, die sich zwar in Bezug auf den Zugang zu Bildung und Arbeit verbessert hatte, war weiterhin von strukturellen Ungleichheiten geprägt. Die neuen Generationen sahen sich mit prekären Arbeitsverhältnissen und Schwierigkeiten bei der persönlichen Verwirklichung konfrontiert, was zu kulturellen Phänomenen wie dem Hikikomori, junge Menschen, die sich aus dem sozialen Leben zurückziehen, und dem Freeters, Zeitarbeitskräfte und prekär Beschäftigte, führte. Diese Veränderungen warfen Fragen zur Identität auf. Es schien, dass die Menschen, die sich aus dem sozialen Leben zurückziehen, sich die Frage stellten, was es bedeutet, Japaner in einem Land zu sein, das Tradition und Moderne, Gesellschaft und Individualismus, materiellen Wohlstand und Sinnkrise in Einklang bringen muss. Die Heisei-Ära war daher auch eine Zeit der kulturellen Selbstreflexion

1:37:22und der Suche nach neuen sozialen Modellen. Trotz der wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten erlebte die Heisei-Ära den unaufhaltsamen Aufstieg der Gesellschaft. Der japanischen Softpower auf globaler Ebene. Anime, Manga, Videospiele und Design wurden zu weltweiten Kulturphänomenen, die ganze Generationen beeinflussten. Die japanische Vorstellungswelt verbreitete sich durch Ikonen wie Pokémon, Dragon Ball, Final Fantasy und das Studio Ghibli und trug zu einer neuen internationalen Wahrnehmung Japans als Kulturmacht bei. Parallel dazu folgte die здесь beobachtete Welt der Kulturen. festigte das Land seine technologische Führungsrolle von der Unterhaltungselektronik bis zur industriellen Automatisierung von wissenschaftlichen Entdeckungen bis zu architektonischen Innovationen. Die Kombination aus Tradition und Avantgarde prägte einen einzigartigen Stil, der Japan zu einem globalen Bezugspunkt machte. Die Heisei-Kultur war jedoch nicht frei von Spannungen.

1:38:35Neben der Explosion der Popkultur gab es literarische, künstlerische und philosophische Strömungen, die über die Krise der Gegenwart reflektierten und sich mit historischen Wunden dem Gefühl der Entfremdung und der Suche nach neuen kollektiven Identitäten auseinandersetzte. Ein charakteristisches Merkmal der Heisei-Ära war auch die Figur des Kaisers Akihito. Im Gegensatz zu seinem Vater Hiroi, der mit einem ambivalenten Bild der Komplizenschaft mit dem Militarismus verbunden war, präsentierte sich Akihito als Kaiser des Volkes, der sich den Leiden der Bürger annahm, in den von Naturkatastrophen betroffenen Gebieten präsent war und ein Symbol für eine nüchterne und moralische Monarchie war. Seine Entscheidung 2019 aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und seines Wunsches, das Land nicht zu belasten, abzudanken, war ein außergewöhnliches Ereignis, da sie mit einer jahrhundertenlangen kaiserlichen Tradition brach.

1:39:53Diese Entscheidung, die mit Respekt und Anteilnahme aufgenommen wurde, symbolisierte auch das Ende eines Zyklus, nämlich das eines Japans, das Krisen und Veränderungen erlebt hatte, und mit den neuen Herausforderungen in die Reiwa-Ära eintrat. Die Heiseiktheit war keine Ära des vollständigen Friedens, wie der Name vermuten ließ, sondern eine Zeit radikaler und oft schmerzhafter Veränderungen. Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen, gesellschaftlichen Umbrüchen und geopolitischen Herausforderungen stellten die Widerstandsfähigkeit Japans auf die Probe, und zwangen es, sich ständig neu zu definieren. Doch gerade durch diese Prüfungen festigte das Land grundlegende Merkmale seiner heutigen Identität. Das Land der aufgehenden Sonne besteht aus einer widerstandsfähigen Gesellschaft. Wir haben das schon mehrmals bei der Durchschreitung der Geschichte dieses wunderbaren Landes festgestellt. Einer Kultur von universellem Reiz, und einer internationalen Rolle,

1:41:13die zwar wirtschaftlich weniger dominant, aber zumindest symbolisch nach wie vor von entscheidender Bedeutung ist. Die Heisei-Ära endete somit wie eine lange historische Leerzeit. Ein Übergang vom Traum des unbegrenzten Wachstums zum Bewusstsein der Grenzen, vom Vertrauen in die Technologie zum Bewusstsein der Fragilität, von einem Japan, das als wirtschaftliche Bedrohung wahrgenommen wurde, zu einem Japan, das ein Vorbild für Widerstandsfähigkeit, Kreativität und Selbstreflexion ist. Eine Ära, die zwar ihr Ideal des in Anführungszeichen Friedens überall nicht vollständig verwirklicht hat, aber ein Erbe der Reflexion und Anpassung hinterlassen hat, welche das Japan des 21. Jahrhunderts mindestens bis heute prägt. Die Reiwa-Periode, die schließlich am 1. Mai 2019 mit der Thronbesteigung des derzeitigen Kaisers Naruhito Tenno begann, markiert nach der langen Heisei-Ära

1:42:29einen grundlegenden Wendepunkt in der modernen Geschichte Japans. Der Name Reiwa leitet sich von zwei Ideogrammen ab. Das Rei, was zu viel wie Ordnung bedeutet, gutes Ruhmen oder Schönheit, und Wa, was Harmonie oder Frieden bedeutet. Die aus praktischen Gründen vorgezogene Benennung der Ära wurde von einem Gefühl der Hoffnung begleitet, wie Premierminister Shinzo Abe erklärte. Der Name beschwört eine, ich zitiere ihn, Harmonie, die entsteht, wenn Menschen ihre Herzen vereinen, wie ein Frühling nach einem langen Winter. Zitat Ende, herauf. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, hat sich Kaiser Naruhito seit Beginn seiner Regierungszeit als moderne und volksnahe Persönlichkeit profiliert. Seine Person, mit ihrem Augenmerk auf Umweltfragen, Bildung und institutioneller Transparenz, hat dazu beigetragen, dem Kaiseramt einen starken, menschlichen Stempel aufzudrücken.

1:43:38Diese neue Symbolik knüpft an Kaiser Akihito an, dem Erneuerer der kaiserlichen Figur, versucht jedoch, die Monarchie in eine noch zugänglichere und integrativere Dimension zu projizieren. Reiwa entstand in einem politischen Kontext, der durch Instabilität und schnellen Regierungswechsel gekennzeichnet war, beginnend mit dem Rücktritt von Shinzo Abe 2020, gefolgt von der kurzen Präsidentschaft von Yoshihide Suga und der aktuellen Führung von Fumio Kishida. In diesem Klima entsteht eine Spannung zwischen der Verfassungstradition, einschließlich der Verfassungsnorm, welche die Anwendung von Gewalt verbietet, und den wachsenden Forderungen nach einer selbstbewussteren Rolle Japans im regionalen Rahmen, insbesondere in einer Zeit geopolitischer Veränderungen im fernen Osten. Die Reiwa-Periode war stark von der Covid-Pandemie im Jahr 2020 geprägt. Japan musste mit Ausnahmezuständen, Lockdowns und starken Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft fertig werden.

1:44:57Bezeichnenderweise wurden die Olympischen Spiele in Tokio 2020, die ursprünglich als Symbol für einen Neuanfang geplant waren, auf 2021 verschoben und unter großen Schwierigkeiten durchgeführt, wodurch ihre Austragung zu einem Moment nationaler Resilienz wurde. Weitere traumatische Ereignisse prägten diese Ära, darunter die Ermordung des ehemaligen Premierministers Shinzo Abe im Jahr 2022, die zunehmende Häufigkeit von Naturkatastrophen und politische Skandale wie beispielsweise die 2024 aufgedeckten illegalen Finanzierungen. Trotz dieser kritischen Momente hat sich die Softpower Japans in der Reiwa-Ära weiter gefestigt. Gleichzeitig festigte das Land seine technologische Führungsrolle in den Bereichen Automatisierung, Robotik und Forschung. Parallel dazu haben traditionelle Werte wie Omotenashi, Gastfreundschaft, Ikigai, Sinn des Lebens, Wabi-Sabi, Schönheit in der Unvollkommenheit und die Kultur des Tees und der Süßigkeiten, die sogenannten Wagashi, dank der Aufwertung durch Technologien

1:46:22wie Virtual Reality und 3D-Druck neue Kraft gewonnen. Das heutige Japan steht vor den Herausforderungen einer rapide sinkenden Geburtenrate und einer Entvölkerung. Themen, die in der öffentlichen Debatte eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig sieht sich Japan mit einer hohen Staatsverschuldung und Schwierigkeiten bei der Finanzierung, eines alterungsresistenten Systems konfrontiert. Die notwendigen Sozialversicherungsreformen bergen die Gefahr, dass die schwächsten sozialen Gruppen, darunter Frauen und prekär Beschäftigte, benachteiligt werden. Das Gengo-Kalendersystem, das die Jahre seit der Atombesteigung des Kaisers zählt, ist nach wie vor tief im japanischen Leben verwurzelt. Es ist auf Dokumenten, Münzen, Computersystemen und im Alltag sichtbar. Obwohl einige die Verwirrung beklagen, die durch die Koexistenz des gregorianischen und des kaiserlichen Kalenders entsteht, betrachten viele ihn als wertvolles Kulturerbe. Zahlreiche Online-Gespräche zeugen von der praktischen Notwendigkeit,

1:47:42diesem System in Apps und auf digitalen Geräten zu verwalten, aber auch von der Verbundenheit mit der historischen Identität. Ein entscheidendes symbolisches Element betrifft die Thronfolge. Der junge Prinz Hishahito, Sohn von Kaiser Naruhito, ist der erste Mann seit vier Jahrzehnten, der das Erwachsenenalter erreicht hat und könnte angesichts des Erbfolgegesetzes, das Frauen ausschlägt, der einzige männliche Thronfolger bleiben. Dies wird Fragen über die Zulassung, die Zukunft der kaiserlichen Institutionen auf und eröffnet erneut die Debatte über die Reform der Thronfolgeregeln. Das moderne Japan befindet sich heute an einem Scheideweg zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Stabilität und neuem Bruch, konfrontiert mit strukturellen Problemen, aber auch voller Kreativität und Innovation. In diesen Jahren, in diesen ersten Jahren, war Reiwa Zeuge einer äußerst widerstandsfähig,

1:48:56aber gleichzeitig auch fragilen Gesellschaft. Eines demokratischen System, das mit Forderungen nach Erneuerungen konfrontiert ist, eines modernen Kaisers, der versucht ein Symbol der Einheit zu sein und eine Kultur, welche die Welt weiterhin verzaubert. In ihrem Geist ist die Reiwa-Ära bereits eine Mischung aus Geschichte und Zukunftsversprechen. Vielen Dank. Vielen Dank.

1:49:28Hey, ich weiß, es ist außergewöhnlich spät, weil wir spät angefangen haben. Das ist der Schluss unserer Reise nach Japan. Wir haben gehört, die nächste Reise geht auf einen deutlich größeren Kontinent als diese paar Inseln jetzt. Sorry, Spaß beiseite. Hey, jetzt findet auch noch diese Gelegenheit statt, wo wir fragen, zum Text oder Fragen zum Thema stellen können. Ich habe regelmäßig das Eis gebrochen. Ich werde das heute wieder versuchen. Die Zeit, um eigene Fragen zu entwickeln, könnt ihr in dieser Zwischenzeit natürlich nutzen. Sergio, mich hat es unglaublich geprägt, als mir meine Eltern damals die Situation mit den beiden Atombomben-Einsätzen in Hiroshima und Nagasaki erzählten. Und es sprengte meine Vorstellungskraft, als junges menschliches Wesen, mir vorzustellen,

1:50:36dass auf einen Schlag so viel Zerstörung und Leid und Tod entstehen kann. Und was ich noch weniger verstanden habe, ist, dass es zweimal in so kurzer Zeit geschehen musste.

1:50:51Ich weiß, das ist ein wenig eine militärhistorische Frage, aber vielleicht hast du eine Antwort. Was bewegt eine so zerstörerische Waffe zweimal hintereinander in so kurzer Zeit auf das gleiche Land abzuwerfen und seither nie wieder irgendwo? Die Frage ist sehr interessant und ist weiterhin ein Punkt einer Debatte innerhalb der historischen Gemeinschaft, die sehr umstritten ist.

1:51:29Es gibt Historiker, die die Ansicht vertreten, dass aufgrund dessen, was wir uns vorgetragen haben, es gab Tausende von Japanern, die haben den Selbstmord durch Seppuku, durch das Harakiri,

1:51:57vorgezogen, anstatt aufzugeben. Das ist ein Punkt, den man nicht vergessen sollte und auch nicht die tragisch-komischen Figuren von einzelnen japanischen Soldaten auf verloren Atollen, die bis in die 70er Jahre eben auf alles schossen, was nicht die japanische Flagge hatte. Man muss sich versuchen, dieser These zu folgen, in die Lage der amerikanischen Gesellschaft zu versetzen, die sich fragen musste, wie viele junge Söhne Amerikas müssen noch sterben, damit dieser furchtbare Krieg mit Japan aufhört. Und die zwei Schläge mit zwei verschiedenen Bomben,

1:52:49die wurden dann eigentlich geplant, um Japan, wie es dann auch effektiv geschehen ist, sehr schnell in die Knie zu zwingen. Das ist die eine These. Es gibt eine andere These, die etwas zynischer daherkommt, weil wir haben es auch hier im Text lesen können.

1:53:16Mekartur, als er Japan einnahm, war der Meinung, man sollte nicht mal einen Prozess machen. Man sollte im Prinzip die ganze japanische militäre Rite einfach erhängen, inklusive den Tenno Hirohito. Und das gab mit ihm doch viel Gesprächsstoff und Zeit, damit er einsah, dass eben diese dunklen Wolken am Himmel des Kalten Krieges sich entwickelten. Diese Wolken waren ja nicht erst 1945 im Raum. Die waren schon seit Teheran, der 19. Konferenz von Teheran zwischen Stalin, Churchill und Roosevelt damals noch, schon dort kamen sie auf. Also man wusste, dass nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges es zwei große Blöcke geben würden, die ihren Einfluss auf die Welt ausüben würden. Und die Bestätigung und die Demonstration, dass die Vereinigten Staaten

1:54:39über eine Waffe verfügten, die sie in eine Führungsebene verschieben würde, vor der sich jeder hätte fürchten müssen. Es gibt Historiker, die behaupten, dass das der wahre Grund war für den Abwurf der Atombomben. Ich persönlich habe zu wenig Wissen und zu wenig Kenntnisse, um da mitdiskutieren zu können,

1:55:13dass in geopolitischen Fragen und überhaupt in politischen Fragen das, was gesagt wird, nicht immer dem entspricht, was tatsächlich geschieht. Das ist eine Binsenweisheit. Es gibt eine historische Frage, um das Thema einen Schritt zurück zu machen, wie viel die Vereinigten Staaten von Amerika darüber wussten, dass die japanische Flotte ausgelaufen war in Richtung Pearl Harbor, in den Zustand, dass die Flugzeugträger im See gestochen waren, wäre eine These dafür. Und wie stark sie auch auf das spekuliert haben, um aktiv in den Griff einzugreifen, weil sie keinen anderen Ausweg sahen.

1:56:02Historiker-Materie mit viel Hypothesen, mit wenig Dokumenten.

1:56:10Wenn ich ganz kurz noch eine Anschlussfrage stellen darf. Ich sehe in diesem Abwurf dieser Atombomben auch einen gesellschaftlichen Wandel, weil man auf einmal eine Dimension erreicht hatte an Zerstörung, die der menschliche Geist eigentlich gar nicht begreift.

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